@verdandi

Nichts und niemand hat die Frau im Film gezwungen, diesen Mann zu erwählen und sich ihm aufzuopfern. Ihre ganze vertrackte Lage basiert auf falsche Entscheidungen und eine falsch verstandene Loyalität. Ihre Wut am Schluss ist der Beleg dafür.


Was war in der Zeit als sich diese Geschichte abspielte? Wie war die Situation der Frauen damals wirklich?
In Anbetracht, dass nicht Joan Diejenige war die den Joseph verführt hat, sondern Joseph offensichtlich die Joan, schien dahinter auch ganz berechnend die Absicht Josephs zu sein, das Potenzial dieser Frau für sich alleine zu nutzen.
Die Enttäuschung nicht gemeinsam für das schriftstellerische Werk geehrt zu werden und die daraus folgende Wut, brach ja erst durch, als Joseph ihren dringendsten Wunsch, sie wenigstens nicht öffentlich als seine Muse zu nennen, nicht respektierte.

Das Zurückstehen zu Gunsten von Partner und Kindern war in jener Zeit das aufgezwungene Bild einer guten Gattin und Mutter.
Diese Rolle lässt sich jedoch nicht endlos aufzwängen und aushalten, vor allem dann nicht, wenn eigene Wünsche und Bedürfnisse endlos mit Füssen getreten werden.
Ich denke, es waren Beide auf gesunde Weise ob ihrer eigenen Blödheit verstimmt, sie aus genannten Gründen wütend und er zornig, weil sie sich wider Erwarten so verhalten hat.

https://ingeb.org/Lieder/ichkannt.html

(Wurde mir in der Schule noch zum Auswendiglernen und vortragen hingelegt.)


@filofaxi

Die Illusion (falsche Fantasievorstellung), der alleinige Herr(scher) im Hause zu sein, obwohl man es gar nicht ist, weil tatsächlich eine Herrscherin, wie die Frau des Nobelpreisträgers, dort das Sagen hat, lässt sich von dem Größenwahnsinnigen nur so lange aufrechterhalten, wie alle Beteiligten mitspielen.


Das sehe ich ganz und gar nicht so. Sie war absolut nicht die Herrscherin, sie war, wie ich oben schon bemerkte, wider Willen Opfer jener Fantasievorstellungen der Gesellschaft, dass die Frau zuzudienen hätte.
Sie selbst äusserte sich, dass sie nicht als Opfer gesehen werden wolle, denn sie sei viel mehr als dies, was sie und viele andere Frauen jener Zeit ja auch völlig richtig bemerkten.
Nach erfolgreicher Einigung ist es eigentlich irrelevant, wer wen dazu verführt hat, sich mit ihm einzulassen, weil er sich einen besonderen Nutzen davon erhofft, sodass sich daraus alleine auch noch keine besonderen Pflichten und Rechte des Verführers oder des Verführen ableiten lassen.

Hingegen führen nachträglich gestellte, einseitige Forderungen zur Vertragsänderung, welche nicht der ursprünglich gemeinsamen Vereinbarung entsprechen, nicht nur zu Missverständnissen zwischen den Vertragspartnern, sondern auch zum Zerwürfnis, sofern der Andere sich nicht drauf einlassen will oder kann, diese Änderungen zu akzeptieren.

Da man bei Einigung auf eine gemeinsame Vorgehensweise unter den jeweiligen Bedingungen nur mutmaßen kann, ob diese auch weiterhin zum gewünschten Erfolg führen wird, nachdem sie sich bislang erfolgreich erwiesen hat, ist eine Enttäuschung von der Illusion bei Misserfolg - aufgrund welcher Ursachen auch immer - unvermeidlich.

Hier wäre es sozialverträglicher, dem Partner die geänderten wirtschaftlichen, politischen oder auch altersbedingten Umstände zugute zu halten, anstatt sie ihm selber als deren Verursacher schuldhaft anzulasten, was die Partnerschaft zwischen ungleich Starken zwar nicht leichter macht, aber durchaus dabei helfen kann, die für deren Fortbestehen notwendige Toleranz aufzubringen.

In dem Film von der Frau des Nobelpreisträgers ging es letztlich auch nicht nur um die nicht ihr persönlich gewidmete Ehrung für ihre schriftstellerische Leistung, sondern vor Allem um den Wunsch nach Anerkennung ihrer partnerschaftlichen Leistung, welche vielleicht für sie eine genauso große Lebensleistung darstellte, den er durch seinen eigenmächtigen Versuch, sie bei der Gelegenheit ebenfalls öffentlich zu ehren, missachtete.
Da man bei Einigung auf eine gemeinsame Vorgehensweise unter den jeweiligen Bedingungen nur mutmaßen kann, ob diese auch weiterhin zum gewünschten Erfolg führen wird, nachdem sie sich bislang erfolgreich erwiesen hat, ist eine Enttäuschung von der Illusion bei Misserfolg - aufgrund welcher Ursachen auch immer - unvermeidlich.

Die Vorstellung wie es läuft, wie es zu laufen hat, spielt sich ja meistens unterschiedlich vom Gegenüber ab. Während sich der Eine auf einen Dauerzustand, weil der für ihn stimmig ist, einstellt, kann der Andere, weil dieser Zustand für ihn nicht optimal ist, schon andere Pläne für die Zukunft entwerfen von welchen Partners nichts wissen und somit auch keinen Einfluss nehmen können, was für die Planer nicht ganz unerheblich ist.

Das Tandem kann also jederzeit stillstehen, weil der Eine nicht mehr in der Verfassung oder auch nicht gewillt ist in die Pedale zu treten, während der Andere den Berg hinauf nicht so viel zu leisten vermag, als was absolut notwendig wäre, um eben gemeinsam weiterradeln zu können.
Zwangsläufig müssen nun Beide absteigen und "Standort bestimmen". Hier geht es dann nicht mehr um Toleranz und Entgegengehen, sondern um die körperliche Substanz und um des Einzelnen tatsächliche Verfassung, was den Einsatz und die jeweilige Kraft/ Macht nicht nur beim Einen betrifft, sondern was für die gemeinsame Sache von Bedeutung wäre.

Vor was für einem Hintergrund, einer Erlebniswelt, sich unsere Einsätze auch abspielen, eine Szenerie entsteht nach mehr und weniger bedeutenden vorausgegangenen Abläufen sowie Einschätzungen und sind daher immer auch erheblich für das Verständnis des Gegenübers und seiner Handlungen, sowie auch Handlungsunterlassungen.
Natürlich geht es in unserem Alltag nicht nur um körperliche Kräfte, da sind noch subtilere allgegenwärtig die oft weder leicht begreifbar noch fassbar sind und deren Auswirkungen wir erst erkennen können, wenn bereits Schaden eingetreten ist.
Da die Zukunft weder eine wahrhaftige und damit glaubwürdige, noch eine treue und damit vertrauenswürdige Person ist, der man glauben kann oder von der zu erwarten ist, dass sie ihre Versprechen einhält, bleibt nur noch das Hoffen darauf, dass sie so werden möge, wie man es mag und sich somit auch geistig vorstellt – so, als sei sie bereits eingetreten.

Wenn man es nun mit echten Partnern zu tun hat, die aufgrund von begrenzter Machtfülle nicht in der Lage dazu sind, ihre vollmundigen Versprechen einzuhalten, und man verlässt sich dennoch darauf, so wird man bekanntlich auch verlassen, und zwar für jemand Anderen, der dem Partner für dessen Zwecke besser geeignet zu sein scheint.

Der Betrug um allgemein gültige Gewohnheitsrechte oder um speziell zugesicherte Nutzungsrechte, erfolgt umso sicherer, je mehr die Vorteile, welche der Betrüger dadurch zu erlangen hofft, die zu befürchtenden Nachteile übertreffen, wobei die Entscheidung ebenfalls nur auf Vermutungen beruht, und nicht auf dem, was tatsächlich der Fall sein wird, weil man es ja erst im Nachhinein wissen kann, ob die Rechnung mit der mutmaßlichen Zukunft aufgeht, oder nicht.

In einer Partnerschaft das reale, momentane Aufeinander-Angewiesensein zur Ausgangsbasis für die Zukunft zu machen, kann also nur für den Zeitraum vernünftig und damit auch richtig für Einen selber sein, wie man auf den Anderen auch tatsächlich angewiesen IST.

Darauf zu hoffen, dass der Partner lediglich aufgrund einer vermuteten Abhängigkeit von Einem selber seine Versprechen auch dann einhält, wenn er gar nicht mehr auf Einen angewiesen ist, ist also unvernünftig (irrational).

Ebenso unvernünftig ist es, die Hoffnung zu pflegen, dass ihn deshalb zum Ausgleich ein schlimmes Schicksal ereilt, weil selbst mit einer Klage wegen Untreue vor Gericht nur ein ganz minimaler Schadensausgleich zu erlangen ist, und man den Untreuen anschließend unbehelligt seiner Wege ziehen lassen muss, um sich nicht selber noch strafbar zu machen.

Die Hoffnung auf allgemeine Besserung misslicher Umstände hingegen lohnt sich schon deshalb immer, weil erstens nicht Alles so heiß gegessen wird, wie es gekocht wurde, und zweitens auch meistens nicht Alles so schlimm kommt, wie man es vorher befürchtet hat.