"Ich finde es halt nur bedenklich, dass die scheinbar so toleranten St. Paulianer nun durch Drohungen (die dann nachträglich zu Bedenken relativiert wurden) bestimmen wollen, was Kunst sein darf, und was nicht. Und das ein Veranstalter sich über die Nominierung der Jury hinweg setzt, und eigenmächtig auslädt."


Ich habe sie ein paarmal gesehen und mir gefällt sie nicht. Sie ist mir zu künstlich, ihre Sprache ist für mich zu gesteltzt, und ihre Zoten sind mir oft zu billig.
Ihr wird vorgeworfen antisemitisch zu sein. Das konnte ich noch nicht feststellen.

Es ist jedoch ein absolutes NoGo, eine Künstlerin erst einzuladen und dann aus Angst vor irgendwelchen Linken und Autonomen, sie wieder auszuladen.

Dieses Gebaren nennt man culture cancelling.

Inzwischen gibt es einen Aufruf von zahlreichen Journalisten, Künstlern und anderen interessierten Menschen mit dem Titel:
"cancel culture cancelling"

Das ist auch gut so. Denn es geht nicht an, die Aussagen zu unterdrücken, zu "canceln", nur weil man Angst vor anderen hat und Nachteile für sich selbst befürchtet.

Alles, was nicht gegen unser Grundgesetz und gegen unsere freiheitliche Ordnung verstößt, darf (und muss) gesagt werden.

Leider weichen immer mehr Journalisten, Künstler. Literaten.... zurück, weil sie für sich selbst Nachteile befürchten und diese Befürchtung auch oft gerechtfertigt ist.

Die Meinungs- und Pressefreiheit in unserem Land wird immer mehr ausgehöhlt und eingeschränkt. Leider merken das viele gar nicht.
"Lisa Eckhart
Sie sorgt aktuell für mächtig Furore in der Kabarettszene: Die Österreicherin Lisa Eckhart. An ihr hat sich eine Debatte um Kunst- und Satirefreiheit entzündet. Frenetisch gefeiert wird sie von ihren Fans, Kritiker werfen ihr Antisemitismus vor. Die in Leipzig lebende Kabarettistin wurde unlängst von einem Literaturfestival wieder ausgeladen. Dort wollte die studierte Literaturwissenschaftlerin ihren aktuellen Roman vorstellen. Über ihren Umgang mit Kritik und ihre Verbundenheit zu Dieter Nuhr, in dessen Kabarettsendung sie regelmäßig auftritt, berichtet Lisa Eckhart bei 3nach9."

Stimmt, ich habe sie in der Talkshow "3nach9" gesehen. Sie hat da nicht so gestelzt gesprochen - fast normal :mrgreen: ! Neben ihr sass BM für Familie .... Frau Giffey ... ein Bild für Götter!

Ich mag Lisa Eckhard auch sehr, ihr Aussehen, Ihre Sprüche und ja, manchmal überschreitet sie ihre Grenzen. Das weiß sie auch - sie ist ja nicht doof.

HarmonieFrau .... toll Deine Recherche über sie.
Gerne_Unterwegs hat geschrieben: Ich finde es halt nur bedenklich, dass die scheinbar so toleranten St. Paulianer nun durch Drohungen (die dann nachträglich zu Bedenken relativiert wurden) bestimmen wollen, was Kunst sein darf, und was nicht. Und das ein Veranstalter sich über die Nominierung der Jury hinweg setzt, und eigenmächtig auslädt.

Ja nun, die toleranten Hanseaten erreichen halt den Punkt, wo die Kulturlinken langsam Muffensausen kriegen vor den Straßenlinken, die gerne mal einen öffentlichen Platz in eine telegene Brandstätte zerlegen ... grad wenns drum geht, einen (oft nur durch Fingerdraufzeigen zu solchem beförderten) Antisemiten (oder sonstwie angeblich Rechten) protestdemonstrationsmäßig aus der Stadt zu treiben.

Preisverleihende Edelkulturelle mögen so was nicht, auch wenn sie sich nicht dazu durchringen können, die zwangsläufig entstehenden Polizeieinsätze gutzuheißen ... aber ein Veranstalter wird dann halt doch schnell mal zum Bedenkenträger, weil im Gegensatz zu den netten Jurymitgliedern haftet er für den ganzen Rummel, und zwar an vorderster Stelle.

Verdandi hat geschrieben: Dafür, dass Du die Dame gar nicht kennst, reagierst Du ziemlich geharnischt und unflätig. Was hat Dich denn gestochen? Nebenbei auch noch die für einige Menschen sicher segensreiche "Selbstbefriedigung" so zu verunglimpfen, als hättest Du noch nie in Deinem Leben damit etwas zu tun gehabt, ist - sorry! - einfach arrogant und gewiss nicht glaubhaft.

Naja, jetzt reagierst aber Du wie eine auf den Schwanz getretene (ist die Formulierung gendermäßig erlaubt?).
Der Gescholtene schrob, er "kannte die Dame gar nicht", also erkennbare Vergangenheitsform und er hat sich zumindest mit ihrem "assoziativen Witz" (vermutlich eine vornehme Umschreibung für Böhmermann-Humor) vetraut gemacht.

Und Selbstbefriedigung - so wichtig ihre Funktion für Ausübende ist - ist für Zweite wie erst recht Dritte nun mal unproduktiv (die Silbe "Selbst-" verrät es). Gut, manche beziehen ihren Lustgewinn aus dem dabei Zuschauen, aber das ist nicht Jedermanns Sache. Wobei mir nicht zusteht, über Jederfrau zu urteilen.
Es gibt keine berssere PR als einen Skandal.

Plötzlich kennen Unzählige, die niemals ins Kabarett gehen und sich den Nuhr lieber nicht anschauen wollen, eine Frau Lisa Eckart.

Die nächste Vorstellung wird - so sie nicht wieder abgesagt wird - voll sein.
Scandal sells - vor allem im Dunstkreis der Kunst.
„Sagen Sie nichts gegen Selbstbefriedigung. Das ist Sex mit jemandem, den man liebt.“ Da hat der Woody Allen wohl Recht. Und gegen Lisa Eckhart habe ich auch nichts. Sie scheint ja ein großes Talent für Selbstvermarktung zu besitzen und damit beste Voraussetzungen für den Erfolg in unserem Kulturbetrieb.

Und auf den trifft das Zitat von Woody zu. Dieser ganze aufgeregt um sich selbst kreisende Zirkus ist doch nur noch mit Eigenmarketing beim Wettbewerb um Fördergelder beschäftigt. Dieser „Kulturbetrieb“ nützt der Kultur so viel wie die Ornithologie den Vögeln.

Ja: Diese lästigen Existenzäußerungen der Vielen lassen sich einfach nicht ab- oder ruhigstellen, um den gesonderten individuellen Bedürfnissen endlich ungestört frönen zu dürfen, gell?

So ein Pech, aber dem Phänomen der  Masseninteressen ist mit solchen selbstentlarvenden  Pauschalverurteilungen ganz gewiss nicht beizukommen. Ganz im Gegenteil, denn diese zeugen ja, nebenbei gesagt, auch nicht gerade  von intellektueller Besonnenheit. :wink:



Das kann ich leider nicht nachvollziehen. Was ist mit „Existenzäußerung der Vielen“ und „Phänomen der Masseninteressen“ gemeint? Die kleine Nische dieser Feuilleton-Kultur einer Möchtegern-Elite, die sich mangels Masseninteresse zum großen Teil aus öffentlichen Geldern finanzieren muss? Welche „Massen“ interessiert es, ob eine Lisa Eckhart aus Sicherheitsinteressen aus- oder eingeladen wird? Dieser ganze Kulturzirkus geht doch den Massen genauso am Allerwertesten vorbei wie eine Skandalpremiere in Bayreuth oder was sonst noch unsere geistig-intellektuelle Elite so echauffiert.
Mir gehts beim "Kulturkonsum" vor allem um Inhalte.

Das aufgeregte Drumherum ist mir eigentlich egal.
Manchmal ist das Drumherum sogar gerechtfertigt.

Die sündteuren und bis zum Überdruss besprochenen Aufführungen bei den Salzburger Festspielen sind nämlich wirklich oft einzigartig gut.
Trotz PR - lach!

Solange "Kulturbetrieb" bedeutet, dass die Inhalte scheinbar mühelos zu den daran Interessierten gelangen, und zwar in einer offenen, pluralistischen Gesellschaft mit einem freiem Markt, sollten die Vermitter und Veranstalter, da sie Geld eingesetzt haben, um das zu ermöglichen, gern auch ihren wirtschaftlichen Gewinn daraus ziehen.

Das hindert mich jedenfalls nicht daran,  Kunst-, Musik- und sonstige  kulturelle Darbietungen zu genießen. Jedenfalls ist mir das viel geheurer als jedwede ideologisch gefärbte kulturelle Zensur in einer Diktatur es mir wäre.

Und was die sogenannten "Eliten" betrifft: Die dezidierte Unterstellung ihrer Existenz ist genauso powidel wie die pauschale Verurteilung einer solchen.

Die Erfahrung zeigt, dass Menschen, die keinen besonderen Zugang zur jeweiligen Kunst haben, sich gern an ihren Organisatoren und an dem sonstigen Drum und Dran abarbeiten, um sich ein wenig Souveränität zu bewahren.




Verdandi hat geschrieben: Und was die sogenannten "Eliten" betrifft: Die dezidierte Unterstellung ihrer Existenz ist genauso powidel wie die pauschale Verurteilung einer solchen.
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Nach Wiki ist Elite (urspr. vom lateinischen eligere bzw. exlegere, „auslesen“) bezeichnet soziologisch eine Gruppierung (tatsächlich oder mutmaßlich) überdurchschnittlich qualifizierter Personen (Funktionseliten, Leistungseliten) oder die herrschenden bzw. einflussreichen Kreise (Machteliten, ökonomische, juristische Eliten.
Wenn in Deutschland die 800 reichsten Familien über mehr Vermögen verfügen als die 50 % oder 40 Millionen der ärmeren Hälfte, lässt sich die Existenz einer "ökonomischen Elite" nur in Frage stellen, wenn man die Fakten leugnet.
Aber verurteilen wollen wir sie nicht und schon gar nicht pauschal, denn sie haben ihre Millionen und Milliarden alle rechtmäßig erworben und vermehrt. Auf die Existenz einer kulturellen "Möchtegern-Elite" (oder mutmaßlichen), die sich durchaus soziologisch zeigen lässt, gehe ich mal nicht näher ein. Das schmälert nur den Kunstgenuss.

Was jede potenziell vorhandene Beweglichkeit, Kreativität und Komplexität des Denkens im Keim erstickt, ist dumme, öde, zutiefst belanglose Verallgemeinerung jedweder Art. Weil eine soche alles unterstellt und damit nichts konkretes aussagt - also nur hinlänglich bekannte Vorurteile bedient. 



Agathe16: "Die Meinungs- und Pressefreiheit in unserem Land wird immer mehr ausgehöhlt und eingeschränkt. Leider merken das viele gar nicht.[/quote]"


Du meine Güte, das ist ja eine entzückende Diskussionsrunde geworden.
Ich kann mich da nur anschließen ... Geschmäcker sind verschieden und das ist auch gut so... Und da ja meckern viel einfacher ist als es besser zu machen, wird das gerade im Internet nur zu gern getan.

Doch was ich bedenklich finde, ist die Aussage von Agathe 16, die leider nur allzu wahr ist. Es wird immer deutlicher, wie polarisiert die Medien sind und auch die Künstler dafür missbraucht werden. Wenn sie nicht konform sind, bekommen sie auch keine größenwirksamen Shows mehr...

"Bedenklich" würde tatsächlich auf mich zutreffen, da es m.E. weder eine Aushöhlung noch Einschränkungen der Meinungs- und Pressefreiheit in Deutschland gibt.

Was Dich betrifft, meintest Du sicher eher "bedenkenswert"? :wink:



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