Genau ist doch schön, dass wir mal drüber gesprochen haben.

Sich mal mit jemandem unterhalten, der vielleicht irdendwas nicht klar sieht oder der villeicht nur mal 'nen Tip bräuchte an wen er sich wenden könne oder was zu tun wäre. Das ist in unserer kostbaren Zeit nicht drin, und wenn einem dann noch die nötige Lebenserfahrung fehlt, um weise Ratschläge zu erteilen, ist es doch besser kluge Sprüche zu klopfen.
Wenn Menschen in unserem Alter die Lebenserfahrung fehlt, ist dann tatsächlich so einiges schiefgelaufen, um nicht zu sagen das Leben einfach an diesen Menschen vorbeigelaufen.
Der Hedonismus lehrt die Kunst des Genießens als empfehlenswerte Lebensweise, um damit den Lebensgenuss als höchstes Lebensziel zu verwirklichen.

Wenn der sinnliche Genuss der schönen Dinge im Leben jedoch tatsächlich so einfach wäre, wie man vielleicht meinen mag, weils die natürlichste Sache der Welt ist, brauchte es keine Filosofie darüber, wie dies am besten mit so wenig schädlichen Nebenwirkungen, wie möglich zu bewerkstelligen sei.

Der Gefahr beim hemmungslosen, lustvollen Genießen ist nämlich die Übertreibung, die schnell in Völlerei ausartet und süchtig macht, sobald der Betäubungseffekt des jeweiligen Rauschmittels zur Schmerzbekämpfung nicht mehr ausreicht, was letztendlich dann langfristig noch viel schmerzhafter ist, als das kurzfristige Ertragen des natürlichen Hunger- oder Sättigungsschmerzes, weil zu viel des Guten eben auch schlecht für den Organismus ist.

Daher empfiehlt der Hedonist eher eine locker entspannte, statt eine zwanghafte Mäßigung im Genuss durch zeitweilige Enthaltsamkeit, wie etwa die 6-wöchige Fastenzeit im Frühjahr, um den wärmenden Winterspeck wieder loszuwerden, und so durch die wiedergewonnene Beweglichkeit seine Sinne wieder neu für den Genuss des Frühlings zu sensibilisieren, denn umgekehrt kann auch ein Zuviel an Askese süchtig machen und damit schlecht für den Organismus sein.
@Filofaxie,
willkommen bei den Epikureern. Ziemlich gut getroffen. Epikur beschäftigte sich mit der ersten Hauptfrage der Philosophie: Was soll ich tun?
Gruß
Felix

Wenn man von Epikurs Hedonismus spricht, sollte man sich also explizit einmal seine folgenden Worte zu Gemüte führen:

>>Auch die Unabhängigkeit von äußeren Dingen halten wir für ein großes Gut, nicht um uns in jeder Lage mit Wenigem zufrieden zu geben, sondern um, wenn wir das Meiste nicht haben, mit Wenigem auszukommen, weil wir voll davon überzeugt sind, dass jene, die den Überfluss am meisten genießen, ihn am wenigsten brauchen, und dass alles Natürliche leicht, das Sinnlose aber schwer zu beschaffen ist und dass eine einfache Brühe die gleiche Lust bereitet wie ein üppiges Mahl […] und dass Wasser und Brot die höchste Lust bereiten, wenn man sie zu sich nimmt, weil man Hunger hat.

Die Gewöhnung an einfache und nicht üppige Nahrung dient also einerseits in jeder Hinsicht der Gesundheit und nimmt andererseits auch dem Menschen die Sorgen angesichts der Grundbedürfnisse des Lebens, stärkt uns, wenn wir uns in Abständen an üppige Tafeln begeben, und macht uns furchtlos gegenüber dem Schicksal.<<


(Epikur, Brief an Menoikeus)





@Verdandi,
ich finde diese Aussagen von Epikur großartig. Es ist so, als würde er heute unter uns leben. Auch er spricht indirekt vom buddhistischen "Durst". Das ist für ihn aber kein Grund, das Erdenleben als unerträgliches Jammertal zu bezeichnen. Der "Durst" darf bei ihm auch einmal zum Kennenlernen gelöscht werden. Für mich ist seine Aussage Hedonismus in seiner schönsten Form.
Es müssen auch keine von Menschen aufgestellten religiösen Regeln befolgt werden, um irgendein Himmelreich nach dem Tod zu verdienen. Die Epikureer geben die Atome ihres Organismus einfach dem Weltall zurück.
Felix


@ Felix

Ja, so sehe ich das auch.
Am besten gefällt mir die "Unabhängigkeit von äußeren Dingen", so scheint diese nur bei oberflächlicher Betrachtung so gar nicht mit Hedonismus in Verbindung gebracht werden zu können.

Tatsächlich aber ist es die ungetrübte Bejahung des Lebens in seiner ausschließlichen Diesseitigkeit. Sogar der unvermeidliche Schmerz einer tödlichen Krankheit und die Zeit des Sterbens muss hiervon nicht ausgenommen werden.

Das Leben anzunehmen, wie es ist, das ist die hohe aber auch sehr pragmatische epikureische Kunst.




Nicht nur ein Philosoph sondern auch ein Polit-Prophet.

Was Sloterdijkzu zum Hedonismus der 68-er Generation sagt.

. . . WARUM STEHT DER ORGASMUS RECHTS?

Sloterdijk: Glauben Sie, das versteht jemand?

FOCUS: Der heutige Sexualstil sei „medikalisiert, versportlicht, diätisch“, haben Sie geschrieben, und: „Der Orgasmus steht rechts, das ist die Schlüsselerfahrung der Postmoderne.“ Warum?

Sloterdijk: Weil Genießen etwas ist, was Menschen extrem privat und idiotisch werden läßt, und ein gewisser idiotischer Privatismus auch im Kern von reaktionärer oder rechter Politik steht. Die Unfähigkeit zur Generosität, die fanatische Entschlossenheit, eine Politik zu betreiben, die den eigenen Vorteil über alles stellt: Das sind Kriterien der ewigen Rechten.

FOCUS: Es ist nicht lange her, da war der Orgasmus „links“. Die 68er hielten ihn für einen Zentralbestandteil ihres antibürgerlichen Affronts.

Sloterdijk: Ja, 1968 hat man eine Art von Libido-Politik für möglich gehalten; man wollte den Sexualegoismus der Paare aufbrechen und aus der Lust Gemeinbesitz machen. Die 68er glaubten, daß Menschen, die sexuell entgrenzt genießen, auch zu einer antiegoistischen Politik tendieren. Die 80er und 90er Jahre haben diese Illusion dementiert. Wir haben jetzt eine Republik von genießenden Reaktionären, von Endverbrauchern.

FOCUS: Also: Orgasmus gleich Egoismus gleich rechts?

Sloterdijk: Sagen wir besser: Niemand weiß heute, wie man diesen idiotischen Genußkreis aufbrechen kann.

FOCUS: Was Sie idiotischen Genuß nennen, kann man auch mit dem im Schwange befindlichen Begriff Hedonismus bezeichnen – und das ist ein Hauptschimpfwort der Konservativen, wenn sie gegen die linksliberale Spaßkultur zu Felde ziehen.

Sloterdijk: Man muß hier unterscheiden. Es gab vor langer Zeit einmal einen asketischen Konservatismus, der hinsichtlich seiner sozialen Energie viel potenter war als die sogenannte hedonistische Linke. Es gab eine aus dem alten Adel herkommende Gesinnung, sich für den Staat zu verbrauchen und dabei die eigenen Genußansprüche zurückzustellen. Aber diese Selbstopferkultur ist untergegangen. Im Augenblick führen alle Begründungen von Lebensentwürfen letztendlich in den Selbstgenuß der letzten Menschen. Die Orgasmusdebatte, wenn sie auch skurril anfängt, ist in letzter Instanz sinnvoll, weil sie den Horizont einer projektlosen Gesellschaft beschreibt, die keine Zukunft kennt, sondern nur die Vorspannung auf die nächste Entladung. Die letzten Menschen sind an der Macht.

FOCUS: Die letzten Menschen haben, laut Nietzsche, das kleine Glück für jedermann erfunden – und das sollen tendenziell Rechte sein?

Sloterdijk: Insofern als die anthropologische Wette der hedonistischen Linken, daß der sexuell und kulinarisch genießende Mensch der sozial nützlichere sei, verloren ist. Die Lebensverbesserung der einzelnen hat keinen Überlauf ins Allgemeine. Die Vermehrung der Privatvergnügen macht die Gesellschaft als ganze nicht froh – auch das war ein Teil der alten linken Utopie. Es entsteht vielmehr eine Frustrationsklassengesellschaft, eine rasende Neidgesellschaft.

FOCUS: Beneidet ein Karlsruher Philosophieprofessor den Zauberer David Copperfield um orgasmische Erlebnisse mit Claudia Schiffer – mal vorausgesetzt, er hat wirklich was mit ihr?

Sloterdijk (lacht): Das kann ich nicht ernsthaft sagen, weil Beneiden unphilosophisch ist. Bei diesem Schaufensterpaar gibt es Gründe zu vermuten, daß ihre Paarung nur unter dem Gesichtspunkt der Repräsentativität steht. Beide haben ihren Wert auf der Skala der erotischen Neidklassengesellschaft durch eine typische Partnerwahl charakterisiert. Ob dem etwas entspricht, ist völlig belanglos.

FOCUS: Warum ist man heutzutage eigentlich Deutscher, zu welchem Zweck, mit welchem Ziel – im Sinne eines Staatszieles?

Sloterdijk: Die Bürger der avancierten Sozialstaaten wissen nicht mehr, was der Grund ihres Zusammenlebens ist, wenn man Grund als philosophische Kategorie nimmt. In den guten Tagen der Philosophie war das Wort Zweck im Wort Grund mit enthalten. Wer will aber jetzt einen gemeinsamen Zweck für 80 Millionen auf einem Territorium zusammengeballter Menschen designen?

FOCUS: Einfacher: Der Zweck der sechs Milliarden Erdenbürger ist das Überleben der Gattung. Welchen Partialzweck haben die 80 Millionen inmitten dieser sechs Milliarden?

Sloterdijk: Laut Spinoza ist der Versuch, sich selbst im Sein zu erhalten, das erste und einzige Prinzip der Individuation. Individuen oder abgegrenzte Gruppen, modern gesprochen Systeme, erkennt man an ihrem Selbsterhaltungsinteresse. Die Frage ist nur: Können Nationen sich mit sich selber überhaupt so verständigen, daß sie Selbsterhaltungsinteressen wahren? Es könnte ja sehr gut sein – und das ganze 20. Jahrhundert spricht dafür -, daß Selbsterhaltung in kleineren Einheiten als in Nationen besser gelingt. Wir haben beobachtet, daß Nationen eher Selbstmörderpartys sind.

FOCUS: Und wozu ist man Europäer?

Sloterdijk: Die Frage ließe sich für die Deutschen leichter beantworten, wenn sie nur noch etwas geschichtliche Bildung hätten. Wir könnten als Europäer auf eine Rolle zurückgreifen, die Deutschland 1000 Jahre lang innehatte, als es das Kernland eines übertragenen Römerreichs darstellte.

FOCUS: Die imperiale Rolle? Die Europa-Idee als wirtschaftsimperiale Idee?

Sloterdijk: Zunächst einmal eine politische Idee. Europa ist ein Konzept, das auf kuriose Weise immer noch einen Primat der Politik gegenüber der wirtschaftlichen Dimension zum Ausdruck bringt, denn es gibt keine strikt ökonomische Notwendigkeit, Europa zu einen – aber ein politisches Interesse, das sich dann wirtschaftsimperial artikulieren wird.

FOCUS: Es gibt hier sehr handfeste wirtschaftliche Interessen: Senkung der Sozialstandards, der Lohnnebenkosten, ein Binnenmarkt ohne Währungshürden . . .

Sloterdijk: Aber das sind alles Interessen, die älteren Plänen hinzuformuliert wurden. Kohl und seine Vorgänger hatten den Gedanken der europäischen Einigung schon im Kopf, als wir von der Lohnnebenkostendebatte noch nicht mal den Grundwortschatz kannten.

FOCUS: Soll Europa eins werden?

Sloterdijk: Aus einem einzigen Grund: Weil die europäischen Länder gemeinsam den internationalen Finanzmärkten mit ihrer Tendenz, die Nationen nur noch als Flohmärkte zu evaluieren, besser Widerstand leisten können. Von der politischen Seite her bleibt die Nation immer noch der höchste Horizont. Daß die Europäer derzeit bereit sind, ihn zu erweitern, läßt sich nur damit erklären, daß in der politischen Klasse ein vages Bewußtsein davon existiert, es müsse eine höhere Ebene von politischer Souveränität geben als die der europäischen Mittelstaaten.

FOCUS: Komischerweise spielt das in aller Rhetorik nie eine Rolle. Die Europa-Idee wird ausschließlich defensiv und vergangenheitsfixiert formuliert.

Sloterdijk: Noch nie wurde ein so großes Projekt mit einer so kleinlauten, um nicht zu sagen kläglichen Rhetorik bestritten. Ich würde mich deswegen nicht wundern, wenn es noch im allerletzten Moment an einer schäbigen Kleinigkeit, etwa an einem Verfahrensvorwand, scheitern würde. Warum? Eben weil die Offensivformulierung fehlt.

FOCUS: Dann haben Sie jetzt die Gelegenheit, eine Offensivformulierung aus dem Ärmel zu schütteln.

Sloterdijk: Europa könnte sich konsolidieren, wenn es sich als das Mutterland der Vereinigten Staaten, als das Mutterland aller Revolutionen und aller Aufbrüche in die Moderne präsentiert. Dabei bräuchte Europa seine spezifische Lebensformidee nicht mal neu zu definieren, sondern nur zu wiederholen. Es muß nur seine Alt- und Nationalkulturen hüten, und es muß mit den Amerikanern darüber streiten, was die europäische Grundformel vom reichen und solidarischen Leben wirklich bedeutet. Ich habe manchmal den Eindruck, daß die Amerikaner im Begriff sind, ihr europäisches Erbe zu korrumpieren, und in einen Sog geraten, der in eine Art kapitalistischen Neofeudalismus mündet.

FOCUS: Jeder, der aus Amerika zurückkommt, ist begeistert von der Vitalität dieser Gesellschaft. In Europa dagegen herrscht Melancholie.

Sloterdijk: Das ist beinahe wahr.

FOCUS: Und Vitalität gewinnt gegen Melancholie . . .

Sloterdijk: Ich weiß nicht. Natürlich dominieren die melancholischen Töne in unserem Weltteil auf breiter Front – aus Gründen, die man gut versteht. Andererseits: Nach meinen Beobachtungen in vielen Subkulturen der deutschen Gesellschaft, insbesondere in der Wirtschaftswelt, in Unternehmerkreisen und in den Kreisen der sogenannten Besserverdienenden, kann ich von Melancholie wenig wahrnehmen. Die sind genauso im Angriff und genauso vom Melancholie- und Pessimismusverbot beherrscht wie die Amerikaner. Wir erleben gegenwärtig allerdings in Deutschland einen Generationenwechsel. Eine Schicht von Neuen Fröhlichen kommt ans Ruder, während die Auslaufmodelle der melancholischen Nachkriegspsyche ausgetauscht werden. Auch die schwarze Messe der Selbstkritik, die wir im Augenblick zelebrieren, ist ein Symptom dieses Generationenwechsels: Die deutschen Bußprediger nehmen ihre letzte Chance wahr.

FOCUS: Wehrmachtsausstellung, Befreiungspartys, Goldhagen-Debatte: alles Gespensterveranstaltungen einer weichenden Generation?

Sloterdijk: Ich würde diese Phänomene unter der Überschrift „Zum letzten Mal“ zusammenfassen. Die klassischen Moralismen beeindrucken uns heute nicht mehr: nicht weil die Verbrechen von damals weniger schrecklich geworden sind, sondern weil . . .

FOCUS: . . . ihre Verurteilung immer wohlfeiler geworden ist?

Sloterdijk: Solche Verurteilungen geschehen mit sinkendem Profit. Das hat damit zu tun, daß die Gesellschaft inzwischen durch veränderte viktimologische Muster beherrscht wird. Das ist die eigentliche Schattenwirtschaft heute. Unzählige Menschen, gerade in der Kulturindustrie, haben gelernt, den Opfermarkt virtuos zu bewirtschaften – entweder als Opfer selbst oder als Stellvertreter eines Opfers -, wofür nach wie vor hohe Prämien vergeben werden. Man muß oft taktlos denken, um richtig zu denken.

FOCUS: War Ernst Nolte taktlos?

Sloterdijk: Er hat intuitiv exakte Taktlosigkeiten begangen und damit gegen ein linksliberales Kartell verstoßen. Wer überhaupt einen Sinn für die Funktion eines intellektuellen Feldes besitzt, der muß mit Bestürzung beobachten, daß man gegenüber einer Person wie Nolte nicht argumentative, sondern exorzistische Methoden anwendet. Es wäre mir übrigens lieber, man müßte solche Plädoyers für Linke halten statt für Rechtsintellektuelle. Was auf dem Spiel steht, ist die Würde des intellektuellen Feldes im ganzen. Darum müßten jetzt auch die deutschen Intellektuellen eine Amnestie für Toni Negri* fordern!

FOCUS: Würden Sie bitte zu den folgenden Personen je einen Satz sagen: Michael Jackson.

Sloterdijk: Der erste perfekte Mutant. Ich bin von ihm fasziniert, weil er wie noch nie jemand vor ihm es fertiggebracht hat, für eine absolute Lächerlichkeit vergöttert zu werden.

FOCUS: Ernst Jünger.

Sloterdijk: Ich bin bereit, ihn auf einer kalten Ebene bedeutend zu finden.

FOCUS: Joseph Ratzinger.

Sloterdijk: Auf die Gefahr hin, daß das hochmütig klingt: Er gehört zu den Menschen, die mir auf eine bestimmte Art leid tun. Er spielt in einer Komödie mit, wo Männer in Frauenkleidern durch große Gebäude laufen und so tun, als würden sie kochen. Der Priester ist ja ein Koch des Heils, der an einem Tisch steht, ein Gericht zubereitet und einer angeblich hungrigen Menge verabreicht – aber er versteht nie, daß das kein Drei-Sterne-Restaurant ist.

FOCUS: Sabine Leutheusser-Schnarrenberger.

Sloterdijk: Zu Frauen mit Doppelnamen lehne ich jeden Kommentar ab (lacht).

FOCUS: Sie haben in Ihrem Buch „Weltfremdheit“ eine Gattungspflicht zum Glücklichsein postuliert. Was meinen Sie damit?

Sloterdijk: Die Pflicht, so zu leben, daß du nie vom Ressentiment bestimmt wirst.

FOCUS: Das heißt: Kümmere dich um dein ei-genes Glück und höre auf, andere zu beneiden?

Sloterdijk: Weiter noch: Du kannst erst richtig denken, richtig fühlen, richtig kommunizieren, wenn jede Art von Neidwettbewerb aufgehört hat. Du mußt wissen, daß dort, von woher du denkst und handelst, in einer bestimmten Weise ganz oben ist.

FOCUS: Hat die Berliner Love Parade die Geburt planetarischer Glücksgefühle aus dem Geiste des Rave inszeniert?

Sloterdijk: Ich kann an eine politische Kraft dieser kollektiven Ekstasen nicht glauben. Ich denke, daß letztlich diese Idiotie der privaten Orgasmen, von der wir sprachen, das stärkere Motiv bleibt. Die Love Parade hat aber immerhin bewiesen, daß Glück nicht nur asozial machen muß, daß Hochgefühle nicht nur zu schädlichen oder mörderischen Zusammenrottungen führen. Die Love Parade ist immer noch eines der wenigen Papiere an der Kulturbörse, die positive Werte notieren.

VIRTUOSE DES ZEITGEISTS

HERKUNFT: Peter Sloterdijk wurde 1947 in Karlsruhe geboren.

BILDUNG: Studium der Philosophie, Germanistik, Geschichte; 1976 Promotion

KARRIERE: seit 1992 Philosophieprofessor an der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe, seit 1993 parallel dazu an der Wiener Kunstakademie

PUBLIKATIONEN: „Kritik der zynischen Vernunft“ (1983), „Eurotaoismus. Zur Kritik der politischen Kinetik“ (1989), „Weltfremdheit“ (1993), „Selbstversuch“ (1996) u. a.; Herausgeber der Reihe „Philosophie jetzt!“

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*italienischer Professor und Linksextremist, stellte sich nach 14jährigem Pariser Exil im Juli 1997 den Behörden

Hier der ganze Link

https://www.focus.de/politik/deutschlan ... 68730.html
Fumaria1 hat geschrieben: Sloterdijk: Glauben Sie, das versteht jemand?

Ehrlich gesagt: nein.
@Fumaria 1,
wie kannst Du mir das antun! Sloterdijk, das schmerzt regelrecht. Ich kenne keinen Menschen, der unter der Fahne Philosophie mit "gelehrigsten" Worten" solch einen Unsinn verzapft. Heidegger vielleicht noch, der kommt gleich danach.
Das möchte ich aber ausdrücklich betonen, es ist meine persönliche Meinung. Doch, die Qualen muss ja ich leiden.
Gruß
Felix
Ich vergebe Dir
41acul hat geschrieben: @Fumaria 1,
wie kannst Du mir das antun! Sloterdijk, das schmerzt regelrecht. Ich kenne keinen Menschen, der unter der Fahne Philosophie mit "gelehrigsten" Worten" solch einen Unsinn verzapft. Heidegger vielleicht noch, der kommt gleich danach.
Das möchte ich aber ausdrücklich betonen, es ist meine persönliche Meinung. Doch, die Qualen muss ja ich leiden.
Gruß
Felix
Ich vergebe Dir



Da bin ich jetzt aber froh, dass Du mir vergibst, in Anbetracht dessen dass hier von Satre und Camus geredet wurde, dachte ich mir dann kommt es auf ihn auch nicht mehr an, zumal ich zu Hedonismus heute keine andere Quelle gefunden, und seine Aussagen dazu gefallen mir.