Erst sehr spät habe ich realisiert, wie sehr die Generation der Großeltern und Eltern teilweise durch die Kriegsereignisse traumatisiert war.
Ich lebte zusammen mit meiner Großmutter und meiner Mutter.
Beide lebten völlig zurückgezogen, hassten alle Männer, obwohl sie immer erzähltenn, sie hätten glückliche Ehen geführt. Erzählt wurde vom Krieg nicht viel, nur, dass gegen Ende des Krieges die Deserteure an den Lanternenpfählen hingen, dass meine Mutter mit einem Kochtopf auf dem Kopf von Hauseingang zu Hauseingang rannte, weil sie fürchtete erschossen zu werden, dass auf unserem Hof ein Pferd verendete und sich die Bewohner des Hauses mit Messern auf das Tier stürzten und es zerlegten, dass unser Wohnhaus - auf Sumpf gebaut - während der Bombenangriffe hinundher schwankte...
Aber ich fragte nie genauer nach. Ich tobte mit meinen Spielgefährten in den
Ruinentrümmern herum und fand das aufregend.
Die Erwachsenen waren damit beschäftigt, wieder einigermaßen ins Leben zurückzufinden und ließen uns viel Freiraum.
Ich bin während meiner Kindheit schon weite Strecken innerhalb des Bezirks abgelaufen. Natürlich liefen wir allein zur Schule und kamen von dort auch allein zurück, oft in der Dunkelheit , denn wir hatten Schichtunterricht.
Das Essen war knapp, dafür hatten wir eine fast grenzenlose Freiheit, die ich sehr genoss.
tigi9909 hat geschrieben: Ich kann mich gut an das zerstörte Freiburg (Breisgau) erinnern. Überall gab es diese Kriegsruinen auf unserem Fußweg in die Innenstadt. Ich schaute in die leeren Keller. Als Kind fand ich das schauderhaft.

Meine Eltern waren ausgebombt. Nach Kriegsende fanden sie eine Wohnung. Dort wohnten sie zusammen mit meiner Oma väterlicherseits. Meine Mutter war schwanger mit meiner älteren Schwester.

Die Oma mütterlicherseits war schon vorher im Luftschutzkeller ihres Hauses umgekommen. Meine Mutter war dabei. Trauma. Meine beiden Großväter sind im Krieg gefallen. Viel geredet wurde bei uns auch nicht.

Mein Vater war u.a. auch in Afrika unter 'Rommel'. Er hat ein Tagebuch hinterlassen. Ich habe es noch nicht gelesen. Vielleicht hatte ich Angst. Nun liegt es gerade vor mir. Es ist wohl Zeit, mich damit zu befassen.

Es war eine schwere Zeit. Trotzdem hatte ich eine glückliche Kindheit.




diesen text kann ich sehen, tigi, sonst nur so kurzes , schaue gerade, ob vielleicht was in dem raucherfred gelandet ist
DIESEN hatte ich neu geschrieben :wink:
aha, tigi, einen anderen sehe ich nicht von dir



also zerstört war bei uns nichts, also gebäudemässig nicht, meine grosseltern hatten dann noch so einige amis einquartiert, aber das war wohl lustig, und sie haben dann immer karten gespielt und hatten viel spass, aber das weiss ich auch nur vom hören sagen, da wurde gerne von erzählt.

und mein vater erzählte schonmal vom stationiertsein in frankreich, am meer, dass sie da so gut gelebt haben .......ich glaube, la rochelle
ich finde den raucherfred nicht mehr, sonst sehe ich den alle naslang
Der Raucherfred steht unter P&L. Ich habe geschaut. Dort steht der Eingangskommentar der TE von 'Kriegsenkelkinder'. Vermutlich ist der zuerst dort gelandet. Dann wurde er nochmal hier reingesetzt.

Dein und mein verschwundener Kommi ist nicht dort.
danke dir., dann brauch ich ja nicht weiter schauen, dachte, vielleicht sind unsere da gelandet
glueckskind1963 hat geschrieben: Ich möchte gerne mehr über andere Kriegsenkelkinder und ihre Erfahrungen erfahren. Wie lebt ihr damit?

Schade, dass Glueckskind nun nicht mehr da ist. Das Besondere scheint ja zu sein, dass die Kriegsenkel selbst das Leid des Krieges nicht erfahren haben und trotzdem unter seltsamen Dingen leiden.

Die Vorgängergeneration – zu der ich mich zähle – war noch viel näher dran. Ich wuchs mit einem Vater auf, der mir ständig erzählte, dass „wir“ in Deutschland keineswegs zu Hause sind :roll: Immerhin redete er darüber. Und auch mit der Enkelgeneration. So wird Leid (der Verlust von Heimat) für alle erlebbar, verstehbar und seine ungarischen Lieblingsgerichte (er mochte deutsches Essen nicht) sind dann eben das Familiensilber.

Es wird schon eine Weile viel über Epigenetik geschrieben. Danach werden Traumata vererbt. Sie fräsen sich in die Zellen ein und werden über Generationen weitergegeben. Die Auswirkungen sind unterschiedlich. Eine erhöhte Stressempfindlichkeit oder eben Ängste, die nicht erklärbar sind.
Wir meinen die Vererbung geht von den Eltern auf das Kind über. Nun gibt es neue Erkenntnissen, indem die Vererbung in der übernächsten Generation stattfindet.
Enkel haben das zu erlösen, wass die Großeltern erlebt hatten.

Das würde bedeuten, dass die junge Generation heute das Kriegstrauma auszubaden hat. Das würde erklären, warum junge Menschen so allergisch auf die allgegenwärtige Nazikeule und Rassismuskeule reagieren.

Damit lassen sie sich allerdings auch wunderbar manipulieren.