Die Kommentare im Thread „Durchgeplanter oder doch lieber spontaner Tagesablauf?“ haben mich zu der Frage geführt:

Was ist uns wichtiger – Geld oder Zeit?

In meiner schlichten und einfach strukturierten Denkweise bin ich einfach davon ausgegangen, dass man das, was einem wertvoll ist, auch kontrolliert und vor allem verantwortungsbewusst verwendet.

Also, ich habe den Eindruck, dass viele Menschen zwar sehr achtsam mit ihrem Geld umgehen – vielleicht sogar ein Haushaltstagebuch oder etwas in der Art führen – aber wenn es um Zeit/Lebenszeit geht, ein recht sorgloses Leben führen.

Für mich ist die Rest-Lebenszeit eine sehr wertvolle, „nicht-nachwachsende Ressource“.

Was an Zeit verstrichen ist, kann man nicht zurückholen – egal, wieviel Geld man auch hat. Die verstrichene Zeit ist weg und kommt leider auch nie wieder.

Warum wird dann soviel an wertvoller, unersetzlicher Lebenszeit nicht sinn-/planvoll (Stichwort: Zeitplanung) genutzt, sondern manchmal mehr oder weniger „in den Tag hineingelebt“ bzw. das herausgepickt, was einem im Moment am meisten Freude macht?

Bei „Geldsachen“ weiß man normalerweise, was man damit anstellen möchte, plant im Voraus und kontrolliert, ob auch alles seine Ordnung hat.

Also könnte man fast annehmen, dass „Geld“ wertvoller als „Lebenszeit“ sein könnte – zumindest, wenn man sich die Unterschiede im Verhalten anschaut, was die Verwendung von Geld bzw. Lebenszeit betrifft.

Natürlich weiß ich, dass Geld die Qualität der Rest-Lebenszeit in gewisser Hinsicht bereichern kann – aber für mich ist qualitativ hochwertige Rest-Lebenszeit sehr viel wertvoller und ich tue alles, um sie sinnvoll zu nutzen, ehe es nicht mehr möglich ist….

Salopp gesagt: Die Rente wird regelmäßig ausgezahlt – aber einen Zahlungseingang an erweiterter Rest-Lebenszeit erwarte ich dagegen bei allem Optimismus nicht….
Mir ist Geld wichtiger!

Mir macht das Geld-Verdienen einfach Spass und ich verbringe gerne meine Zeit damit, das ist echt interessant! Und wenn ich es habe- In schwarzen Zahlen, investiere ich es in Angelegenheiten, die mir wichtig sind.
Geht von Häuser Bauen bis in Gemeinnützige Zwecke!

Ich verstehe es echt nicht, was das schöne am "Zeit-Haben" ist, wenn man nix sinnvolles innerhalb der verbleibenden Lebenszeit tut ausser seine Rente für Geschenke an die Enkelkinder, Konsumgüter und Reisen auszugeben.
Warum wird dann soviel an wertvoller, unersetzlicher Lebenszeit nicht sinn-/planvoll (Stichwort: Zeitplanung) genutzt, sondern manchmal mehr oder weniger „in den Tag hineingelebt“ bzw. das herausgepickt, was einem im Moment am meisten Freude macht?

Also ich finde es herrlich, in den Tag hineinzuleben. Es gab Zeiten, die waren stressig....getaktet. Jetzt genieße ich es, dass wir morgens länger schlafen können, es kaum Termine gibt, denen man nachkommen muss.

Und ich wüsste nicht, was daran schändlich sein soll, das zu machen, "was einem im Moment am meisten Freude macht". Das ist doch die Würze im Leben.

Patriarch, oder habe ich deinen obigen Satz missverstanden?
Ich stimme @translation voll und ganz zu und habe mein Leben vergleichbar eingerichtet.
Keine Perspektivlosigkeit, keine Langeweile, viele kleine und große Erfolgserlebnisse, ...
Das bedeutet z.Z. auch keine Durchhänger wegen der Pandemie.
Ich bin in der glücklichen Situation, mein Geld mit Arbeit zu verdienen, die ich leidenschaftlich gerne ausübe.
So stellt sich diese Frage nach entweder-oder für mich nicht .

Selbstbestimmung hatte immer einen hohen Stellenwert, und aus diesem Grund machte ich mich sehr bald nach der Ausbildung selbständig.
Tja, und die Freizeit lässt sich sehr schön gestalten, wenn man dafür etwas Geld ausgeben kann.

Hätte ich sehr viel freie Zeit zur Verfügung, würde ich mir eine Arbeit einfallen lassen.
Ideen gibts genug ....
Hallo @Rotkappe (25.03.2021, 16:23),

Mir geht es in erster Linie um die Fragestellung, was sinnhaft verbrachte Rest-Lebenszeit für einige von uns bedeutet.
Glücklicherweise ist unsere 50plus-Community ja recht inhomogen – so dass durchaus unterschiedliche Ansichten zu erwarten sind.

Dabei käme ich allerdings nie auf die Idee, irgendeine „Wertung“ der unterschiedlichen Rest-Lebensentwürfe vornehmen zu wollen.
Da kann es ja auch gar kein „Richtig“ oder „Falsch“ geben – Lebensentwürfe sind doch immer individuell zu betrachten.

Wenn z.B. jemand seine Erfüllung darin findet, mehr oder weniger „in den Tag hineinzuleben" und sich vordergründig auf die schönen, angenehmen Dinge des Lebens konzentriert, ist das doch für den Betreffenden völlig in Ordnung und die Frage nach einer sinnvollen „Auslastung“ der Rest-Lebenszeit klar beantwortet.

Persönlich tendiere ich allerdings eher zu den Auffassungen, die @Translation (25.03.2021, 16:08) und @Curry55 (25.03.2021, 16:32) angesprochen haben:

Jeglicher dauerhafte „Müßiggang“, der die Grenzen einer sinnvollen „Work-Life-Balance“ überschreitet, wäre mir ein Greul und ich würde mich mehr als ärgern, unersetzliche Lebenszeit nicht sinnvoll (ziel- und lösungsorientiert) für die Ziele, die zu erreichen mir noch wichtig ist, verwendet zu haben.
Ich würde es nie so aufstellen: Geld vs. Zeit.
Ich bin im Ruhestand.
Wenn ich etwas sinnvolles mache, was mir Spass macht, dann investiere ich in diese Tätigkeit gerne Zeit.
Und wenn dabei auch Geld raus kommt, um so besser.
Es muss nicht zwingend notwendig sein...

Ich mache gerne ehrenamtliche Tätigkeit, welche mich Zeit kostet und kein Geld bringt (zB. Flüchtlingshilfe).

Für mich persönlich ist die Tätigkeit, welche mir Spass macht und Sinn hat an der 1. Stelle. Geld darf ruhig fliessen, muss aber nicht.
Hallo @Figges (25.03.2021, 17:16)

Ich habe den Titel sehr bewusst so gewählt – mit folgender Intension:

Unersetzbare Lebenszeit lässt man oft genug „durch die Finger rinnen“ – auch wenn es nur Minuten sein mögen.

Kaum jemand käme aber auf die Idee, permanent kleine Geldstücke zu verstreuen und „sein Geld durch die Finger rinnen zu lassen“.

Deshalb die bewusst provokative Frage, was uns wichtiger ist:

Die Rest-Lebenszeit und ihre sinnvolle Gestaltung oder aber der Faktor „Geld“.
Sein Geld hält man ja normalerweise gern unter Kontrolle, seine Zeit offenbar nicht….


Ich sehe es übrigens ähnlich wie Du:
Das Ziel, das man noch erreichen möchte, muss sinnstiftend für die Rest-Lebenszeit sein. Dabei ist es natürlich hilfreich, wenn diese Aufgaben auch hin und wieder Freude bereiten.

Die Projekte, die ich im Rentenalter noch verwirklichen möchte, werden mir mit Sicherheit keinen monetären Nutzen bescheren – das war aber auch nie mein Ziel.
In dem Fall ist mir die Qualität meiner Rest-Lebenszeit wichtiger als die Qualität des Bankkontos :wink:
2013 habe ich eine lebensgefährliche Erkrankung gut überstanden. Seitdem lebe ich mit dem Gedanken "man wollte mich da oben noch nicht, ich habe noch eine Aufgabe hier zu erfüllen".
Als Pensionistin habe ich beides: Eine ausreichende Rente und Zeit.
Mit Freude begann ich div. ehrenamtliche Tätigkeiten, die mir gerade wegen Besuchsverbot in Seniorenheimen sehr fehlen.
Was hilft ein gefülltes Bankkonto, wenn es die Gesundheit nicht zulässt, seinen Reichtum zu genießen?
Zeit ist in unserem Alter eher eine Unbekannte, wir hoffen auf noch viele gute Jahre. :wink:
Wenn ich 2 und 2 zusammenzähle, dann haben zumindest die deutschen Rentner hier in der Mehrheit kein Geld. Bei den meisten reichts anscheinend gerade noch zum Leben und ab und zu ein paar Blümchen.
Viele können sich den Mitgliedsbeitrag hier gar nicht leisten.
Ob die sich über solche Luxusfragen Gedanken machen ?
Die meisten wollen es ja hier nicht schreiben, und das ist auch völlig in Ordnung so. Das geht ja niemanden was an.

Ich könnte mir gut vorstellen, daß einige davon viele Wünsche hätten oder auch gerne mehr reisen würden, wenn sie es sich leisten könnten.


Automatisch daraus zu schließen, daß, wenn man das Leben genießt und eher "faul" ist und spontan, man dann Geld wählt oder Geld hat, das kann ich nicht nachvollziehen.

Ich verstehe aber, daß der "Sinn" im Leben und der "Genuss" bei jedem anders ausschauen kann. Wenn man gerne weiterlernt, weiterarbeitet, sich irgendwie aktiv engagiert, und das befriedigt einen wirklich, dann ist das doch gut so.

Ebenso gut ist es, wenn man nur das Notwendigste tut oder sich über kleine Freuden freut. Wenn es das ist, was man möchte.

Nur glaube ich, daß die wenigstens eben genau das tun können, was sie möchten.
Die einen möchten mehr und können nicht, die anderen weniger und können auch nicht.

Nicht zu vergessen ist auch der gesundheitliche Aspekt. Alles geht nicht bei jedem.

Schlimm wird es erst, wenn dieser Antrieb, ständig seine Zeit füllen zu wollen, aufgrund psychischer Krankheit entsteht. Ruhe- und Rastlosigkeit, schnelle und ununterbrochene Gedankengänge, immer wieder Neues, überbordende Begeisterung,
das ist nicht gut für die Gesundheit. Auch nicht für die organische.
Und ganz schlimm wird es, wenn man mit so jemanden näher bekannt ist und sich mit reinziehen lässt. Was erst recht schmeichelhaft erscheint, wenn sich so jemand einem zuwendet wird schnell irrational. Und kann sogar in den Wahn führen.


Wenn ich mein Geld jetzt zum Fenster rauswerfen möchte, dann würde ich vier Wochen Emirate buchen, mich dort zweimal impfen lassen und in der Zwischenzeit in der Sonne liegen oder Kamel reiten :-))))
Hallo @Melissa56 (25.03.2021, 18:51),

„…Automatisch daraus zu schließen, daß, wenn man das Leben genießt und eher "faul" ist und spontan, man dann Geld wählt oder Geld hat, das kann ich nicht nachvollziehen….“


Diese Aussage habe ich – nicht einmal implizit – in keinem der bisherigen Kommentare gelesen und sie sollte auch nicht Gegenstand dieses Threads sein bzw. werden.

Vielleicht hast Du aber auch nur meinen Eingangstext oder meine Kommentare nicht gelesen bzw. ich habe mich nicht eindeutig genug ausgedrückt. So etwas kommt immer wieder einmal vor, wenn man die Textlänge optimieren will.

Die grundlegende Frage (und das ist für mich definitiv kein „Luxusproblem“) ist doch, wie wir in unserem Alter ein sinnstiftendes und weitestgehend befriedigendes Rest-Leben gestalten können.
Dazu gibt es vielleicht fast so viele unterschiedliche Lebensentwürfe wie kommentierende User/innen.

Meine Aktivitäten und Ziele, die mich die nächsten Jahre „auf Trab halten“ könnten, stellen einen gewissen gesellschaftlichen Nutzen in Aussicht und haben ganz gewiss nichts mit dem zu tun, was man gemeinhin mit „Vergnügen“ umschreibt.

Für mich selbst ist es aber sinnstiftend und ab und an sogar mit Freude verbunden.
So stelle ich mir meine Rest-Lebenszeit vor (vorbehaltlich gesundheitlicher Probleme – dagegen ist niemand gefeit).

Wie gesagt: Nach meiner Auffassung kann und sollte jeder den Lebensentwurf wählen, der ihn weitestgehend zufriedenstellt und der in seiner aktuellen Situation möglich ist – ohne irgendwelche an den Haaren herbeigezogenen moralischen Vor-Verurteilungen bzw. ferndiagnostischer psychologischer Persönlichkeitseinschätzungen.... :wink:
Dieses Dilemma beschäftig mich seit 2 Wochen ...

Vor ca. 3 Jahren habe ich (zusammen mit 20 anderen KollegInnen) wegen einer Umstrukturierung meinen Arbeitsplatz wechseln müssen den ich seit ca.32 Jahren inne hatte. Ich war gut in dem was ich tat.

Jetzt bin ich es nicht mehr ... und das 'quält' mich.
Ich habe im letzten Jahr zwar Fortschritte gemacht aber seit 2 Wochen (siehe oben) habe ich wieder das Gefühl nicht mehr weiter zu kommen ... ich bin müde und lustlos.

Was hat das jetzt mit dem Thema zu tun?
Ende 2022 kann ich ohne Abschlag in Rente gehen ... bis vor 2 Wochen habe ich noch gedacht: Nein, ich brauche das Geld (und gehe auch gerne arbeiten) um nicht allzusehr sparen zu müssen.
Augenblicklich ödet mich die Arbeit aber extrem an .... Ändere ich jetzt meine Meinung? Komme ich mit 40 - 50% weniger Geld zurecht? Werde ich damit zufrieden sein ?... Ich weiß es nicht.
Patriarch,
nur zwei Anmerkungen:
Deine kompletten Ausführungen habe ich gelesen,

und meine "ferndiagnostischen psychologischen Persönlichkeitseinschätzungen...." betreffen nicht dich,
sondern habe ich sehr real selbst erlebt !! Und das nicht nur einmal.

Leider gibt es diverse Leute mit dieser Persönlichkeitsstörung.
[quote="Patriarch"]Hallo @Melissa56 (25.03.2021, 18:51),

„…Automatisch daraus zu schließen, daß, wenn man das Leben genießt und eher "faul" ist und spontan, man dann Geld wählt oder Geld hat, das kann ich nicht nachvollziehen….“


Diese Aussage habe ich – nicht einmal implizit – in keinem der bisherigen Kommentare gelesen und sie sollte auch nicht Gegenstand dieses Threads sein bzw. werden.




Lieber Patriarch,
was beinhaltet denn dann deine Überschrift "Geld vs. Zeit - Was ist uns wichtiger ?"
sonst ?
Patriarch hat geschrieben: Meine Aktivitäten und Ziele, die mich die nächsten Jahre „auf Trab halten“ könnten, stellen einen gewissen gesellschaftlichen Nutzen in Aussicht und haben ganz gewiss nichts mit dem zu tun, was man gemeinhin mit „Vergnügen“ umschreibt.

Für mich selbst ist es aber sinnstiftend und ab und an sogar mit Freude verbunden.

Natürlich soll und kann jeder Mensch leben wie er will ... aber wenn ich eine solche Aussage wie die obige lese kommt bei mir immer ein gewisses Bedauern auf.

Wieso kann eine Tätigkeit mit gesellschaftlichem Nutzen, egal ob damit auch Geld verdient wird oder nicht, nicht auch gleichzeitig ein Vergnügen sein? Wie kann es sein, dass etwas Sinnstiftendes nur ab und an mit Freude verbunden ist? Mir scheint, dass es hier und auch im anderen Thread zum durchgeplanten Tag für den TE nur Leistung (positiv) und Spass (negativ) gibt und sich eine Vermischung von beidem für ihn eher ausschliesst.

Für mich ist so etwas unvorstellbar und ich bin froh, dass in meinem Berufs- und jetzt auch in meinem Rentnerleben immer beides, Spass und (ehrenamtliche) Arbeit, eine gute Allianz eingegangen sind.