https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2019-12/patientenverfuegung-letzter-wille-bevollmaechtigung-tod-palliativmedizin/komplettansicht

Für mich bleibt es wichtig, dass mein mittlerweile gültiger Denkansatz respektiert wird: "Ich bin alt genug, um notfalls auch sterben zu dürfen!"

Der von mir verlinkte Artikel ist hierzu interessant, weil sich das gesetzlich verankerte Recht auf "Patientenverfügung" und andererseits "unterlassene Hilfeleistung" für Dritte oftmals ziemlich beissen.

Somit bleibt sehr oft die sog. Patientenverfügung, bzw. das dokumentierte gewünschte "Sterben dürfen" leider einfach wirkungslos.

Jeder verantwortungsvoll agierende Arzt wird sich nach seinen erlernten Grundsätzen orientieren und notfalls gegen den bekundeten Patientenwillen entscheiden. Er steht/sitzt ja auch zwischen allen Stühlen...

...und womöglich riskiert er sogar, vor dem Kadi zu landen!

Wenn alle Patientenwünsche eindeutig ankreuzbar, bzw. formuliert wären, würde ihm noch dazu die Zeit fehlen, diese dann sehr umfangreiche Niederschrift zu studieren.

Wer hat positive/negative Erfahrungen, Tipps ect.?
Besser als eine Patientenverfügung ist eine Vollmacht,die alle gesundheitlichen Fragen betrifft.
Meine Mutter gab mir eine solche Vollmacht,so dass ich ihren Willen bei den Ärzten kundtun konnte,falls sie nicht mehr in der Lage dazu ist.
Das wird akzeptiert.
Bei einer Patientenverfügung ist nie eindeutig klar, ob der Patient in diesem Moment noch zu seinen Aussagen steht.
Es ist also sehr wichtig immer eine Person zu haben, der man absolut vertraut.
Hat man die nicht und kann sich selbst nicht mehr äußern so wird jeder Arzt alles tun um das Leben zu verlängern,da er dazu verpflichtet ist.
Ebenso wenn Angehörige nicht einig sind über die weitere Behandlung, dann kann er gar nicht anders handeln um nicht in Schwierigkeiten zu geraten.
Bei meiner Mutter war es eindeutig, nur ich hatte die Gesundheitsvollmacht, und die Ärzte akzeptierten meine Entscheidungen. (meine Geschwister glücklicherweise auch).
Vor etwa 10 Jahren wurde gesetzlich geregelt,
daß jeder, der mit Herzstillstand vorgefunden wurde,
reanimiert werden mußte.
Ich habe damals noch auf der Onkologie gearbeitet,
und auch da mußte reanimiert werden, wenn nicht
eine anders lautende Patientenverfügung vorlag.
Nichteinhaltung kam unterlassener Hilfeleistung gleich.
So wurde bei jedem Patienten auf dem Stammblatt der Patientenakte
vermerkt, ob eine Verfügung vorlag, und diese auch eingehalten.

Ein anderes Erlebnis hatte ich bei meiner Freundin.
Sie war mit ihrer Tochter zerstritten, darüber verbittert,
und als sie an Krebs erkrankte,
setzte sie mit Anwalt eine Patientenverfügung auf,
in der stand, daß Besuche von ihrer Tochter und den Enkeln nicht erwünscht seien. Als sie im Klinikum lag, hatte sie das Blatt im Nachtkästchen,
und Kopien wurden auf der Station hinterlegt. Als sie nicht mehr sprechen konnte und auf der Palliativstation lag, war auf einmal ihre Tochter bei ihr.
Ich machte das Pflegepersonal auf die Patientenverfügung aufmerksam. Zur Antwort bekam ich lediglich, daß die Personalien der Besucher nicht kontrolliert werden könnten.
es ist traurig, wenn eine Mutter so hasserfühlt ist, das sie nicht einmal so kurz vor dem Tod die eigene Tochter sehen will und ihr verzeihen oder um Verzeihung bitten.
flesermutzel...Auf deinen ersten Absatz bezogen:
Reanimiert wird doch sofort. Das heißt, es wäre dann keine Zeit dafür, nachzusehen, ob etwas Gegenteiliges in der Patientenakte steht.

Oder hab ich da einen Denkfehler?
@Rotkappe,

Du hast natürlich recht.
Aber man schlägt ja Alarm, und wenn Kollegen und Ärzte kommen, bringen sie auch die Patientenakte mit. Bei Langzeitpatienten wußten wir aber meist,
wer ,,den Vermerk'' hatte und wer nicht.

Ein Bekannter von mir hatte z,B, bei der Dialyse einen Herzstillstand, wurde
reanimiert, bis seine Frau mit der Patientenverfügung kam. Dann
durfte er in Frieden gehen.


@Werweiß

Haßerfüllt würde ich meine Freundin nicht nennen,
nur maßlos verbittert und enttäuscht. Ich konnte sie gut verstehen.
Ohne Vorsorgevollmacht kann man sich die Patientenverfügung fast sparen.

Auch mit Vorsorgevollmacht ist die wichtigste Entscheidung wenn es auf das Ende zugeht keinen Notarzt zu rufen. Der Hausarzt kann die Palliativmedizin auch ambulant hinzuziehen.

Nicht im Krankenhaus zu sterben erfordert gute Vorbereitung. Es reicht nicht wenn man diesen Wunsch in eine Patientenverfügung schreibt.

Buzico
Ein Arzt hat einen Eid geschworen, Leben zu erhalten.
Somit ist jeder Versuch dem Widersprich und guten Willen des Entscheiders untergeordnet!

Liegst du auf der Straße, wirst du nicht gefragt, sondern behandelt. Bist du hilflos im Krankenhaus, wird nach einer Verfügung beim Hausarzt nicht gefragt. (Dort liegt sie angeblich gut). Meine Bekannten schlucken alle Blutverdünner - warum wohl?

Alle Überlegungen greifen doch erst, wenn Zeit vergangen ist und die Angehörigen eingreifen können, dann ist aber meist die Überlebensfähigkeit wieder hergestellt.

Ich kenne einen Fall, wo eine 96- jährige Frau künstlich ernährt wird und gleich alles wieder erbricht. Gleichzeitig wird sie mit einen Coctail an Medikamenten am Leben gehalten. Meine Vermutungen gehen dabei in alle Richtungen.

Ich habe ein graviertes Kettchen am Arm und im Portemonaie einen Zettel "Nicht reanimieren". Ob da Jemand draufschaut - halte ich allerdings für unrealistisch.
Danke an alle für das Interesse am Thema!

Nun habe ich alle Vorsorgemöglichkeiten schon seit längerem in einem Leitzordner abgeheftet:
Vorsorge-Vollmacht, Patientenverfügung, Betreuungsvollmacht...

Was kann/muss man tun, um eine optimale Situation zu erreichen?

kann die Vielzahl der Seiten ja nicht in Kopieform in der Geldbörse parat haben?!
Die Angehörigen sollten wissen, wo sie die Dokumente sofort finden.
Die Patienten-Anwaltschaft riet mir, die umliegenden Krankenhäuser von meiner Patientenverfügung zu unterrichten und demnächst kann man das auch auf der e-card speichern lassen, dass diese berücksichtigt werden kann (sollte?)
Ich würde eine Notiz mit dem Hinweis auf eine
hinterlegte Patientenverfügung bei meinen Ausweispapieren
hinterlegen. Falls einem auf der Straße etwas passiert,
ist die Wahrscheinlichkeit groß, daß da zur Feststellung
der Personalien nachgeschaut wird.
Meine im Mai verstorbene Freundin hatte folgenden einlaminierten Zettel in ihrer Geldbörse und Handyseitenfach:

Im Notfall bitte ich eine der folgenden Personen zu benachrichtigen:

1. Name, Anschrift, Telefon , z.B. der Mann/Lebensgefährte

2. Name , Anschrift, Telefon, z.B. eines Kindes

Meine Vorsorgevollmacht, Patientenverfügung, Betreuungsvollmacht,
sind in meiner Wohnung/Haus, Straße, Nr., PLZ, Ort und wo genau man es in der Wohnung findet.

Dann wer auch so ein Dokument besitzt.

Der Hausarzt ist……

Und dann alle Medikamente die man einnimmt.

Geschrieben in Arial 8 auf einem Zettel 7 x 5 cm, beidseitig und dann laminiert.
Das Maß passt so in diese Einschubfächer.

Ich habe dieses gleich für mich, meinen Partner und meinen Kindern angefertigt und diesen Tip immer wieder erzählt. Inzwischen haben es viele im Freundes/Bekanntenkreis nachgemacht.
@Roxelana,
genau so habe ich auch vorgesorgt.
Der Seniorenbeirat bei uns hat kl.Heftchen rausgegeben wo alles eingetragen ist.
Habe mehrere davon und sind im Auto,Handtaschen,Geldbörse etc.deponiert.
Ausserdem habe ich eine Karte von der Bundesnotarkammer dabei,
das meine Vorsorgeurkunde im Zentralen Vorsorgeregister eingetragen wurde.
Hawaii.75 hat geschrieben: Die Angehörigen sollten wissen, wo sie die Dokumente sofort finden.
Die Patienten-Anwaltschaft riet mir, die umliegenden Krankenhäuser von meiner Patientenverfügung zu unterrichten und demnächst kann man das auch auf der e-card speichern lassen, dass diese berücksichtigt werden kann (sollte?)


Schon vor jahren schrieb ich hier im Forum (wo, weiß ich jetzt nicht!) dass es am optimalsten wäre, all diese Fakten auf der Gesundheitskarte speichern zu können. Ich schrieb sogar an Herrn Spahn eine E-mail, die Antwort war entsprechend nichtssagend bis "gar nix"... politikertypisch eben!

Die KKV erklärte mir, dass das wegen Datenschutzproblemen nicht so einfach gehe... genaue Argumentation habe ich vergessen.
Kann sein, dass das auch wegen dem entstehenden Arbeitsaufwand abgewiegelt wird.

Die Gesundheitskarte wär m.E. nach wie vor das perfekt Überschaubare, weil es sofort abgefragt werden kann.

Gibt es hierzu neue Regelungen, Planungen ect. ?

Werde meine KKV die nächsten Tage nochmals interviewen...
»Für mich bleibt es wichtig, dass mein mittlerweile gültiger Denkansatz respektiert wird: "Ich bin alt genug, um notfalls auch sterben zu dürfen!"«
Solange das »nur« Gedanken sind, kann das keine Wirkung haben. ;-)

»Der von mir verlinkte Artikel ist hierzu interessant, weil sich das gesetzlich verankerte Recht auf "Patientenverfügung" und andererseits "unterlassene Hilfeleistung" für Dritte oftmals ziemlich beissen.«
Deshalb gibt es die Möglichkeit die Modifikation der Garantenpflicht entsprechend zu dokumentieren, die natürlich erst wirken kann (wie die Patientenverfügung auch), wenn sie von einem gesetzlichen Vertreter vorgelegt und auf deren Beachtung bestanden wird (nicht immer einfach).

»Somit bleibt sehr oft die sog. Patientenverfügung, bzw. das dokumentierte gewünschte "Sterben dürfen" leider einfach wirkungslos.«
Es gibt i. d. R. zwei Gründe dafür:
1. untaugliche/unkonkrete Patientenverfügungen,
2. ungeeignete oder fehlende rechtliche Vertreter.

»Jeder verantwortungsvoll agierende Arzt wird sich nach seinen erlernten Grundsätzen orientieren und notfalls gegen den bekundeten Patientenwillen entscheiden. Er steht/sitzt ja auch zwischen allen Stühlen...«
Jeder verantwortungsvolle Arzt hat sich an Recht und Gesetz zu halten. Demnach haben der Wille des Patienten, seine Würde und Humanität höchste Priorität.

»...und womöglich riskiert er sogar, vor dem Kadi zu landen!«
Wenn der nachweisbare Wille des Patienten missachtet wird, leider zu oft nicht.
»Wenn alle Patientenwünsche eindeutig ankreuzbar, bzw. formuliert wären, würde ihm noch dazu die Zeit fehlen, diese dann sehr umfangreiche Niederschrift zu studieren.«
Patientenverfügungen sind i. d. R. nicht im Notfall anwendbar, es sei denn die Person ist in einer Obhut, wo die Patientenverfügung bereits inhaltlich bekannt ist. Wenn die Rettung erfolgreich war, kann der Patient selber entscheiden, wie es weitergehen soll; wenn nicht, muss geprüft werden, ob die Patientenverfügung bereits beachtet werden muss; wenn ja, muss unter palliativmedizinischer Betreuung die weitere Behandlung eingestellt werden.
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