Aus einer Gesellschaft heraus
ging einst ein stiller Gelehrter nach Haus.
Man fragte:"Wie seid ihr zufrieden gewesen ?"
"Wären's Bücher", sagte er,
" ich würd sie nicht lesen."

Goethe
Winter

Die Kälte kann wahrlich brennen
Wie Feuer. Die Menschenkinder
Im Schneegestöber rennen
Und laufen immer geschwinder.

Oh, bittre Winterhärte!
Die Nasen sind erfroren,
Und die Klavierkonzerte
Zerreißen uns die Ohren.

Weit besser ist es im Summer,
Da kann ich im Walde spazieren,
Allein mit meinem Kummer,
Und Liebeslieder skandieren.

(Heinrich Heine)
Schläft ein Lied in allen Dingen,
die da träumen fort und fort,
und die Welt hebt an zu singen,
triffst du nur das Zauberwort.



Joseph von Eichendorff

Gibt es noch mehr Verse? Weiß das jemand? Mir kommt das Gedicht , so wie geschrieben,noch so unfertig vor :|
nö, er haben fertig

und schließt in einem schlichten Vierzeiler
alle romantischen Vorstellungen mit ein.
Einfach wunderbar
Das Gedicht heißt : Die Wünschelrute -
und mehr Zeilen gibt es nicht.
@swimmy
Kennst Du diese ähnlichen Gedanken?Sie stammen aus dem Textbuch von
>Ein Kurs in Wundern<


Der vergessene Gesang:
Horch!
Vielleicht erhaschst du
den Hauch eines Urzustands,
den du nicht ganz vergessen hast –
undeutlich vielleicht,
und doch nicht gänzlich unbekannt,
wie ein Lied,
dessen
Namen du längst vergessen hast
und ebenso die Umstände,
unter denen du es vernahmst.
Nicht das vollständige Lied ist bei dir geblieben,
nein, nur der kleinste Fetzen einer Melodie,
weder mit einem Menschen
noch einem Ort
oder sonst etwas Bestimmtem verknüpft.
Und dieser kleine Fetzen nur erinnert dich daran,
wie lieblich dieses Lied war,
wie herrlich die Umgebung,
wo du es gehört hast,
und wie sehr du jene liebtest,
die da waren
und es mit dir hörten ...
Danke Euch,Grafka und henriette :) Ein schönes Gedicht,farge mich aber auch , wie das Zauberwort heißt :?: Wahrscheinlich schickt sich aber auch nicht eines für Alle :P :!:

Hallo Maframati, ja Gedanken gibt en masse :!:


Du liebster Gott,
wenn man auch allen Sonnenschein wegstreicht,
so gibt es doch noch den Mond und die hübschen Sterne
und die Lampe am Winterabend---
es ist soviel schönes Licht in der Welt

v. Wilhelm Raabe
War einmal ein Bumerang;
War ein Weniges zu lang.
Bumerang flog ein Stück,
aber kam nicht mehr zurück.
Puplikum - noch stundenlang -
wartete auf Bumerang -

Joachim Ringelnatz
Vielleicht…
…ist es nur ganz wenig,
was einen Menschen
glücklich macht:
Nur ein Augenschlag,
ein Blick
oder ein Lächeln;
nur ein Wort,
eine Frage
oder ein Gespräch:
nur eine Kleinigkeit,
eine Entdeckung
oder etwas Gemeinsames;
nur ein Antippen,
eine Berührung
oder ein Streicheln,
nur eine Geste,
ein Verstehen
oder sonst was, irgendwas.

Clemens Kunze
Ein kleines Lied

Ein kleines Lied! Wie geht's nur an,
Daß man so lieb es haben kann,
Was liegt darin? erzähle!

Es liegt darin ein wenig Klang,
Ein wenig Wohllaut und Gesang
Und eine ganze Seele.


Marie von Ebner Eschenbach
Glaub' es mir: Sie brauchen dich
die Menschen, die mit dir geh'n.
Sie brauchen dein Gutsein und dein Versteh'n,
deinen blanken, geraden Sinn,
der sich freihält vom raschen Gericht,
der Treue kennt und Wahrheit spricht.
Sie brauchen die Reinheit in deiner Gestalt
und deines Wortes klare Gewalt
und das, was ihnen am meisten gebricht:
Dein Wissen um das ewige Licht.

Maria Nels
Wann fängt Weihnachten an?

Wenn der Schwache dem Starken die Schwäche vergibt,
wenn der Starke die Kräfte des Schwachen liebt,
wenn der Habewas mit dem Habenichts teilt,

wenn der Laute bei dem Stummen verweilt
und begreift, was der Stumme ihm sagen will,
wenn das Leise laut wird und das Laute still,

wenn das Bedeutungsvolle bedeutungslos,
das scheinbar Unwichtige wichtig und groß,

wenn mitten im Dunkeln ein winziges Licht
Geborgenheit und helles Leben verspricht,

und du zögerst nicht,
sondern du gehst,wie du bist,

draufzu,dann,ja dann
fängt Weihnachten an!

(von Rolf Krenzer)
„Ich lebe mein Leben in wachsenden ringen, die sich über die Dinge ziehen.
Ich werde den letzten vielleicht nicht vollbringen, aber versuchen will ich ihn.
Ich kreise um Gott, um den uralten Turm, und ich kreise jahrtausende lang; und ich weiß noch nicht: bin ich ein Falke, ein Sturm oder ein großer Gesang.“ r.m. rilke
 
…..mal was lustiges zur Vorweihnachtszeit
 
 
Lieber guter Weihnachtsmann,
jetzt ist`s so weit, jetzt bist du dran.
Mein Chef ist nämlich Rechtsanwalt,
der klagt dich an, der stellt dich kalt.

Schon seit vielen hundert Jahren
bist du nun durch`s Land gefahren,
ohne Nummernschild und Licht,
auch TÜV und ASU gab es nicht.

Der Schlitten eignet sich nur schwer
zur Teilnahme am Luftverkehr.
Es wird vor Gericht zu klären sein:
Besitzt du `nen Pilotenschein?

Durch den Kamin ins Haus zu kommen,
ist rein rechtlich strenggenommen
Hausfriedensbruch - Einbruch sogar!
Das gibt Gefängnis das ist klar.

Und stiehlst du nicht bei den Besuchen
von fremden Tellern Obst und Kuchen?
Das wird bestraft, das muss man ahnden,
die Polizei wird nach dir fahnden.

Es ist auch allgemein bekannt:
Du kommst gar nicht aus diesem Land.
Wie man so hört, steht wohl dein Haus
am Nordpol, also sieht`s so aus,
als kämst du nicht aus der EU,
das kommt zur Klageschrift dazu.

Hier kommt das deutsche Recht zum Tragen,
ein jeder Richter wird sich fragen,
ob deine Arbeit rechtens ist,
weil du ohne Erlaubnis bist.

Der Engel, der dich stets begleitet,
ist minderjährig und bereitet
uns daher wirklich Kopfzerbrechen:
Das Jugendamt wird mit dir sprechen!

Jetzt kommen wir zu ernsten Sachen.
Wir finden es gar nicht zum Lachen,
dass Kindern du mit Schlägen drohst,
darüber ist mein Chef erbost.

Nötigung heißt das Vergehen
und wird bestraft, das wirst du sehen,
mit Freiheitsentzug von ein paar Jahren!
Aus ist`s bald mit Schlittenfahren!

Das Handwerk wird dir bald gelegt,
es sei denn dieser Brief bewegt dich,
die Kanzlei reich zu beschenken,
dann wird mein Chef es überdenken....
Gebet des Älter werdenden Menschen

v.Hl. Theresia von Avila - niedergeschr.16 Jh.

„O Herr, du weißt besser als ich,
dass ich von Tag zu Tag älter
und eines Tages alt sein werde.

Bewahre mich vor der Einbildung,
bei jeder Gelegenheit und zu jedem
Thema etwas sagen zu müssen.

Erlöse mich von der Großen Leidenschaft,
die Angelegenheiten anderer
ordnen zu wollen.

Lehre mich , nachdenklich (aber nicht grüblerisch),
hilfreich (aber nicht diktatorisch) zu sein.

Bei meiner ungeheuren Ansammlung
von Weisheit erscheint es mir ja schade,
sie nicht weiterzugeben –
aber du verstehst, o Herr, dass ich
mir ein paar Freunde erhalten will.

Bewahre mich vor der Aufzählung
endloser Einzelheiten und verleihe
mir Schwingen, zur Pointe zu gelangen.

Lehre mich schweigen über meine Krankheiten und Beschwerden.
Sie nehmen zu – und die Lust, sie zu beschreiben,
wächst von Jahr zu Jahr.

Ich wage nicht, die Gabe zu erflehen,
mir die Krankheitsschilderungen anderer
mit Freude anzuhören,
aber lehre mich, sie geduldig zu ertragen.

Lehre mich die wunderbare Weisheit,
dass ich mich irren kann.

Erhalte mich so liebenswert wie möglich.
Ich möchte kein Heiliger sein –,
mit ihnen lebt es sich so schwer –
aber ein alter Griesgram ist
das Krönungswerk des Teufels.

Lehre mich, an den anderen Menschen unerwartete Talente zu entdecken,
verleihe mir die Gabe, sie auch zu erwähnen