Erst einmal ein freundliches Hallo in die Runde,

seit 2007 lebe ich getrennt von meiner Frau. Beiderseits ohne Schmerzen. Wir haben ein gutes Auskommen miteinander und verschwenden unsere Kraft nicht in irgendwelchen Rosenkriegen. Für uns ist aber klar, dass es ein "Zurück" nicht geben wird. Soviel zu meinem aktuellen Status.
In der Zwischenzeit gab es mehrere Beziehungen, die allesamt nicht von langer Dauer waren. Einerseits wünsche ich mir eine Beziehung zu einer Frau, in der ich das Gefühl habe, zuhause zu sein. Andererseits habe ich auch Angst, es könnte wieder nicht klappen. Aktuell kommt auch hinzu, dass ich motorisch wegen meiner Erkrankung doch noch eingeschränkt bin. Das bestärkt mein Gefühl, den Ansprüchen einer Frau nicht gerecht werden zu können. Es wird wohl ein temporäres Problem sein. Allerdings dauert der Heilungsprozeß bereits 9 Monate und kann noch einmal so lange dauern.
Inzwischen glaube ich, daß ich mich aufgrund des langjährigen Alleinlebens mental so eingerichtet habe, daß für eine Partnerschaft auf Dauer kaum Platz ist. Kurzfristige Beziehungen sind mir aber zu streßig. Und auf reinen Seitensprungportalen fühle ich mich nicht wohl. Mein Fazit ist: Ich schätze mich als beziehungsunfähig ein.
Irgendwie eine Scheißsituation. Komme mir wie ein Kater vor, der ständig hinter seinem Schwanz herrennt, ohne zu kapieren, daß es sinnlos ist.
Bin gespannt, was ich so lesen werde. Vllt. kann ich ja neue Erkenntnisse gewinnen.
ich weiß - vielleicht - wovon Du redest obwohl ich wiederum ganz anders bin .....

war als Kind gerne alleine unterwegs....bin in der Schule nur am Rand der Gruppen mitgelaufen - wollte unparteiisch bleiben - hab dafür Prügel bezogen .....

ich kam mir völlig normal vor - doch irgendwann wurde ich immer öfters von der Verwandschaft gefragt:
"hast du keinen Freund" ? willst du nicht heiraten ?
also hab ich mich aufgerappelt und das gemacht was man normalerweise macht.....
hab mich darum bemüht eine Beziehung einzugehen - das waren - im Nachhinein betrachtet - 7 vergeudete Jahre ......
danach hab ich mich zurückgezogen und mein Outdoorleben gelebt - zwischendurch allerdings immer wieder neue Anläufe genommen.....
eine Beziehung war hoffnungsvoll - doch
a) waren wir beide eher einzelgängerisch - b) war ich nach längerem Alleinesein wahrscheinlich zu "bedürftig" und hab den Mann damit in Bedrängnis gebracht....

nachdem ich hier aufgeschlagen bin, hatte ich etliche Dates - doch danach war ich jedes Mal fix und fertig.....
heute geht es mir gut, weil ich weder suchen noch gefunden werden muss - weil ich nichts mehr machen muss - nur weil das als normale Vorgehensweise angesehen wird....
Es kommt immer drauf an, was man von einer Beziehung erwartet.

Ich hab mich von der Illusion eines dauernden Zusammenlebens verabschiedet - zu viele Vorteile hat es, nicht alles paraweise zu unternehmen und zu planen.
In der Jugend hatte man noch genügend Zeit, zusammenzuwachsen - oder sich auch auseinander zu leben.

Was sich in späteren Jahren entwickelt, weiß man nicht, aber eine ganze Menge an Gutem ist immer noch drin.
Es muss ja nicht gleich eheähnlich werden - Beziehung auf Abstand ist auch nicht schlecht.
Wenn man nicht dauernd aufeinanderklebt, kann man über die Marotten des anderen lachen, anstatt genervt herummeckern zu müssen oder zu verstummen.

Beziehungsunfähig ist niemand - Beziehung ist kein schwerer Klotz, sondern ein gestaltbares Gesamtkunstwerk - lach!
Es hat sowieso jedes Paar sein eigenes "Beziehungsdesign" - manches ist gewollt, und manches ergibt sich von selbst.

Immer locker bleiben und neugierig - bei mir klappt das Modell.
@Gundulabella
na ja, so ganz vergleichbar sind unsere Situationen nicht. Ich bin seit 1989 verheiratet. Ich komme prima allein klar und doch fehlt mir was. Natürlich auch die Sexualität. Aber die spielt momentan nicht so die große Rolle. Da hat die Nervenentzündung auch ein paar Schäden angerichtet. Deswegen mach ich mir aber keinen Kopp.
Ich geniesse ja auch mein Leben. Meistens bin ich gut gelaunt und lustig. Und trotzdem fehlt mir manchmal die Frau, mit der ich vertraut bin. Die schlagfertig auf den Blödsinn reagiert, den ich so verzapfe. Aber manchmal reicht eben nicht.
barbera hat geschrieben: Es kommt immer drauf an, was man von einer Beziehung erwartet.

Immer locker bleiben und neugierig - bei mir klappt das Modell.


ich denke, ich bin locker. Hab nur viel Zeit nachzudenken. Vllt. sollte ich diese Zeit des Nachdenkens in eine Zeit des Blödelns umgestalten...
Ja, es kann Beziehungsunfähig machen. Weil man
1. nicht mehr fähig zu Kompromissen ist
2. Alles unter dem praktischen Gesichtspunkt sieht. Es sollte sich lohnen.
3. Die Neugierde abhandengekommen ist
4. weil sich Faulheit ins Leben geschlichen hat
5. weil die Wahrnehmung von sich ein Traum ist. Man scheut die Realität, die Wahrheit.
Das fällt mir grade so spontan ein.
Manchmal fehlt mir ein adäquates Gegenüber und die Intimität, die man nur als Paar hat. Und damit meine ich nicht die Sexualität, sondern das Spüren von Gemeinsamkeit, von Verstehen.

Und manchmal, ganz, ganz wenig oft, fände ich in bestimmten Momenten eine Hilfestellung für schön.

Aber die meiste Zeit genieße ich mein Alleineleben. Nachdem ich zweimal je 20 Jahre verheiratet war, plus "Vorlaufzeit" :-), kenne ich beides recht gut.
Meister, ich bin beeindruckt von so viel Selbsterkenntnis!
Ich würde auch noch "Starrsinn" in die Liste der Verfehlungen aufnehmen ...

Ich werde mir aufgrund dieser Liste einen Vermeidungskatalog anlegen.
Bereits In meiner Jugend hab ich mir angesichts alter Tanten und Onkeln vorgenommen, neimals so werden zu wollen wie sie.

Jetzt weiß ich, dass es gar nicht so einfach ist, die Sünden des Alterns an sich selbst wahrzunehmen.
Da helfen oft gute Freunde, die einem sagen "Heast Oide, fia di net auf"

(sinngemäß übersetzt: Hör zu, meine Beste, übertreibs mal nicht so)
Oh, Barberelle, alte Leute sind Clever, sie haben sich im Laufe der Jahre nur mit den Freunden umgeben, die auch keine Kritik hören wollen. Gleich und gleich gesellt sich gerne. Besonders Frauen sind gerne Truppweise unterwegs und vorzugsweise nur unter sich. Da ist Frau in Sicherheit vor der Wahrheit:-) Männer haben eigene Probleme, so wie Frauen auch. Frauen haben sich in der Jugend häufig nur über ihr Aussehen definiert und wenn die Optik im Alter zusammenbricht, tja, game over, Barberelle :-) Männer werden eher Einzelgänger. Und beide Einstellungen harmonieren nicht.
Mir kommt das von Mr. Fritz beschriebene Szenario so vor:

Man schaut in den Spiegel und meint, wie gut man noch aussieht,
da müsste doch was gehen :-)

Die von ihm bemängelte Realität:
Man schaut in den Spiegel und sieht, wie greißlich man ist,
denkt, ja, dann musste halt einen gaaaaanz großen Kompromiss eingehen
und den nächstbesten nehmen......musst ja froh sein, wenn dich überhaupt noch einer will :-)
MisterFritz, es hört sich verbittert an, was du so schreibst. Aber ich glaube, es ist wirklich die Realität! Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel, aber weitgehend....

Rheinländer, ich kann dich gut verstehen. Die Wenigsten sind fürs Alleinesein geschaffen.

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Du hast geschrieben:
Ich geniesse ja auch mein Leben. Meistens bin ich gut gelaunt und lustig. Und trotzdem fehlt mir manchmal die Frau, mit der ich vertraut bin. Die schlagfertig auf den Blödsinn reagiert, den ich so verzapfe. Aber manchmal reicht eben nicht.

Genau das schätzen wir in unserer Partnerschaft auch! Dieses sich an Worten Reiben. Dieses Hin und Her. Einer sagt was "Blödes", der andere spinnt es weiter....

Ich wünsche dir wirklich, dass du nochmal in einer Beziehung landest.
lasst euch doch einfach drauf ein, so merkt ihr am schnellsten und besten was gut für euch ist
Ich glaube auch, dass man Beziehungsunfähig wird. Man richtet sich so ein, dass alles bequem passt, ganz ohne Widerspruch, ohne dass man sich erklären muss, man weicht dem zu erwartendem Stress ganz einfach aus. Sicherlich gibt es Momente, wo man sich emotional gerne nahe wäre, aber auch das geht schnell wieder vorbei.
Wenn mich jemand fragt, sage ich, " ich bin zufrieden, aber glücklich, bin ich nicht"
Ich kenne verschiedene Lebensformen:
Lange Ehe, drei Kinder
Danach einpaar lockere Bekanntschaften
Dann zwei langjährige Beziehungen, mit getrennten Wohnungen, was alles ok war.
Und nun:
Mir fehlt ganz einfach, ein männliches Gegenüber, "zum Lachen, Schweigen, Blödsinnmachen, alles zu seiner Zeit", nicht (gleich), in einer gemeinsamen Wohnung. Wäre auch sicher nicht einfach, nach 14 Jahren alleinelebend, in meinem Haus.
Trotz einer grossen Familie, einer handvoll Freundinnen und Bekanntenkreis.
Ein männlicher Freund, Geliebter, Kumpel, Begleiter, Tröster, Helfer wenn es Einem nicht gut geht, ist durch NICHTS, zu ersetzen, so sehe ich das.
Gerade in unserem Alter.
Was ich bei mir festgestellt habe,ist, dass ein längeres Zusammenleben nicht unanstrengend ist. Ich bin halt bequem geworden.Eine Partnerschaft mit getrennten Wohnungen ist für mich ideal.
Ansonsten bin ich beziehungsfähiger geworden, weil nicht mehr so ichbezogen und nicht mehr der Meinung, der andere habe für mein Glück zu sorgen.