Ich würde mich an dieser Stelle gerne einmal über Hedonismus unterhalten. Auf diese Thematik bin gestoßen, weil ich immer häufiger Kommentare über sog. „negative“ Menschen lese, die man , um sich nicht „herunterziehen“ zu lassen, besser meidet. Als Mensch, der in einem eher christlichen Umfeld gelebt und gearbeitet hat, waren für mich Verpflichtung, Anstand, Nächstenliebe (ohne in ein Helfersyndrom zu verfallen) im Sinne von Kant immer selbstverständliche Grundwerte, auch dann, wenn es für mich einmal anstrengend und/oder nicht so positiv war. Umso mehr irritiert mich eine solche, diesseits gerichtete Grundhaltung , die in erster Linie nur das persönlichen Glück im Blick hat, und die darüber hinaus scheinbar alles, was diesem Glück im Wege steht bzw. was stört, als „negativ“ ablehnt - einer Grundhaltung, die das Ausleben eben meiner Grundwerte im schlimmsten Fall geringschätzig ( i. Sinne von „selber schuld“) betrachtet.
Für mich erschließen sich viele Fragestellungen, wenn man die Frage umdreht.

Warum sollte man sich Menschen zuwenden, die ihr persönliches Glück in den Vordergrund stellen?

Mir fällt dann die Antwort erheblich leichter, denn dass was da als persönliches Glück bezeichnet wird, sind im Wesentlichen materielle Werte.
Na, ich weiß nicht so recht.

Hedonismus ist für mich eine Art Lebensfreude, die keinesfalls ausschließt, dass die Genießenden auch Verantwortung gegenüber ihren Mitmenschen wahrnehmen und tragen.

Einen selbstbezogenen Suchtler würde ich nie als Hedonisten bezeichnen.
Da hast Du sicherlich recht.

Im ursprünglichen Sinne des Wortes glaube ich auch nicht, dass Hedonismus etwas wäre, was grundsätzlich abzulehnen ist.

Ich habe nur den Eindruck gewonnen, dass es hier vielleicht um etwas Anderes gehen könnte.
Vielleicht meint Dornröschen eher Egoisten ?
Grundsätzlich fühle ich mich für meine Zufriedenheit und mein Leben selbst verantwortlich. Das kann ich nicht anderen aufbürden. Das dauert lange und braucht oft viel Lebenserfahrung, bis man das erkennt und vor allem, bis man es umsetzen kann.
Nur wenn ich mit mir selbst im reinen bin und für mein Wohlbefinden selbst sorgen kann, dann kann ich auch für andere da sein.

Sich um sich selbst gut zu kümmern, heißt ja noch lange nicht, daß man nicht nach links und rechts schaut und einem die anderen Menschen und die Probleme der Welt egal sind.

Allerdings muß man seine Befriedigung nicht darin finden, sich nur um andere zu kümmern. Gerade wenn man schon in Rente ist und Familienarbeit geleistet hat, Kinder erzogen hat, viele Jahre verheiratet war, einen Beruf hatte etc, - also all seine Pflichten erfüllt hat -
dann ist es an der Zeit, mal an sich zu denken. Das ist weder egoistisch noch hedonistisch.

Und gegen ein bisserl Hedonismus ist doch nichts einzuwenden ? Solange es noch geht, schmunzel... Sinnlichkeit, Lust....ist doch nichts Schlimmes, auch das hat der liebe Gott uns geschenkt, lächel....
Genuss und Lebensfreude sind die Grundvoraussetzung dafür, dass es mir gut geht. Davon profitieren auch andere, wenn es ihnen gerade nicht so gut geht, denn nur wenn es mir gut geht, habe ich genug Energie, mich um andere zu kümmern. Allerdings gehört Aufopferung - möglicherweise sogar bis zur Selbstaufgabe - ganz sicher nicht dazu.

Ich kann daran nichts Negatives sehen.
"Halte dich von negativen Menschen fern. Sie haben ein Problem für jede Lösung." Albert Einstein (angeblich)

Vielleich wird ja auch der Begriff „negativer Mensch“ missverständlich gedeutet. Gemeint sind hier sicherlich nicht Menschen, die begründen können warum es ihnen schlecht geht und denen man vielleicht helfen kann.

Ich denke mal es geht so eher um die Kategorie: „Ich habe mich so auf den Spaziergang gefreut und jetzt regnet es.“. Klar es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur schlechte Kleidung. Wenn ich mich auf derartiges Gedankengut einlasse, wäre das Resultat, dass ich keine Freude mehr an einem Spaziergang im Regen empfinden könnte. So würde ich auch Hedonismus sehen, Freude an etwas zu empfinde, was vielleicht negativ gesehen werden könnte. Wobei es nicht um Schadenfreude geht.
Weil fast alle Religionen die Trübseligkeit bevorzugen aus dem Mensch fast immer gerettet werden muß, bin ich als bekennender Heide automatisch Hedonist, denn ich habe Spaß im und am Leben und aus dem Paradies bin ich auch nicht geworfen worden und nach dem Nirwana sehne ich mich daher auch nicht. Hedonismus ist der Feind der Gläubigen, weil die das Leben und die Erde für ein Jammertal verkaufen wollen.
Darum sitze ich so gerne oben auf dem Berg und schaue dann hinunter ins Jammertal und freue mich, weil ich nicht dort unten wandeln muss. Ich bin ja sowas von ein negativer und genusssüchtiger Mensch...
Shekinah hat geschrieben: Darum sitze ich so gerne oben auf dem Berg und schaue dann hinunter ins Jammertal und freue mich, weil ich nicht dort unten wandeln muss. Ich bin ja sowas von ein negativer und genusssüchtiger Mensch...


Hast Du dort ober vielleicht vergessen, dass Du Dein Brot im Schweiße Deines Angesichtes essen sollst. ?? Was nicht bedeutet dass Du solange Brot essen sollst bist Du schwitzt.
Ein biblisch schönes Leben hast Du auch nur wenn die 12 x 7 =84 Jahre andauerndes Leben, voller Leid, Arbeit und Last war.
Glücklich sein heißt also dem Herrgott die Zeit stehlen.
Hedonismus ist die Kunst des Genießens.

Ja, es ist eine Kunst, für die es Einiges an Wissen und Bildung braucht.

Der Hedonist wählt aus - nichts liegt ihm ferner als quantitative Gier.
Er erkennt Qualität und weiß, dass sie nicht herumliegt wie die Steine am Straßenrand.
Er weiß, dass Zufriedenheit ein hoher Wert ist und eine Inflation an Glück abstumpft.

Ein wahrer Hedonist versteht es, auch aus dem Alltagserleben Genuß zu ziehen. Er weiß aber auch, dass so mache Selbstüberwindung einen wahren Glücksrausch hervorzaubern kann.

Er ist ein Lebenskünstler. Beneidenswert.

Frei nach Epikur:
" Der Zielpunkt ist ein gelungenes Leben - man hat nur das eine, da soll man das Beste daraus machen."
Und ganz schlimm sind natürlich die, die weder an Gott noch an die Sterne glauben. Die haben alle möglichen Chancen verspielt glücklich zu sein.

Weil die einfach frei ohne irgendwelche Zwänge leben könnten.
So quasi offen für alles, die sind einfach nicht ganz dicht.
Ich tue mich immer sehr schwer damit, wenn Menschen für, im Prinzip schlecht eingrenzbare Verhaltensweisen, so ein(e) Ettiket/ Kategorisierung bekommen.

Beispiel: Ich habe mich nach vielen Jahren von einer Freundin getrennt. Weil sie irgendwann angefangen hat, nur noch zu jammern und vieles negativ zu sehen.
Eine Zeitlang konnte ich damit umgehen. Als dann aber jedes Gespräch und fast jedes Thema ins Negative lief, habe ich, nach vergeblichen Hinweisen, dass mich das stört, den Kontakt beendet.

Es hat irgendwann meine Lebensqualität beeinträchtigt. Ich fühlte mich nach Telefonaten wie eine ausgedrückte Zahnpastatube.

Bin ich jetzt deswegen eine Hedonistin (also die im Eingangs-Beitrag erwähnte negative Form) ? Bestimmt nicht. Ich muss nur auch für mich selber sorgen. Und Menschen, die mich so runter ziehen, will ich nicht in meinem Leben. Sie rauben mir Kraft, die ich für andere Dinge benötige.

Was ich sagen will.....das sind Begriffe, die man nicht einfach verallgemeinern kann. Es bedarf schon sehr konkreter Hinweise, um zu beurteilen, ob jemand wirklich eine solch (negative) Veranlagung und Lebensweise hat.

Ich kann @ Sonnenkind nur beipflichten.

Man kann ja nicht mit allen befreundet sein und ist niemandem gegenüber Rechenschaft schuldig über die Wahl seiner Freunde. Ein Mensch in meinem fortgeschrittenen Alter weiß langsam aber sicher, was ihm gut tut und was ihm schadet. Den Kontakt mit Menschen zu suchen, die mich in meinem Sosein und meinen Möglichkeiten erkennen und fördern, und wenn es mal notwendig ist, auch kritisieren, in einer konstruktiven Art, ohne zu verletzen oder ihre eigenen Interessen in den Vordergrund zu stellen, ist doch wirklich eine gute Sache. Warum sollte ich mich mit Menschen umgeben, die mich aus destruktiven, oft versteckten Motiven heraus kritisieren und zu schaden beabsichtigen? Mit viel Lebenserfahrung und Menschenkenntnis weiß ich das inzwischen gut zu unterscheiden.

Wenn ich für mich selbst zu sorgen weiß, hat das nicht speziell etwas mit Hedonismus zu tun. Dieses Etikett für ein Genuss-Verhalten wird meist bei anderen verwendet, die man in Misskredit bringen will. Die persönlichen Eigenschaften sind jedoch viel zu vielfältig und komplex, als dass man einen Menschen auf ein so eingrenzendes Merkmal reduzieren könnte und dürfte.

Im philosophischen Sinne ist Hedonismus ohnehin anders – eher neutral bis positiv – konnotiert, als im üblichen Sprachgebrauch. In der Antike begründete der Hedonismus eine philosophische Lehre von der positiven Wirkung der Sinneslust auf das Individuum, im Verhältnis zum Leid und zum Schmerz. Alltagssprachlich wird hiermit heutzutage eher auf ein egoistisches Verhalten abgestellt, dass die persönlichen Genüsse über das Wohl des Anderen stellt.

Wenn ich die Eingangsfrage richtig interpretiere, ist wohl letzteres gemeint. Und wer das auch noch mit Einstellungen der christlichen Kirchen verbindet, kommt dann wieder mal schnell auf den bekannten Trichter, dass eine Entfaltung der individuellen Persönlichkeit unter Einbeziehung der sinnlichen Genüsse eher des Teufels ist. Wobei einem (doppelmoralischen) katholischen Hedonismus wohl tatsächlich eher nichts im Wege steht – weil dank der Ohrenbeichte und den pfarrerseitig zwecks Buße verordneten 10 Vaterunsern und Gegrüßetseistdumarias das sündige Herzchen schnell wieder reingewaschen sein dürfte. :wink: