Dem optimistischen Hoffen ist das pessimistische Befürchten entgegengesetzt. Durch Beides wird bei Übertreibung oder Untertreibung ein kontraproduktiver Effekt ausgelöst, der zum Misserfolg im Umgang mit Krisensituationen führen kann.

Der besteht beim Hoffen darin, dass man im Rausche (bzw. "Flow") der Begeisterung zu hohe Erwartungen pflegt, die nur auf unangenehme Weise enttäuscht werden können, während zu niedrige Erwartungen dazu führen, dass man sich zwar mit dem begnügt, was man hat, aber mit der Zeit lethargisch wird, und sich auch nicht mehr über die positive Enttäuschung freuen kann, dass die Welt doch noch um einiges besser sein kann, als vermutet.

Beim Befürchten hingegen kann man temperamentbedingt dem Rausch der Empörung verfallen, sodass man in seiner Stimmung der Wut wie ein HB-Männchen beim geringsten Anlass in die Luft geht, was dazu führt, dass man die Vorstellung hat, man könne ja doch noch Etwas unternehmen, indem man zumindest darüber schimpft, anstatt in den katatonischen Zustand des stummen Trauerns über den Verlust des scheinbar Unwiderbringlichen zu versinken.

Ob Hoffnungslosigkeit bereits als ein Befürchten zu werten ist, bei dem man Nichts mehr zu hoffen wagt, um nicht noch einmal negativ enttäuscht zu werden, und ob Furchtlosigkeit bereits ein Hoffen darstellt, bei dem man alle Vorsicht außer Acht lässt, weil man meint, man könne mehr erreichen, wenn man nicht an die Risiken denkt, mag dahingestellt bleiben, weil es ja nicht nur die Extreme gibt, sondern auch einen Übergang vom Einen zum Anderen, bei dem gleich Viel von Beidem enthalten ist.

Insofern gibt’s auch nur ein graduelles Mehr oder Weniger des Einen und des Anderen, um seine Ziele zu verwirklichen - wie etwa, auch in schlechten Zeiten seine gute Laune zu bewahren - , wobei man nur einem vertrauenswürdigen anderen Menschen Etwas anvertrauen kann, während man sich auf seine körperlichen, sozialen und geistigen Fähigkeiten wohl oder übel verlassen muss, weil das leider keine Personen sind, die Einem treu sein könnten, indem sie die Bereitschaft zeigen, ihre gegebenen Versprechen auch gewissenhaft einhalten zu wollen.

Das Gleiche gilt auch für die Welt außerhalb des eigenen körperlichen, sozialen oder geistigen Einzugsbereiches, sofern es sich dabei nicht um Lebewesen handelt, mit denen man derartige Verträge abschließen kann, um darauf hoffen zu können, dass sie ihre Pflichten auch weiterhin gewissenhaft erfüllen, nachdem sie das bisher immer so gemacht haben und durch diesen Treuebeweis ihre Vertrauenswürdigkeit erlangt haben, sodass ein misstrauisches Befürchten, dass sie es ausgerechnet in diesem Falle nicht mehr tun, in diesem Falle unangebracht ist.

Was übrigens das Verständnis für Andere betrifft, so ist dieses bei Denjenigen, die aus irgendeinem Grunde an einer Behinderung leiden, nicht unbedingt größer als bei denen, die nicht darunter leiden, weil durch die vielfach erlittene Verständnislosigkeit von Seiten Nicht-Behinderter die Verständnisbereitschaft beim Behinderten als Zeichen seiner Toleranzbereitschaft im Gegenzug eher reduziert anstatt erhöht wird, denn natürlicherweise tendiert man eher dazu, Gleiches mit Gleichem zu vergelten, anstatt Gnade vor Recht ergehen zu lassen.

Im negativen Sinne bedeutet das die süße Rache, mit der man dann beweist, dass man immerhin noch in der Lage dazu ist, Anderen zu schaden, wenn man ihnen schon nicht von Nutzen sein kann – außer man verzichtet bewusst darauf, um im Gegenzug dafür eines größeren Nutzens teilhaftig zu werden, wie etwa die Straffreiheit beim Gesetzgeber, die der im Gegensatz zur „höllischen Strafe für Ungehorsam“ als „paradiesische Belohnung für Gehorsam“ in Aussicht stellt.

Das, was man nun auch im nicht-moralischen Sinne bewirken (tun) KANN – und was nicht unbedingt dasselbe ist, wie das, was man auch tun SOLLTE, um mit seinem Machtmissbrauch kein Unglück anzurichten - , hängt, wie gesagt, zum Einen von den in der Vergangenheit dafür bewirkten und nicht bewirkten, und daher versäumten Voraussetzungen ab, und zweitens von den aktuellen, dazu geeigneten Umständen, wozu auch das gehört, was man tatsächlich zu bewirken vermag, anstatt davon, was man lediglich in der Vorstellung gerne bewirken mag, und womit man sozial noch Garnichts bewirkt, außer eben der geistigen Vorstellung von dem, was man bewirken will, selber.

Da allerdings bereits die positive Absicht, zu einem moralisch besseren Menschen werden zu WOLLEN, als der, der man bis jetzt geworden ist, schon zu einer positiveren bzw. jovialeren Einstellung zu anderen Menschen führt, welche man dann auch ganz unwillkürlich in einer anderen Haltung zum Ausdruck bringt, bedeutet das auch, dass man Denjenigen gegenüber, denen man Dank für ihre Wohltaten schuldet, nicht nur wohlgesonnener ist, sondern auch wohltätiger – selbst dann, wenn man aufgrund der eigenen Machtfülle keine besonders negativen Konsequenzen zu fürchten brauchte, wenn man sich nicht bei ihnen bedankte.

So gehört die eigene soziale Einstellung Anderen gegenüber auch zu dem, was man auch unter körperlich oder wirtschaftlich ungünstigen Voraussetzungen und Umständen selber geistig bewirken kann, und was - zusammen mit der richtigen Auswahl der geeigneten Partner, welche die gleiche wohlwollende Einstellung auch Einem selber gegenüber mitbringen - die soziale Kompetenz Desjenigen ausmacht, der in der Lage ist, gemeinsam mit Gleichgesinnten das zu bewirken, wozu er alleine wirtschaftlich oder auch machtpolitisch nicht in der Lage wäre.