…..Ich denke, dass dies schon eine grosse Rolle spielt, denn der Reizüberflutung von aussen kann man nicht immer, aber doch eher entfliehen als der Unruhe und Nervosität die im Inneren des Menschen in Bewegung ist. …..

Sowohl den Reizen von außen, als auch denen von innen kann man aktivisch durch die „Flucht an einen anderen Ort“ entgegenwirken, oder aber passivisch mit „Betäubung der Sinnesorgane“, was einer „Flucht nach Innen“ entspricht, falls ersterer Abwehrmechanismus nicht möglich ist.

Den dritten, bekannten Abwehrmechanismus bildet der „Totstell-Reflex“, mit dem man einem Gegner signalisiert, dass man keine Gefahr für ihn darstellt, was im Falle des Verfolgt-Werdens jedoch auch einem Opferverhalten entspricht, mit dem man dem Verfolger signalisiert, dass seine Jagd erfolgreich war und er nun mit Einem machen kann, was ihm beliebt.

Insofern bietet das Kindchenschema nur dann einen wirkungsvollen Schutz vor Stärkeren, wenn denen an der Erhaltung der eigenen Brut oder des eigenen Partners als ihrem Besitz gelegen ist, sodass sie sich mit der Zerstörung dieses Besitzes selber schädigen würden, während das Gebot der Rücksichtnahme gegenüber Fremden und ihrem Besitz nicht gilt.

Die Ausweitung des sozialen Gruppenbewusstseins auf die ganze Sippe oder gar auf eine religiöse Kulturgemeinschaft muss dann im Rahmen einer Erziehung erfolgen, damit die Individuen lernen, dass sie nicht alleine auf der Welt sind, und sich des Schutzes einer Solidargemeinschaft vor den Unbilden des Lebens sicher sein können.

Wenn dabei die Mitglieder anderer Kulturgemeinschaften ausgeschlossen werden, bildet religiöse Vereinsmeierei die beste Grundlage für jeglichen Fremdenhass und Rassismus, dem man entweder aktivisch mit der Waffe in der Hand Ausdruck verleihen kann, oder aber passivisch durch Gehorsamsverweigerung, um selber über sein Leben und damit auch über Diejenigen, die dazu gehören, zu bestimmen.

Die Anpassung an die gerade „vorherrschenden Umstände“ durch „vertrauensvolles Hoffen“ oder „freiwilliges Gehorchen“ dienen jedoch alle nur der Selbsttäuschung, mit der man sich eine Macht einbildet, die man gar nicht real sondern nur in der Einbildung besitzt, während man derweil zwangsläufig genau das tut, was man tun muss, um zu überleben, wobei das wiederum davon abhängt, ob man es überhaupt kann oder nicht.

….. Davon ausgenommen, ist ein Säugling den Umwelteinflüssen hilflos ausgeliefert, wenn nicht genügend für seinen Schutz gesorgt wird. …..

Dass Jemand aus eigenen schlechten Erfahrungen klug wird, wenn er nicht weiß, wie es richtig gewesen wäre, ist genauso wenig sicher, wie aufgrund von Belehrung durch Vertrauenswürdige, weil in beiden Fällen noch nicht garantiert ist, dass das daraus Gelernte auch mit der Realität übereinstimmt, oder nicht.

So wird wohl jedes Kind durch überwiegend negative (Lern-)Erfahrungen traumatisiert, und bedarf als Therapie positiver Erfahrungen, um die negativen dagegen relativieren und anschließend hoffnungsfroh in die Zukunft schauen zu können.

Ein Kind mit vorwiegend positiven Lernerfahrungen wird hingegen eher gegen negative Erfahrungen immunisiert und nimmt diese nicht mehr so schwer, indem es sie mit den bereits vorhandenen, positiven vergleicht, um den richtigen Schluss daraus zu ziehen, dass nach Regen auch weiterhin immer wieder aufs Neue die Sonne scheinen wird – ganz gleich, wie schlecht es sich im Moment gerade fühlen mag.

….Wenn der Mensch sich zu sehr dem Treiben im "Aussen" hingibt, (hingeben muss), verliert er seinen Angelpunkt, lässt Verführungen in verschiedenster Weise zu und vergisst zuletzt die eigenen Methoden sein Leben in einer möglichst ausgewogenen Art und erfüllend zu gestalten. Dann kommt oder bleibt das gelebte Leben in einem Ungleichgewicht. …..

Der Kind verliert seine Grundbedürfnisse noch nicht deshalb, weil es sie nicht mehr als solche erkennt, nachdem seine Eltern ihm erfolgreich eingeredet haben, dass ihm mehr oder weniger zustünde, als seinen Geschwistern, weil es ihnen auch mehr oder weniger wert sei, sondern es verzichtet höchstens darauf, sie lauthals anzumelden, oder gar darüber hinausgehende Forderungen nach einer Befriedigung von Luxusbedürfnissen zu stellen, nachdem es gelernt hat, dass es damit sowieso nicht erfolgreich ist.

Das Ungleichgewicht zwischen dem, was man haben will und dem, was man bekommt, besteht jedoch schon bereits darin, selber gar nicht Alles zu können, was man können möchte, sodass sich die eigene Persönlichkeit nicht nur aus dem eigenen Vermögen sondern immer auch aus dem eigenen Unvermögen zusammensetzt.

Die Selbsterkenntnis bezüglich des eigenen Unvermögens ist dementsprechend auch immer schmerzhaft, und löst je nach Temperament eine Stimmung der Wut oder Trauer über die damit zusammenhängende eigene Minderwertigkeit für Andere aus, die sich in eine chronische Versagensangst steigern kann, während die Erkenntnis des eigenen Vermögens von lustvoller Natur ist und durch eine euphorische Stimmung der Freude angezeigt wird, in man aus Übermut bereit ist, übertrieben hohe Risiken einzugehen.

….Wenn Gesellschaften sich nicht darauf besinnen, dass den Kindern und ihrem Umfeld die grösstmögliche wohlwollende Aufmerksamkeit und Fürsorge zustehen muss, wird die Menschheit selbstbewirkt vom Planeten verschwinden. ….

Nachdem es die durch Naturkatastrophen schwersttraumatisierte Menschheit bereits schon seit mehr als einer Million Jahren gibt, und diese sich von ihren Traumata durch ein „seeliges Verdrängen dieser Erinnerung“ immer wieder aufs Neue selbst geheilt hat, besteht durchaus Hoffnung, dass das auch beim Vergessen von in der Kindheit erlittenen Schmerzen der Fall ist.

Es ist nämlich nicht die Zeit, die alle Wunden heilt, sondern die fehlende Erinnerung daran, sodass am Ende nur noch ein lustvolles Gruseln bei dem Gedanken daran entsteht, was man nicht alles an Schlimmem durchgemacht hat, ohne dabei zu Tode zu kommen.

….Die präventive, aufrichtige und wohlwollende Zuwendung von Menschen dem Kinde und dem Schwermütigen gegenüber ist die bessere Methode künftige Generationen nicht verwahrlosend sich selbst zu überlassen. …..

Wenn man wüsste, was wem in Zukunft alles blüht, könnte man in der Tat so manche Katastrophe durch angemessenes Verhalten verhindern, aber da das bekanntlich in den Sternen steht, die wiederum von Leuten gedeutet werden müssen, die auch kein Gedächtnis an die Zukunft haben können, weil sie noch gar nicht stattgefunden hat, bleibt nur, auf das in der Vergangenheit bewährte zurückzugreifen – mit dem Risiko, dass es eben nur für die Vergangenheit richtig war und nicht für die Zukunft.

Dennoch werde ich auch im kommenden Jahr versuchen, ein genauso guter Gesprächspartner zu sein, wie bisher, denn ein Versprechen ist immerhin die Bekundung einer guten Absicht, die auch dann ihren Wert hat, wenn sich durch höhere Gewalt vereitelt werden sollte.