Da wir auch unwillkürlich Alles subjektiv bewerten, womit wir es zu tun haben, sodass wir danach sagen können, ob wir es mögen oder nicht, gibt es keine Wertfreiheit bei der Beurteilung von Nutzen und Schaden.

Die Vorstellung, dass das, was wir nicht mögen, tatsächlich schlecht für uns sei, kann auch auf einem Irrtum beruhen, der sich erst im Nachhinein als solcher herausstellt, denn es kann gut sein, dass der Schaden, über den wir uns aufregen, den Preis für einen Nutzen darstellt, der später erfolgt, sodass dieser „vorgebliche Betrug um das Recht auf Schadensausgleich“ gar nicht stattgefunden hat.

So spielt es schon eine Rolle, wer bei wem zuerst den Schaden erzeugt oder den Nutzen, indem er eigenmächtig selber in Vorleistung geht, oder vom Anderen die Vorleistung verlangt, ohne dass die Konditionen vorher abgesprochen wurden, denn dann muss nachverhandelt werden, um sich mit dem vermeintlich Benachteiligten wieder zu versöhnen, was nicht durch Streit bewirkt werden kann, der womöglich eskaliert und mit Mord und Totschlag endet, sondern nur durch eine friedliche Verhandlung.

Hieraus ergibt sich die Friedenspflicht als oberste Richtschnur eines gerechten Handels und Wandels, an die sich JEDER zu halten hat, und nicht nur Derjenige, der sich nicht herumstreiten will, weils ihn zu viel Anstrengungen kostet, sich gegen seinen Gegner durchzusetzen, um am Ende den Frieden zu seinen eigenen Konditionen bestimmen zu können.

Der Streithammel, der erst siegen will, und dann erst den Frieden akzeptiert, verstößt gegen diese Friedenspflicht, aber macht sich nicht des Gesetzesbruch schuldig, sondern eines Schadensausgleichs, den er dem dadurch Geschädigten schuldig bleibt.

Dieser kann auch der jeweilige Herrscher sein, der dadurch beleidigt wird, dass man seine Gesetze nicht befolgt, sodass seine Autorität als Gesetzgeber in Frage gestellt wird, was bei einer Person des öffentlichen Rechts einer narzisstischen Kränkung, bzw. Beschädigung ihres Selbstbildes als ein „nicht straflos zu schädigender Bürger“ entspricht, dem der Beleidiger Genugtuung schuldet, womit der Beleidigte sein beschädigtes „Image“ wieder reparieren kann, was im Mittelalter durch ein Pistolenduell im Beisein von Sekundanten entschieden wurde, die bezeugten, dass Alles mit rechten Dingen zuging, obwohl auch damals Selbstjustiz gesetzlich bereits verboten war.

Damit wurde es jedoch moralisch bei Hofe gebilligt, dass der Stärkere oder Höherrangige den Schwächeren oder Niedrigrangigeren beschimpfen und ihm den Schadensausgleich für eine Schädigung schuldig bleiben konnte – auch, wenn er es offiziell auch nicht durfte.

Bei der Bewertung des Schadens, der entweder auf Wegnahme beruht, und eine Bußschuld nach sich zieht, oder auf Hingabe, womit eine Dankesschuld bewirkt wird, spielt die subjektive Empfindung des Geschädigtwordenseins vor Allem da eine Rolle, wo der durch einseitige Vorteilsnahme um den gleichwertigen Schadensausgleich Betrogene nicht nach seiner Einwilligung gefragt wurde, sodass er sich als Schwächerer auch nicht dagegen wehren kann.

Diese Ohnmachtserfahrung traumatisiert den körperlich wie wirtschaftlich zu seinem Nachteil Geschädigten umso mehr, als dass er befürchten muss, dass dies trotz gesetzlichen Verbotes jederzeit noch einmal geschehen kann, sodass er nicht mehr bereit ist, in Vorleistung zu gehen, und dem Vertrauensunwürdigen dennoch sein Vertrauen zu schenken, bzw. zu tolerieren, dass man ihn noch einmal schädigt, indem er eine sofortige Gegenleistung einfordert, ohne dem Schuldigen eine zeitliche Toleranz zu gewähren, oder gar die Vergebung seiner Schuld, die er vorsätzlich bewirkt hat, indem er sich als Stärkerer einen Vorteil ausgerechnet hat, den auszugleichen er gar nicht die Absicht hat.

Hier vom Geschädigten dennoch die Toleranz des freiwilligen Verzicht auf Begleichung der Schuld zu verlangen, die man nur seinem Freunde zugesteht, von dem man erwartet, dass er Einen dafür nicht vorsätzlich zu dessen Nachteil schädigt, ist moralisch natürlich nicht gerechtfertigt, denn damit würde man das Opfer zum Täter machen, und den Schuldner zum Schuldigen.

Falls man gar nicht vorhat, sich mit seinem Opfer wieder zu versöhnen, indem man ihm einen von ihm bestimmten Schadensausgleich gewährt, weil man auf seine Freundschaft gar nicht angewiesen ist, bedeutet das jedoch nicht, dass man ihm deshalb auch keinen Ausgleich schuldet, sondern lediglich, dass man ihm diesen Ausgleich schuldig bleibt.

Das gilt auch für einen Toten, der sich nicht mehr entschuldigen kann, weil er nicht mehr lebt, und daher auch kein Bedauern darüber zum Ausdruck bringen kann, Jemanden versehentlich geschädigt zu haben, und auch nicht mehr um Vergebung der Schuld bitten kann, um sich wieder mit ihm zu versöhnen, nachdem er nicht in der Lage ist, die Schuld durch einen Schadensausgleich zu tilgen.

Das einzig Tröstliche für den Geschädigten, der auf dem Schaden sitzen bleibt, ist dann, dass er nicht noch einmal von ihm geschädigt werden kann, was er von Denen, die noch leben, und ihm den Schadensausgleich schuldig geblieben sind, nicht erwarten kann, sofern sie stärker sind, als er, und er auf sie angewiesen ist.

Einen Schadensausgleich zu verlangen, obwohl man noch gar nicht geschädigt wurde – nur, weil man eine Schädigung befürchtet - , steht Einem ebenso wenig zu, wie die Forderung nach Entschädigung für ausgefallenen Nutzen, für den man selber noch gar keine eigene Leistung erbracht hat.

Diese hier beschriebenen Mechanismen bilden die Grundlage jeden gemeinsamen Handelns mit Andern, und entsprechen somit einem gesunden Moralverständnis, bei dem das Bedürfnis im Vordergrund steht, nicht vom Anderen zum eigenen Nachteil geschädigt zu werden, sodass man daher auch darauf verzichtet, ihn dazu zu provozieren, sich an Einem zu rächen, indem man ihn ebenfalls nicht zu seinem Nachteil schädigt, was sowohl die Verhandlungsbereitschaft des Schädigers, als auch die Anzeigepflicht des Geschädigten, den Schädiger von der versehentlichen Schädigung in Kenntnis zu setzen, mit einschließt, um ein friedliches Miteinander zu gewährleisten – auch dann, wenn man ihn nicht als einen Freund liebt, dem gegenüber man besonders wohlwollend eingestellt ist, weil er sich seinerseits des ihm geschenkten Vertrauens in Form von Wohltaten als würdig erwiesen hat.
Du hast geschrieben, Friedenspflicht sei oberste Richtschnur eines gerechten Handelns und Wandels...
Dem stimme ich zu, bezüglich des Umgangs miteinander in diesem Forum, besonders bei kontroversen Debatten...
Toleranz und gegenseitiger Respekt sind unerlässlich für eine positive Debattenkultur.
Aber gilt diese Verpflichtung zum friedlichen Miteinander auch in der Politik, frage ich mich gerade, da mich diese z.Zt. ganz besonders bedrückt...
Sorry wegen OT in diesem Thread.!
(Ist es manchmal nicht notwendig, die Regierung anderer Staaten unter erheblichen Druck zu setzen, um etwas Positives zu erreichen?
Das fiel mir gerade dazu sein, da ich heute morgen auf spiegel-online las, dass in Russland versucht wurde, Nawalnyi mit einer noch wirksameren Variante des Nervenkampfstoffes Nowitschok zu vergiften, als das bei den Skripals der Fall war.)

@ Migranda,

hier kannst Du ein sehr aufschlussreiches Interview von ZEIT.de mit dem Mitentwickler (inzwischen Dissident) lesen:

>>"Eine so kleine Menge lässt sich leicht in einen Teebeutel tun"
Warum wurde Alexej Nawalny mit Nowitschok vergiftet und wieso ließ man ihn außer Landes? Ein Gespräch mit Vil Mirzayanov, dem russischen Mitentwickler des Kampfstoffes.

Interview: Alice Bota, Moskau<< (vom 4. September 2020)

Link:
https://www.zeit.de/politik/ausland/2020-09/vil-mirzayanov-nowitschok-kampfstoff-alexej-nawalny-vergiftung?utm_source=pocket-newtab-global-de-DE




In diesem Interview werden etliche offene Fragen beantwortet.
Auch in der DDR gab es einige vergleichbare Fälle -> siehe Auszug aus den Quellen.

" ... Am 8. November [1987] wurde – nach eigener Aussage [von Stephan Krawczyk] – ein Mordversuch der Staatssicherheit durch am Türgriff des Autos aufgebrachtes Nervengift auf ihn und Klier verübt. ...

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Stephan_Krawczyk


"... Wie gelähmt krallt sich Freya Klier am Lenkrad fest. Sie erlebt Wahnvorstellungen, hat das Bedürfnis gegen einen Baum zu fahren. Nur weil ihr damaliger Mann Stephan Krawczyk beherzt ins Lenkrad greift, überleben die beiden. ..."

Quelle: https://rp-online.de/nrw/staedte/kaarst ... d-14096939
Wenn ein Mächtiger den Mord an vermeintlichen politischen Gegnern als moralisch für gerechtfertigt hält, weil er dem obersten Gebot des eigenen Machterhaltes folgt, wird das gerne von seinen politischen Gegnern propagandistisch ausgenutzt, um ihn als besonders bestialisch und moralisch verderbt darzustellen, obwohl deren Ziel ebenfalls der Machterhalt bzw. erstmal der Machterwerb ist, mit der Option, danach den Frieden zu den eigenen Konditionen notfalls auch mit Gewalt erzwingen zu können.

Wird hingegen ein Tyrann von einem Widerstandskämpfer aus dem Volk ermordet, so gilt der Mörder als Volksheld, weil er das Volk von der Tyrannei befreit hat, ohne dass man dabei fragt, ob dies nicht auch ohne Mord hätte bewerkstelligt werden können, wie etwa durch Mahatma Ghandis passiven Widerstand gegen die englische Besatzungsmacht mittels von Gehorsamsverweigerung, was man heute im Arbeitsleben auch Streik nennt, der solange als moralisch vertretbar gilt, wie er nicht dazu führt, den Betriebseigner (Kapitalisten) zu ruinieren.

In der Geschichte wird der Königsmord unter Konkurrenten im Kampf um die Alleinherrschaft hingegen moralisch als legitimes Mittel angesehen, den unfähigen Vorgänger gewaltsam zu beseitigen, wenn der seine Machtposition nicht freiwillig aufgeben will – nach dem Motto: „Nieder mit dem (alten) König – hoch lebe der (neue) König!“.

Hierbei werden die Verdienste des alten Herrschers gegenüber seinen Versäumnissen abgewertet, in der Meinung, es ginge hier um eine moralisch akzeptable Entscheidung, die man sachlich begründen könne, und keine, die lediglich aus niedrigen, machtpolitischen Beweggründen heraus getroffen und lediglich mit dem Recht des Stärkeren legitimiert wurde.

Indem sich der Schwächere (wie z.B. der Diener, der einem Stärkeren zu Diensten ist) ein moralische Urteil (und keine Ver-Urteilung) über einen Stärkeren (wie seinen Herrn, der ihn als Schwächeren beherrscht) herausnimmt, nutzt er seine geistige Freiheit dazu, sich selber als moralisch besser darstellen zu können, als es Derjenige ist, dem er im Kampf um die Vorherrschaft unterliegt.

Das kann er dadurch demonstrieren, indem er noch die andere Wange hinhält, nachdem er gerade auf die eine geschlagen wurden, oder indem er seinen Herrn immer wieder aufs Neue dazu provoziert, zuzuschlagen, um ihm beweisen, dass dessen Macht begrenzt ist, denn mehr als totschlagen kann er den Fanatiker nicht, dem sein Leben weniger wichtig ist, als die Demonstration der Macht der eigenen - zumindest geistigen - Freiheit gegenüber seinem Unterdrücker.

So werden Revolutionäre sogar dann noch als Volkshelden im erfolgreichen Kampf gegen die Willkür von Regenten (lat. rex, der regierende König) verherrlicht, wenn sie dafür umgebracht wurden, was auch das Ziel von moralisch als besonders mutig geltenden Selbstmordattentätern oder Märtyrern ist.

Unüberlegte Handlungen im Übermut hingegen tun selten gut, weil sie lediglich eine entsprechende Gegenreaktion hervorrufen, sodass nach dem Prinzip des negativen Ausgleichs eine Schädigung des Gegners nur eine weitere Schädigung von dessen Seite nach sich zieht, was niemals zum dauerhaften Frieden führt.
@filofaxi
Ich finde Deine Zuordnung zu den „Starken“ bzw. „Schwachen“ zu absolut, um realistisch zu sein. Im moralischen Sinne sind beide Gruppen gleich stark, jeder Mensch besitzt die gleiche innere Stärke wie ein anderer.
Wenn sich ein Mensch vermeintlich „Stärke“ durch Anhäufung von Macht und Gütern verschafft, dann ist es zunächst einmal ein Ausdruck von Schwäche, weil er meint, sich selbst einen äußeren Ausgleich (zur inneren Schwäche) verschaffen zu müssen, von anderen Menschen Anerkennung durch seinen Besitz zu erhalten.
Doch wer sich diesem Streben unterwirft und sich beherrschen lässt, begibt sich dann freiwillig in die Rolle des Schwächeren, indem er den anderen Menschen als „stärker“ akzeptiert.
Beachtenswert ist, dass es immer eine Mehrheit von Menschen ist, die sich einer Minderheit in diesem Sinne unterordnet und sich ausbeuten lässt.
Irgendwann erkennen dann die Unterdrückten, dass sie gar nicht so schwach sind, wie sie meinen und räumen kurzerhand ihre Peiniger aus dem Weg, d. h. sie werden oft selbst zu Mördern, um sich an ihre Stelle zu begeben. Insofern findet keine Beseitigung der Ungleichheit statt, sondern lediglich ein Rollentausch. Die ehemals „Schwachen“ können ihre Position der Stärke dann jedoch auch nur dadurch erwerben und erhalten, indem sie sich neue Opfer der Unterdrückung schaffen.
Der einzige mir bekannte Ausbruch aus diesem ewigen Wechselspiel der Rollen ist die von Gandhi entwickelte Lehre Satyagraha, die auf die Gewaltlosigkeit setzt und das Gewissen der Gegenpartei ansprechen soll.
Nichts anderes beinhaltet auch die Aussage von Jesus, der dazu auffordert, die „andere Wange hinzuhalten“. Die Fehlinterpretation dieser Aussage besteht nach meiner Auffassung darin, dass man voraussetzt, der andere würde dann auch noch auf diese Wange schlagen. Doch genau das Gegenteil ist der Fall. Mit dieser Geste der Friedfertigkeit erweckt man im Gegner die menschliche Seite, zielt auf sein Gewissen.
Nicht immer ist dieses Muster erfolgreich, bei manchen Menschen ist die Menschlichkeit dann doch schon zu tief verschüttet. Allerdings wird es andererseits auch viel zu selten angewendet, um zur Beweisführung zu taugen. Ein immer wieder eindrucksvolles Beispiel ist für mich die friedliche Revolution in der DDR. Letztlich haben es die schwer bewaffneten Einsatzkräfte des Staates nicht gewagt, auf Menschen zu schießen, die mit Kerzen in der Hand eine Demonstration der Friedfertigkeit abhielten.
Es geht im Grunde genommen nicht darum, von anderen als „starker Held“ wahrgenommen zu werden, wahre Stärke erwächst immer aus der objektiven Wahrnehmung der eigenen Person und der entsprechenden Zuordnung der anderen Menschen.
Die Macht, die Jemand hat, drückt sich in seiner körperlichen (physischen und wirtschaftlichen), seelischen (sozialen und moralischen), sowie geistigen (intellektuellen und rationalen) Stärke oder Kraft, bzw. seinem Energiepotenzial aus, was keineswegs gleichmäßig auf alle Menschen verteilt ist, sodass es immer Schwächere und Stärkere auf dem jeweiligen Gebiet gibt.

Hier gilt in jeder Morallehre der Grundsatz, dass der Stärkere von Zweien auf den Schwächeren Rücksicht zu nehmen hat, denn umgekehrt würde es ja gar keinen Sinn machen. Dass das Kräfteverhältnis zwischen zwei Partnern oder Gegnern natürlich schwanken kann, sodass mal der Eine und mal der Andere der Stärkere von Beiden ist, oder gar auf einem Gebiet der Stärkere ist, während er auf dem anderen der Schwächere ist, ändert an dem moralischen Grundsatz Nichts.

Gandhis passiver Widerstand durch Verweigerung der Gefolgschaft ist natürlich auch eine gewalttätige, weil gegen den Willen des Gegners gerichtete, Maßnahme, die sehr nachhaltig wirkte – so, wie etwa die dem Manne gesetzlich zwar untergeordnete Frau oft die Herrin im Hause war, wo der Mann innenpolitisch Nichts zu sagen hatte, während er nach guter alter Sitte die Interessen der Familie außenpolitisch vertrat, indem er dafür sorgte, dass ihr guter Ruf in der Öffentlichkeit erhalten blieb, oder sogar noch verbessert wurde.

Stärker zu sein alleine, galt jedoch noch nie als ein Zeichen von Amoralität, sondern erst dann, wenn man seine Übermacht zum Nachteil seiner Anvertrauten missbrauchte, was sich in der hierarchischen Ordnung auch darin zeigte, wie man - ganz unten in der Hackordnung - mit den Tieren umging.

Die Schein- bzw. Doppelmoral des Stärkeren besteht demnach darin, davon auszugehen, seine Stärke gäbe ihm nicht nur die Macht der Freiheit, eigenmächtig über den Kopf Anderer hinweg bestimmen zu KÖNNEN, sondern auch das Recht, es tun zu DÜRFEN, obwohl er selber in der Situation des Schwächeren natürlicherweise ebenfalls dagegen ist.

So ist dieses moralische Gebot der sozialen Rücksichtnahme nichts Künstliches, was die Menschen erfunden haben, um den Schwächeren zu verbieten, sich zu wehren, wobei das Erdulden des ihnen als Schwächeren zugefügten Leides als besonders tugendhaft gilt, sondern ein soziales Naturprinzip, ohne dass es kein friedliches und damit dauerhaft erfolgreiches Miteinander zwischen ungleich Starken geben kann.

Ebenso natürlich ist die ökonomischen Notwendigkeit, sich mit einem gleichstarken Vertragspartner (lat. sozius) sozial zu arrangieren, indem man Kompromisse schließt, um sich eben NICHT selber die Chance der gemeinsamen Bewältigung von Situationen zu verbauen, indem man sich den Partner zum Gegner macht, wenn man ihm bekämpft, um herauszufinden, wer der Stärkere ist, der den Schwächeren maßregeln KANN, ohne dafür seine Gegenwehr befürchten zu müssen, auch wenn er es nicht DARF, weil es eben KEIN Recht von Mutter Natur gibt, wonach ihm dieses ausdrücklich gestattet worden ist.

Mit der Vorstellung jedoch, dass dann, wenn man selber rücksichtsvoll gegenüber Schwächeren sei, auch automatisch die Stärkeren rücksichtsvoll gegenüber Einem selber sein müssten, falls man mal der Schwächere ist, verkennt man leicht die Tatsache, dass auch die moralischen Idealvorstellungen zwar der Notwendigkeit in Bezug auf den sozialen Frieden entsprechen aber noch nicht der sozialen Wirklichkeit, wenn ein Großteil der Menschen ihre Menschlichkeit zum Vorwand dazu nimmt, lustig auf Schwächeren rumzutrampeln – nur weil bekannt ist, dass man sie nicht dafür bestraft.

Sich dabei als der Stärkere auch noch einzubilden, dass man das sogar mit der Genehmigung der Schwächeren selber täte, nur weil die sich nicht dagegen zur Wehr setzen, ist der Gipfel des Zynismus, denn selbst wenn man als Schwächerer einfach davon ausgeht, man sei der Stärkere von Beiden, obwohl mans gar nicht ist, ist das lediglich ein Zeichen für die Verdrängung der Tatsache, dass der Wille oder die Bereitschaft alleine, der Stärkere von Beiden sein zu WOLLEN, eben noch NICHT dazu ausreicht, um es auch tatsächlich zu SEIN.

Ansonsten ist die angebliche „Willensschwäche des Gehorsamsverweigerers“ natürlich schon genauso ein Zeichen von Stärke, wenns um die Durchsetzung der eigenen Ziele gegen die eines Schwächeren geht, wie es die angebliche „Willensstärke des Gehorsamen“ ist, denn sowohl das zulassende als auch das verweigernde Nichthandeln, welches der Chinese Wu Wei nennt, gehören beide auf die gleiche Weise zum passivischen Handeln, wie das verbietende oder fordernde Handeln zu den aktivischen Handlungsweisen gehört.

Meist erweist sich jedoch erst nach einem Zweikampf, wer der Stärkere und wer der Schwächere von Beiden war, und das kann dann auch genau andersrum der Fall gewesen sein, als man es vorher vermutete, sodass man als Unbeteiligter leicht dazu tendiert, dem Falschen seine Rücksichtslosigkeit gegenüber dem vermeintlich Schwächeren zu unterstellen, wo er in Wirklichkeit der Schwächere von Beiden war, was jedoch an der moralischen Verwerflichkeit des „Machtmissbrauchs des Stärkeren zum eigenen Vorteil“ selber nicht das Geringste ändert.

So stellen in der hinduistischen Ethik - genauso, wie in der christlichen auch - die „Pflicht des Gewaltverzichts (sanskr. ahimsa) gegenüber Schwächeren“, sowie die „Fürsorgepflicht (sanskr. bakthi) gegenüber den Bedürftigen“ die beiden wichtigsten moralischen Säulen in einer funktionierenden Kulturgemeinschaft dar.
filofaxi hat geschrieben: Die Macht, die Jemand hat, drückt sich in seiner körperlichen (physischen und wirtschaftlichen), seelischen (sozialen und moralischen), sowie geistigen (intellektuellen und rationalen) Stärke oder Kraft, bzw. seinem Energiepotenzial aus, was keineswegs gleichmäßig auf alle Menschen verteilt ist, sodass es immer Schwächere und Stärkere auf dem jeweiligen Gebiet gibt.

Hier gilt in jeder Morallehre der Grundsatz, dass der Stärkere von Zweien auf den Schwächeren Rücksicht zu nehmen hat, denn umgekehrt würde es ja gar keinen Sinn machen. Dass das Kräfteverhältnis zwischen zwei Partnern oder Gegnern natürlich schwanken kann, sodass mal der Eine und mal der Andere der Stärkere von Beiden ist, oder gar auf einem Gebiet der Stärkere ist, während er auf dem anderen der Schwächere ist, ändert an dem moralischen Grundsatz Nichts.

Gandhis passiver Widerstand durch Verweigerung der Gefolgschaft ist natürlich auch eine gewalttätige, weil gegen den Willen des Gegners gerichtete, Maßnahme, die sehr nachhaltig wirkte – so, wie etwa die dem Manne gesetzlich zwar untergeordnete Frau oft die Herrin im Hause war, wo der Mann innenpolitisch Nichts zu sagen hatte, während er nach guter alter Sitte die Interessen der Familie außenpolitisch vertrat, indem er dafür sorgte, dass ihr guter Ruf in der Öffentlichkeit erhalten blieb, oder sogar noch verbessert wurde.

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@ Filofaxi
Nicht die Tatsache, dass etwas gegen den WILLEN des Gegners gerichtet ist, macht in meinen Augen aus Maßnahmen GEWALT. Entscheidend ist, dass eine "Schädigungsabsicht" des Täters vorliegt. Die kann in Fällen, wo man dann wirklich von GEWALT reden kann und sollte, in der Verletzung grundlegender Rechte des "Opfers" bestehen. Davon kann im Falle Kolonialmacht versus Ghandi oder umgekehrt wahrhaftig nicht die Rede sein. Das würde dann auch die Täter-Opfer-Relation auf den Kopf stellen. Dem indischen Volk wurde von der Kolonialmacht die Freiheit, ein Grundrecht, vorenthalten. DAS ist eine Schädigung, die den Vorstellungen von Gewalt entsprechen. Von einer Schädigung der Kolonialmacht aber kann man nicht sprechen, weil sie sich ja widerrechtlich in den Besitz Indiens versetzt hatte. Hier liegt die Regelverletzung ganz auf Seiten des Gegners, nämlich der Kolonialmacht.
Deinem weiter angefügten Beispiel kann ich nicht folgen, folglich auch keine Stellungnahme dazu.

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Stärker zu sein alleine, galt jedoch noch nie als ein Zeichen von Amoralität, sondern erst dann, wenn man seine Übermacht zum Nachteil seiner Anvertrauten missbrauchte, was sich in der hierarchischen Ordnung auch darin zsondern erst dann, wenn man seine Übermacht zum Nachteil seiner Anvertrauten missbrauchte, was sich in der hierarchischen Ordnung auch darin zeigte, wie man - ganz unten in der Hackordnung - mit den Tieren umging.

Die Schein- bzw. Doppelmoral des Stärkeren besteht demnach darin, davon auszugehen, seine Stärke gäbe ihm nicht nur die Macht der Freiheit, eigenmächtig über den Kopf Anderer hinweg bestimmen zu KÖNNEN, sondern auch das Recht, es tun zu DÜRFEN, obwohl er selber in der Situation des Schwächeren natürlicherweise ebenfalls dagegen ist.

So ist dieses moralische Gebot der sozialen Rücksichtnahme nichts Künstliches, was die Menschen erfunden haben, um den Schwächeren zu verbieten, sich zu wehren, wobei das Erdulden des ihnen als Schwächeren zugefügten Leides als besonders tugendhaft gilt, sondern ein soziales Naturprinzip, ohne dass es kein friedliches und damit dauerhaft erfolgreiches Miteinander zwischen ungleich Starken geben kann.

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@ Filofaxi

Dieses soziale Naturprinzip findet man auch bei allen Tieren, die in sozialen Verbänden zusammenleben. Schwächere Tiere haben in hierarchisch aufgebauten Gruppen durchaus viel zu erdulden, aber im Falle einer Verletzung etwa sichert ihnen die Gruppe trotz allem höhere Überlebenschancen. Durch jüngere Funde eines Skelettes eines Säbelzahntigers z.B. , dessen Hüfte total arthrotisch war, schließen Paläontologen jetzt , dass diese Tierart in Gruppen gelebt und gejagt hat. Bei einem Einzelgänger hätte sich ein so schwerwiegender Zustand gar nicht aufbauen können, er wäre vorher verhungert.

Ebenso natürlich ist die ökonomischen Notwendigkeit, sich mit einem gleichstarken Vertragspartner (lat. sozius) sozial zu arrangieren, indem man Kompromisse schließt, um sich eben NICHT selber die Chance der gemeinsamen Bewältigung von Situationen zu verbauen, indem man sich den Partner zum Gegner macht, wenn man ihm bekämpft, um herauszufinden, wer der Stärkere ist, der den Schwächeren maßregeln KANN, ohne dafür seine Gegenwehr befürchten zu müssen, auch wenn er es nicht DARF, weil es eben KEIN Recht von Mutter Natur gibt, wonach ihm dieses ausdrücklich gestattet worden ist.

Mit der Vorstellung jedoch, dass dann, wenn man selber rücksichtsvoll gegenüber Schwächeren sei, auch automatisch die Stärkeren rücksichtsvoll gegenüber Einem selber sein müssten, falls man mal der Schwächere ist, verkennt man leicht die Tatsache, dass auch die moralischen Idealvorstellungen zwar der Notwendigkeit in Bezug auf den sozialen Frieden entsprechen aber noch nicht der sozialen Wirklichkeit, wenn ein Großteil der Menschen ihre Menschlichkeit zum Vorwand dazu nimmt, lustig auf Schwächeren rumzutrampeln – nur weil bekannt ist, dass man sie nicht dafür bestraft.

Sich dabei als der Stärkere auch noch einzubilden, dass man das sogar mit der Genehmigung der Schwächeren selber täte, nur weil die sich nicht dagegen zur Wehr setzen, ist der Gipfel des Zynismus, denn selbst wenn man als Schwächerer einfach davon ausgeht, man sei der Stärkere von Beiden, obwohl mans gar nicht ist, ist das lediglich ein Zeichen für die Verdrängung der Tatsache, dass der Wille oder die Bereitschaft alleine, der Stärkere von Beiden sein zu WOLLEN, eben noch NICHT dazu ausreicht, um es auch tatsächlich zu SEIN.

Ansonsten ist die angebliche „Willensschwäche des Gehorsamsverweigerers“ natürlich schon genauso ein Zeichen von Stärke, wenns um die Durchsetzung der eigenen Ziele gegen die eines Schwächeren geht, wie es die angebliche „Willensstärke des Gehorsamen“ ist, denn sowohl das zulassende als auch das verweigernde Nichthandeln, welches der Chinese Wu Wei nennt, gehören beide auf die gleiche Weise zum passivischen Handeln, wie das verbietende oder fordernde Handeln zu den aktivischen Handlungsweisen gehört.

Meist erweist sich jedoch erst nach einem Zweikampf, wer der Stärkere und wer der Schwächere von Beiden war, und das kann dann auch genau andersrum der Fall gewesen sein, als man es vorher vermutete, sodass man als Unbeteiligter leicht dazu tendiert, dem Falschen seine Rücksichtslosigkeit gegenüber dem vermeintlich Schwächeren zu unterstellen, wo er in Wirklichkeit der Schwächere von Beiden war, was jedoch an der moralischen Verwerflichkeit des „Machtmissbrauchs des Stärkeren zum eigenen Vorteil“ selber nicht das Geringste ändert.

So stellen in der hinduistischen Ethik - genauso, wie in der christlichen auch - die „Pflicht des Gewaltverzichts (sanskr. ahimsa) gegenüber Schwächeren“, sowie die „Fürsorgepflicht (sanskr. bakthi) gegenüber den Bedürftigen“ die beiden wichtigsten moralischen Säulen in einer funktionierenden Kulturgemeinschaft dar.
@ filippa1

…..Nicht die Tatsache, dass etwas gegen den WILLEN des Gegners gerichtet ist, macht in meinen Augen aus Maßnahmen GEWALT. Entscheidend ist, dass eine "Schädigungsabsicht" des Täters vorliegt. …...

Genauso wenig, wie die reine Schädigungsabsicht gegen den Willen des Geschädigten zwar moralisch verwerflich ist, aber noch keine gewalttätige Handlung darstellt, so ist auch die Schädigung selber mit Einverständnis des Geschädigten im Rahmen eines fairen Handelsabkommens mit vereinbarter Gegenleistung zum Schadensausgleich noch nicht gewalttätig.

Ansonsten gibt es neben der rohen Gewalt der Nötigung durch passivisches Verweigern seiner vertraglich zugesagten Versorgungspflichten noch die aktivische erpresserische Androhung von körperlicher Verletzung oder wirtschaftlicher Schädigung durch Wegnahme des Besitzes als Strafe für Ungehorsam, sowie die ebenfalls aktivische Nötigung eines Abhängigen zu Zugeständnissen, die er ohne Not niemals gewähren würde, durch die sanfte Gewalt der Verführung, wie etwa die Bestechung, die zur Korruption führt.

…..Die kann in Fällen, wo man dann wirklich von GEWALT reden kann und sollte, in der Verletzung grundlegender Rechte des "Opfers" bestehen. …...

Nicht die Rechte der Geschädigten werden verletzt, sondern die Geschädigten, denen man ihre Rechte beschneidet oder verweigert, selber.

…...Davon kann im Falle Kolonialmacht versus Ghandi oder umgekehrt wahrhaftig nicht die Rede sein. Das würde dann auch die Täter-Opfer-Relation auf den Kopf stellen. Dem indischen Volk wurde von der Kolonialmacht die Freiheit, ein Grundrecht, vorenthalten. DAS ist eine Schädigung, die den Vorstellungen von Gewalt entsprechen. Von einer Schädigung der Kolonialmacht aber kann man nicht sprechen, weil sie sich ja widerrechtlich in den Besitz Indiens versetzt hatte. Hier liegt die Regelverletzung ganz auf Seiten des Gegners, nämlich der Kolonialmacht. …...

Nun – das Motiv zur Schädigung der Täter durch ihre vormaligen Opfer mittels von Gehorsamsverweigerung stellte nicht nur einen sehr wirkungsvollen Racheakt dar, um den Unterdrückten Genugtuung zu verschaffen, sondern hatte darüber hinaus auch das Ziel, sich eigenmächtig und damit sehr machtvoll von der Herrschaft der Kolonialmacht zu befreien.

Mit diesem Zweck rechtfertigte man auch die gewalttätigen Mittel, gegen die die Briten kein effizientes Gegenmittel hatten, und man verlieh den Streikenden darüber hinaus auch noch ein gutes Gewissen dabei, indem man dies scheinheilig als friedlichen – schon fast als freundlich zu bezeichnenden - Gnadenakt absegnete, bei dem es keine Toten gab, was dennoch gegen die ethischen Grundsätze der Gewaltlosigkeit verstieß, wie sie von der ebenso scheinheiligen katholischen Kirche gepredigt wird, damit sich an den jeweiligen Machtverhältnissen zugunsten der Herrschenden nur ja Nichts ändert.
@Filippa
ja - die Herde - oder im Falle anderer Säugetiere - die Gruppe - bietet den einzelnen Mitgliedern Schutz und Sicherheit....
allerdings hat jede Herde/Gruppe eine Rangordnung....
jedes Mitglied versucht eine möglichst hohe Rangordnung in seiner Herde/Gruppe zu erreichen - dennoch gibt es immer Mitglieder, die am Ende der Rangordnung stehen.......
dennoch schützt die Herde/Gruppe auch ihre schwächeren Mitglieder.....
stirbt z.B. ein Muttertier, übernimmt eine nahe Verwandte Schwester/Tante zusätzlich zu ihrem eigenen das säugen des verwaisten....
das war früher auch bei den Menschen so üblich......
(ich zähle die Menschen ebenfalls zu den höheren Säugetieren).....

der Schutz der Gruppe hört auf, wenn es ums Überleben der Gruppe geht....
z.B. werden bei Hungersnöten die Alten und Säuglinge zurückgelassen, um das Überleben der Gruppe zu garantieren...

die Menschen haben dann das "Sozial-System" erfunden....
mal greift es besser - mal schlechter.....eine 100%ige Unterstützung der sozial schwachen Menschen gibt es bis heute nicht....
Darf man das Volk belügen?

Friedrich II, der als Monarch der Aufklärung gilt, war gleichwohl überzeugt, dass das Volk - „diese Tiere“ und „Dummköpfe“ - wenig Vernunft hätten und belogen sein wolle.
Um diese Frage wissenschaftlich zu ergründen, stellte er 1777 seiner Preussischen Akademie der Wissenschaften in Berlin zur Bearbeitung der Preisfrage „Ob es nützlich sei, das Volk zu betrügen“.
Die Berliner Akademie war nicht besonders glücklich, im Zeitalter der Aufklärung darüber zu diskutieren, ob es nützlich sei, das Volk zu betrügen. Denn bereits in der Art der Formulierung dieser Frage wird leicht erkennbar, dass es um den Nutzen für die Herrschenden und nicht um den Nutzen für das Volk geht und dass somit die Hirten nicht das Wohl der Herde, sondern ihr eigenes im Sinn haben.
Um dies nicht offenkundig zu machen, wurde die Frage dann umformuliert:
„Kann irgend eine Art von Täuschung dem Volke zuträglich sein, sie bestehe nun darinn dass man es zu neuen Irrthümern verleitet, oder die alten eingewurzelten fortdauern lässt?
In dieser Formulierung war nicht mehr erkennbar, dass eigentlich nach dem Nutzen des Betruges für den Betrüger gefragt wird, sondern sie gab vor, sich für den Nutzen für das Volk, das betrogen wird, zu interessieren.
Dieses kleine historische Beispiel lässt bereits anschaulich erkennen, wie eine „gute“ Ideololgiekonstruktion funktioniert.

Mehr vom Märchen über den guten Hirten und das Drama seiner schweigenden (getäuschten) Lämmer unter:
https://www.uni-kiel.de/psychologie/mau ... m_Volk.pdf

Meine kritische Einschätzung der oben verlinkten Publikation von Rainer Mausfeld  bestätigte sich, als ich zum Verfasser, der nicht Professor für Politik, sondern für Psychologie (Wahrnehmungs-Psychologie, Spezialgebiet: Farbwahrnehmung) ist, bei Wikipedia (Kapitel "Presse") folgendes las:


>>In seiner Rezension in Deutschlandfunk Kultur bezeichnet Bodo Morshäuser Mausfelds Publikation Warum schweigen die Lämmer? als „klagende Behauptung“. (...) Abschließend bemängelt Morshäuser, Mausfeld habe sich nicht die Arbeit gemacht, Alternativen zur repräsentativen Demokratie auszuarbeiten oder funktionierende frühere Versuche demokratischer Verfahren anzuführen: „Er hat ein Empörungsbuch geschrieben“.<<


>>Mausfelds Beiträge zu medien- und kapitalismuskritischen Themen weisen nach Ansicht des Amerikanisten und Verschwörungstheorie-Forschers Michael Butter „stark populistische und mitunter auch verschwörungstheoretische Züge“ auf. Von seinem Fachgebiet her fehle Mausfeld die Kompetenz, sich über politische Themen zu äußern, er werde aber wegen seines Professorentitels als Autorität dazu wahrgenommen. <<


>>Tanjev Schultz setzt in der Süddeutschen Zeitung Mausfelds Publikation Warum schweigen die Lämmer? mit der Radikalkritik in Hans-Peter Martins Game Over gleich und möchte an Mausfeld aufzeigen, wie groß dabei die Gefahr sei, „in krude Bescheidwisserei“ abzudriften. Mausfeld ignoriere Recherchen und Debatten in der von ihm als „neoliberal dominiert“ kritisierten Presse, etwa zur Steuerflucht oder zu den Panama-Papers. Er vertrete schematische Wahrheiten und sein Buch sei wenig originell: „Es baut auf einer radikalen Demokratietheorie auf, mischt sie mit den Denkfiguren des alten Adorno und des im Laufe der Jahre immer zorniger und paranoider werdenden Noam Chomsky – und fertig ist ein Buch für den linken Wutbürger“. 

Kritisch merkt er an, dass man nur ein paar Vokabeln von links nach rechts drehen müsse, damit auch Trump oder die „Lügenpresse“-Krakeeler der Analyse gut folgen könnten. Mausfelds Elitenbild entspreche nicht der Wirklichkeit, denn wer sich bei den „Eliten“ umhöre, werde auf sehr viele treffen, „die ein hohes Lied auf zivilgesellschaftliches Engagement singen“. Dass er zustimmend Jean Ziegler zitiere, die Wirtschaftsordnung des Neoliberalismus bringe in einem Jahr etwa so viele Menschen um wie das NS-Regime in sechs Jahren, und sie als „größten Feind der Demokratie“ abstempele, bewertet der Rezensent angesichts echter Diktaturen als „halbseiden“ und „infam“.<<


>>Gertrud Hardtmann kommt nach einer ausführlichen Inhaltsangabe im Diskussionsteil ihrer Rezension zu dem Ergebnis, dem aufrüttelnden Buch fehle ein „konstruktives Gegenüber …, das sowohl das Anliegen und die Argumente von Mausfeld ernst nimmt, als auch kritisch differenzierend überprüft.“ (...)<<




Dazu fällt mir ein, dass Mausfeld (emerit. Prof. für Psychologie), vor einiger Zeit Sympathien für Putins Russland geäußert hatte, in einem Beitrag in den Nachdenkseiten.
Ich hörte mir einen seiner Vorträge an, sehr kenntnisreich, rhetorisch begabt und überzeugend sympathisch wirkte er auf mich, umso empörter war ich über seine Sympathie für Russland unter Putin.
Ich hatte den Eindruck, er wertet pauschal unsere Presse ab, da es seiner Ansicht nach im kapitalistischen Westen keine freie Presse geben kann.
A propos Mausfeld:

https://www.youtube.com/watch?v=VXhK8uN6WyA

Wer Ohren hat, der höre!

ab 17:03 sehr interessant.