"Hoffnung" & Wirklichkeit


Die Überwindung der "Hoffnung" gibt der Wirklichkeit ihre Komplexität zurück. Die komplexe Wirklichkeit erscheint dem Menschen im höchsten Grade als divers, weitläufig und dicht zugleich, chaotisch, widersprüchlich – und im Sinne der Philosophie von Camus als absurd.

Mit seiner "Hoffnung" versucht der Mensch, zu jeder Zeit, sich die Erwartungen an die zukünftige Wirklichkeit glattzubügeln. Alles, was er nicht überblicken kann, wird verdrängt und verschwindet aus seinem Fokus. Schöne neue Welt! Nun ist alles hübsch übersichtlich und passt wie angegossen.

Wer ein so stimmiges Bild im Kopf hat, fragt erst einmal nicht mehr danach, wie uneben das Gelände vor ihm wirklich ist, ob in der nächsten Senke und hinter dem nächsten Busch vielleicht doch Unerwartetes lauern und ihm einen dicken Strich durch die Rechnung machen wird.

Wenn am Ende trotzdem vieles gut wird, stimmen die Fakten in den seltensten Fällen mit den vorher so hoffnungsvollen Bildern im Kopf überein. Es ist halt das meiste doch "irgendwie" anders gekommen, als man gedacht hatte. Das wird aber dann gerne großzügig hingenommen. Und wenn es nicht gut gegangen ist, lobt man die falsche Hoffnung dennoch als Wohltäterin, die einen gnädigerweise auf den Holzweg lenkte, sonst wäre man ja verrückt geworden vor Sorge – oder etwa nicht? Dass man im anderen Fall mehr Handlungsspielraum gehabt hätte, um sich auf das vorzubereiten, was dann wirklich geschah, wird wiederum gerne ausgeblendet.

Nun gut – so kann man leben. Wenn man ein ängstlicher und leicht zu verunsichernder Mensch ist, der lieber einlullende Placebos einnimmt, als sich mit den Ursachen seiner Symptome auseinander zu setzen und ggf. sein Leben zu ändern, wäre das erst einmal der Weg des geringsten Widerstandes – bei dem alles so bleiben kann, wie es immer schon war...

... Bis zum Schluss auch kein Placebo mehr hilft. Und der Betreffende doch noch einsehen muss, dass jede Einbildung ihr Ende allerspätestens dort findet, wo die Wirklichkeit krachend einbricht.

Und dann ist der Schrecken groß: Die Evidenz des Seins hat ihn nun doch noch kalt erwischt. Darauf ist er nicht vorbereitet! Er muss es jetzt einsehen: Seine ganzen Hoffnungen waren umsonst, denn sie galten nicht dem Leben, sondern nur der Wunschproduktion. Tatsächlich zu wünschen übrig bliebe dann nur noch, dass er zumindest für den Rest seiner Wegstrecke damit noch zurechtzukommen und umzugehen lernen wird.

Vielleicht bleibt ihm sogar noch die Zeit für unerwartete Entdeckungen, die das komplexe Leben für denjenigen, der sich wirklich darauf einlässt, bereit hält. Falls er das schafft, wird es ihn wahrscheinlich zunächst sehr verwundern, so viel Freude daran empfinden zu können, sich selbst zu überraschen!





@filofaxi

Hier ist es nicht nur absurd - weil vergeblich, wie das unermüdliche Hochrollen eines Felsens auf einen Berg in der irrwitzigen "Hoffnung" (und nicht dem "Wunsch", weil man sich von einem Stein Nichts wünschen kann, weil er keine Person ist), dass er irgendwann doch oben liegen bleiben möge, obwohl er dort aufgrund des labilen Gleichgewichtes auf der Spitze (und nicht aufgrund der Verfluchung durch Thantanos) wieder runterrollen MUSS -, sondern geradezu fatal, nach absoluten "Werten" (und nicht „Wahrheiten“) zu suchen, weil die nur in Relation zu den jeweiligen Zielvorstellungen als wertvoll oder wertlos anzusehen sind - dh zB in Hinsicht darauf, was man im Leben erreichen will -, sodass nach der Abwertung aller bislang bewährten Werte zwangsläufig der Sturz ins geistige Chaos erfolgt, .........


Weiss der junge Mensch, mal abgesehen von den Vorgaben die er zwangsläufig zu gehen habe denkt, was er da anfängt zu beginnen?
Strebt er nicht so, wie Andere auch, dorthin wo es als richtig und als selbstverständlich, als "normal" gilt, auch wenn es für ihn selbst gar nicht passend ist?
Er ist doch längst dazu getrimmt, das zu tun was man von ihm erwartet und erhofft. Davon ausgenommen sind nur sehr Wenige.

Bei der Negierung aller bislang überlieferten Wertvorstellungen, die ihm als Kind aufgezwungen wurden (und nicht des Vorhandenseins der ganzen Welt einschließlich der eigenen Person), tritt beim rebellierenden, jugendlichen Nihilisten zwangsläufig eine Identitätskrise ein, bei der er nicht etwa mehr weiß, wer er selber IST, sondern vor Allem, WAS er denn SEIN WILL, bzw. wonach er streben sollte, nachdem er vor Allem weiß, was er NICHT will, wobei das Wissen um sein NICHT-KÖNNEN kaum noch eine Rolle spielt, solange er sich für unsterblich und unbesiegbar hält.

Entsteht der Nihilismus nicht gerade aus der Alternativlosigkeit, der Intoleranz der Diktierenden?
Denn die momentane Ordnung ,- auch wenn diese auf Dauer ins Chaos führt und die Verteidiger der alten Zustände partout nichts geändert sehen wollen, - könnte schlechtenfalls die organisierte Unordnung sein.
Ist der Nihilismus nicht bloss ein Uebergang den man bestehen können muss, um zu überwinden was über Jahrhunderte der Verkalkung zum Stein der Unweisen übergegangen ist?

Es muss also nicht zwingend so sein, dass der Mensch sich nach der Feuertaufe (Mittelalterliches Gottesurteil, bei dem die Schuld oder Unschuld des Angeklagten aus der Art hervorging, wie die durch die Berührung mit glühendem Eisen entstandenen Wunden abheilten.) im Chaos wiederfindet.
Er kann die Metamorphose auch mehr oder weniger gut überstehen.
@verdandi

Mit seiner "Hoffnung" versucht der Mensch, zu jeder Zeit, sich die Erwartungen an die zukünftige Wirklichkeit glattzubügeln. Alles, was er nicht überblicken kann, wird verdrängt und verschwindet aus seinem Fokus. Schöne neue Welt! Nun ist alles hübsch übersichtlich und passt wie angegossen.

Er erschafft sich ja mit dem Fokus auf das Erhoffte keine NEUE Welt, sie bleibt immer die, die er sich erhofft und das Andere kann somit gar nicht mehr entstehen, auch wenn es nur ein wenig anders wäre
als das Erhoffte.

Vielleicht bleibt ihm sogar noch die Zeit für unerwartete Entdeckungen, die das komplexe Leben für denjenigen, der sich wirklich darauf einlässt, bereit hält. Falls er das schafft, wird es ihn wahrscheinlich zunächst sehr verwundern, so viel Freude daran empfinden zu können, sich selbst zu überraschen!

Nun, hier darf man natürlich nicht übersehen, dass grosse Risikobereitschaft grosse Freude und Verwunderung auslösen kann aber auch grosses Leid und Enttäuschung.
Wobei beim Letzteren das Trauen in die eigenen Fähigkeiten erheblich schwinden kann und ein inneres Gleichgewicht erst wieder mühsam aufgebaut werden muss, was natürlich enorme Kraft kostet.
So wundert mich nicht, dass da eher, vor allem in höherem Alter, der Status quo beibehalten werden will.
mehusae hat geschrieben:

Er erschafft sich ja mit dem Fokus auf das Erhoffte keine NEUE Welt, sie bleibt immer die, die er sich erhofft und das Andere kann somit gar nicht mehr entstehen, auch wenn es nur ein wenig anders wäre
als das Erhoffte.

Mit "Schöne neue Welt" habe ich auf den gleichnamigen Titel von Aldous Huxleys berühmt gewordenen dystopischen Zukunftsroman ("Brave New World") angespielt, der wiederum inspiriert wurde von Shakespeares Drama "The Tempest" ("Der Sturm"), in dem Prosperos Tochter Miranda angesichts all der Menschen, die sie erstmals zu sehen bekommt, diesen erstaunten Ausruf von sich gibt:

"O, wonder! / How many goodly creatures are there here! / How beautious mankind is! O brave new world / That has such people in't!"

... Welch ein Irrtum, dem die naive Schöne da unterliegt, die bisher seitens ihres Vaters mit Hilfe dessen magischer Kräfte vor allen beunruhigenden und schlechten Erfahrungen bewahrt wurde.

Mit "Schöne neue Welt" spielte ich also darauf an, dass nur das wahrgenommen wird, was zugelassen ist, weil es zum harmonischen und damit als schützenswert erscheinenden Wunschbild beiträgt. Das Wörtchen "neu" impliziert hier eine nur vordergründige aber im Grunde eingebildete, also falsche Innovation. Die Welt erscheint einfach, schön und perfekt - unterdessen unter ihrer Krume all die verdrängten Wahrheiten lauern, die jederzeit hervordringen (bewusst werden) können, um den Traum platzen zu lassen.



mehusae hat geschrieben:

Nun, hier darf man natürlich nicht übersehen, dass grosse Risikobereitschaft grosse Freude und Verwunderung auslösen kann aber auch grosses Leid und Enttäuschung.
Wobei beim Letzteren das Trauen in die eigenen Fähigkeiten erheblich schwinden kann und ein inneres Gleichgewicht erst wieder mühsam aufgebaut werden muss, was natürlich enorme Kraft kostet.
So wundert mich nicht, dass da eher, vor allem in höherem Alter, der Status quo beibehalten werden will.

Neutral und umfassend betrachtet, hält die menschliche Existenz bekanntlich eine große Bandbreite möglicher Erfahrungen bereit, die verschiedenste Gefühle zwischen Leid und Glück bewirken können.

Enttäuschung kann allerdings nur dann entstehen, wenn Hoffnungen im Spiel waren, die sich dann als trügerisch erweisen. Wenn dazu kommt, dass alles auf diese Karte gesetzt und es versäumt wurde, beizeiten nach Alternativen und Auswegen zu suchen, kann eine solche Enttäuschung überwältigend sein. Das rechte Maß an Risikobereitschaft wird jedoch dazu beitragen, die eigenen Fähigkeiten zu trainieren und zu erproben - also lebendig zu bleiben, um den einzig unabänderlichen "Status Quo" so lange wie möglich zu vermeiden!

Wer in Bewegung ist, trainiert damit zugleich spielerisch seine Fähigkeit, in der Balance zu bleiben, während die Welt sich dreht. Nur wer stillsteht, muss die Anstrengung auf sich nehmen, die Welt anzuhalten - was niemandem wirklich gelingen dürfte, so dass die Hoffnung darauf nur Illusion sein kann.

Leid kann man nicht vermeiden - aber den Stillstand schon! Versucht man es nicht, verliert sich mit der Zeit die Freude am Leben ganz von selbst.


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Meine Haltung in Bezug auf das Thema "Hoffnung" beruht u.a. auch auf konkrete persönlichen Erfahrungen, zum Beispiel diese:

In einem Fall betraf es mich selbst und in einem anderen einen sehr nahestehenden Menschen: In beiden Fällen wurde zu verschiedenen Zeitpunkten jeweils der Verdacht auf eine unheilbare Krankheit diagnostiziert - was mich natürlich spontan in Angst und Schrecken versetzte, im Fall der anderen Person noch mehr als im eigenen. Ich musste einige Wochen irgendwie damit umgehen, bis in beiden Fällen der endgültige und zum Glück negative Befund vorlag.

Ich bin eigentlich ein optimistischer Mensch - aber wenn eine Gefahr droht, fokussiere ich mich ganz auf sie, lasse mich von nichts und niemanden davon ablenken, versuche mich auf den Worst Case vorzubereiten.

Andere meinten dann, mich aufmuntern und Hoffnung in mich pflanzen zu müssen, so nach dem Motto: "Alles wird gut!", wogegen sich in mir jedoch alles sträubte.

Ich war dann lieber mit Menschen zusammen, die mitfühlten aber keine falschen Hoffnungen artikulierten - oder blieb für mich, um die Dinge zu verarbeiten, eine angemessene innere Haltung zu erringen und handlungsfähig zu bleiben.

Wenn es wirklich zum Schlimmsten gekommen wäre, hätte es ganz sicher noch einmal eine andere, natürlich viel intensivere Qualität gehabt, als die bloße Vorstellung. Da ich aber bereits mental aktiv mit dieser Möglichkeit umgegangen war, anstatt mich verzweifelt an wilde Hoffnungen zu klammern, hätte es auch keine überwältigende Enttäuschung mehr geben können.

Der dann doch positive Ausgang hat mich in beiden Fällen natürlich sehr erleichtert! - Auf jeden Fall war das aber der eindeutig richtige Weg für mich in diesen Situationen gewesen, um damit umzugehen. Hätte ich mich stattdessen nur aufs Hoffen verlegt, wären Zweifel und Angst doch überall "hindurchgeblitzt" und die Anstrengung, diese in Schach zu halten, wären immens gewesen.

Ich weiß, dass andere anders damit umgehen. Sie verdrängen ihre Ängste und setzen all ihre verbliebene mentale Kraft in wildwuchernde, unrealistische Hoffnungen, klammen sich ans Leben und berauben damit sich und ihre Angehörigen um die Chance, gemeinsam den Dingen, die da kommen, angemessen zu begegnen, in diesem Bewusstsein rechtzeitig miteinander zu sprechen und Abschied voneinander zu nehmen.

Ein anderer Fall wäre es natürlich, wenn ein Kampf gegen die Krankheit die Möglichkeit einer Heilung eröffnen würde. Ja - und manchmal hat es eine solche sogar in aussichtslosen Fällen schon gegeben. Das will ich alles nicht ausschließen.

Wenn man aber mal nachforscht, kann man in solchen Fällen immer wieder erfahren, dass die Betroffenen nicht von Angst und unbegründbaren Hoffnungen geleitet wurden, sondern von einer eher nüchternen Entschlossenheit, sich nicht kampflos zu ergeben. Mit dieser Entschlossenheit, die nicht auf Selbsttäuschung beruht, befähigten sie sich zu großen Anstrengungen, mit der sie auch Ängste und trügerische Hoffnungen überwinden konnten, um tatsächlich im Angesicht der Wirklichkeit selbstbestimmt handeln zu können. Wenn sie am Ende doch ihren Kampf gegen den Tod aufgeben mussten, konnten sie das akzeptieren, ohne sich mental aufgegeben zu haben.


Bild

"Miranda - The Tempest", 1916, John William Waterhouse / 1849–1917
(Wikimedia Commons)



@ mehusae

….Weiss der junge Mensch, mal abgesehen von den Vorgaben die er zwangsläufig zu gehen habe denkt, was er da anfängt zu beginnen? …...

Das kommt auf den jeweiligen Menschen an, inwieweit er sich eine eigene Meinung über das bereits Erlebte bildet oder eine fremde Meinung als Lehrmeinung übernimmt, die es in der Zukunft zu rektifizieren (anstatt zu verifizieren) gilt, weil sie mit der Realität übereinstimmt, oder zu falsifizieren, weil sie nicht mit der Realität übereinstimmt.

Dabei kann man sagen, dass die Menge dessen, was Jemand durch eigene Anschauung, sowie durch Belehrung von Seiten Anderer erfahren hat, sich nach der bisherigen Lebenszeit richtet, sodass man sie auch passenderweise als Lebenserfahrung bezeichnet – auch wenn die Qualität dieser Erfahrung individuell ganz verschieden und damit altersunabhängig sein kann.

Außerdem kann das Wissen, was er durch diese Lebenserfahrung erworben hat, inhaltlich auch völlig falsch sein, wenn es eben nicht mit der Realität übereinstimmt, wobei nicht die Weltanschauung falsch sein kann, die durch den jeweiligen Standort bedingt ist, an dem er sich gerade befindet, sondern nur die Meinung, die er sich darüber gebildet hat, und die die Basis seiner Zukunftsplanung bildet.

Hierauf beruhen auch die Vorurteile, mit denen er das bewertet, was ihm in der Gegenwart widerfährt und was er mutmaßlich in der Zukunft erleben wird, wobei die Gegenwart die Zukunft von der Vergangenheit darstellt, und gleichzeitig die Vergangenheit der Zukunft sein wird.

Die Art hingegen, wie er das, was er meint, tun zu können und das, was er meint nicht tun zu können, sodass ihm nur die Hoffnung bleibt, um nicht nur mit den Befürchtungen leben zu müssen, welche ihm wiederum seine mentalen Kräfte rauben, sodass er vorzeitig verzagt, und aufgibt, bevor er sein Ziel erreicht hat, hängt auch maßgeblich von seinem Temperament ab, was er nur bedingt beeinflussen kann, indem er sich etwa aus seiner Lethargie herausbewegt, indem er sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf der Depression herauszieht, und wieder neue Hoffnung schöpft.

Das ist der Wendepunkt in der Krise, die man auch Katharsis (Zeitpunkt der Gesundung) nennt, was implizieren würde, dass ein Stimmungstief mit einer entsprechend negativen Sichtweise bereits schon ein krankheitsbedingter Krisenzustand sei.

Hierbei ist allerdings die Frage, ob das Stimmungstief seine Ursache in der Hoffnungslosigkeit hat, sodass es einer tröstenden oder ermutigenden geistigen Filotherapie bedarf, bei der der Blick wieder auf die positiven Aspekte des Lebens gelenkt wird, oder ob das Stimmungstief selber die Ursache der Hoffnungslosigkeit ist, sodass es Sache des Fühlologen ist, die durch Dopamin-Mangel im Gehirn verursachte schlechte Stimmung z.B. durch körperliche Zuwendung mittels von Massagen, Bewegungstherapien oder chemischen Stimmungsaufhellern zu beseitigen, damit der Patient den Eindruck bekommt, dass „es doch weiter geht“, sodass er wieder neue Hoffnung schöpfen kann.

…..Strebt er nicht so, wie Andere auch, dorthin wo es als richtig und als selbstverständlich, als "normal" gilt, auch wenn es für ihn selbst gar nicht passend ist? ….

Je abhängiger er sich von Anderen wähnt, um so mehr wird er sich danach richten, was bei ihnen als „normal“ gilt, weil ihm die Anpassung an die Gruppennormen die Einbeziehung in die Gruppe und auch damit auch deren Schutz garantiert, den er als ewiger Querulant und Eigenbrötler und damit Ausgestoßener nicht genießt – selbst wenn es dort auch Menschenrechte für Außenseiter geben sollte, an die sich aber Niemand hält, wenn er nicht mit Gewalt dazu gezwungen wird.

Damit er aber selber notfalls die Rücksichtnahme (Respekt) der Mitglieder in der Gruppe erzwingen kann, braucht der Außenseiter entsprechende Macht, um sich damit zumindest die „Anerkennung, dass er der Stärkere von Beiden ist“ zu verschaffen, wenn er schon nicht die „Anerkennung dass er der Ehre würdig sei, einen Ehrenplatz in der Gemeinschaft beanspruchen zu dürfen“ erlangt, weil er zu wenig dafür geleistet hat.

„(Von) Selbst-verständlich“ ist jedoch immer nur das, was eindeutig und folgenschwer ist, wie z.B. das Schaffen von Tatsachen, die man nicht mehr leugnen kann, während für alles Andere ein großer Interpretationsspielraum bleibt, innerhalb dessen der Eine – je nach dem Grad der Betroffenheit – zu ganz anderen Schlüssen gelangen kann, als ein Anderer, der sich zwar in einer ähnlichen Lage befindet, aber nicht in derselben.

Hier stellt Schopenhauer in seinem ersten Werk "Vom zureichenden Grund" einerseits die Frage nach dem NOTWENDIGEN Grund als eine wichtige Voraussetzung, die erfüllt sein muss, um die Bedingungen für eine zwangsläufige Folge zu erfüllen, und andererseits nach dem zureichenden bzw. HINREICHENDEN Grund, welcher über die reine Notwendigkeit noch weit hinausgeht.

Letzterer spielt besonders bei der nachträglichen Bewertung vergangener Entscheidungen eine große Rolle, die es zu treffen galt, um ein Ziel in der damaligen Zukunft zu erreichen, welche die heutige Gegenwart darstellt, und an der man die damalige Angemessenheit seiner Entscheidung prüft, um nachträglich sagen zu können, ob sie – in Bezug zu dem anvisierten Ziel - richtig oder falsch war.

Da man jedoch nie weiß, ob die alle Voraussetzungen erfüllt waren, welche erforderlich gewesen wären, um sein Ziel nicht komplett zu verfehlen, und damit auch hinreichend, oder nur die notwendigen, sodass auch der Erfolg nicht dem entspricht, den man sich von seinen Bemühungen erhofft hat, ist es schwierig, wenn nicht sogar völlig unmöglich, überhaupt beurteilen zu können, welche Hoffnung angemessen war, und welche nicht, denn über die eigenen Bemühungen hinaus können sich ja immer auch die Umstände unvorhergesehenermaßen auf eine Weise ändern, sodass sie den Hoffnungen plötzlich entgegenkommen, und diese sich damit dann als richtig - weil angemessen - herausstellten.

Hier werden dann keine Wünschen an Jemanden gerichtet, der sie auch erfüllen kann, nachdem man die dafür erforderlichen Bedingungen erfüllt hat, sondern es sind nur Erwartungen, die sich auf wunderbare Weise im Nachhinein dennoch als richtig, weil zielführend herausgestellt haben.

Der Glücksspieler hingegen, der sich komplett auf das verlässt, was ihm zufällt - auch ohne die hinreichenden Bedingungen dafür zu erfüllen, außer dass er eben an dem Glücksspiel teilnimmt, was ja notwendig wäre, um überhaupt auf einen Gewinn hoffen zu können - , spielt mit den positiven Vorstellungen von einer Zukunft (also Hoffnungen), die wünschenswert wären, wenn es denn eine Glüxgöttin gäbe, die es nach von ihr bestimmten Kriterien entscheidet, ob er das Glück haben soll, dass die zukünftigen Umstände zu seinen Hoffnungen passen, oder aber nicht, sodass sie damit automatisch zur Pechgöttin würde.

…..Er ist doch längst dazu getrimmt, das zu tun was man von ihm erwartet und erhofft. Davon ausgenommen sind nur sehr Wenige. …..

Da der auf vernünftige Weise Hoffende bereits Alles dafür getan hat, um aus eigenen Stücken zu erreichen, was er erreichen wollte, sodass ihm nur noch das nötige Quäntchen Glück der günstigen Stunde fehlt, um an sein Ziel zu gelangen, ist er auch auf fremde Hilfe angewiesen, die er sich dann von einem Helfer erbitten muss, und für die er ihm einen Dank schuldet, denn die günstige Stunde selber kann ihm ja genauso wenig ihre Gunst erweisen, wie die günstigen Umstände, weil sie keine Person ist.

Insofern ist es gut zu wissen, zu welchen Konditionen die Hilfe zu erwerben ist, die Einem fehlt, um sein Ziel zu erreichen, was man dann auch als ein Glück bezeichnen kann, nachdem die geistige Vorstellung von dem, was man zu brauchen meint, und die darin beschriebene soziale und materielle Realität miteinander in Übereinstimmung gebracht worden sind, oder sich die Übereinstimmung von selber so ergeben hat.

Der negative „Schicksalsergebenheit“ (Fatalismus) des Pessimisten steht dabei der positiven „Schicksalserwartung“ des Optimisten (die fälschl. auch „Schicksalsgläubigkeit“ genannt wird, aber lediglich die "unbeirrbare Hoffnung auf Erfolg" darstellt) diametral gegenüber, und hängt maßgeblich von der jeweiligen Stimmung des Hoffenden oder Verzagenden ab, die rein umständebedingt sein kann, wie etwa durch einen Wetterwechsel, oder aber auf einer temperamentbedingten Grundstimmung beruht, die von der jeweiligen Körperchemie des meist Hoffenden oder eher Befürchtenden abhängt.

….Entsteht der Nihilismus nicht gerade aus der Alternativlosigkeit, der Intoleranz der Diktierenden?....

Es gibt ja immer die Alternative zum Gehorchen, die man Ungehorsam nennt, und die mit der bereitwilligen Inkaufnahme etwa von Strafen verbunden ist, der man auch zustimmen kann, wenn der Aufwand den Ertrag lohnt. Dieses ökonomische Prinzip beruht auf der subjektiven Bewertung dessen, was man mit einer hohen Leiden(sbereit)schaft erringen oder behalten will, sodass Einem die dafür nötigen Opfer als Gegenwert durchaus angemessen - wenn nicht sogar vorteilhaft – erscheinen.

Demjenigen hingegen, dem nicht klar ist, wie Jemand kalkuliert, wenn er diese für ihn unangenehmen Begleiterscheinungen bereitwillig in Kauf nimmt – scheinbar nur, um nicht gehorchen zu müssen – wird ihn leicht für verrückt halten, weil er weder dessen tatsächliche Zielsetzung noch die tatsächlich dafür erforderlich gewesenen und damit notwendigen Beweggründe kennt.

….Denn die momentane Ordnung ,- auch wenn diese auf Dauer ins Chaos führt und die Verteidiger der alten Zustände partout nichts geändert sehen wollen, - könnte schlechtenfalls die organisierte Unordnung sein....

Da Ordnung lediglich ein Struktur darstellt, nach der ein Seinszustand als eine notwendige Folge einer Kette von Ursachen angesehen werden kann, wodurch er eine Art „vernünftiger Daseinsberechtigung“ erhält, dient sie auch als Maßstab für das, was als „normal“ gilt.

Hierbei entspricht die Ordnung jeweils inhaltlich dem, was die geistigen Hersteller dieser Ordnung für angemessen halten, wie es z.B. bei der Gesetzesordnung der Fall ist, wonach Alles, was nicht diesen Gesetzen entspricht, auch als „nicht in (der) Ordnung“ bezeichnet wird und damit automatisch auch als „falsch“ - weil der vorliegenden Ordnung nicht angemessen – gilt, während wenn es in einer anderen Ordnung vielleicht angemessen und daher auch richtig ist.

Im 2. Satz der Thermodynamik von der Entropie wird zwar behauptet, dass jedes System, welches eine geordnete Struktur aufweist, dazu tendiert, in einen ungeordneten zu zerfallen, aber dieses gilt nur für Systeme, in denen Energie verbraucht wird, ohne dass neue hinzugeführt werden kann.

Lebendige Organismen hingegen sind regenerationsfähig, solange sie sich in der Lage befinden, sich neue Energie zu beschaffen, um den zersetzenden Umweltbedingungen innerhalb ihres Körpers und auch außerhalb entgegenzuwirken.

Insofern werden in homogenen Gruppen auch diejenigen Aufrührer ausgestoßen, die den überlebensnotwendigen Regenerationsprozess der jeweiligen Gemeinschaft (Körperschaft) verhindern, weil das nicht nur den Identitätsverlust der Gemeinschaft (also den Verlust ihres positiven Selbstbildes) bedeutet, sondern auch den Verlust der Ziele, die sie gemeinschaftlich verfolgt, und damit auch den Zusammenhalt als Gruppe selber garantiert, welcher dazu nötig ist, um Ziele gemeinsam zu erreichen, die man als Einzelner aufgrund von Energiemangel nicht erreichen kann.

….Ist der Nihilismus nicht bloss ein Uebergang den man bestehen können muss, um zu überwinden was über Jahrhunderte der Verkalkung zum Stein der Unweisen übergegangen ist? ...

Die Infragestellung der Tauglichkeit einer herkömmlichen Ordnung für die Ziele, die man verfolgt, bedeutet eine individuelle Abwertung derselben zugunsten der Aufwertung einer anderen, neuen Ordnung, die den eigenen Zielen zuträglicher ist, als die alte.

Aber ob alle Werte nun aus Prinzip in Frage gestellt werden müssen, um eine neue Ordnung zu schaffen, oder nur diejenigen, die dabei hinderlich - weil ungeeignet - sind, richtet sich auch nach ihrer Tauglichkeit und nicht nach der Willkür eines Bestimmers, der – gegen jede vernünftige Abwägung von Aufwand und Ertrag und womöglich auch ohne eine bessere Alternative - damit lediglich beweisen will, dass er die Macht dazu hat, Etwas zu zerstören, was Andere gern beibehalten wollen, weil es deren Zielen förderlich ist.

Das wäre die Kultivierung der Zerstörungswut, mit der man die Vernichtung jeglicher Werte zum Hauptanliegen des Nihilisten erklärt, was natürlich nicht nur Denjenigen ins geistige Chaos stürzt, dem der Nihilist seine Wertvorstellungen zerstört hat, sondern auch den Nihilisten selber.

Das hat Nietzsche jedoch nicht beabsichtigt, als er sagte, der göttliche Weltenschöpfer sei tot, sodass man seine Strafe für den Ungehorsam, seinen Gesetzen nicht Folge geleistet zu haben, nicht mehr fürchten muss, sondern es ging ihm um die Negierung der bestehenden Machtverhältnisse, die mit der jeweiligen (hierarchischen) Gesellschaftsordnung (also der Ordnung der Hierophanten oder Priester) verbunden ist, und sie nach dem Willen der kirchlichen Herren als die einzig gültige Herrschaftsform auszeichnet.

Dabei war er nicht gegen Herrschaft an sich, wie es die An-Archisten sind, sondern für die Herrschaft des Hervorragenden, also des Geeigneten, was bei ihm durchaus noch mit einer patriarchalischen oder matriarchalischen Monarchie als idealer Staatsform vereinbar ist.

Wenn das Chaos aber kein geplanter Zustand ist, kann man es auch nicht als ein nihilistisches Plan-Ziel bezeichnen, sondern stellt dann lediglich einen vorübergehenden, notwendigerweise in Kauf zu nehmenden - weil unvermeidbaren - Begleitumstand beim Wechsel von einer Ordnung in eine andere dar.

…..Es muss also nicht zwingend so sein, dass der Mensch sich nach der Feuertaufe (Mittelalterliches Gottesurteil, bei dem die Schuld oder Unschuld des Angeklagten aus der Art hervorging, wie die durch die Berührung mit glühendem Eisen entstandenen Wunden abheilten.) im Chaos wiederfindet.....

Wenn das Ermittlungsverfahren der Unschuld in einer Feuertaufe besteht, bei welcher der Delinquent in beiden Fällen dem Tode geweiht ist – d.h. entweder durch Feuer oder durch Wasser - , dann besteht das Ziel nicht in der Ursachenermittlung, sondern darin, den Unliebsamen auch dann zu töten, wenn er unschuldig ist.

…...Er kann die Metamorphose auch mehr oder weniger gut überstehen. ….

Das kann er nur, wenn die dafür nicht nur notwendigen, sondern auch hinreichenden Bedingungen erfüllt sind, was man jedoch erst dann mit Sicherheit weiß, wenn er sie tatsächlich heil überstanden hat.

…...Er erschafft sich ja mit dem Fokus auf das Erhoffte keine NEUE Welt, sie bleibt immer die, die er sich erhofft und das Andere kann somit gar nicht mehr entstehen, auch wenn es nur ein wenig anders wäre als das Erhoffte. …...

Die Welt, die sich Jemand erhofft hat, bleibt immer die, die sie auch dann ist, wenn er sich etwas Anderes erhofft hat, denn das Hoffen alleine verändert nur die Vorstellung von der zukünftigen Welt, aber noch nicht die zukünftige Welt selber, wenn er nicht auch noch handelnd daran mitwirkt.

Wenn sich Jemand Garnichts erhofft hat, dann kann es immer noch sein, dass er statt dessen Etwas befürchtet hat, und daher vor Angst so sehr gelähmt war, dass er das zu tun versäumt hat, was nötig gewesenn wäre, um genau Dieses zu verhindern.

Damit kann man Einem natürlich noch nicht unterstellen, dass er unbewusst genau das beabsichtigt habe, und somit wieder selber alleine seines eigenen Unglückes Schmied sei – genauso wie umgekehrt, dass er alleine seines eigenen Glückes Schmied sei, nur um nicht zugeben zu müssen, dass er eben doch nicht so allmächtig ist, wie er es sich vorgestellt hat, oder wie er es gehofft hat, eines Tages zu werden.

…..Nun, hier darf man natürlich nicht übersehen, dass grosse Risikobereitschaft grosse Freude und Verwunderung auslösen kann aber auch grosses Leid und Enttäuschung......

Das Risiko, in seinen positiven Erwartungen (Hoffnungen) negativ enttäuscht zu werden, ist genauso groß, wie bei seinen negativen Erwartungen (Befürchtungen) positiv enttäuscht zu werden, und hängt von dem Maß der Übertriebenheit ab, mit der man sie hegt, wie z.B. das Ziel, Jedermanns Lieblingsfreund zu werden, welches bereits allein schon von seiner fehlenden Folgerichtigkeit her ein Ding der Unmöglichkeit ist, weil es sonst nur noch Lieblingsfreunde und keine einfachen Freunde mehr gäbe, womit die Bezeichnung sinnlos würde.

Allerdings ist übertriebenes Befürchten nur insofern vernünftiger als übertriebenes Hoffen, als dass die Folgen einer negativen Enttäuschung erst NACHTRÄGLICH unangenehmer sind, als die einer positiven Enttäuschung, wohingegen man durch die Hoffnung vor Allem VORHER für gute Laune sorgt, die allerdings leicht zum Übermut führt, sodass man unvorsichtig wird, und dabei wichtige Alarmsignale nicht mehr registriert, anhand derer man vielleicht noch Vorkehrungen treffen könnte, um das Schlimmste zu verhindern.

….Wobei beim Letzteren das Trauen in die eigenen Fähigkeiten erheblich schwinden kann und ein inneres Gleichgewicht erst wieder mühsam aufgebaut werden muss, was natürlich enorme Kraft kostet.....

Ganz recht: es ist aus dem Grunde unvernünftiger, bereits schon von VORNEHEREIN die Hoffnung aufzugeben, und sich statt dessen seinen Befürchtungen hinzugeben, weil dadurch der Mut zur Hoffnung gelähmt wird, mit der man möglicherweise leichter so lange aushalten könnte, bis man Gewissheit darüber erlangt hat, was tatsächlich der Fall ist, anstatt sich vorzeitig darüber zu Tode zu grämen, obwohl man vorher noch gar nicht beurteilen kann, ob es vernünftiger ist, vorzeitig aufzugeben, oder doch besser, lieber durchzuhalten.

Es gibt beim I Ging das Orakel: „Arbeit am Verdorbenen“, die man spätestens dann einstellen sollte, wenn man erkannt hat, dass Etwas tatsächlich unwiederbringlich verdorben ist, sodass es lohnender scheint, Etwas Neues zu kochen, als sich daran den Magen zu verderben, indem man es dennoch widerwillig aus Prinzip runterschluckt - nur um zu beweisen, dass man sich auch gegen jede Vernunft willentlich umbringen kann, indem man sich z.B. vergiftet.

…..So wundert mich nicht, dass da eher, vor allem in höherem Alter, der Status quo beibehalten werden will. …..

Da das Alter mit den nachlassenden Kräften ein Feind ist, den der Mensch nicht besiegen kann, sollte er sich die Hilfe Anderer zunutze machen, indem er sowohl den Aufwand als auch den Ertrag dafür redlich mit ihnen teilt, auf dass es beiden Partnern wohlergehe, so lange sie leben, was das soziale Handeln langfristig erfolgreicher und damit wertvoller macht, als das asoziale.
​@verdandi

.. Welch ein Irrtum, dem die naive Schöne da unterliegt, die bisher seitens ihres Vaters mit Hilfe dessen magischer Kräfte vor allen beunruhigenden und schlechten Erfahrungen bewahrt wurde.

Weder das (Ueber)behütet-Sein, noch das hilflos Ausgesetzt-Sein ist für die Entwicklung eines Kindes zum mündigen Erwachsenen förderlich.

Die Welt erscheint einfach, schön und perfekt - unterdessen unter ihrer Krume all die verdrängten Wahrheiten lauern, die jederzeit hervordringen (bewusst werden) können, um den Traum platzen zu lassen.

Nun, mir scheint, dass hier die Verdrängung mehr Kraft erfordert, als die Realität und Bewirktes auch so sehen zu wollen, wie es denn auch tatsächlich entstanden ist.

Daher muss in diesem erwähnten Zusammenhang auch die Frage gestellt werden, welcher Vater, welche Mutter das Kind eher zu seinem eigenen Wohle mündig werden lässt, es nicht als Person, sondern sein schlechtes Verhalten kritisiert und ihm daher immer in wohlwollender Weise und als Vertrauensperson gegenüber steht.
Jene Kindern aber, welchen alle Schwierigkeiten aus dem Weg geräumt, zudem ihr schlechtes Benehmen geduldet und ertragen wurde, erwarten diese "Toleranz" dann, im Verlaufe ihres Lebens, weiterhin auch von Anderen.

Ich bin eigentlich ein optimistischer Mensch - aber wenn eine Gefahr droht, fokussiere ich mich ganz auf sie, lasse mich von nichts und niemanden davon ablenken, versuche mich auf den Worst Case vorzubereiten.

Kann der Mensch sich immer auf Etwas vorbereiten, was auf ihn zukommen könnte?
Er neigt wohl schon dazu, alles im Griff haben zu wollen, doch unausweichlich und eher nicht mehr kontrollierbar sind die letzten Momente unseres Lebens.
Es gibt kein Entrinnen, das ist höchst wahrscheinlich.


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Der Vater, der seinem Kinde von einer idealen Welt erzählt, wie sie sollte, erweckt natürlich leicht den Eindruck bei ihm, dass diese auch identisch mit der realen Welt sei, die es in Zukunft zu erfahren gilt. Dieses Missverständnis liegt aber nicht in der Absicht, dem Kinde das Erlebnis der realen Teils der Welt vorzuenthalten, indem er den idealen ignoriert, sondern am bisherigen Unvermögen des Kindes, das Eine vom Anderen zu unterscheiden.

So lässt man auch Märchengestalten, wie Riesen und Zwerge, welche spezielle menschliche Eigenschaften symbolisieren, der Anschauung halber miteinander agieren, um durch die Übertreibung darauf aufmerksam zu machen, dass es - wie z.B. auch in Fabeln - nicht um den Fuchs geht, der die Gans gestohlen hat, und sie nun wieder hergeben soll, damit ihn der Jäger nicht erschießt, sondern um einen menschlichen Räuber, der sich listig, wie ein Fuchs, in den Gänsestall geschlichen hat, nachdem die Gänse eingeschlafen sind, sodass sie ihn nicht vorzeitig durch ihr Schnattern verraten und an dem Diebstahl hindern konnten, sondern erst, nachdem er schon längst wieder weg war.

Die Inaussichtstellung von Straffreiheit, nachdem man das Diebesgut wieder zurückgegeben hat, stellt ein Lohn für das ideale Sozialverhalten eines Bösewichtes dar, der sich doch noch rechtzeitig eines Besseren belehren hat lassen, und somit als ideales Vorbild für alle Nachahmer gelten soll.

Ähnlich ist es auch mit den Göttersagen, wo auf abstrakter Ebene die menschlichen Tugenden mit den Lastern, die als Dämonen oder Teufel dargestellt werden, interagieren, um ein besseres Verständnis davon zu erlangen, was idealerweise im sozialen Sinne als richtiges und als falsches Verhalten gilt.

Wer hier seinem Kinde einredet, dass es von Natur aus schon sozial ausgewachsen, und damit bereits reif für die Erwachsenenwelt gewesen sei, nachdem es nach seiner Geburt die Welt erblickt hat, und am besten so bleibt, wie es gerade ist, um authentisch auf Andere zu wirken, tut ihm damit keinen Gefallen, weil eine derartig egozentrische Sichtweise später beim Erwachsenen als kindisch gilt, und als narzisstische Entwicklungsstörung behandlungsbedürftig ist, damit nicht Andere dabei auch noch in Mitleidenschaft gezogen werden, wenn der orientierungslose Chaot selbstherrlich für sie mitzuentscheiden beginnt, weil er meint, er sei von seinem göttlichen Vater dazu auserwählt worden, nachdem er ihm immer schön brav gehorcht hat, als der noch auf Erden weilte.

Dass der Lohn für rücksichtsvolles Verhalten natürlich nicht nur in der Straffreiheit im Angesicht eines göttlichen Gesetzgebers besteht, sondern vorwiegend darin, dass man sich nicht unnötig Feinde schafft, die – sobald sie die Gelegenheit dazu bekommen – sich dafür rächen werden, sodass Einem der ursprüngliche Vorteil, den man sich damit verschafft hat, später zum Nachteil gereicht, ist als Begründung dafür, dass es auch für Einen selber besser ist, sich sozial korrekt zu verhalten, wesentlich besser geeignet, als die Androhung von Strafen.

Als notwendige Voraussetzung dafür, die Welt im sozial positiven Sinne zu gestalten, sind also Idealvorstellungen davon, wie sie sein sollte, unverzichtbar - auch wenn es noch nicht hinreicht, sich selber an diesen Idealen zu orientieren, um mit Sicherheit ausschließen zu können, dass das, was bisher erreicht wurde, nicht dennoch von den Dummdreisten, die die Welt regieren, wieder kaputtgemacht wird, indem sie auf alle sozialen Regeln pfeifen, um sich selber auf Kosten Anderer ein schönes Leben zu machen.

Das (für Alle) Gute zu tun, ist also zwar eine notwendige Bedingung für das Herstellen einer idealen Welt, aber keine hinreichende, weil man damit sonst ja nicht mehr auf den Erfolg zu hoffen brauchte, sondern sich dessen sicher sein könnte, ohne dabei befürchten zu müssen, dass es doch noch anders kommen könnte.

Der Plausibilitätstest, der im Nachhinein angewendet wird, um zu ermitteln, ob Etwas überhaupt so hat stattfinden können, wie behauptet wird, eignet sich also auch dazu, festzustellen, ob Etwas in der Gegenwart oder Zukunft so sein kann, wie es den Anschein hat, oder dass eine Täuschung vorliegt, mit der etwas (von Einem selbst oder von Anderen) Bestimmtes erreicht werden soll.

Wenn nun der Windhund, der hinter einer Wurst herrennt, die er zu erreichen hofft, indem er sein Bestes gibt, obwohl sie niemals erreichbar ist, weil sie mit einer Vorrichtung am eigenen Hals auf Abstand gehalten wird, diese Wurst selber dort aufgehängt hätte, um sich sozusagen intrinsisch zu motivieren, sein Bestes zu geben, damit er den Wettbewerb mit seinen Konkurrenten im Schnelllauf gewinnt, ist so eine Hoffnung als Mittel zum Zweck durchaus angemessen.

Im anderen Falle jedoch, indem sein Herr dies tut, um selber die Gewinner-Prämie zu kassieren, sollte der Hund zumindest die Wurst als Belohnung dafür kassieren dürfen – selbst wenn er nicht der Gewinner war - , um seinerseits weiterhin sein Bestes geben zu wollen, wenn es gilt, nach einem Ziel – nämlich nach der Wurst - zu streben, welches auf diese Weise auch tatsächlich erreichbar ist, nachdem es bisher immer so erreichbar war.

In dieser Weise funktioniert auch die Selbstbelohnung nach Erreichen eines Teilziels – selbst wenn das Endziel niemals erreichbar ist, weil es dann kein Idealzustand mehr wäre, sondern Realität. Das spielt besonders bei der Bekämpfung der Eifer-Sucht durch Selbstbescheidung oder Askese eine große Rolle.

Indem man nach immer mehr von dem eifert, was man begehrt, nur um nicht zu stagnieren, sodass das zwanghafte Eifern zum Selbstzweck wird, und man sich nicht mehr an dem erfreuen kann, was man bisher erreicht hat, verliert das bislang Erreichte im Vergleich zum noch zu Erreichenden automatisch an Wert, sodass der zwanghaft Gierige letztendlich am vollen Topf verhungert, weil nicht mehr reingeht in den Magen, wie reinpasst.

Hierbei kann auch das Streben nach immer mehr Ersparnis dem Geizigen, der sich genauso wenig gönnt, wie Anderen - was ebenfalls zum Laster der Unmäßigkeit zählt - letztendlich selber zum Verhängnis werden, denn zu viel des Guten ist genauso schlecht, wie zu viel des Schlechten.

Was nun das Haushalten mit der Zeit betrifft, die Einem zur Verfügung steht, oder die es gilt einzusparen, weil man sie für spezielle Dinge benötigt, so wird die Eintönigkeit als zeitverlängernd bis hin zur Langeweile empfunden, der es durch kurzweilige Beschäftigungen zu entrinnen gilt, um nicht daran zugrunde zu gehen.

Umgekehrt jedoch hilft das Verweilen an einem Ort durch Nicht-Handeln - etwa um das Erreichte genießen und vielleicht auch bewahren zu können, damit man es in seinem Wahn, es schade dem allgemeinen Fortschritt, nicht sofort wieder verwirft oder vernachlässigt, sodass man es verliert – , den Prozess des Gehetzt-Seins wirkungsvoll zu entschleunigen, sodass man wieder in der Lage ist, sich an dem zu erfreuen, was man gerade errungen hat, anstatt immer nur davon zu träumen oder danach zu streben, was man alles noch nicht erreicht hat.

Insofern ist es noch kein Stillstand oder gar Rückschritt, wenn man den verbleibenden Tagen, die man noch zu leben hat, mehr Lebendigkeit verleiht, anstatt zu versuchen, dem Leben mehr Tage zu verleihen, von dem man eh nicht weiß, wann es tatsächlich zu Ende sein wird.

Was hingegen die Sorge um den eigenen Tod betrifft, sollte man sich besser um sein Leben sorgen, bzw. für Diejenigen sorgen, die Einem anvertraut sind, denn die gehören ja auch mit dazu. Den eigenen Tod hingegen kann man ja gar nicht selber erleben, sondern nur die Anderen, die entweder um den Verlust trauern, wenn sie Einen gebraucht haben, oder sich darüber freuen, dass sie dadurch eine Sorge im Leben weniger haben, wenn man selber von ihnen versorgt werden musste.

Hier wäre zumindest eine finanzielle Absicherung durch eine angemessene Erbschaftsregelung sinnvoll, um wenigstens den wirtschaftlichen Schaden auszugleichen, der durch den Verlust des gestorbenen Versorgers entsteht – auch wenn man ihn dadurch nicht wieder lebendig machen kann, damit er Einem weiterhin die Aufmerksamkeit schenken kann, um die man sich bei ihm zu Lebzeiten redlich verdient gemacht hat, sodass der Tote Einem den Dank dafür schuldig bleiben muss.
Den eigenen Tod hingegen kann man ja gar nicht selber erleben, sondern nur die Anderen,..................

Sagt wer?
Fragt wer?

@ Mehusae (» 31.05.2020, 8:31h)

Ich schrieb von mir, von dem was ich tue. Und Du fragst: Kann der Mensch das? Ich bin ja selbst ein Mensch und weiß, was ich tue. Ich erwähnte die eigene Erfahrung, denn bei der weiß ich ganz sicher, wovon ich spreche. – Ich sprach also nicht von "etwas, das auf mich zukommen könnte", sondern von einer "drohenden Gefahr", die ich erlebt hatte. Etwas, das so wahrgenommen werden kann, ist ja schon sehr konkret.

Dass jedes Leben letztlich zu einem unentrinnbaren Ende kommt, ist evident – aber kein Argument dafür, nicht alles in der eigenen Macht stehende dafür zu tun, ein vorzeitiges zu verhindern. Und wenn es nicht zu verhindern ist, sich damit nicht auseinanderzusetzen.

In den von mir erwähnten Fällen hätte der Tod keineswegs eine natürliche Unausweichlichkeit besessen, dafür waren wir zu jung. Der beste Beleg dafür: Wir leben noch.

"Alles im Griff haben" und "kontrollieren" zu wollen hört sich manisch an – hat aber m.E. noch nichts damit zu tun, dem Leben mit allem, was es bringt, angemessen zu begegnen – inklusive und im Besonderen den drohenden Gefahren. Das hat schon in allen Zeiten bedeutet, handlungsfähig bleiben zu können.

Was die Geschichten von Shakespeare betrifft, muss man natürlich stets im Vordergrund sehen, dass sie ihre Zeit widerspiegelten, dieser zwar dennoch manchmal voraus waren – aber sicher nicht soweit, dass Pädgogik im heutigen Sinne bereits eine Rolle gespielt hätte.

Miranda in "The Tempest" ist eine Symbolfigur für Unschuld und Reinheit (im Verhältnis zu all den Figuren in diesen Spiel, die bereits reichlich Schuld auf sich geladen haben) und damit Hoffnungsträgerin für einen möglichen Neuanfang. – Im Gegensatz zu Romeo und Julia erhält sie tatsächlich die Chance dafür, weil ihre Umgebung sie nicht mit den alten Missetaten und Feindschaften belastet.

Aus heutiger Sicht wäre es sicher noch besser, der Heranwachsenden eine realistische und dennoch zuversichtliche Weltsicht nahezubringen, mit der sie auch allein, aus eigener Kraft mit dem Wissen um die Chancen und Gefahren gut bestehen könnte.

... Aber damals hatte es ja für ein Mädchen durchaus schon genügt, von einem Mann, der angeblich "der Richtige" ist, wie in diesem Fall der Prinz Ferdinand, erwählt und für den Rest des Lebens beschützt zu werden.
:wink:


Bild

Szene mit Miranda und Ferdinand aus "The Tempest", Gemälde 1782 von Angelica Kauffman (1741–1807)




@ filofaxi

......was er nur bedingt beeinflussen kann, indem er sich etwa aus seiner Lethargie herausbewegt, indem er sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf der Depression herauszieht, und wieder neue Hoffnung schöpft.

Sich da raus zu ziehen ist genau das was du schilderst, nämlich ein Ding der Unmöglichkeit.
Wer nur annähernd in einem morastigen Boden versunken ist, weiss, dass da ohne Hilfe, wie die auch immer von statten gehen will, nicht herauszukommen ist.
Du hast die Gründe einer Depression längst ausführlich und auch gut beschrieben.
Keine depressiv erkrankte Person lässt sich darin mit einem „Strohhalm“ raus helfen, denn, Depressive sind zwar krank aber nicht dumm.
Zudem ist die Schlafkrankheit (Encephalitis lethargica) und eine Depression nicht das Gleiche, allerdings sind in beiden Fällen auch gewisse Hirnunter- oder Ueberfunktionen Auslöser.
@mehusae

Die Frage bei der Depression ( d.h. der „Niedergeschlagenheit von der Last des vorgestellten, aktuellen Seins“ und nicht der „Traurigkeit über den Verlust von Etwas, was man für wertvoll hält“) lautet ja: „Empfindet der Deprimierte die Last des Lebens erst dann als unerträglich schwer, nachdem er durch sie über das Maß der Erträglichkeit hinaus niedergedrückt wurde?“ oder aber: „Wird er bereits durch die Vorstellung allein, das Leben sei unerträglich schwer, so sehr niedergedrückt, dass er die tatsächliche Last als doppelt schwer empfindet und sogar eine entsprechend starke psycho-somatische Reaktion darauf erfolgt?“

In dem einen Falle ist also die als schwer empfundene Last selber die Ursache, und die Vorstellung der Unerträglichkeit ist die Folge, während im anderen Falle die Vorstellung der Unerträglichkeit die Ursache ist, und die Folge ist die Empfindung, dass die Last tatsächlich unerträglich sei.

Ähnlich ist es auch mit anderen Ursachenzuschreibungen, die dazu dienen, das bislang Unerklärliche in einen mutmaßlichen, kausalen Zusammenhang von Ursache und Folge zu bringen, um sich besser damit abfinden zu können, wie es gewesen und nicht mehr zu ändern ist, oder aber die Maßnahmen als ausreichend zu begründen, die man getroffen oder ins Kalkül gezogen hat, um ein in der Zukunft liegendes Ziel zu erreichen, sodass Einem nichts Anderes mehr bleibt, als zu hoffen, dass diese dafür notwendigen Maßnahmen unter den zukünftigen Umständen auch hinreichend gewesen sein werden, um davon ausgehen zu können, dass man es auch mit Sicherheit erreicht.

Ansonsten muss man sich damit begnügen, dass man sein Bestmögliches getan hat – auch wenn das leider nicht ausreichte, um damit erfolgreich zu sein, wie man dann im Nachhinein feststellen musste.

Das muss dann jedoch noch nicht unbedingt notwendigerweise auch zur Depression führen, denn wenn man die ungünstigen Umstände und die eigene Missbefindlichkeit als zusätzliche, unwägbare Faktoren bei der Milchmädchenrechnung berücksichtigt, kann man - nachdem man über seine bisherigen Grenzen gegangen ist (über seinen Schatten gesprungen ist oder sich an den Haaren selber aus dem Stimmungstief gezogen hat) - immer noch stolz drauf sein, dabei immerhin den größten Sieg im Kampf gegen den inneren Schweinehund (nämlich seine eigene Trägheit) dabei errungen zu haben.

So ist es auch mit der angemesseneren Höherbewertung von Leistungen schwacher Schüler, die ungleich mehr geleistet haben, um Etwas zustande zu bringen, wozu starke Schüler ohne große Mühen in der Lage sind, weil das einen individuell größeren Lernfortschritt darstellt, als er bei Jemandem der Fall ist, der sich auf seinen Lorbeeren ausruht, und dabei Denen gegenüber, die genauso stark sind, wie er, und dennoch unverdrossen weiter an der Verbesserung ihrer Leistungen arbeiten, sogar in einen Rückstand gerät.

Was nun die paulinischen Tugenden betrifft, so sind diese wohl eher ganz natürliche positive Vorstellungen bezüglich der Vergangenheit (Erinnerungen), Gegenwart (Erkenntnisse) und Zukunft (Erwartungen), die man hegen sollte, um nicht nur fröhlich zu sein, damit man nicht traurig sein muss, sondern um darüber hinaus auch glücklich zu werden.

Das „Glauben-Sollen“ bezieht sich dabei wohl fälschlicherweise eher auf das „Sich-Verlassen auf die Glaubwürdigkeit eines Augenzeugen“, dem man im Zweifelsfall keine „Lüge zum Schaden Anderer unterstellen sollte“, als auf das „Sich-Verlassen auf die Richtigkeit seiner Behauptungen über die positive oder negative Vergangenheit“, weil er selber dabei war, sodass sie sich als Bestätigung dafür eignen, dass die eigenen positiven oder negativen Erinnerungen daran ebenfalls richtig sein müssen, wenn sie mit den seinigen übereinstimmen.

Das „Lieben-Sollen“ hingegen bezieht sich auf die positive Gegenwart, die man im Sinne des "positiven Denkens" auch als solche anerkennen sollte, wobei das bewusste Überbewerten der guten Seiten einer Situation nur möglich ist, indem man die schlechten dagegen beharrlich unterbewertet, oder gar ignoriert.

Dieses "Anerkennen" beruht jedoch auf einem bewussten, geistiger Akt des "positiven Bewertens", während das "Lieben" als eine "Haltung der spontanen Zuneigung gegenüber dem Gemochten" oder das Hassen als eine "Haltung der spontanen Abneigung gegenüber dem Nicht-Gemochten", einer unbewussten Bewertung entspricht, weswegen man sich zwar auch einer ungeliebten Sache oder Person zuneigen kann, wenn man es will, aber sie nicht für Etwas lieben, das Einem gar nicht als liebenswert erscheint.

Als dritte Tugend betrifft das „Hoffen-Sollen“ natürlich die bewusste Vermeidung übertriebener Erwartungen bezüglich der zukünftigen Lebensbedingungen, die man nicht selber herstellen kann, und vor Allem auch die Vermeidung übertriebener Wünsche, die man an Diejenigen richtet, die sie idealerweise erschaffen sollen, wobei man als Perfektionist das notwendige Maß der Vorkehrungen regelmäßig auf zwanghafte Weise überschreitet, um die scheinbare Sicherheit zu erlangen, dass seine eigenen Bemühungen oder die seiner Wünscheerfüller auch tatsächlich hinreichen werden.

Auch hierbei ignoriert der unvernünftig hoffende Optimist beharrlich, dass er die zukünftigen Umstände erst dann mit Sicherheit als solche erkennen kann, nachdem sie zur Gegenwart geworden sind, und nicht bereits vorher, sodass er auch immer mit einer Enttäuschung rechnen muss, die der unvernünftig befürchtende Pessimist mit derselben Ignoranz bereits als vorgestellte Tatsache vorwegnimmt, sodass er sich an der positiven Ent-Täuschung darüber, dass es doch nicht so schlimm gekommen ist, wie befürchtet, gar nicht mehr erfreuen kann.

Da das Glück bekanntlich darin besteht, dass die "Vorstellung darüber, wie die Welt idealerweise sein SOLLTE", mit der "richtigen Erkenntnis darüber, wie die Welt tatsächlich beschaffen IST", miteinander übereinstimmen, kann man sie - sofern man über die nötige Macht verfügt - entweder selber zum Besseren ändern, bzw. – wenn sie bereits gut ist – dafür sorgen, dass sie sich nicht wieder verschlechtert, um diesen Zustand so lange, wie möglich, aufrechtzuerhalten, oder aber sich auf die Hilfe Anderer verlassen, wenn man nicht nur hoffen will, dass sie sich auch von Alleine ändert.

Falls die dazu nötige Macht nicht ausreicht, kann man dann ja immer noch die unpassenden und damit falschen Idealvorstellungen ändern, und durch angemessenere ersetzen, mit denen man nicht so leicht durch die nicht zu ändernde Realität enttäuscht werden kann – besonders, wenns sich dabei um die vergangene handelt, die es gilt, letzten Endes als vorwiegend positiv zu bewerten, um sie als sinnvoll erscheinen zu lassen, auch wenn sie gar nicht dem entsprach, was man sich vorher idealerweise davon erhofft hat.

Das Dümmste, was man dabei tun kann, ist: seine reale eigene Macht dabei zu überschätzen, denn wenn man die stattdessen unterschätzt kann man höchstens noch positiv davon enttäuscht werden, wenn sich am Ende herausstellt, dass man auch ohne komplette Selbstüberforderung an sein Ziel gelangt ist, nachdem man es sich nicht unerreichbar hoch gesteckt hat.

Das nachträgliche Bedauern hingegen, was man nicht Alles hätte tun oder verhindern können, wenn man mutiger gewesen wäre, wird nicht durch das Hoffen am wirkamsten bekämpft, sondern durch das angemessene nachträgliche Überbewerten des Positiven, welches unter Abzug des Unterbewerteten Negativen immer zu einem positiven Ergebnis führt, über das man sich am Ende seines bisherigen Lebens freuen kann.

Da in der Gegenwart Vergangenheit und Zukunft zusammentreffen, kann man sich dann gleichzeitig auch noch auf ein noch schöneres, zukünftiges Leben freuen, als wie es in der Vergangenheit war, oder in der Gegenwart ist, um sich die gute Laune nicht durch eine verübergehende körperliche Missbefindlichkeit verderben zu lassen.

Falls gar keine Mittelchen helfen, um den gegenwärtigen Schmerz zu betäuben, hilft oft auch eine Mütze voll Schlaf, um danach im ausgeruhten Zustand mit mehr Frustrationstoleranz die Welt wieder als positiver zu empfinden, als sie Einem vorher noch erschien, denn wenn man beschlossen hat, dass das Ende des Lebens in jedem Falle gut sein muss, dann ist es solange, wie es Einem schlecht erscheint, auch noch nicht zu Ende.

Insofern kann man gar nicht vergeblich hoffen, denn auch wenn man sich lediglich in einer immerwährenden Gegenwart gute Laune damit verschafft, und die dann als Lohn für einen Enttäuschung in der Zukunft ansieht, dann hat sich das Hoffen bereits umso früher schon rentiert, je langfristiger man gehofft hat.

Als "aussichtsreich auf den Erfolg hinsichtlich des Eintreffens dessen, worauf man hofft" kann man auch das "bedingte Hoffen" bezeichnen, bei dem man seine Erwartungen auf spezielle Voraussetzungen und Umstände in der Zukunft beschränkt und nicht allgemein auf alle nur erdenklichen, was einer absoluten Gültigkeit gleichkäme, die es nur in der Geisteswelt der Filosofen gibt, aber nicht in der sonstigen materiellen oder sozialen Teil der Realität auf dieser Welt.