Die Zeit dehnt öde sich ‘gen Mittag,
die Fliegen summen ihre Bahn,
sein träger Blick liebkost die Wanduhr,
dann sieht er die Partei scharf an:
„Was glauben sie soll ich jetzt machen?“
spricht er, „wenn sie so spät geruh’n,
zu mir hierher sich zu bemühen,
kann ich für sie heut‘ nichts mehr tun!“
„Ja aber“, klagt der Antragsteller,
„ich brauche einen Stempel nur.
Es ist doch erst zwanzig vor zwölfe!“
Trotzig blickt er auf seine Uhr.
„Mein lieber Herr“, gähnt der Beamte,
„es fehlt auch ihre Unterschrift!
Und ohne dass sie unterschrieben,
bekommen s‘ diesen Stempel nicht!“
„Hab‘ ich das wirklich übersehen?
Verzeihung!“, murmelt die Partei.
„Wo muss ich denn da unterschreiben?
Borg’n s‘ mir ‘nen Kuli, sind s‘ so frei.“
Im Referent keimt Widerwillen.
Doch nimmt er Schreibstift und den Wisch
auf dem der Stempel sollte prangen,
schiebt beides langsam übern Tisch.
Der Bürger nimmt den Kugelschreiber
und unterschreibt das Formular.
„Das hätten wir!“, er reicht erleichtert
den Antrag dem Beamten dar.
Dieser greift zögernd nach dem Schreibstift,
legt ihn zurück auf seinen Tisch.
Sein Blick prüft misslaunig die Wanduhr,
dann nimmt er endlich doch den Wisch.
„Das nächste Mal kommen s‘ mir früher!“
ordnet er streng dem Bürger an.
„Auf sie wird‘ ich nicht ewig warten,
nur ausnahmsweis‘ nehm‘ ich sie dran!“
Schon hält die linke Hand den Antrag,
die rechte hebt den Stempel schon……
Je wird der Amtsgang unterbrochen,
denn schrill läutet das Telefon.
„Hallo“, spricht er in schlaffem Tone.
„Ach, du bist ‘s! Du hast nichts zu tun?
Was ich heut‘ mittags essen werde?
Ich glaube, Reis und etwas Huhn
hat meine Frau mir mitgegeben,
doch komme ich sofort zu dir.
Dann können wir in Ruhe reden.
Ich sag dir, zugeh’n tut ‘s bei mir!
Hier herrscht ‘ne Hektik und ein Treiben,
sogar vor zwölfe kommen d‘ Leut‘!
Sollt‘ ich mein‘ Akt nicht fertigbringen,
mach‘ ich glatt Überstunden heut'.
“Wart‘, Augenblick! Es ist punkt zwölfe!
Ich komm‘ hinüber nun zu dir.“
Er legt den Hörer auf die Gabel:
„Mein lieber Herr, sie sind noch hier?
Am besten geh’n sie jetzt nach Hause
und kommen morgen wieder her.
Denn jetzt, mein Herr, ist Mittagspause.
VOR ZWÖLFE IST PARTEIENVERKEHR!“