Herbstrose47 hat geschrieben: Vielleicht liegt es ja auch daran, dass es um eine Lösung für ein Problem ging, das gar keins ist?
Denn ganz egal, wie ich mich selbst betrachte, mein Selbsterhaltungstrieb bietet mir in jedem Fall eine Lösung an, die aus meinen Erfahrungen heraus als Optimum für mich angesehen wird.
Neid, ganz egal auf wen oder was, bietet keinen Lösungsansatz, er beschränkt sich darauf, einen gegebenen Fakt, noch dazu mit negativem Gefühl zu konstatieren.
Was nützt es mir festzustellen, dass ich in der Vergangenheit mehr Power hatte?
Entweder sind diese Zeiten endgültig vorbei, dann mag ich hinterhertrauern, doch Neid würde ich das nicht nennen.
Kann ich mich jedoch wieder aktivieren, dann schöpfe ich diese Kraft aus der Gegenwart und nicht aus einem Neidgefühl auf vergangene Zeiten heraus.

Ob ich mir selbst Vorbild sein kann, vermag ich so nicht zu beantworten. Ich bin immer ich, stehe ganz selten neben und schon gar nicht vor mir. Dann wäre ich mir ja selbst im Weg!
Aber andere Menschen zu kopieren, ist auch nicht mein Ding. Trotzdem habe ich manche Ideen anderer Menschen zu meinen eigenen gemacht und versuche, sie auf meine Weise für mich umzusetzen.


und dann hast Du ein Erfolgserlebnis - ergo keinen Neid.... :wink:
Ein Erfolgserlebnis kann ich aber doch auch nur haben, wenn ich mich mit jemandem vergleiche?
Ich freue mich, wenn mir etwas gut gelungen ist, was mir hilft und mich deshalb zufrieden mit meiner Leistung macht, doch ich weiß nicht, ob ich das nun unbedingt als "Erfolg" bezeichnen würde.
Mag ein bisschen Haarspalterei sein, nur ging es ja um die Grundlage von Neid.
nein - denn ich kann mich an Erfolgserlebnisse erinnern - da war ich völlig alleine in meinem Blockhaus.....
z.B. im Winter, wenn ich völlig durchfroren zur Tür rein gekommen bin - die Hände fast gefühllos...
dennoch habe ich es geschafft in rel. kurzer Zeit ein Feuer im Ofen anzuzünden....
danach habe ich den Ofen umarmt bis der restliche Raum ebenfalls warm wurde....
danach habe ich mich hingesetzt und das Feuer im Ofen beobachtet .....
was will man in diesem Moment mehr ?
Warum sollte man nur dann ein Erfolgserlebnis haben, wenn man sich mit jemanden vergleicht?

Ich kann doch ein Erfolgserlebnis haben, wenn ich eine schwierige Präsentation zu Ende bringe, oder einen Berg erklimme, oder das Sportabzeichen bekomme,
ein selbst gestecktes Ziel erreiche, und und und.

Ein Erfolgserlebnis ist doch etwas positives, während Vergleiche mit Anderen eher Negativ zu sehen sind.
Ich denke,dass es das durchaus gibt, den Neid auf sich selbst. Wenn man genau weiss,dass man früher eine Situation auf eine Weise gemeistert hat,zu der man heute aus den verschiedensten Gründen nicht mehr in der Lage ist,oder eine schwierige mathematische Aufgabenstellung ehedem ad hoc gelöst hat, sich später aber damit schwer tut und absolut nicht mehr weiss,wie zur Hölle man das einmal so schnell gelöst hat.
wenn ich zurückblicke - was ich damals alles geleistet habe.....
stundenlange Arbeit im Freien bei jedem Wetter....und zusätzlich den Bürojob...
und was ich da alles in einen Tag hineinquetschen konnte....
ja - dann könnte ich auf mein jüngeres Ich neidisch sein....
bin ich aber nicht - ganz im Gegenteil....

heute bin ich froh, dass ich mehr Zeit habe für mein Hirn....
ich habe das Gefühl, dass ich alles Lesbare aufsauge und nach allen Richtungen explodiere...

dazu kommt, dass ich viele Jahre meines Lebens immer wieder unter Depressionen gelitten habe.....gegen diese "Lähmung" ankämpfen zu müssen - das hat mich viel Kraft gekostet.....
Neidisch auf sich selbst sein, kann m. E. nur aus Unzufriedenheit erwachsen.
Mich auf ewig mit "dem Früher" zu vergleichen, was in jungen Jahren schneller gelang oder besser klappte,
ob ich schöner, attraktiver oder dynamischer war, ließe mich schlussfolgern,
das Leben nicht begriffen zu haben..

Fehler zu machen, Erfolge zu feiern, Leid zu tragen, Freude zu spüren,
alles hat seine Zeit............... auch zukünftig.

Man kann nur neidisch auf jemanden sein, an dessen Stelle man gerne wäre – also funktioniert das nur mit Menschen, die in der eigenen Zeit leben. Ein jüngeres Ich gehört nun mal nicht dazu. Oder anders gesagt: Gerne wieder jung sein zu wollen, hat nichts mit Neid, sondern mit Reminiszenzen zu tun.



ich denke "Selbstneid" gibt es nur im pathologischen Sinne.


Denn in der Definition ist Neid ja etwas, was man einem anderen (und in diesem Falle sich selbst) nicht gönnt.
Wenn ich also früher leistungsfähiger war, bedauere ich vielleicht, dass das heute nicht mehr so ist aber ich neide es mir deshalb nicht.
Unzufriedenheit oder Bedauern passt da eher als das Wort Neid.

Wenn ich zurück blicke, kann ich mir keine Situation vorstellen,
bei der ich mich beneidete, weshalb auch - ICH war das doch selbst?

Man kann Jemandem nur dann Etwas neidlos gönnen, wenn man es selber bereits hatte, hat, oder meint, haben zu werden, oder wenn es weniger wert ist, als das, was man selber (stattdessen) einmal hatte, hat oder haben wird.

Die Missgunst hingegen entspringt dem Geiz, mit Jemandem Etwas zu teilen, was man selber besitzt, weil man nicht will, dass der es auch besitzt.

Wenn dieser Jemand man selber ist, besteht genauso wenig ein Grund mehr, sich selber Etwas zu missgönnen, was man bereits hatte, hat oder haben wird, wie man auf sich selber neidisch sein kann, Etwas zu haben, gehabt zu haben oder haben zu werden.

Der reflexive Selbstbezug ist hier insofern falsch benutzt, weil er nur dann Sinn macht, wenn es darum geht, zu betonen, dass man es selber ist, und niemand Anderer, der Jemandem Etwas neidet, aber dennoch gönnt, oder mit Etwas geizt, indem er es Jemandem missgönnt, sodass er ihm Nichts von dem abgibt, was er selber hat, weil man ja nicht sich selber Etwas abgeben kann.

Daher kann man auch schlecht sagen, dass man sich selber aus Sparsamkeit Nichts gönnt, weil man ja als Gegenwert das Gesparte hat, mit dem man sich das, was man sich versagt, weil man es gerade nicht braucht, Jederzeit beschaffen kann, sobald man es benötigt.