Wenn ich jedes Jahr in New Orleans unterwegs bin, werden die Bettler immer mehr. Letztes Jahr saß in der Nähe meines Hotels sowohl ein älterer, schwarzer Mann, dessen Becher immer leer war und 10 m weiter ein junges Mädchen, die ein riesengroßes Glas, voll mit Dollarnoten, vor sich stehen hatte.
Ich habe jeden Tag in einer Grocery eine warme Mahlzeit, Obst und 3 Flaschen Wasser für ihn gekauft. Ich wollte ihn weder belehren noch umerziehen, sondern helfen, nicht mehr und nicht weniger. Auf eine derartig absurde Idee wäre ich gar nicht gekommen. Gerade wenn man sieht wie Menschen im Müll nach Essbaren suchen und die leeren Essensverpackungen auskratzen.

Mit einem Geldschein vor einem Bedürftigen rumwedeln finde ich dagegen ziemlich heftig und möchte mir gar nicht vorstellen, wie sich das Gegenüber dabei fühlt.
@Lea, die Menschen haben den Schein gerne entgegengenommen, ganz einfach.
Und sie konnten selbstbestimm darüber entscheiden.
Ich würde mir nie anmaßen, Essen für Menschen zu kaufen, von dem ich gar nicht ausgehen kann, dass es ihnen schmeckt. :roll:

Ach ja und gewedelt habe ich mit dem Schein auch nicht. :D
Das Mädchen hat halt noch nicht gelernt, was erwachsene Bettler längst tun, die Spenden dauernd verschwinden zu lassen. In einen leeren Becher wandern meist mehr Münzen und Scheine als in einen vollen.
Shekinah hat geschrieben: Das Mädchen hat halt noch nicht gelernt, was erwachsene Bettler längst tun, die Spenden dauernd verschwinden zu lassen. In einen leeren Becher wandern meist mehr Münzen und Scheine als in einen vollen.


Warum sollte sie das Geld verschwinden lassen, es kam ja auch so immer noch mehr dazu?
Wenn ich etwas gebe, dann aus dem Bauch heraus,ob mich dieses Gefühl trügt oder nicht,kann ich natürlich nicht sagen. Auf jeden Fall tue ich es leise und unauffällig,schon deswegen weil ich denke wie furchtbar ich mich schämen würde, wenn ich es wäre, die dort sitzen müßte....
Lea956 hat geschrieben:
Shekinah hat geschrieben: Das Mädchen hat halt noch nicht gelernt, was erwachsene Bettler längst tun, die Spenden dauernd verschwinden zu lassen. In einen leeren Becher wandern meist mehr Münzen und Scheine als in einen vollen.


Warum sollte sie das Geld verschwinden lassen, es kam ja auch so immer noch mehr dazu?



Habe ich geschrieben, dass sie es verschwinden lassen soll? Ich habe nur geschrieben, dass viele das tun. Und dass ein Mädchen das Helfersyndrom bedient, ist bestens bekannt.
Ich habe eure "Unterhaltung" aufmerksam gelesen und mich an vielen Stellen mit meiner Meinung wiedererkannt.
Mir ist es gerade vor ein paar Tagen wieder einmal passiert, dass ich im ersten Moment nichts gegeben habe,weil ich mein Portmonai nicht rausnehmen wollte. Mit der Folge, dass ich dem Bettelnden hinterher bin um ihm doch noch Geld zu geben.
Ich habe mir vorgenommen, wenn ich mit der Bahn verreise, in Zukunft immer etwas Kleingeld in der Jacken-oder Hosentasche bereit zu halten.
Alles Andre überlasse ich dann auch dem Bauchgefühl.
Ich wünsche allen eine angenehme Woche !
Mir ist es vo einiger Zeit passiert (2 Mal), dass ich einem wegen Hunger bettelndem Menschen, so stand es zumindest auf seinem/ihrem Pappschild, angeboten habe, mit mir in ein nahes Geschäft zu gehen um ihm/ihr Essen und Getränke zu kaufen. Beide Male wurde mir "klassisch" geantwortet und damit mein Angebot rüde abgelehnt. Seither gebe ich solchen "Bedürftigen" nichts mehr.
Da geht es wohl meist um das Bargeld für Schnaps, o.ä,... ich erlebe immer wieder das eine(r) durch den ICE geht.. laut ruft ich habe zu wenig Geld für das Ticket..man überlege sich wenn 50 Leute 1€ geben sind das für eine Station Bahnfahren ( vermutlich schwarz oder auf Bahncard ) ein netter Stundenlohn

In D muss niemand verhungern.. da ja genügend staatliche und kommunale Institutionen helfen....daher gebe ich nichts mehr.. ausgenommen sind Bekannte und Freunde die "in der Sch.. sitzen".. da ist es mir dann eine Freude ohne Gegenleistung zu erwarten
Ich habe mir angewöhnt, im Ausland in Hotels und Restaurants mit Trinkgeld großzügig umzugehen. Diese Leute arbeiten zum Teil für einen Hungerlohn und müssen dennoch immer freundlich bleiben, um auch diesen schlechtbezahlten Job nicht zu verlieren.
Ich gebe zu, ich kann oft nicht unterscheiden, ob es sich um ECHTE oder vorgeschobene/organisierte Bettelei handelt.

Eindeutige Merkmale wie abgemagerte Jugendliche mit fahler Haut "erkenne" ich als "arbeitslos und gesundheitlich entglitten", am Boden sitzende, keines Blickes würdigende Becherbettler interpretiere ich als organisiert, sogar Zeitschriften Verkaufende beobachte ich argwöhnisch.

Ich möchte keine Arbeitsunwilligen, Drogen- oder Alkoholsüchtigen in Ihrer Sucht unterstützen, um ihr Tageseinkommen zu retten.
Ich verdiene mein Geld mit geregelter harter Arbeit, und habe wie aus der Niki Lauda Werbung nichts zu verschenken.

Dies tut meiner Hilfsbereitschaft aber keinen Abbruch, denn oft braucht man nur genau hinsehen ... die Not, Armut und Hilfsbedürftigkeit ist oft näher als man denkt...

... z.b. an der nächsten Haustür ...

qualcuno
Ich kann diese Frage auch nicht pauschal beantworten.
Meistens handle ich nach meinem Bauchgefühl.

Grundsätzlich glaube ich aber, wer sich bettelnd an die Straße setzt
ist in den allermeisten Fällen auch in einer Notlage.

Oft bin ich aber auch misstrauisch und gebe nichts, mit dem Ergebnis dass ich hinterher grüble ob meine Einschätzung richtig war.

Am liebsten spende ich aber an "die Tafel", da weiß ich es bekommen die richtigen.
Vielen Dank für Eure Beiträge! Es ist immer wieder interessant und hilfreich, sich mit unterschiedlichen Ansichten und Handlungsweisen auseinandersetzen zu dürfen.

Ich habe gelernt, dass sich die allermeisten von Euch auch auf ihr „Bauchgefühl“ verlassen und eher fallweise eine Entscheidung treffen.

Persönlich tendiere ich dazu, den Bedürftigen, die offensichtlich ihr ganzes „Hab und Gut“ mit sich tragen, deutlich mehr als den anderen zu geben.
Ich gehe irgendwie davon aus, dass diese Betroffenen vielleicht oder sogar wahrscheinlich zugleich auch obdachlos sind und daher jeden Cent gebrauchen können, insbesondere jetzt, wo es bereits deutlich kühler und ungemütlicher wird.

Ich möchte es mir nicht vorstellen, auch nur eine einzige Nacht unter diesen Umständen, die Obdachlosigkeit mit sich bringen kann, im Freien zu verbringen.

Das ist auch einer der Gründe, weshalb ich nie auf den Gedanken käme, jemanden zu „verurteilen“, der sich von der kleinen Spende eben vor allem Alkohol kauft. Für mich ist es mittlerweile sehr gut nachvollziehbar, dass der Schritt zum Alkohol unter diesen Umständen sehr naheliegend sein kann.

Und da ich diese Welt überhaupt nicht kenne (und auch gar nicht in sie eintauchen möchte), habe ich noch nie irgendwelche „Belehrungen“ oder Ratschläge, auch wenn sie aus meiner Sicht sehr sinnvoll erschienen, mit meiner kleinen Spende verbunden.

Wenn es auch nicht allzu oft vorkam, bilde ich mir doch ein, wenigstens ab und zu ein Zeichen von Dankbarkeit zu erkennen. Allerdings erwarte ich keine Dankbarkeit – immerhin ist eine kleine Spende ja kein Tauschgeschäft in der Art „Geld gegen Dankbarkeit“.

Es ist wohl irgendwie doch so, wie es hier bereits angesprochen wurde: Es dient irgendwie doch dazu, das eigene Gewissen zu beruhigen ….
Lieber Patriarch ( nomen est omen ?),

Ich möchte mal kurz aus meiner Sicht erläutern wie es sich anfühlt betteln zu müssen. Ich hatte vor 11 Jahren einen Unfall, dann war der Mann weg und mit ihm unser Erspartes, wir wurden in ein Abrissgebäude verpflanzt ( mit den Kindern) und Hartz IV reichte nicht mal für die Medikamente die nicht von der KK übernommen wurden. Wir mussten damals betteln um zu überleben.
Heute arbeite ich Vollzeit, habe mich rausgekämpft und gehe an keinem Bettler vorbei. Und es ist mir dabei gleich welcher Grund dahinter steckt. Das man es tun muss ist schon erniedrigend genug.

Ganz liebe Grüße Geena
Grüss dich, Genie66.
Da hast du wohl einen der härtesten Wege beschritten.
Ich war vor einigen Jahren mal am Kölner Dom und die vielen Bettelnden habe mich ganz schön in Verwirrung gebracht.
Mittlerweile bin ich auch bei "lieber geben".
Das Geld soll seinen Weg gehen.

An einem dieser heissen Sommer-Sonntage hat spätnachmittags bei mir geklingelt, zu einer sehr ungewöhnlichen Zeit. Da stand eine Frau in einer traurig-wütenden Verfassung. Dass ihr schwer fiel, um Geld zu bitten, war deutlich zu erkennen, für Menschen und Tiere ihres kleinen Zirkus, der wegen der Hitze so gut wie nicht besucht worden war. Ich musste erstmal mit meiner Überraschung fertigwerden und hab dann schnell 2 Euro aus dem Portemonaie gegriffen. Sie meinte, das wär ja schon mal was und ist schnell weiter.
Im Nachhinein hat mich aber das Gewissen geplagt. Es hätte ruhig ein Schein sein können.
Als ich dann am nächsten Tag an dem Platz vorbeigefahren bin wo sie gastierten, war der schon wieder leer. :(