Sende nicht Worte mit fliegender Eile,
Zürnende Worte sind brennende Pfeile,
Töten die Ruhe der Seele so schnell
Schwer ist´s zu heilen, doch leicht zu verwunden.

Christoph Martin Wieland

vorweihnachtstrubel

grüner kranz mit roten kerzen,
lichterglanz in allen herzen,
weihnachtslieder, kekserlduft,
zimt und sterne in der luft.

leute packen, basteln, laufen,
grübeln, suchen, rennen, kaufen,
kochen, backen, braten, waschen,
rätseln, wispern, flüstern, naschen,
schreiben briefe, wünsche, karten,
was sie auch von dir erwarten.

doch wozu denn hetzen, eilen,
schöner ist es zu verweilen
und vor allem d'ran zu denken,
sich ein Päckchen "zeit" zu schenken.
und bitte lasst noch etwas raum
für das christkind unterm baum!

liebe grüße und an ruhigen advent!
rennkeksal
Sei unbetört und unverstört!
Was zu des Lebens Glück gehört,
hat dir ein Gott gegeben,
und was er dir nicht gab, gehört,
o, glaub es, nicht zum Leben.
Was du nicht hast, das ist die Last,
die du nicht aufgeladen hast;
du hast die Lust am Leben.Sei unverstört und unbetört
Was zu des Lebens Lust gehört,
das hat dir Gott gegeben.

Friedrich Rückert
Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen

Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen,
die sich über die Dinge ziehn.
Ich werde den letzten vielleicht nicht vollbringen,
aber versuchen will ich ihn.

Ich kreise um Gott, um den uralten Turm,
und ich kreise jahrtausendelang;
und ich weiß noch nicht: bin ich ein Falke, ein Sturm
oder ein großer Gesang.


Rainer Maria Rilke
Musica

ist das beste Labsal eines betrübten Menschen,
dadurch das Herz wieder zufrieden,erquickt und erfrischt wird.

Martin Luther
Säume nicht, träume nicht, wandle!
Frage nicht, klage nicht, handle!
Erscheint dir etwas unerhört,
bist tiefsten Herzens du empört;
bäum dich nicht auf, versuch's nicht im Streit,
berühr es nicht, überlass es der Zeit.
Am ersten Tag wirst du feige dich schelten,
am zweiten lässt du dein Schweigen schon gelten;
am dritten hast du's überwunden
Alles ist wichtig nur auf Stunden.
Ärger ist Zehrer und Lenensgifter.
Zeit ist Balsam und Friedensstifter

Theodor Fontane
Vergnügungen

Der erste Blick
aus dem Fenster am Morgen
Das wiedergefundene alte Buch
Begeisterte Gesichter
Schnee, der Wechsel der Jahreszeiten
Die Zeitung
Der Hund
Die Dialektik
Duschen, Schwimmen
Alte Musik
Bequeme Schuhe
Begreifen
Neue Musik
Schreiben, Pflanzen
Reisen
Singen
Freundlich sein.

Bertold Brecht
Henriette1 hat geschrieben: Vergnügungen

Der erste Blick
aus dem Fenster am Morgen
Das wiedergefundene alte Buch
Begeisterte Gesichter
Schnee, der Wechsel der Jahreszeiten
Die Zeitung
Der Hund
Die Dialektik
Duschen, Schwimmen
Alte Musik
Bequeme Schuhe
Begreifen
Neue Musik
Schreiben, Pflanzen
Reisen
Singen
Freundlich sein.

Bertold Brecht


Das gefällt mir henriette, mit wenigen Worten ---alles gesagt! Das ist eben Brecht :|
Kennst du das auch?
Kenst du das auch, daß manchmal
Inmitten einer lauten Lust,
Bei einem Fest, in einem frohen Saal,
Du plötzlich schweigen und hinweggehn mußt?

Dann legst du dich aufs Lager ohne Schlaf
Wie Einer, den ein plötzlich Herzweh traf,
Lust und Gelächter ist verstiebt wie Rauch,
Du weinst, weinst ohne Halt - kennst du das auch?

Hermann Hesse
Theodor Fontane
Alles still!


Alles still! Es tanzt den Reigen
Mondenstrahl in Wald und Flur,
Und darüber thront das Schweigen
Und der Winterhimmel nur.

Alles still! Vergeblich lauschet
Man der Krähe heisrem Schrei.
Keiner Fichte Wipfel rauschet,
Und kein Bächlein summt vorbei.


Alles still! Die Dorfeshütten
Sind wie Gräber anzusehn,
Die, von Schnee bedeckt, inmitten
Eines weiten Friedhofs stehn.

Alles still! Nichts hör ich klopfen
Als mein Herze durch die Nacht -
Heiße Tränen nieder tropfen
Auf die kalte Winterpracht.
Joseph von Eichendorff

Winternacht



Verschneit liegt rings die ganze Welt,

ich hab' nichts, was mich freuet,

verlassen steht der Baum im Feld,

hat längst sein Laub verstreuet.



Der Wind nur geht bei stiller Nacht

und rüttelt an dem Baume,

da rührt er seine Wipfel sacht

und redet wie im Traume.



Er träumt von künft'ger Frühlingszeit,

von Grün und Quellenrauschen,

wo er im neuen Blütenkleid

zu Gottes Lob will rauschen.
Morgenwonne

Ich bin so knallvergnügt erwacht.
Ich klatsche meine Hüften.
Das Wasser lockt. Die Seife lacht.
Es dürstet mich nach Lüften.

Ein schmuckes Laken macht einen Knicks
Und gratuliert mir zum Baden.
Zwei schwarze Schuhe in blankem Wichs
Betiteln mich „Euer Gnaden“.

Aus meiner tiefsten Seele zieht
Mit Nasenfügelbeben
Ein ungeheurer Appetit
Nach Frühstück und nach Leben.


Joachim Ringelnatz
Es reden und träumen die Menschen viel
von besseren künftigen Tagen.
Nach einem glücklichen goldenen Ziel
sieht man sie rennen und jagen.
Die Welt wird alt und wieder jung,
doch der Mensch hofft immer Verbesserung.
Die Hoffnung führt ihn ins Leben ein,
sie umflattert den fröhlichen Knaben.
Den Jüngling begeistert der Zauberschein,
sie wird mit dem Greis nicht begraben.

Goethe
Es treibt der Wind im Winterwalde
Die Flockenherde wie ein Hirt,
Und manche Tanne ahnt, wie balde
Sie fromm und lichterheilig wird.

Sie lauscht hinaus. Den weissen Wegen
Streckt sie die Zweige hin bereit
Und wehrt dem Wind und wächst entgegen
Der einen Nacht der Herrlichkeit.


Rainer Maria Rilke, 1875-1926
Halt mich

Ich wünsche jedem Menschen,
dass er sagen kann: du, halt mich fest,
eine Minute nur, ich brauch dich jetzt.
Und ich wünsche jedem Menschen
einen anderen Menschen,
der das auch ganz einfach tut.

Andrea Schwarz