Ja, „das Böse“ ist ein Bestandteil menschlicher Moralvorstellungen. Weder Dinge noch Tiere verfügen über ein Bewusstsein, das Moralvorstellungen entwickeln kann. „Das Böse“ kann also nicht Bestandteil der Natur sein – abgesehen vom Menschen, der zwar seinerseits Bestandteil der Natur ist, aus der er sich allerdings als einziges Lebewesen intellektuell heraus entwickelt hat.

Nun könnte man z.B. den Krieg als Auswuchs des Bösen betrachten. Heraklit hatte ihn (noch) den „Vater aller Dinge“ genannt. Damit hat er allerdings nicht „das Böse“, sondern das Ringen der Polaritäten miteinander gemeint: Licht und Schatten, Tag und Nacht, Gesundheit und Krankheit, Leben und Sterben, Schlafen und Wachen… Also: nicht „das Böse“ in Form des Krieges sondern den Krieg als Metapher des Kampfes zwischen diesen Polen sei der Vater aller Dinge = dieses Ringen der Widerparte machte nach Heraklits Vorstellungen das Leben aus.

Der Krieg mit seinem heutigen Massen-Zerstörungspotenzial mittels biologischer, chemischer und atomarer Waffen erscheint uns inzwischen als Auswuchs des „Bösen“. Die Ursprünge des Krieges, insbesondere im Altertum (zu Heraklits Zeiten) hatten dieses Potenzial noch nicht, sondern galten als umwälzende, sogar fortschrittbringende Maßnahmen, stellten also auch eine Metapher für einen Kampf zweier Polen dar: in diesem Fall zwischen Tradition und Erneuerung.

Heute, zu Zeiten der Massenvernichtungsmittel liegt das Erneuerungspotenzial nicht im Krieg, sondern in seiner Vermeidung durch aktive Friedensbemühungen. – Wir befinden uns noch nicht am Ende unserer Evolution, aber auf einem guten Weg: Der moderne Mensch ringt mit sich selbst um seinen wahren Fortschritt. Dazu zählt die Überwindung des „Bösen“. Ausmerzen wird man es nicht können – oder auch nur wollen, wenn es um das Bewusstsein des moralisch Falschen als Gegenpol zum Richtigen geht. Aber die Gesellschaften werden weiterhin lernen, sich so zu organisieren, dass von ihnen als Ganzes nichts Böses mehr ausgehen wird.

... Das ist mein Fortschrittsglaube.




Die Faszination für die authentische (unverfälschte) Bösartigkeit der Dummdreisten, die sich ganz offen zu ihrer menschenverachtenden Einstellung Anderen gegenüber bekennen, besteht vor Allem für Diejenigen, die es nicht wagen, ihnen nachzueifern, weil sie die strafrechtlichen Folgen oder aber die Rache des Stärkeren fürchten, was unterm Strich aufs selbe hinauskommt, denn durch das Strafrecht wird ja die Rache des Geschädigten dann legitimiert, wenn er sie mit Hilfe eines Richters unter dem Siegel der Gerechtigkeit durchführen lässt.

Daher nennt man Rechtsanwälte auch gerne Advocate des Teufels (des personifizierten Bösen), wenn sie es schaffen, den Verbrecher durch geschickte Verschleierung seiner bösartige Einstellung, mit der er nicht versehentlich sondern vorsätzlich Andere zu ihrem Nachteil schädigt, vor seiner Strafe zu bewahren.

Wie schon früher erwähnt, ist die eigenmächtige Rache zwar nach gültigem Gesetz verboten, aber entspricht dennoch dem natürlichen moralischen Empfinden für einen gerechten Ausgleich, um etwa sein durch Missachtung seiner Person beschädigtes Selbstbild zu reparieren, sodass in dem Falle der strafende Richter als der amoralisch Denkende und asozial Handelnde dasteht, der gegen die ideellen Menschenrechte verstößt, in denen die Freiheitsrechte Allen gleichermaßen zugestanden werden, und damit auch den Verbrechern.

Der Spruch, dass gehorsame Mädchen in den Himmel kommen, aber ungehorsame (die deshalb noch nicht bösartig sein müssen) überallhin, funktioniert leider nur dann, wenn sie sich dabei nicht mit Jemandem anlegen, der sie dafür ohne Weiteres in die Hölle schicken kann, sodass ein wenig Vorsicht zum Schutz gegen den eigenen Übermut nie verkehrt ist – auch wenn es eine Pflicht zum Selbstschutz im geltenden Gesetz nicht gibt und sie daher auch nicht einklagbar ist.

Es existiert keine einfach zu bildende, zu handhabende und einsetzbare Moral. Das ist ein Ideal von Vollkommenheit, das wir als keineswegs vollkommene Wesen in einer ebenfalls unvollkommenen Welt nicht realisieren können.

Alle Beziehungen und Interaktionen, ob individuelle oder die zwischen Völkern, sind sehr komplex und von den verschiedensten Interessenlagen motiviert.

Da kann die gleiche Handlung moralisch oder unmoralisch, oder beides zugleich sein. Es kommt immer auf die Perspektive an. Und auf eine bewusste Wertung: Was zählt mehr, was ist von höherem Wert?

Da gibt es keine pauschalen Sichtweisen und Lösungen.

Dieser Umstand allein ist ein steter Grund für eine Verunsicherung all derjenigen, die sich sicherer und aufgehobener fühlen möchten in dieser Welt. – Aber sie müssen bewusst und stark genug sein, um die komplexe Unsicherheit auszuhalten und damit zu leben. Um der Welt in ihren Vorstellungen und Träumen keinen völlig unnützen rosaroten Ideal- (Soll-) Anstrich geben zu müssen.





Gundulabella hat geschrieben: wer sind die "Gütigen" und wer sind die "Bösen"..... ?
natürlich immer die anderen...... 8)

manche merken es - manche nicht...... :wink:

Ich glaube nicht, dass es irgendjemand merkt! Wer sieht sich denn schon selber als "böse" an? Da kann ich dieser Aussage von Dir schon eher beipflichten:

ich bin nur ein Mensch - weder gut noch böse.....
manchmal handle ich richtig - manchmal falsch...
manchmal merke ich es und kann es korrigieren - manchmal nicht...


Genauso sehe ich das auch! Aber korrigieren kann ich immer erst im Nachhinein, manchmal auch gar nicht. Wäre ja toll, wenn ich schon vorher wüsste, was falsch ist, dann würde ich es gar nicht erst tun!
Doch was ich mir zurgestehe, muss ich auch allen anderen zugestehen. Leute, die mir immer nur mit dem pädagogischen Zeigefinger vor der Nase herumwedeln und theoretisch alles besser wissen, sind nicht mein Fall.
na klar, macht man manches, von dem man vorher schon weiß, dass es nicht richtig ist.
Nicht oft, aber immer öfter!
Herbstrose47 hat geschrieben:

... Aber korrigieren kann ich immer erst im Nachhinein, manchmal auch gar nicht. Wäre ja toll, wenn ich schon vorher wüsste, was falsch ist, dann würde ich es gar nicht erst tun! ...

Die Lösung: Sich vorher überlegen, was man tun wird. Dabei wird einem doch schon so manches Mal einiges klar und man richtet sein Handeln entsprechend darauf aus. Dagegen verspricht spontanes Handeln, insbesondere in einer aufgeregten, wütenden Gestimmtheit, nicht gerade Besonnenheit, die erforderlich wäre, um eine schlechte Situation nicht weiter zu verschlechtern.

Auch, wenn ich gezielt jemanden angreifen „muss“, um mich selbst erfolgreich gegen ihn zur Wehr zu setzen, sollte ich vorher genau überlegen, was und wie ich es tun werde – damit ich mein Ziel tatsächlich erreichen kann und mir nicht selbst im Wege stehe oder gar in die Falle der eigenen Unzulänglichkeiten rausche.

Zumindest gebe ich mir selbst durch vorheriges Nachdenken immer die Chance, destruktives eigenes Handeln zu vermeiden.




Hier ein aktuelles Beispiel für ein Verhalten, das eigentlich jeder, der die Geschichte kennt, als unmoralisch empfindet.

Vor kurzer Zeit wurde die Fluglinie AUA mit Millionen aus dem Budget gerettet.
Ob wirklich gerettet, steht noch in den Sternen.
Die Unterstützung ist auf Dauer gesehen wahrscheinlich trotz der schwindelerregenden Höhe zu gering.

Und jetzt zur Unmoral - Die Vorstände lassen sich ohne Skrupel ihre Boni, die ihnen nach den Gewinnen des Vorjahres zustehen, auszahlen.

Das Unmoralische an der Sache ist die Inanspruchsnahme des persönlichen Vorteils ohne Rücksicht auf das Allgemeinwohl.
Die Boni sind in Millionenhöhe ...

So kann etwas, das rechtens ist, zur allgemeinen moralischen Empörung führen.
Auch ich kann mich gegen das Gefühl des Ekels nicht wehren.
Das Thema heißt Moral.

Wenn ich bei Schreibenden oft das Wort asozial lese und der Gebrauch dieses Wortes nach Duden mit oft diskriminierend bezeichnet wird, dann kann man schon an dieser Stelle ableiten, um was für (diskriminierende?) Vorstellungen von Moral es sich (nicht nur?) im Text handeln könnte.

Der aktuelle Blick in unsere Gesellschaft zeigt, wer da von wem diskriminierend behandelt wird und wie nicht einfache Lösungen im Zusammenleben der Menschen auf doch so einfache Art und Weise gelöst werden könnten und das sollten.

Schaut man historisch etwas weiter zurück, dann "landet" man bei zwei völlig unterschiedlichen Diktaturen auf deutschem Boden, wo die Frage nach dem Hut sich stellt. Der Begriff Moral lässt sich jetzt von sehr verschiedenen Blickwinkeln betrachten und diskutieren.
Das entscheidende ist aber, welche Moral wir aus dieser deutschen Geschichte ziehen.
barbera hat geschrieben: Hier ein aktuelles Beispiel für ein Verhalten, das eigentlich jeder, der die Geschichte kennt, als unmoralisch empfindet.

Vor kurzer Zeit wurde die Fluglinie AUA mit Millionen aus dem Budget gerettet.
Ob wirklich gerettet, steht noch in den Sternen.
Die Unterstützung ist auf Dauer gesehen wahrscheinlich trotz der schwindelerregenden Höhe zu gering.

Und jetzt zur Unmoral - Die Vorstände lassen sich ohne Skrupel ihre Boni, die ihnen nach den Gewinnen des Vorjahres zustehen, auszahlen.

Das Unmoralische an der Sache ist die Inanspruchsnahme des persönlichen Vorteils ohne Rücksicht auf das Allgemeinwohl.
Die Boni sind in Millionenhöhe ...

So kann etwas, das rechtens ist, zur allgemeinen moralischen Empörung führen.
Auch ich kann mich gegen das Gefühl des Ekels nicht wehren.


so ist es
und deshalb muss das Mitspracherecht der Anleger erhöht werden....

ich kann mich noch gut daran erinnern, wie die Aktionäre Sturm gelaufen sind, als die Manager ihren Daimler-Konzern abgezockt haben....

also hat moralische Empörung auch etwas mit dem Gerechtigkeits-Empfinden zu tun....
@ Barbera

Bevor man immer neue Beiträge zum moralischen Fehlverhalten (zur Ablenkung?) aus der Gesellschaft bringt, sollte man sich zuerst mit Texte hier in diesem Bereich mit zweifelhaften Vorstellungen von Moral auseinander setzen.
Gerade von dir bin ich auf Äußerungen gespannt. Ein sich Nicht-Äußern sagt mir aber auch etwas über moralische Grundvorstellungen aus!
ich glaube, dass jeder von uns einen "moralischen Kompass" in sich hat.....
der kann jedoch nur funktionieren, wenn wir moralisches Verhalten als Kinder vorgelebt bekommen haben.....

es gibt Menschen, die haben in bestimmten Situationen kein Unrechtsbewußtsein oder schlechtes Gewissen....
mein Gehalt steht mir zu - basta ....egal wie es der Firma geht....

wir haben damals von "unserer Firma" gesprochen - waren stolz auf unsere Firma.....wie oft hatten wir unsere Anwesenheitskarte bereits ausgefüllt und sind dennoch geblieben, wenn Not am Mann war....oder auch einmal etwas privat für die Firma gemacht - ich hatte z.B. im Pferdehänger Strohballen zum abdecken für unsere Versuchs-Kläranlage gebracht....
das hat sich geändert, als die Stechkarten eingeführt wurden....
wir haben es das "amerikanische System" genannt.....
da habe ich mich vorher umgezogen und erst danach abgestochen, weil ich denen keine Minute mehr schenken wollte.... :?
CornusMas hat geschrieben: Ein sich Nicht-Äußern sagt mir aber auch etwas über moralische Grundvorstellungen aus!

Mit Verlaub, das verstehe ich nicht.

Es gibt sehr viele Themen, Dinge und Stichworte, zu denen ich mich auf dieser Plattform nicht äußere. Es sei dir natürlich unbenommen, daraus nun deine Rückschlüsse zu meinen moralischen Grundvorstellungen zu ziehen. Vermutlich hättest du in Einigem sogar recht; sicherlich beruht dein ethisches Grundgerüst auf verbreiteten Annahmen.

Aber was bedeutet "du hättest echt" in diesem Zusammenhang?
Dass es mindestens eine Person gibt, die dir zustimmt, also "recht gibt", worauf du folgerichtig "recht hast"? Mehr noch: du hast dann "was eigenes"?
Merke: es gibt immer mindestens eine Person.

Ab welchem Punkt sind Vorstellungen von Moral "zweifelhaft"?
Wenn es mindestens eine Person gibt, die diese Vorstellungen "in Zweifel zieht", worauf sie folgerichtig "angezweifelt" sind - was zwar nicht automatisch heißen muss, dass sie "anzuzweifeln" sind, aber sie stecken doch schon so weit im Dreck, dass sie mit Zweifel behaftet, mithin "zweifelhaft" sind?

Falls Du dich nun fragst, was das soll:
Nichts. Nichts von Belang, jedenfalls.
Mir gefiel die reflexhafte Reaktion auf die AUA-Geschichte, die ich aber mit Nicht-Äußerung zu bedenken gedachte.
Ersatzweise die Übersprungshandlung:
simple Verhaltensbiologie.
Verdandi hat geschrieben:
Herbstrose47 hat geschrieben:

... Aber korrigieren kann ich immer erst im Nachhinein, manchmal auch gar nicht. Wäre ja toll, wenn ich schon vorher wüsste, was falsch ist, dann würde ich es gar nicht erst tun! ...

Die Lösung: Sich vorher überlegen, was man tun wird. Dabei wird einem doch schon so manches Mal einiges klar und man richtet sein Handeln entsprechend darauf aus. Dagegen verspricht spontanes Handeln, insbesondere in einer aufgeregten, wütenden Gestimmtheit, nicht gerade Besonnenheit, die erforderlich wäre, um eine schlechte Situation nicht weiter zu verschlechtern.

Auch, wenn ich gezielt jemanden angreifen „muss“, um mich selbst erfolgreich gegen ihn zur Wehr zu setzen, sollte ich vorher genau überlegen, was und wie ich es tun werde – damit ich mein Ziel tatsächlich erreichen kann und mir nicht selbst im Wege stehe oder gar in die Falle der eigenen Unzulänglichkeiten rausche.

Zumindest gebe ich mir selbst durch vorheriges Nachdenken immer die Chance, destruktives eigenes Handeln zu vermeiden.


Ja, das ist immer bemerkenswert, wie total moralisch das eigene Handeln eingeschätzt wird! Einfach "mal nachdenken" und schon liegt man richtig. Besonders wenn man jemanden angreifen "muss", merkt man das ganz deutlich, vor allem in Kriegen machen das Millionen immer wieder!
Aber die Armen können ja nichts dafür, sie "wollen ja ihr Ziel erreichen"!

Und alles passiert unter dem Deckmantel einer (Schein)moral!

Sorry, aber „Wenn ich schon vorher wüsste…“ war einfach eine Super-Steilvorlage für Besserwisserei. :wink:

... Deine giftige Unsachlichkeit (Vermengung von Themen nach Deinem eigenen Gusto) spricht aber leider für sich und nicht für Dich. Dagegen muss ich mich gewiss nicht zur Wehr setzen. :)



@ BilderBerger Beitrag vom 20.08.2020, 15:38 Uhr

Du hast dir mal wieder einen Satz von mir aus dem Text heraus genommen.

Deine Begründung zu dem einen Satz ist richtig - allerdings fehlt dir der Zusammenhang zum gesamten Text von mir und damit wird dein Beitrag, banal, nicht richtig.

Das ist der vollständige Text!

@ Barbera

Bevor man immer neue Beiträge zum moralischen Fehlverhalten (zur Ablenkung?) aus der Gesellschaft bringt, sollte man sich zuerst mit Texte hier in diesem Bereich mit zweifelhaften Vorstellungen von Moral auseinander setzen.
Gerade von dir bin ich auf Äußerungen gespannt. Ein sich Nicht-Äußern sagt mir aber auch etwas über moralische Grundvorstellungen aus!