Nun ja, es ist oder blieb zumindest bisher immer noch leidlich interessant, zu beobachten, wie eine Person, die eine andere aus irgendwelchen in ihr selbst verborgenen Gründen zutiefst ablehnt, verbissen daran arbeitet, ihre eigenen Unzulänglichkeiten auf diese zu projizieren und sie zugleich unisono von allen tatsächlichen, ihr bekannt sein könnenden und noch unbekannten bzw. unbekannt bleiben müssenden positiven Wesenmerkmalen freizustellen, so dass nur noch eine verblödete, hässliche also unmenschliche Fratze übrig bleibt – wie eine Karrikatur der verdrängten Befürchtungen sich selbst betreffend.
... Denn alles, was diese Person hier auch äußert, sie kreist immerzu bloß um sich selbst.

Mein Fehler ist nur, dass ich mich immer noch dazu hinreißen lasse, mich darüber zu äußern. Aber auch dieser Impuls wird irgendwann endgültig versiegen – weil abzusehen ist, dass sich an alledem gar nichts ändern wird. Schade, dass manche Menschen ihre Potenziale nicht nutzen, um wirklich mal etwas Neues zu wagen und ihre Mitmenschen (und sich selbst) damit zu überraschen.






@ CornusMas
Du hattest zunächst geschrieben:


... Die Gesellschaft kann man in einem IST-Zustand beschreiben, ...
Daraus kann man einen gesellschaftlichen Soll-Zustand bestimmen und sich Maßnahmen überlegen, ...


Aus Deinen späteren Ausführungen wird klar, dass Du nicht den gesamten Zustand der Gesellschaft meinst, sondern einen jeweils zu verändernden Bereich, wie z.B. die Regelung der Elternzeit und des Elterngeldes. - Es gibt aber von manchen durchaus die Forderung nach einem kompletten Umbau der Gesellschaft. Die Bedenken in meinem Beitrag waren eher gegen ein solches umfassendes Ansinnen gerichtet, was sich erfahrungsgemäß kaum, jedenfalls nicht zeitnah verwirklichen ließe. - Insofern beschreibst du ja eher die gängige Praxis, für die sogar Paradigmenwechsel in einzelnen Bereichen nichts seltenes ist.

Wobei ich zu Deinem Beispiel noch anmerken möchte, dass meiner Auffassung nach ein echter Paradigmenwechsel darin bestehen würde, den Bevölkerungs-Nachwuchs nicht unbedingt selbst zu produzieren (also dafür auch keinen besonderen Anreiz schaffen zu müssen), sondern die Grenzen für Einwanderer - z.B. für Geflüchtete aus Kriegsgebieten - mitsamt ihren Familien zu öffnen. Damit wäre zumindest allen geholfen, die solchen Menschen eine wirkliche Perspektive für ein würdevolles Dasein vermitteln möchten und zugleich ihre eigene Zukunft sichern wollen - natürlich abseits aller gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit. 

Dein zweites Beispiel hat mich überrascht, denn Koalitionsvereinbarungen zwischen potenziellen Regierungsparteien sind ein verblüffend gutes Beispiel für die Vereinbarung einer gruppenübergreifenden Zukunftsplanung, die Gesellschaft als Ganzes betreffend! Allerdings greifen solche Vereinbarungen meist Themen auf, die schon vorgedacht wurden, weniger völlig neues oder gar reale Utopien - sind also eher pragmatischer Natur.

Dein drittes Beispiel - Klimawandel und Unweltschutz betreffend, zzgl. erforderliche Konsumveränderungen, auf die ich schon verwiesen habe - wird dagegen eine Herkulesaufgabe sein müssen, wahrscheinlich alle möglichen Bereiche der Gesellschaft betreffend, wie sie wohl nie zuvor nötig war. Zumindest nicht in der dafür nur noch  z.V. stehenden kurzen Frist. 

... Für die letzten beiden letzten Herkulesaufgaben in diesem Land: Die Demokratisierung Westdeutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg + die Ostdeutschlands im Rahmen der Wiedervereinigung hatten wir Jahrzehnte Zeit, wobei für die umfassenden Veränderungen jeweils am Anfang starke Helfer z.V. standen - zunächst die westlichen Alliierten, dann die Westdeutschen.

Nun aber müssen wir große Veränderungen schnell herbeiführen - ohne jede Hilfe und jedes Vorbild von außen. Und es betrifft nicht nur unser Land. - Das Thema ist zwar absolut nicht neu, aber ein wirklich nachhaltiger Wertewandel quer durch alle Schichten der Gesellschaft hat noch längst nicht stattgefunden - jedenfalls nicht mit den dafür nötigen einschneidenden Konsequenzen. - Darauf bin ich jetzt wirklich gespannt!

_______________

Aber was hat das nun alles mit dem Thema dieses Threads zu tun? Ich habe mit diesem  bewusst kein politisches Thema eröffnen wollen - auch nicht, wenn man einräumen muss, dass Politik immer mal wieder in alle Themen hereinspielen kann und wird. Denn ich möchte nicht dabei verharren ider gar enden, sondern die Verbindung zur Philosophie nie abreißen lassen. 

Falls es im Einzefall anders gewünscht wird, kann dafür der Thread Politische Philosophie genutzt werden. - Migranda würde sich darüber freuen!

Hier also zurück zu den Potenzialen der Wirklichkeit. Meine Intention waren und bleiben diesbezüglich nicht die Möglichkeiten der Gesellschaft, sondern die des Menschen als Individuum. 




Ein Nachtrag zum Paradigmenwechsel:

So wie ich schon las, gibt es vereinzelt diese "Denkfabriken", die sich damit befassen, wo die Gesellschaft bei uns in Deutschland hin sollte. Da treffen sich ganz unterschiedliche Leute und sie tragen ihre Erkenntniise zusammen.

(In diese Richtung gehen auch Grundsatz-Programme der verschiedenen Parteien.)

Genau so einen Vortrag von einem "Mitdenker" aus einer "Denkfabriken" habe ich mal vor drei Jahren besucht. Das war hochinteressant und es ging um den Klimawandel. Der Mann war evangelischer Pfarrer und so kamen auch christliche Bezüge mit dazu. Ein evangelischer Pfarrer spricht über den Klimawandel.

Zur Philosophie:

Über den Begriff wird heftigst diskutiert, da jeder etwas anderes darunter versteht.

Möchte man rund um den Klimawandel philosophisch diskutieren, dann kommt man aus meiner Sicht an folgender Begriffserklärung der Philosophie nicht vorbei:
"... Umso erstaunlicher ist die Präzision der materialistischen Fassung des Begriffes, wonach die Philosophie die Wissenschaft von den allgemeinen Bewegungs- und Strukturgesetzen der Natur, der Gesellschaft und des Denkens (Erkennens) sowie der Stellung des Menschen in der Welt ist. ..."

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Philosophie


Philosophie bedeutet:
analysieren
differenzieren
strukturieren
werten
Erkenntnisse ableiten

Das Wort Möglichkeit hat nach Duden mehrere Bedeutungen, davon zwei unterschiedliche:
1) eine Chance, die sich bietet - das Ergebis bleibt offen
2) ein Ergebnis, etwas erreicht zu haben

Die Betrachtung des Menschen in seiner Umgebung eröffnet daher viele unterschiedliche Möglichkeiten.

Den Menschen als (einzelnes?) Individuum zu betrachten, das würde ich sehr
deutlich sein lassen, denn das führt ... zum Nichts:

Der Mensch ist zwar im Zentrum dieser Betrachtung(en) und ich freue mich, dass es Konsens über die Beziehungen Ursache und Wirkung gibt, der Mensch sollte aber nie lösgelöst von der ihm umgebenen Gesellschaft und seiner materiellen und immateriellen Umwelt betrachtet werden, denn das ist die Wirklichkeit.

Den einzelnen Menschen gibt es nicht. Er wird in einer Gemeinschaft geboren und er wächst in einer Gesellschaft auf. Das ist Wirklichkeit. Sollte er, der Mensch, die Möglichkeit nutzen, dann doch zum einzelnen Individuum zu werden, dann hat er keine Nachkommen und das Buch des Lebens schließt sich ohne dass ein weiteres Kapitel dazu kommt.

Jeder Mensch ist ein einzelnes Individuum mit ganz speziellen Eigenschaften und Tätigkeiten, die tatächlich in einer Gesellschaft einmalig sind. Aber genau darin liegt die Stärke einer Gesellschaft, die Fähigkeiten der einzelnen Induviduen zu bündeln, wo Starke ihren Beitrag auch für schwächere leisten.
-> Kampf und Einheit der Gegensätze
@ Verdandi

…..Mein Fehler ist nur, dass ich mich immer noch dazu hinreißen lasse, mich darüber zu äußern. Aber auch dieser Impuls wird irgendwann endgültig versiegen – weil abzusehen ist, dass sich an alledem gar nichts ändern wird …..

Wie wäre es denn, wenn du statt der Pflege deines Personenkultes mal dem CornusMas den Unterschied zwischen dem Sein und dem Seienden erklärtest – natürlich nur, wenns dir auch möglich ist, ohne dass dir dabei deine Animositäten im Wege stehen, die dir deine Gesprächspartner wie hässliche Fratzen erscheinen lassen, sobald sie dir nicht nach dem Mund reden oder sich von dir in irgendwelche Streitereien verwickeln lassen?

Beispiele aus der Politik können dabei genauso nützlich sein, wie persönliche Erlebnisse, um den theoretischen Sachverhalt zu illustrieren, warum Etwas bisher möglich war, sodass es zur Realität wurde, und auch, warum aus etwas Anderem Nichts wurde, obwohl es wünschenswert war, und die Maßgeblichen ihr Bestes geleistet haben, um es zu bewirken,

Wenns jedoch lediglich um die Parteiergreifung der einen Seite gegen die andere geht, ist auch ein Forum über Politische Filosofie nicht dazu geeignet, sondern dafür sollte man sich besser bei einem Bier im Chatraum eines virtuellen Stammtisches oder in einer echten Kneipe gegenseitig niederbrüllen, um beim Public Viewing Allen klar zu machen, dass die favorisierte Fußballmannschaft automatisch auch die bessere sei und daher den Sieg verdient habe, und die andere aus demselben Grunde nicht.

Wer sich dazu immer wieder aufs Neue hinreißen lässt, obwohl er es angeblich gar nicht will, hats wohl so sehr nötig, dass er auch gar nicht anders kann, sodass Schopenhauers „Vierfache Wurzeln des zureichenden Grundes“ hier vielleicht die am leichtesten verständliche Erklärung dafür liefern, dass die einzige Möglichkeit, die das Zeug dazu hat, zur Wirklichkeit zu werden, auch unweigerlich zur Wirklichkeit werden MUSS, ohne dass es dafür noch eine andere Alternative gibt – selbst dann, wenn man sie erst als solche erkennen kann, nachdem sie bereits zur Wirklichkeit geworden IST, und man sich bis dahin mit seinen Fantasievorstellungen darüber begnügen muss.

http://www.arthur-schopenhauer-studienk ... runde.html

@ Filofaxi

Nein - die hässliche Fratze ist das menschliche Objekt ohne positive Eigenschaften, das dumme Ding, als das Du mich immer wieder dastehen lassen wolltest in all Deinen belehren sollenden, aber im Grunde zutiefst missachtenden, abfälligen Beiträgen.

Diese Tatsache nun einfach nur umzudrehen, ist die Methode eines Trolls, der sich dafür nicht zu schade ist, nur um sich selbst in ein besseres Licht zu stellen. Du gehst davon aus, dass es nicht auffallen wird, weil es für jeden zu mühsam wäre, Deinen Texten tatsächlich einmal auf den Grund zu gehen - was unglaublich überheblich, aber vor allem sehr traurig ist.

- Den Rest Deines Beitrags darfst Du dann auch gern behalten. 






@ CornusMas

Ich finde Deinen Beitrag aufrichtig und Dein Anliegen legitim. Du hast dargestellt, worin Deine Interessen bestehen und weshalb Du Dich nur auf gesellschaftspolitische Themen, aber nicht für den Menschen als solchen fokussieren möchtest. Ich finde es zwar stark übertrieben, insofern das Individuum als "Nichts" zu bezeichnen, aber ich habe gemerkt, aus welchen Gründen Du diese Übertreibung benutzt - trotzdem  ist dieses m.E. letztlich durch nichts zu rechtfertigen. 

Eine Gesellschaft, die keinen Wert auf den einzelnen Menschen legt, ist eine gesichtslose Gesellschaft, die sich selbst verdinglicht. Aber diese Aussage ist im Kern schon falsch: Es gibt keine Gesellschaft, die wie eine Person eine Haltung einehmen kann, die eindeutig wäre. Also könnte es sich hierbei nur um eine Doktrin handeln, die vorgibt, das Gemeinschaftsinteresse zu verfolgen, tatsächlich aber Menschen als Persönlichkeiten unterdrückt. Ich denke in diesem Zusammenhang sofort an China.

Was mich vorrangig interessiert, ist der Mensch als Individuum. Mir geht es vor allem darum, seine Fähigkeiten, Lernpotenziale und Grenzen auszuloten. Ich empfinde das als höchst spannend!

Natürlich kann man den Menschen nicht isoliert von seiner Umwelt betrachten. Diese beeinflusst ihn in starkem Maße, was aber nicht dahin führen sollte, von ihm völlig abzusehen - ganz im Gegenteil: Er muss als Basis für jede Gesellschaft im Zentrum des Interesses eines jeden Betrachters stehen bleiben. Denn das bedeutet, dass man jedem einzelnen Menschen zugesteht, für sich selbst verantwortlich zu sein, bevor seine Rolle und seine Leistungen für die Gemeinschaft in den Blick zu nehmen ist. Nur so ist dafür gesorgt, seine Würde zu wahren. 

Von den einzelnen Menschen völlig abzusehen - angeblich zum Vorteil der Gesellschaft - würde bedeuten, ihn nur als an sich unbedeutendes Rädchen im Getriebe zu sehen, der niemals das Recht hätte,  selbstständig und unabhängig zu denken und sich ein eigenes Urteil über seine eigene Existenz und seine Rolle in der Gesellschaft zu bilden.

Wir sind hier alle  keine Philosophen, sondern möchten uns der Philosophie bedienen, also das Wissen von professionellen Denkern aller Epochen der menschlichen Geistesgeschichte nutzen, um einen eigenen Standpunkt zu finden, um all die Fragen, die uns im Laufe  unseres Lebens bis heute und bis zu unserem Ende beschäftigen, möglichst adäquat beantworten zu können.

Wenn Du das anders siehst, würdest Du Dich eventuell in einem anderen (mehr politischen) Forum besser, also mehr zugehörig fühlen? Diese Frage musst Du dir natürlich selbst beantworten. - Was Du aber meines Erachtens nicht tun solltest ist, den User*innen, die sich für Philosophie interessieren, dieses Interesse abzusprechen.

Wenn das geklärt ist, wird doch nichts dagegen stehen, in einem politischen Forum auch philosophische Gedanken zu äußern und in einem philosophischen auch politische - wenn es gerade gut zum Thema passt!

Deshalb habe ich mich auch immer wieder einmal darauf eingelassen, hier in diesem Forum und sogar in diesem Thread politischen Gedanken nachzugehen und diese zu äußern. ...Und Du könntest Dich ein bisschen mehr für den individuellen Menschen, und für die Philosophie an sich interessieren, wenn Du Dich hier in diesem Forum und in diesem Thread einbringen möchtest.

Auch wenn es überflüssig ist, weil es ja immer so ist, dass man "nur" seine Meinung äußert, möchte ich doch  in diesem Fall explizit darauf hinweisen: Dies ist nur meine Meinung! Jeder kann hier selbstverständlich seine eigenen Ansichten darstellen. Die Frage ist wie immer nur, ob man einander verstehen und sich in manchen Dingen sogar einigen will und kann. Wenn das nicht der Fall wäre, stünden die Beiträge isoliert, was aber auch nicht schlimm wäre. 

C'est la vie! :)




@ filofaxi vom 13.01.2021, 00:16 Uhr

"Wie wäre es denn, wenn du statt der Pflege deines Personenkultes mal dem CornusMas den Unterschied zwischen dem Sein und dem Seienden erklärtest – natürlich nur, wenns dir auch möglich ist, ohne dass dir dabei deine Animositäten im Wege stehen, die dir deine Gesprächspartner wie hässliche Fratzen erscheinen lassen, sobald sie dir nicht nach dem Mund reden oder sich von dir in irgendwelche Streitereien verwickeln lassen? ..."
Als filofaxi ich warte darauf, dass du mir den Unterschied zwischen dem Sein und dem Seienden erklärst. Allerdings ist diese Thema dazu ungeeignet. Du solltest mir als mitteilen, wo du deine Abhandlungen nieder geschrieben hast. Du darst gern ein neues Thema eröffnen.
Und komm mir nicht, dass hier bei 50+ schon genug stehen würde oder dieses im Netz nachlesbar wäre.
Ich möchte deine ganz persönlichen Ausführungen lesen, so dass auch das Kopieren als nicht erfüllend betrachtet würde. Jetzt wird also nicht gegackert, sondern ein Text erstellt.

@ Filofaxi

Ich hatte dir schon mehrfach geschrieben, dass du meine Texte nicht verstehst, nicht verstehen kannst oder nicht verstehen möchtest, denn sonst hättest du deinen Text vom 13.01.2021, 00:16 Uhr nicht geschrieben.

Damit möchte ich dir gleich mitteilen, dass ich den Ausführungen von @Verdandi am 13.01.2021, 09:10 Uhr komplett zustimme. Das gilt auch, wenn ich in manchen Punkten andere Ansichten habe.
@ Verdandi » 13.01.2021, 09:20 Uhr

"... Eine Gesellschaft, die keinen Wert auf den einzelnen Menschen legt, ist eine gesichtslose Gesellschaft, die sich selbst verdinglicht. Aber diese Aussage ist im Kern schon falsch: Es gibt keine Gesellschaft, die wie eine Person eine Haltung einehmen kann, die eindeutig wäre. Also könnte es sich hierbei nur um eine Doktrin handeln, die vorgibt, das Gemeinschaftsinteresse zu verfolgen, tatsächlich aber Menschen als Persönlichkeiten unterdrückt. Ich denke in diesem Zusammenhang sofort an China. ...

Das habe ich nicht geschrieben und das entspricht nicht meiner Meinung.

"... Von den einzelnen Menschen völlig abzusehen - angeblich zum Vorteil der Gesellschaft - würde bedeuten, ihn nur als an sich unbedeutendes Rädchen im Getriebe zu sehen, der niemals das Recht hätte, selbstständig und unabhängig zu denken und sich ein eigenes Urteil über seine eigene Existenz und seine Rolle in der Gesellschaft zu bilden. ...

Das habe ich nicht geschrieben und das entspricht nicht meiner Meinung.

Die Bedeutung des Menschen wird aus meiner Sicht selten angemessen dargestellt. SchreiberInnen neigen zum dramatisieren oder bagatellisieren. Jeder Mensch hat in Deutschland nach Einwohnerzahl etwa 1/83millionstel Bedeutung und so dürfte des kleine Rädchen im Getriebe aus dieser Sicht sehr passend sein. Es gibt nicht DAS Eine große Getriebe, wo alles still steht, weil EIN kleines Zahnrad ausfällt. -> Übertreibung
Denn Gesellschaft funktioniert vielschichtig, wo tatsächlich jeder einzelne Mensch seine ganz spezielle Bedeutung hat, egal ob es eine Putzfrau, ein Busfahrer, eine Ärztin, ein Mitarbeiter der Flugüberwachung oder die Bundeskanzlerin ist.
Manchmal werden einzelne Menschen zu Lebensrettern
und
nicht zu vergessen, dass jede Stimme bei einer Wahl zählt.

Bei der letzten Landstagswahl in Thüringen hatte die FDP (Thüringen) rund 100 Stimmen über der 5%-Hürde und die FDP ist damit wieder in den Landtag gekommen mit der unfassbarsten Wahl eines FDP-Abgeordneten in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland zum kürzesten Ministerpräsidenten in einem deutschen Bundesland. Drei Stimmen - ich wiederhole drei Abgeordneten-Stimmen - mehr aus den Reihen der CDU hätten diesen Spuk mit Ansage verhindert.

Es kommt auf die richtige Wichtung und damit die Rolle des einzelnen Menschen in der Wirklichkeit und dessen Interaktionen an.
.....von Verdandi » 10.01.2021, 16:58

In der Philosophie wird seit Aristoteles das Sein vom Seienden unterschieden. In allem Seienden ist das (Da-) Sein enthalten, das an sich unveränderlich und nicht substanziell ist und nicht ohne Seiendes gedacht werden kann.

Das Seiende dagegen ist das, was Substanz hat und sich von allem anderen Seienden konkret unterscheiden lässt: Die Existenz, auch Wirklichkeit genannt inklusive Möglichkeit als Teil der Wirklichkeit.

Das was Du "Ist" nennst, ist die Existenz, ist die Wirklichkeit - also das konkret Seiende, dem das Sein immanent ist.



von CornusMas » 10.01.2021, 22:20

Wie ich schon einemal schrieb, sehe ich die Betrachtung rund um die Begriffe "Sein" und "Seiend" für mich problematisch, da ich sie nicht in ihrer Bedeutung erfassen kann, die für mich größeren Sinn ergibt. Ich brauche etwas konkretes. ….


Nach einem kurzen Exkurs in die Praxis, bei der die Frage von CornusMas nach dem wirtschaftspolitischen Sein und dem Sein-Sollen im Vordergrund stand, erfolgte folgende gouvernantenhafte Maßregelung:


.....von Verdandi » 12.01.2021, 8:23

Aber was hat das nun alles mit dem Thema dieses Threads zu tun? Ich habe mit diesem bewusst kein politisches Thema eröffnen wollen - auch nicht, wenn man einräumen muss, dass Politik immer mal wieder in alle Themen hereinspielen kann und wird. Denn ich möchte nicht dabei verharren ider gar enden, sondern die Verbindung zur Philosophie nie abreißen lassen.

Falls es im Einzefall anders gewünscht wird, kann dafür der Thread Politische Philosophie genutzt werden. - Migranda würde sich darüber freuen!

Hier also zurück zu den Potenzialen der Wirklichkeit. Meine Intention waren und bleiben diesbezüglich nicht die Möglichkeiten der Gesellschaft, sondern die des Menschen als Individuum.
….


@ CornusMas

Wie aus obigen Einlassungen hervorgeht, war deine durchaus themenbezogene Frage an Verdandi und nicht an mich gerichtet, sodass es für sie auch mal eine Gelegenheit gewesen wäre, ebenso themenbezogen zu antworten, anstatt ihr offensichtliches Unvermögen, es auch noch auf andere Weise erklären zu können, wie üblich mit erzieherischem Lob und Tadel, verbunden mit der unterschwelligen Warnung eines Platzverweises, zu verbergen.

Was nun die vorgestellten Möglichkeiten betrifft, um eine wirtschaftspolitische Situation zu verbessern, so hängt deren Verwirklichung natürlich nicht von jedem einzelnen Bürger ab, weil der gar nicht über die dafür nötige Macht verfügt, sondern hauptsächlich vom Vermögen und den Machtbefugnissen der Regierenden, gemeinnützige Beschlüsse nötigenfalls auch gegen den Willen asozialer Personen durchzusetzen, die nur ihr eigenes Wohl anstatt des Allgemeinwohls im Sinn haben.

Insofern reicht auch nicht der Schopenhauersche Wille plus Vorstellung aus, um die Realität zu ändern oder beizubehalten, wenn die dazu nötigen Voraussetzungen und Umstände nicht gegeben sind, und das, was in der Vergangenheit nicht erreicht worden ist, war unter den damaligen Umständen auch nicht zu erreichen möglich.

Das zum sachlichen Teil deines letzten Statements.

…..Als filofaxi ich warte darauf, dass du mir den Unterschied zwischen dem Sein und dem Seienden erklärst. Allerdings ist diese Thema dazu ungeeignet. Du solltest mir als mitteilen, wo du deine Abhandlungen nieder geschrieben hast. Du darst gern ein neues Thema eröffnen.
Und komm mir nicht, dass hier bei 50+ schon genug stehen würde oder dieses im Netz nachlesbar wäre.
Ich möchte deine ganz persönlichen Ausführungen lesen, so dass auch das Kopieren als nicht erfüllend betrachtet würde. Jetzt wird also nicht gegackert, sondern ein Text erstellt. ….


Deiner im Befehlston vorgebrachte Forderung, Dir Irgendwas erklären zu sollen, werde ich hingegen genauso wenig nachkommen, wie dir deine rhetorischen Fragen zu beantworten, sodass du dir dafür leider jemand Anderen suchen musst, solange sich dein Umgangston mir gegenüber nicht ändert.

Im Zweifelsfalle steht dir außerdem immer noch Wikipedia zur Verfügung, woraus DU ja fleißig zu zitieren beliebst, und nicht ICH, mit dem du dich wohl gerade verwechselst.
Von filofaxi » 13.01.2021, 23:18 Uhr

".... Nach einem kurzen Exkurs in die Praxis, bei der die Frage von CornusMas nach dem wirtschaftspolitischen Sein und dem Sein-Sollen im Vordergrund stand, erfolgte folgende gouvernantenhafte Maßregelung: ..."

Wo habe ich, CornusMas, über ".. die Frage von CornusMas nach dem wirtschaftspolitischen Sein und dem Sein-Sollen, [die] im Vordergrund stand, ..." geschrieben?

Ist Gaggern deine Filosofie?
Hegel hatte hohe Ansprüche an die Philosophie. Er erwartete von ihr, "der Gemeinheit des alltäglichen Lebens" entgegenzuarbeiten. "Denn der Zeitpunkt scheint eingetreten zu sein, wo diese beinahe verstummte Wissenschaft wieder ihre Stimme erheben und hoffen darf, dass die für sie taub gewordene Welt ihr wieder ein Ohr leihen wird",
Ausdrücklich wandte er sich gegen die weit verbreitete Tendenz, beliebige Meinungen als Philosophie zu deklarieren. Die unreflektierte Übernahme von Allgemeinplätzen war für ihn das Resultat einer mangelnden Bildung, die dazu führe, komplexe Zusammenhänge auf simple Perspektiven zu reduzieren.
In Hegels Dialektik ist das "Sein eines Sachverhaltes" identisch mit dem "Nicht-Sein seines Gegenteils", wodurch dieser auf ganzheitliche Weise definiert werden kann.

Wird nun festgestellt, dass ein Vorhaben nur unter speziellen Umständen verwirklicht hat werden können, weil es andersrum gar nicht möglich gewesen wäre - was auch das Wesen des wissenschaftlichen Plausibilitätstestes nach Popper ausmacht - , liegt im Nachhinein die Vermutung nahe, dass dieses Alles nicht von selber entstanden sei, sondern von Jemandem bewirkt worden sein müsse, der entweder bereits wusste, was nötig ist, um es in der Zukunft bewirken zu können, oder sogar allmächtig war, um die Zukunft nach eigenem Willen gestalten zu können, wie es in der Vorstellung von Anhängern der Idee von einem allmächtigen Schöpfer und Bestimmer aller Dinge im Himmel und auf Erden der Fall ist.

So wurde auch das Scheitern einer als ideal vorgestellten „Gesellschaft mit herrschaftsfreier Gleichberechtigung aller Menschen“, wie es die Humanisten gefordert haben, von den christlichen Diktatoren, die sich nach der parlamentarischen Demokratie militärisch an die Macht geputscht haben, eigenmächtig als „gottgewollt“ und damit auch als alternativlos legitimiert.

Dass den Kommunisten und Sozialisten, die keinem Götzen huldigen, diese Legitimation fehlte, macht die besondere Tragik des sozialistischen (partnerschaftlichen) Gesellschaftsmodells aus, an welches man nicht einfach „glauben“ kann, sondern von dessen Wirksamkeit sich Jeder selber innerhalb einer Partnerschaft vergewissern muss, indem er sich mutig dort hineinbegibt, in der Hoffnung, dass der Andere ebenfalls einsieht, dass er den Kampf um die Vorherrschaft nicht gewinnen kann, ohne dabei die Partnerschaft aufs Spiel zu setzen, sodass am Ende Beide verlieren, anstatt zu gewinnen.

Das macht die allgemein gültige Weisheit (Sophia) dieser aus einer individuellen Weltsicht gewonnenen Meinung aus, der man nicht blindlings zustimmen muss, um als Gesinnungsgenosse eines Herrn zu gelten, dem man gefallen möchte, sondern die es als Liebhaber der Weisheit lediglich zu verstehen und - nachdem man sie selber auf ihren Nutzwert hin überprüft hat - zu praktizieren gilt, um sie als richtig zu beweisen.

Wiederholte Falschaussagen erschaffen keinen Wahrheitsgehalt. Vielleicht mag es manchen so erscheinen, weil  Wiederholungen sich eher in ihr Gedächtnis einbrennen, als lfd. neu vermittelte Erkenntnise. Aber wer klug genug ist, das Spiel zu durchschauen, kann sich effizienter vor klassischen Manipulationstechniken schützen, als diejenigen die alles nur mit halber Aufmerksamkeit aufnehmen, dafür aber unbewusst für Wiederholungen viel empfänglicher werden.






All den unermüdlichen Hegel- und Marx-Verehrer*innen empfehle ich einen Grundkurs der Popperschen Philosophie. Was diese tatsächlich ausmacht (abseits all dessen, was hier so oft an den Haaren herbeigezogen als solche behauptet wird), ist sehr schön in seinen grundlegenden Werken, insbesondere "Die offene Gesellschaft und ihre Feinde" nachzulesen. 

Eine sehr gute Zusammenfassung bietet getabstract.com:

Die offene Gesellschaft und ihre Feinde von Karl Popper — Gratis-Zusammenfassung
https://www.getabstract.com/de/zusammenfassung/die-offene-gesellschaft-und-ihre-feinde/5464

Auszüge:

>> Mit der „offenen Gesellschaft“ prägte Karl Popper ein Schlagwort, das das Selbstverständnis vieler moderner Demokratien mitbestimmt hat. Grundmerkmale einer offenen Gesellschaft sind die Fähigkeit und die Bereitschaft zur Veränderung; das setzt Meinungsfreiheit und Diskussionsfähigkeit voraus. In offenen Gesellschaften gibt es keine Dogmen. Die geltenden Regeln bilden sich im demokratischen Diskurs. Geschlossene Gesellschaften hingegen haben starre Strukturen, die die Angst vor Veränderung ausdrücken. ...<<

>>...  Take aways:  
- Poppers Die offene Gesellschaft ist eine tiefschürfende Auseinandersetzung mit der langen Tradition totalitären Denkens, die er auf den Philosophen Platon zurückführt.

- Das Buch ist ein Plädoyer für Demokratie, offenen Diskurs, Eigenverantwortung und den Abschied von der Vorstellung, Geschichte laufe nach Gesetzmäßigkeiten ab.

- Die „offene Gesellschaft“ wurde zum Schlagwort in der politischen Debatte und machte Popper ab den 60er Jahren auch in der deutschen Öffentlichkeit bekannt.

- In offenen Gesellschaften treffen die Individuen persönliche Entscheidungen; sie versuchen zudem, andere Mitglieder der Gesellschaft sozial zu übertrumpfen.

- Geschlossene, totalitäre Gesellschaften hingegen gehen nach Popper auf das Stammesdenken zurück, in dem die Geschicke von höheren Mächten gelenkt werden.

- Platons Lehre vom „idealen Staat“ hat diese Vorstellung zementiert.

- Platon sagte: Weil der ideale Staat in der Realität nicht erreicht werden kann, muss wenigstens der Status quo gesichert werden; Veränderung ist abzulehnen.

- Indem Platon diese Regel als Gesetz formulierte, trug er zur Entstehung des Historizismus bei, der aus der Vergangenheit Gesetzmäßigkeiten für die Zukunft ableitet.

- Karl Marx’ Historizismus war besonders gefährlich, weil er moralisch motiviert war und wohlmeinende Menschen auf den falschen Weg führte.

- Nach Marx verläuft die Geschichte gesetzmäßig: Der Zusammenbruch des Kapitalismus und die Entstehung der klassenlosen Gesellschaft sind unausweichlich.

- Doch Gesetzmäßigkeiten, die hundertprozentige Voraussagen zulassen, gibt es nicht.

- Anstelle des Historizismus und des Glaubens an historische Vorhersagbarkeit setzt Popper auf eine „Politik der kleinen Schritte“... <<

>>  ...Hegel benutzte Platons Ideen, um seine Aufgabe zu erfüllen, nämlich die Unterstützung des reaktionären preußischen Staates und die Bekämpfung liberaler Tendenzen. Der Staat ist alles, der Einzelne nichts, so seine Lehre. Deshalb musste Hegel auch gegen Englands liberale Verfassung wettern und die Nation in fast allen Belangen als rückständig gegenüber anderen Ländern bezeichnen – was ein unglaublicher Unfug war, wenn man sich nur Preußens damalige Provinzialität in puncto Wissenschaft und Kunst vergegenwärtigt.

Hegel als Vorreiter einer totalitären Moderne: Fast alle grundlegenden Inhalte der modernen totalitären Ideologien stammen von Hegel – auch wenn es meist nicht seine eigenen Ideen sind, sondern Adaptionen Platons oder, seltener, Heraklits. Um zu zeigen, wie sehr das ideologische Instrumentarium des Totalitarismus auf Hegel und folglich auch auf Platon beruht, lohnt es sich, eine Liste der wichtigsten Elemente aufzustellen, wie sie bei Hegel vorkommen:

- Der Nationalismus: Der Einzelne verwirklicht sich nicht in sich selbst, sondern nur in seiner Eigenschaft als Mitglied der Nation. Diese ist die höchste geistige Idee.

- Der Staat als Einheit: Als wichtigste Einheit definiert sich der Staat vor allem durch Abgrenzung zu den anderen Staaten. Er hat sie deshalb zum Feind und muss sich immer wieder durch Kriege behaupten.

- Der Krieg als sittliches Prinzip: Weil der Daseinszweck des Staates eng mit dem Krieg verknüpft ist, wird der (meist totale) Krieg als sittliches Ideal propagiert. Der im Krieg erworbene Ruhm stellt das höchste Glück dar.

- Der Heroismus: Da der Staat sich ständig im Krieg beweisen muss, kommt er keinen nennenswerten sittlichen Pflichten nach; ebenso wenig der Einzelne, der im Dienst des Staates steht. Das heroische Leben gilt als Ideal, im Gegensatz zur Langweiligkeit des kleinen Bürgers.

- Der Erfolg als Richtschnur: Weil weder der Staat noch die in seinem Sinn Handelnden sittliche Maßstäbe befolgen, gilt der nackte Erfolg als oberste Richtschnur allen Handelns.

- Das Führerprinzip: Staatsmännische Tugenden wie Charakterstärke, Weisheit und Leidenschaft werden allein auf den Führer des Staates projiziert.

Marx: Der Marxismus ist die reinste, am weitesten entwickelte und gefährlichste Form des Historizismus. Was Karl Marx allerdings von seinen historischen Vorläufern ebenso unterscheidet wie von den Faschisten, ist der humanitäre Impuls. Im Gegensatz zu Hegel ging es Marx ernsthaft darum, seine Theorien auf die drängenden sozialen Probleme seiner Zeit anzuwenden. Er wollte Methoden entwickeln, mit denen die Lage der leidenden und ausgebeuteten Menschen verbessert werden konnte. Trotzdem ist er nicht nur praktisch, sondern auch theoretisch gescheitert. Noch verhängnisvoller aber ist, dass seine Lehre nach wie vor unzählige Leute beeinflusst, die guten Willens sind und die eigentlich eine offene Gesellschaft unterstützen möchten. ...<<

>>... Wir haben keine andere Wahl, als unser Schicksal selbst in die Hand zu nehmen, wachsam und mit allen Konsequenzen: die Aufgabe, die wir für uns erkannt haben, so gut es geht erfüllen; eine Richtung festlegen, ihr folgen, solange es geht, oder sie irgendwann verlassen; Fehler machen und aus den Fehlern lernen. Aber wir dürfen nicht den Irrtum begehen, zu glauben, dass die Geschichte uns bestimmt und dass die Geschichte unser Richter sein wird. ...<<

>>... Popper appelliert nachdrücklich an die Verantwortung des Einzelnen, so in den grandiosen letzten Sätzen: „Statt als Propheten zu posieren, müssen wir zu den Schöpfern unseres Geschicks werden. (...) In dieser Weise könnten wir vielleicht sogar die Weltgeschichte rechtfertigen: sie hat eine solche Rechtfertigung dringend nötig.“<<





Die wissenschaftliche Methode des Zweifelns anstatt des blinden Glaubens bedeutet in der Tat, eine Sache nicht nur von ihrer positiven, weil nützlichen, Seite für das eine Ziel zu akzeptieren, sondern auch ihre gleichzeitig negative, weil schädliche, Seite für ein anderes Ziel zu betrachten, was die Dialektik der Betrachtungsweise ausmacht, um dabei nicht in subjektive, zweckgerichtete Einseitigkeit zu verfallen.

Insofern gehört zum wissenschaftlichen Arbeiten beim Aufstellen einer Hypothese zunächst die induktive Rektifikation (anstatt von Verifikation) zB durch den Plausibilitätsnachweis, worin sowohl die Folgerichtigkeit als auch die Zielgerichtetheit als Gesichtspunkt der Zweckgebundenheit oder der Sinnhaftigkeit eine Rolle spielt, und danach auch die Falsifikation bei der Aufspürung der Schwachstelle, die hauptsächlich darin besteht, dass die Hypothese nur für spezielle Fälle und nicht für alle Fälle gilt.

Damit wollte Popper den Positivisten der Frankfurter Schule entgegentreten, die der Meinung waren, es gebe zB bei der Gesellschaftstheorie verschiedene Logiken, weil das Prüfergebnis aufgrund der Interessengebundenheit des Prüfenden bereits feststehe, was besonders bei Ideologien keine wertneutrale Untersuchungsmethode zuließe.

Als Mathematiker war das für Popper natürlich Unsinn, denn - wie man seinem Werk über die wissenschaftlichen Forschungsmethoden entnehmen kann - gibt es nur eine Logik (dh Folgerichtigkeit), und Alles, was nicht folgerichtig begründet ist, ist wissenschaftlich falsch begründet, und damit unwissenschaftlich - so, wie es auch nur eine Wahrheit gibt - nämlich das, was der Betreffende wirklich denkt - und nicht mehrere, sodass Alles, was nicht der Wahrheit entspricht, eben gelogen ist.

Ob Etwas jedoch ontologisch der Fall ist oder nicht, kann man nur dann als richtig oder falsch begründen, wenn es sich dabei um einen kausalen oder zielorientierten Sachzusammenhang handelt, aber nicht, wenns lediglich um das Erscheinen einer Sache geht, deren Existenz selber sich wissenschaftlich so wenig beweisen, wie widerlegen lässt, sondern worüber man lediglich Theorien formulieren kann, die wiederum nützlich sind, weil sie ihren Zweck erfüllen, oder unnütz, wenn das nicht (mehr) der Fall ist, und wobei die jeweils besser geeignete auch die für die jeweiligen Zwecke richtige ist.

Die missverstandene Deutung der Falsifizierbarkeit einer wissenschaftlichen Hypothese selber anstatt lediglich als Bestandteil der wissenschaftlichen Arbeitsmethode, wäre absurd, denn eine Hypothese nur dann als Hypothese zuzulassen, wenn sie sich als falsch herausgestellt hat, machte überhaupt keinen Sinn.

Was nun die politische Richtigkeit einer Gesellschaftsform, wie dem sozialistischen Marxismus und des kapitalistischen Liberalismus, betrifft, so ist Ersterer aufgrund der egalitären Machtverteilung für Lohnangestellte und auch Verbraucher nützlich und damit richtig, weil sie damit unabhängiger von der Willkür der Unternehmer sind, und gleichzeitig für Unternehmer schädlich und damit falsch, weil damit ihrem grenzenlosen Macht- und Profitstreben zum eigenen Vorteil gesetzlich eine Grenze gesetzt wird.

Beim Zweiten jedoch ist es genau umgekehrt, sodass Jedes der beiden Modelle für das Eine gut und richtig ist, und für das Andere schlecht und falsch.

Was Poppers persönliche Aversion gegen den sogenannten Nationalsozialismus betraf, so würde ein internationaler Sozialismus ohne Ausländerhetze und Fremdenhass seinen Interessen sicher mehr entgegenkommen, als ein frühkapitalistischer Neoliberalismus, der dem wirtschaftlich Stärkeren auf dem Weg zur Alleinherrschaft Tür und Tor öffnet, wie es in Amerika bei der Herrschaft der Milliardäre ja bereits schon notwendige Voraussetzung ist, um sich überhaupt zum Präsident wählen lassen zu können.

Zur Erklärung der Falsifizierung als „wissenschaftliche Ausschlussmethode von Fehlern in einer Hypothese“ und nicht etwa als „notwendige Eigenschaft einer Hypothese, um als richtig gelten zu können“, sei auf einen Absatz aus der Zusammenfassung von Poppers Werk zur „Logik der Forschung“ verwiesen:

Das Kriterium der Falsifizierbarkeit
Die Lösung liegt darin, bei der Begründung der Gültigkeit von wissenschaftlichen Aussagen nicht induktiv, sondern deduktiv vorzugehen. Die neue Methode nennt sich "hypothetisch-deduktive Methodik der Nachprüfung". Mit ihr stellt ein Forscher eine Hypothese auf und überprüft sie dann deduktiv, d. h. er testet, ob sie den Gesetzen der deduktiven Logik entspricht: etwa ob sich aus ihr Widersprüche ergeben, oder ob sie tautologisch ist - also zwar richtig ist, aber ähnlich wie der Ausdruck "weißer Schimmel" keine neue Erkenntnis über die Welt vermittelt. Außerdem kann der Wissenschaftler seine Hypothese praktischer Bewährung unterziehen: Er kann ein Experiment machen.

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