everyone hat geschrieben:

"Denken und Sein werden vom Widerspruch bestimmt." Aristoteles
.......der Mensch bleibt auch in der späten Lebenszeit ein auf Erfüllung und Glück ausgerichtetes Lebewesen. Ebenso wie die anderen Lebensphasen, ist das Leben im Alter ein konstitutiv riskantes, gefährdetes Werden zu sich selbst. Dabei können scheinbare Widersprüche, die in der Tiefe der Psyche friedlich nebeneinander bestehen können, durch vom Menschen selbst geschaffene Widersprüche, rätselhaft erscheinen. Der Mensch sollte sich daran gewöhnen, dass es keinen Augenblick gibt, indem jeder Mensch widersprüchlich lebt......... im Konflikt zwischen Unterdrückung und Freiheit auf allen Ebenen der Wirklichkeit.

Der letzte Satz ergibt für mich keinen Sinn, es sei denn, es fehlt ihm ein Wörtchen:

>>Der Mensch sollte sich daran gewöhnen, dass es keinen Augenblick gibt, indem jeder Mensch [nicht?] widersprüchlich lebt......... im Konflikt zwischen Unterdrückung und Freiheit auf allen Ebenen der Wirklichkeit.<<


@ Verdandi ........richtig !.....indem "nicht" jeder Mensch widersprüchlich lebt .
Vielen Dank,
Gruß.

Du darfst Deine Überzeugungen gern behalten, wir müssen das beileibe nicht ausdiskutieren. – Aber verstehe mich nicht absichtlich falsch!


... Ich vermute aber, dass wir bloß aneinander vorbeireden und im Grunde ganz verschiedene Dinge meinen. Ob es sich lohnen würde, diesen beim anderen auf den Grund zu gehen, kann jede*r nur für sich entscheiden.


@ Verdandi..... nur das von mir vergessene Wort nicht !....
Gruß
>>Der Mensch sollte sich daran gewöhnen, dass es keinen Augenblick gibt, indem jeder Mensch [nicht?] widersprüchlich lebt......... im Konflikt zwischen Unterdrückung und Freiheit auf allen Ebenen der Wirklichkeit.<<

Ein gewaltiger Satz. Darf ich einmal artig nachfragen - ich komme später zu weiteren - warum das so ist? Der Mensch also ununterbrochen widersprüchlich lebt?
Und warum muss er sich daran gewöhnen? Macht er es vielleicht unbewusst automatisch?
Da ist das aneinander Vorbeireden schon inklusive.
Felix

@ acul

Darauf kann - was den Satz von @everyone betrifft - nur er selbst antworten.

Zur Widersprüchlichkeit des menschlichen Wesens an sich habe ich schon so einiges hier geäußert, nun aber auch im Netz in einem Journal für junge Leute einen wunderbaren, allgemeinverständlichen Artikel zum Thema gefunden:



>>Warum verhalten wir uns so widersprüchlich?<<
https://ze.tt/warum-verhalten-wir-uns-im-leben-so-widerspruechlich/

Auszug:

>>Widersprüchlich erscheinendes Verhalten kann auch daran liegen, dass Menschen viele Facetten haben – und mal die Richtung ändern wollen. Würden wir uns immer starr verhalten, könnten wir uns nicht mehr entwickeln. Wer weiß schon immer, wohin es geht. So bleiben wir offen, lassen andere Meinungen und Aussagen in unser Leben. Bleiben kritikfähig. Auch kompromissfähig. Wir lernen dazu.<<



Menschen reden, mehr oder weniger, immer aneinander vorbei. Weil das so ist, erlebt er es bereits als ein "miteinander reden", wenn die Beteiligten immer noch zu einem nicht unerheblichen Teil aneinander vorbeireden, es aber wenigstens gewisse Schnittmengen gibt. Alles möglich, dank der entsprechenden Hirnfunktionen. Lasst uns guten Mutes aneinander vorbeireden, und am Ende unserer vielen Wege ist rückblickend zu erkennen, dass auch das Unpassende zum Thema uns auf gewisse Weise bereichern kann. Und dass alles nur in uns selbst lag.

Je weniger ich mich an meinen Widersprüchlichkeiten störe, um so wahrscheinlicher ist, dass ich meinen Blick nicht länger vor diesen verschließen muss; zumindest zu dem Teil, zu dem ich Zugang finden kann. Es gibt so viel in uns zu entdecken. Gewohnt war ich, einen großen Teil dieser Widersprüchlichkeiten auszublenden. Schade um jeden Tag dieser Gewohnheit. Gerade in dem mir innewohnenden Widerspruch, den ich mich nicht wahrzunehmen traue, kann eine immense Energie gebunden liegen. Diese können wir mit zunehmendem Alter doch gut gebrauchen.
Menschen reden, mehr oder weniger, immer aneinander vorbei
Sind wir da so sicher? Nehmen wir Mimik und Gestik, unsere mehr unbewusste Kommunikation. Der Mensch kann beispielsweise 10000 unterschiedliche "Worte" im Gesicht des Gegenübers lesen. Und diese "Worte" sind zum Teil nicht willkürlich einsetzbar. Es gibt Gesichtsmuskeln, die nicht willentlich bewegt werden können. Da wird man sagen, halt, es ist virtuelle Kommunikation des Schreibens, was soll da die Mimik und Gestik?
Richtig, aber Geschriebenes ist nie unbewusst, es ist im Bewusstsein aktiv gestaltet.
Doch wir schweifen ab. Es geht wenn möglich immer noch um den gewaltigen Satz:
Ist er irgendwo abgeschrieben, dann muss man ihn nicht verstehen und freut sich an der Konstruktion. Ist er selbst gestaltet, dann kann der Autor sehr gute Antworten geben. Abgeschriebenes hat den Nachteil, es versteht meist der Sender und der Empfänger nicht, dann ist Vorbeirauschen normal.
Felix
@Verdandi, Entschuldigung, ich habe Deine Antwort zu spät gesehen.
>>Widersprüchlich erscheinendes Verhalten kann auch daran liegen, dass Menschen viele Facetten haben – und mal die Richtung ändern wollen. Würden wir uns immer starr verhalten, könnten wir uns nicht mehr entwickeln. Wer weiß schon immer, wohin es geht. So bleiben wir offen, lassen andere Meinungen und Aussagen in unser Leben. Bleiben kritikfähig. Auch kompromissfähig. Wir lernen dazu.<<

Der Mensch muss viele Facetten haben, davon bin ich überzeugt. Er wechselt ja auch ständig sein Rollenverhalten. Er ist ein Meister der Anpassung im sozialen Umgang. Man spricht von täglich 200 Schwindeleien = Anpassungen. Nur das sichert den sozialen Zusammenhalt. Es ist z.B. nicht schlecht, wenn ich meinen Chef bei der Besprechung einer Gehaltserhöhung "gut behandle".
Und zusätzlich macht er Pläne, verarbeitet Erlebtes und Erlerntes und ändert seine Meinung und Richtung, da hast Du vollkommen Recht. Wir können schon etwas Stolz auf den Menschen sein. Die Zentrale Bewusstsein, "Ich" und ihr Zugriff auf millionenfach abgespeicherte Erinnerungen im deklarativen Gedächtnis macht ihn zum König. König ist er in seiner eigenen Welt.
Hier ist das Tor zu Freiheiten, denn es wird ja noch nicht gehandelt, das Bereitschaftspotential hat noch nicht entschieden. Es entscheidet beim Handeln mit für die Sicherheit des Organismus.
Grüße
Felix
FrauBlau hat geschrieben:

Menschen reden, mehr oder weniger, immer aneinander vorbei. Weil das so ist, erlebt er es bereits als ein "miteinander reden", wenn die Beteiligten immer noch zu einem nicht unerheblichen Teil aneinander vorbeireden, es aber wenigstens gewisse Schnittmengen gibt. Alles möglich, dank der entsprechenden Hirnfunktionen. Lasst uns guten Mutes aneinander vorbeireden, und am Ende unserer vielen Wege ist rückblickend zu erkennen, dass auch das Unpassende zum Thema uns auf gewisse Weise bereichern kann. Und dass alles nur in uns selbst lag.

Je weniger ich mich an meinen Widersprüchlichkeiten störe, um so wahrscheinlicher ist, dass ich meinen Blick nicht länger vor diesen verschließen muss; zumindest zu dem Teil, zu dem ich Zugang finden kann. Es gibt so viel in uns zu entdecken. Gewohnt war ich, einen großen Teil dieser Widersprüchlichkeiten auszublenden. Schade um jeden Tag dieser Gewohnheit. Gerade in dem mir innewohnenden Widerspruch, den ich mich nicht wahrzunehmen traue, kann eine immense Energie gebunden liegen. Diese können wir mit zunehmendem Alter doch gut gebrauchen.

@ FrauBlau

Herzlich Willkommen! Ich würde mich sehr über eine weitere Beteiligung von Dir hier freuen. :D

Die Gefahr von Fehlinterpretationen und Missverständnissen unter persönlich einander Unbekannten beim nur schriftlichen Austausch in Internetforen ist groß und allgegenwärtig. Dessen sollten wir uns immer bewusst sein oder werden, spätestens dann, wenn wir uns über den anderen zu wundern oder gar zu ärgern beginnen.

Was mich von Deinen Aussagen besonders anspricht, ist, >>dass auch das Unpassende zum Thema uns auf gewisse Weise bereichern kann<<! Ja, und uns davon anregen zu lassen, den thematischen Um- und Abwegen mit dem gleichen Interesse und der gleichen Ernsthaftigkeit zu folgen, soweit und solange das mit den eigenen Wertvorstellungen konform geht, kann für den eigenen Erfahrungsschatz und Wissensfundus sehr bereichernd sein – ganz abgesehen von der Chance, auf diesen Wegen auch weitere gleichgesinnte Menschen kennenlernen zu können. (Zu den Gleichgesinnten zähle ich selbstverständlich auch zu bestimmten Themen Andersdenkende, wenn ich mit ihnen auf eine gute, konstruktive Weise streiten kann.)

Allem, was Du dann zur eigenen Widersprüchlichkeit beschrieben hast, kann ich auch aus meiner Sicht nur voll zustimmen!




@ acul

In dem von mir eröffneten Thread „Lügen, um sich selbst zu erklären?“ habe ich explizit auch zum Thema Widersprüchlichkeit des Menschen in seinem Selbstverständnis und Auftreten nach außen geschrieben.

https://www.50plus-treff.de/forum/luegen-um-sich-selbst-zu-erklaeren--t75163.html#p3918831

„Lüge“ ist hier etwas provokant in einem aber gar nicht bösen Sinne gemeint: Es geht nicht um Täuschung, sondern um den vergeblichen Versuch, sein ganzes So-Sein allgegenwärtig bewusst zu halten – und dies dann auch noch anderen zu vermitteln. Ein zum Scheitern verurteiltes Ansinnen! Die Versuche, sich sich selbst oder gar sich selbst anderen vollständig zu erklären, können nicht zum Erfolg führen. Es müssen daher die Absichten geändert, fokussiert werden!

Der erste Schritt ist die Selbsterkenntnis, der zweite die Selbsttoleranz. Der dritte das Erlernen und Beherrschen der Fähigkeit, Wesentliches auf den Punkt zu bringen – aber zugleich in der Schwebe, d.h. für potenzielle Veränderungen offen zu halten.




@Verdandi,
ich drehe das jetzt einfach einmal um:
Das erste, das Erlernen und Beherrschen der Fähigkeit, Wesentliches auf den Punkt zu bringen – aber zugleich in der Schwebe, d.h. für potenzielle Veränderungen offen zu halten. Daran arbeiten die Buddhisten seit 2500 Jahren. Sie sagen, Selbsterkenntnis und Selbsttoleranz lernt sich bei eins. Ohne konsequente Introspektion wäre man zu sehr außenorientiert

"für potenzielle Veränderungen offen zu halten", Da liegt für mich die Freiheit
Felix.

@ acul

Du kannst nicht den dritten vor dem ersten und zweiten Schritt machen, wie ich meine. Selbsterkenntnis und das Tolerieren der eigenen Widersprüche kommt vor der Fokussierung auf das Wesentliche, für das man sich erst dann entscheiden kann. :)


@Verdandi,
in dem Gedankenchaos im Bewusstsein braucht es zunächst Ordnung und Können. Das ist halt meine Meinung. Erlaubt?
Jetzt haben wir aber immer noch keine Antwort von unserem Satzbauer.

Felix
cron