Eine häufig und gerne gestellte Streitfrage: Was wird vererbt und was ist erlernt/anerzogen?
In diesem Kontext liefert die Epigenetik sehr interessante und neue Ergenisse.
Epigenetik - untersucht die Änderungen der Genfunktion, die nicht auf Mutation oder Rekombination beruhen und dennoch an Tochterzellen weitergegeben werden.
https://de.wikipedia.org/wiki/Epigenetik

In diesem Zusammenhang steht auch das Thema der vorgeburtlichen Gewalterfahrung von Schwangeren, das doch sehr betroffen macht. Bei einer Untersuchung zeigte sich ein (statistisch signifikanter) Einfluss der vorgeburtlichen Gewalterfahrung der Mütter auf das Methylisierungsmuster im Gen.
https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/46682/Epigenetik-Gewalt-an-Schwangeren-hat-Folgen-fuer-Kinder
Der Skeptiker sagt dann: Nur 25 Mütter und dann noch Migrationshintergrund? Das ist kaum aussagekräftig.
Neuere Studien bei 386 Personen in Rio de Janeiro zeigen nun, dass sogar die Gewalterfahrungen der Großmütter sich im Genom der Enkelkinder wiederfinden.
http://www.faz.net/aktuell/wissen/wissen-in-kuerze-besucher-aus-einer-fernen-welt-15351205/alltag-in-den-favelas-in-rio-15351312.html

Wie steht geschrieben: Denn ich, der Herr, dein Gott, bin ein eifriger Gott, der da heimsucht der Väter Missetat an den Kindern bis in das dritte und vierte Glied.
Das passt zum Thema und ist für alle hier sicher genauso interessant und wesentlich, oder :?: :?:

https://youtu.be/LwE5B4qgKBU
Ich finde es immer wieder interessant, wie Weisheiten der heiligen Bücher sich mit zunehmender Erkenntnis der Wissenschaften bewahrheiten.
Je weiter wir forschen, desto erstaunlicher sind oft die Bestätigungen.
Aussagen, die wir in früheren Zeiten gar nicht verstehen konnten, leuchten uns auf einmal ein.
Das Beispiel der Vererbung ist da sehr treffend.
Man möge mir den kleinen "unwissenschaftlichen" Ausflug in die Bibel verzeihen. Persönlich habe ich dabei ein sehr differenziertes Bild. Allerdings meine ich, dass die "Propheten" oder wie auch immer man diese nur teilweise jüdisch-christlichen Vordenker bezeichnen mag ein sehr tiefes, intuitives Verständnis der menschlichen Natur besaßen und wir daher auch immer wieder auf ihre Erkenntnisse treffen.
interessantes Thema...

vererbt werden zum Beispiel “traumatische Erlebnisse“
sehr gut beschrieben in dem Buch “Vererbte Wunden“
welches ich u.a. auch in meiner Galerie abgebildetet habe.
Traumatische Erfahrungen vorhergehender Generationen spielen in die nachfolgenden Generationen mit hinein - ob man will oder nicht.
Ich denke, daß die Wenigsten sich dieser Sache bewußt sind.
Je nach “Schwere“ dieser Erfahrungen und Weitergabe von einer Generation zur nächsten, ist es umso schwerer dies zu durchschauen, überblicken und den Kreislauf zu durchbrechen oder gar zu heilen.
Ängste die bei einem Kind zum Beispiel “unerklärlich“ einfach da sind... können schon auf ein traumatisches Erlebnis von einem Teil der Großeltern oder Urgroßeltern zurückzuführen sein.
Das ist ein Thema mit dem es sich zu beschäftigen lohnt.
Ganz besonders auf dem Weg, wenn man seinem eigenen “Ich“ tiefer auf den Grund gehen möchte und verschienes verstehen....was auch in das Verhalten und die Erziehung der Eltern und die vorhergenden Generationen hineingespielt hat...und welche Auswirkungen es auf die eigenen Kinder und deren Kinder hat, haben wird und haben könnte.
kleiner Nachtrag - Zitat aus

“Dem Leben wieder vertrauen“

Kapitel “Vergebung“(Chuck Spezzano)

“Wenn Menschen so handeln,
dass sie anderen Menschen damit Schmerz
zufügen, tun sie es deshalb,
weil sie diesen Schmerz selbst in sich tragen.“
Ich halte solche Sprüche für ziemlich gefährlich.

Es verleitet Täter dazu, sich aus der Eigenverantwortung zu steheln und ihre Taten den Vorfahren anzulasten.
Täter versuchen oft, sich als Opfer darzustellen - was wäre einfacher und unentrinnbarer als den Genen die Schuld zuzuschieben und zu sagen: Ich kann nicht anders.

Vor kurzem habe ich einen interessanten Beitrag gehört.
Die Schamanen drehen die Zeit um - die Vorfahren sind nicht die Menschen hinter dir, sondern sie sind die die, die deinen Weg "vorausfahren".
Du folgst den Wagenspuren, die sie für dich in den Boden eingegraben haben.

In der Psychotherapie gibt es die Methode der "Familienaufstellung",
Das würde jetzt hier den Rahmen sprengen.
Der Denkansatz, die Verbindungen der Familienmitglieder untereinander bis weit hinein in vergangene Generationen zu durchleuchten, kann sehr hilfreich sein für das Verständnis der eigenen oft unerklärlichen Handlungsweisen.
Das Zitat was ich hier schrieb ist nur herausgeschnitten aus dem Thema “Vergeben“ zu können um meiner Selbstwillen...
Vielleicht das Handeln des anderen, welches deshalb nicht entschuldbar sein muss... zumindest im Ansatz verstehen zu können.
Eine andere Geschichte ist es - ob ich oder irgendwer das kann.
So einfach ist es leider nicht...- dennoch interssiert es mich und ich setze mich damit auseinander.
Wie sagt man so schön " nur wer aufgibt - hat bereits verloren..“
Ja, diese Möglichkeiten mit der Familienaufstellung sagt mir auch etwas.
Auch wenn ich es selbst noch nicht versucht habe.
Dennoch ist es eine Möglichkeit von mehreren...
Genetik und Epigenetik sind beides sehr interessante Wissensgebiete leider habe ich auf eine Frage die ich mir immer wieder stelle noch keine Antwort gefunden :( und zwar: gibt es ein "genetisches Herkunfts-Gedächtnis" , wieso ich mir diese Frage stelle? 1. ich kann bisher nichts als meine "Heimat" sehen oder fühlen, 2. ich bin eigentlich sehr "undeutsch" , 3. richtig wohl oder auch heimisch? fühle ich mich nur wenn ich mich im Mediterranen Raum aufhalte auch die Ernährung ist absolut mein Geschmack 4. habe ich manchmal das Gefühl wenn ich dort bin oder im TV was sehe "das kenn ich, da war ich doch schon mal" fast wie ein Deja-vu
Es gibt ja auch die Möglichkeit per Genanalyse / DNA Test seine "Herkunft" bestimmen zu lassen, nnur die knapp 1300€ hab ich z.Zt. nicht über :? :)
Ich meine, beim Thema Epigenetik ist noch sehr viel Vorsicht angebracht. Nachgewiesen als „epigenetisch vererbt“ ist noch sehr wenig und für den Menschen noch weniger.

Ein Punkt, der allgemein anerkannt ist, ist das Suchtverhalten. Ob und wie genau eine genetische Veranlagung für die Entstehung von Sucht verantwortlich gemacht werden kann, ist noch nicht zufriedenstellend erforscht. Es zeigt sich aber, dass es im Stoffwechsel der Neurotransmitter im Gehirn genetisch bedingte Unterschiede gibt. Genetisch bedingte Unterschiede finden sich
•im dopaminergen Belohnungssystem,
•bei der Verarbeitung von Drogen im Körper und
•bei der Empfänglichkeit für Effekte, die durch die Drogen hervorgerufen werden.

Als bewiesen gilt die genetische Beteiligung bei Alkohol. Das bedeutet, dass für Kinder von alkoholabhängigen Eltern eine sehr viel höhere Wahrscheinlichkeit besteht, ebenfalls alkoholabhängig zu werden, als für Kinder von nicht alkoholabhängigen Eltern. Eine Untersuchung zeigt z. B. den Unterschied bei adoptierten Söhnen. Söhne von alkoholabhängigen Eltern, die von Nichtalkoholikern adoptiert wurden, wurden später zu 40 bis 50 Prozent selbst alkoholabhängig. Von den Söhnen von Nichtalkoholikern, die von Nichtalkoholikern adoptiert wurden, entwickelten nur etwa 10 Prozent eine Alkoholabhängigkeit.

Allgemein kann gesagt werden, dass bei Menschen, bei denen aus genetischen Gründen zu wenig Neurotransmitter (Botenstoffe) hergestellt werden, leichter eine Sucht entstehen kann.

In Tierversuchen wurde die epigenetische Vererbung der Kokainabhängigkeit gezeigt. Das Team aus China untersuchte männliche Ratten, die aufgrund nichtgenetischer Unterschiede entweder besonders süchtig waren oder nur wenig Drang zum Drogenkonsum hatten. Jene Tiere, die es stark zu Kokain zog, vererbten die erst im Leben erworbene Neigung an ihre Kinder und gaben sie selbst dann, wenn diese niemals mit Kokain in Kontakt gekommen waren, weiter an ihre Enkel. Maßgeblich für die hohe Anziehungskraft, die das Kokain auf Väter, Kinder und Enkel ausübte, schienen epigenetische Strukturen zu sein, die an und neben den Genen involvierter Zellen sitzen und bestimmen, wie gut diese ihre Gene aktivieren können. Das ermittelten die Forscher, indem sie die Regulation der Gene in jenem Areal des Gehirns untersuchten, das auch bei uns Menschen das Suchtverhalten steuert.

Im nächsten Schritt schauten sich die Chinesen die Spermien der Nager und ihrer Söhne an. Dort entdeckten sie tatsächlich systematische epigenetische Unterschiede zwischen den betroffenen Tieren und ihren jeweiligen Vergleichsgruppen: An einer bestimmten Stelle waren unterschiedlich viele Methylgruppen an die DNA angelagert.
Die untersuchten Ratten vererben also nicht nur ihre DNA, sondern auch einige zugehörige Elemente des epigenetischen Codes, die den Zellen eine Anleitung geben, wie gut oder schlecht sie benachbarte Gene benutzen können. Und das hat in diesem Fall Auswirkungen auf das Suchtverhalten. Interessanterweise waren die Resultate nicht davon beeinflusst, wie häufig die Tiere tatsächlich Kokain konsumierten. Es vererbte sich lediglich der Drang zur Droge, unabhängig davon, wie oft er befriedigt wurde.
https://www.nature.com/articles/ncomms15527

Interessanterweise entsteht die Sucht der Nachkommen vor allem aus der Suche /Gier nach Rauschgift. Schon früher konnte gezeigt werden, dass bei ungehindertem Konsum, also wenn stets genügend Rauschgift zur Verfügung steht, die Suchtanfälligkeit der Nachkommen abnimmt!

Dies lässt sich aber NICHT auf den Menschen übertragen!
ValentinAK hat geschrieben: Das passt zum Thema und ist für alle hier sicher genauso interessant und wesentlich, oder :?: :?:



Ist kein Thema der Epigenetik, dennoch eine kurze Analyse:
Dschingis Khan war also etwas ganz besonderes, hat 3000 Frauen geschwängert und daher eine riesige Nachkommenschaft! Betrachten wir einmal einen der ersten mathematisch untersuchten Populationsprozesse, den Galton-Watson-Prozess.
Ursprünglich ging es dabei darum, herauszubekommen, weshalb Namen aussterben. Es gibt sozusagen zwei Arten dieser Prozesse: subkritische, die Aussterben d.h. bei 0 enden, und superkritische, die das nicht tun. Dabei wird die Anzahl der Nachkommen bei superkritischen Prozessen unendlich groß. Im Falle Dschingis Khans gibt es nach über 34 Generationen immer noch viele Nachkommen, also Annahme: Prozess stirbt nicht aus! Daraus ergibt sich superkritisches Verhalten also auch eine enormen Zahl von Nachkommen. Das ist aber nichts besonderes. Falls wir jemand finden, dessen Vorfahr zur gleichen Zeit streng monogam lebte, so hat der (heutige) ebenfalls enorm viele Verwandte, möglicherweise mehr als die Nachkommen des Mongolenfürsten.
Epigenetische Vererbung der Augenfarbe

Endlich gibt es erste Hinweise, über welchen Mechanismus das Chromatin (DNA und Histon-Proteine) über die Generationsgrenze vererbt wird. Eigentlich gilt eine solche Vererbung als unmöglich, da das Chromatin der Keimzellen bei ihrer Entstehung und noch einmal nach der Befruchtung in eine Art epigenetischen Urzustand zurückversetzt – reprogrammiert – wird. Aber die lokale Konzentration der Methylgruppen an einer epigenetischen Markierung verstärkt wohl deren Selbstfortpflanzung. Das scheint zu genügen, um Informationen zur Markierung über die Reprogrammierung hinweg zu retten.

Es gibt kaum noch Zweifel, dass es eine generationenüberschreitende epigenetische Vererbung bei Drosophila (der Fruchtfliege) gibt. Untersucht wurden Fruchtfliegen, die auf Grund eines gentechnischen Eingriffs besonders vielfältige und ausgeprägte epigenetische Veränderungen besaßen. Diese Tiere sind zwar genetisch gleich, haben aber trotzdem entweder weiße, gelbe oder rote Augen. Die Forscher sortierten alle Tiere streng nach einer besonders extremen Augenfarbe, also tiefem Rot oder lupenreinem Weiß. Anschließend konnten sich nur noch Fliegen gleicher Augenfarbe fortpflanzen. Nun entstanden stabile Linien, in denen auch über mehrere Generationen hinweg immer nur Tiere mit weißen oder roten Augen gezeugt wurden. Eine Überprüfung der Gensequenz stellte sicher, dass es sich trotz allem über beide Linien hinweg um genetisch identische Tiere handelte.

Offenbar wird die Augenfarbe in diesem Fall also nichtgenetisch vererbt, sehr wahrscheinlich durch die Weitergabe epigenetischer Information über die Keimzellen, also Eizellen oder Spermien. Für diese These sprechen einige weitere Resultate: Schon für die anfängliche Augenfarben-Vielfalt waren epigenetische Veränderungen verantwortlich. Jeder Augenfarbe lässt sich nämlich ein bestimmter Grad einer bestimmten epigenetischen Markierung zuordnen. Je stärker diese Markierung, desto schlechter kann die Zelle die entsprechende Erbgutregion ablesen und desto weniger rote Pigmente erzeugt das Auge. Setzten die Forscher diese epigenetische Markierung zu einem späteren Zeitpunkt des Experiments künstlich zurück, verschwand denn auch wieder binnen einer Generation die zuvor über mehrere Generationen hinweg stabil weitervererbte klare Zuordnung der Augenfarbe zum Drosophila-Stamm.

Schließlich kreuzten die Forscher ihre gentechnisch veränderten Fliegen mit natürlichen Artgenossen und beobachteten, dass sich auch dort die epigenetisch kodierte Augenfarbe durch setzte und weitervererbte. Änderten sich jetzt jedoch die Umweltbedingungen, war es zum Beispiel besonders heiß, wandelte sich offenbar als Reaktion darauf gelegentlich die Augenfarbe. Das würde gut erklären, warum auch in der Natur immer wieder scheinbar spontan Fruchtfliegen mit einer anderen Augenfarbe auftauchen.

https://www.nature.com/articles/ng.3848
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