Wie ist eure Meinung dazu

Pflegeverantwortung und Partnersuche. Ist dies vereinbar?
63%
10
Ist dies total inakzeptabel?
38%
6
Abstimmungen insgesamt : 16

hallo Katze_Krümel

hast du im Profil auch den letzten Absatz gelesen?
Niemand hat das Recht diese Frage zu bewerten, schon gar nicht moralisch.

Natürlich hat ein Pflegender ein eigenes Leben. Ich erlebe es oft in meinem Ehrenamt dass Männer/ Frauen pflegen bis zur Selbstaufgabe, bis zur Erschöpfung, physisch und psychisch.
Dass sie aus Pflichtbewusstsein keine oder zu wenig Hilfe von aussen in Anspruch nehmen.
Keiner kann sich vorstellen wie es ist für jemand Schwerkranken Tag und Nacht da zu sein. Da ist es wichtig , auf seine eigenen Bedürfnisse zu schauen und die auch zu leben, egal welcher Art sie sind.
Das Thema von Rickjm diesem Thread sehe ich nicht als eine Frage seine, falls bereits getroffen oder nicht, Entscheidung sozusagen in einen Wertungskatalog bringen zu können.
Auch nicht als ein nachträgliches Sanktionieren einer möglicherweise erst einmal vorübergehenden Entscheidung hier zu erhalten.

Vielmehr wünscht er sich Meinungsvielfalt. Dies zu wünschen ist für mich absolut legitim. Was er mit neuen Blickwinkeln macht, dies wird ganz allein seine Sache sein und bleiben.

Hier die Moralkeule zu schwingen (wie EAA es auch sagt) ist mehr als fragwürdig, denn dafür fehlen nahezu alle Grundlagen und selbst dann …
Nun zu meiner Meinung, danach fragte er ja. Er will ja Meinungen und keine Bewertungen.

Wäre ich in so einer Situation, glücklicherweise kann ich hier nur theoretisch sein, dann würde ich folgende Parameter prüfen.

Lebt der Partner (emotional gemeint) noch in der Welt, die unsere Beziehung ausmachte. Wie ist noch seine emotionale Anwesenheit, seine Präsenz in der Partnerschaft? Wie weit hat sich der Pflegebedürftige aus der Beziehung gelöst, sich daraus ergebend, wie sehr er mit seinen eigenen, körperlichen Befindlichkeiten mit sich isoliert oder beschäftigt ist.

Ich würde mir weiter mir/uns ganz nahe stehende Menschen anhören, solche, die das „Eingemachte“ nahezu vollständig kennen, eben auch die Fakten, die hier nicht hergehören. Diese wären mir wichtig um mich selbst positionieren zu können.

Eine weitere Prüfung wäre für mich, ob ich im Fall einer „Parallelbeziehung“ absolut sicher ausschließen kann, dass es den bedürftigen Partner nicht weiteres Leid bringen würde. Hier meine ich Aufrichtigkeit, Wahrheit, Zuwendung, Zeitbedarf.

Ob ein weiterer Partner dafür überhaupt dazu bereit wäre, dies wäre ein völlig anders Thema und würde hier nur verwässern.

Es gibt auch Pflegebeziehungen in denen der Annehmende geradezu darum bittet, dass sich der Partner ein Stück vom Leben dazu/zurück-holt. Hier sollte nur die Ernsthaftigkeit eines solchen Wunsches ganz genau angeschaut werden.
Ich weiß, es klingt scheiß arrogant von oben herab. Doch ich meine es wirklich nicht so.
Wären dann alle Gedanken sortiert und es käme ein - nein - geht nicht heraus, dann würde ich bestimmt das verbleibende, gemeinsame Leben so annehmen, als wäre ich derjenige, der diese Begleitung bräuchte. Anders wäre es wohl weder psychisch noch physisch zu schaffen.

Ich wünsche Rickjm wirklich, dass er seinen, seinen ganz persönlichen und sehr individuellen Weg findet und ankommen kann.
Das Du deine schwerkranke Frau rund um die Uhr pflegst ist schon einmal toll, deine Frage ob Pflegeverantwortung und Partnersuche vereinbar ist kannst Du dir nur selbst beantworten...
Bin mir sicher das Du eine für beide Seiten annehmbare Lösung finden wirst...,
alles Gute und liebe Grüsse Diamant58 :)
In der SZ las ich ein Interview:
https://sz.de/1.4503743

Auf die Frage des TE angewandt lautet der Rat des Therapeuten die Lebendigkeit nicht in einer Affäre zu suchen sondern die Bedürfnisse mit etwas Fantasie jeweils anders zu erfüllen.

Einer möglichen Partnerin würde ich dringend abraten.

Viel Erfolg
Buzico
Rickjm hat geschrieben: hallo Katze_Krümel

hast du im Profil auch den letzten Absatz gelesen?


Ja, das habe ich. Da Du. Aber Partnerschaft suchst, gehe ich von einer Entscheidung aus.
schwere Entscheidung................... die jeder nur mit sich selbst , seinem Herzen, Gewissen und Gefühl treffen kann!

Vielleicht fällt die Entscheidung auch im Sinne des Partners aus! Viel Kraft!!!!!!!!
Hallo Rickjm
ich bin selbst in der Situation einen Pflegebedürftigen Mann zu Hause zu haben. Wir sind inzwischen 40 Jahre verheiratet und er hat bereits seit 18 Jahren Parkinson und weitere Einschränkungen. Dazu kommt, dass er 10 Jahre älter ist. Zu Beginn der Erkrankung dachte ich, dass ich das alles hinbekommen werde. Doch die Jahre gingen ins Land und die Einschränkungen und Belastungen wurden und werden immer größer. Irgendwann merkte ich, dass mir ganz gewaltig etwas fehlt in meinem Leben und ich immer unglücklicher und auch depressiver wurde. Es folgt eine psychisch chaotische Zeit und mir wurde mehr und mehr klar, dass ich in meinem Leben etwas ändern musste. Ich habe mit meinem Mann gottseidank offen darüber reden können und ihn gebeten mich diesbezüglich frei zu geben. Ich hätte ihn auch verlassen können, was nicht wenige Menschen in meinem Umfeld mir geraten haben. Das hätte jedoch nicht zu mir gepasst und auch nicht dazu, dass ich meinen Mann wirklich (immernoch) liebe. Allerdings ist diese Liebe dann wohl eine andere geworden. So habe ich für mich beschlossen, ihn weiter zu begleiten und gleichzeitig offen für eine neue Beziehung zu sein. Die Partnersuche war nicht leicht, denn meine Voraussetzung für die Beziehung war, die Situation als solche zu akzeptieren. So wusste mein neuer Partner von Anfang an, dass ich meinen Mann nicht verlassen werde und ihn weiter pflegen will.
Inzwischen leben wir zu dritt unter einem Dach und ich habe viel Unterstützung in Bezug auf meinen Mann. Die beiden Männer können respektvoll und wertschätzend miteinander umgehen und ich denke jeder hat von jedem etwas. Und natürlich ist die Beziehungsgestaltung auch nicht immer leicht für jeden einzelnen von uns.
Wir leben das nach außen komplett offen und auch meinen erwachsenen Kindern bin ich diesbezüglich immer mit offenen Karten und Ehrlichkeit begegnet. Beide konnten mich und meine Situation gut verstehen und besuchen unsere "Oldie-WG" regelmäßig. Meine Enkel haben drei Opas und kennen es nicht anders. Klar ist natürlich auch, dass nicht jeder damit umgehen kann und mir bzw. uns auch oft Ablehnung und Missgunst begegnet. Aber ich habe nie um Erlaubnis gefragt und mich für mich entschieden, diese Lebensform zu leben. Ich fühle mich seither wohler und gesünder und kann darüber hinaus meinem Mann viel liebevoller und geduldiger begegnen.
Eines wollte ich jedenfalls nie: wenn es mal zu Ende geht und ich an seinem Grab stehen sollte, will ich nicht denken "Endlich". Sondern ich will ihn in Liebe und Dankbarkeit verabschieden. Ich denke es zeugt von allen Seiten von Liebe, sich mit solchen schwierigen Fragen und Lebenskonstellationen im gegenseitigen Respekt zu begegnen.
Ich habe es nie bereut und stehe mit ganzem Herzen zu meiner Entscheidung.
Eine heimliche Affäre oder irgendwelche ähnliche Dinge wären für mich persönlich nie in Frage gekommen.
GErne beantworte ich darüber hinaus entstehende Fragen.
Liebe Grüße
Ingrid (MissNightfluo)
PS: Ich denke uns ist das Leben geschenkt worden, um es zu leben und zu genießen wo es geht. Ich bin (bisher) nicht erkrankt, sondern mein Mann, was ich sehr bedauere. Bin ich deshalb zwangsläufig dazu verurteilt auch darunter leiden zu müssen (was ich ja ohnehin jeden Tag tue, wenn ich sehe, was eine Krankheit mit einem Menschen macht).
Miss.....Respekt! Für deine Ehrlichkeit und deinen Umgang mit der Situation.
@Missnightflou - da ich selbst meinen Mann mit MS 25 Jahre zu Hause hatte - weiß ich von solchen Herausforderungen und nicht jeder kann es so gut meistern wie du.
Ich brauchte 20 Jahre bis ich begriffen habe - ich mußte für mich was tun - sonst gehe ich unter. Meine Kinder sagten damals zu mir - Mama du lebst nicht mehr du funktionierst nur noch. Ich holte mir ärztliche Hilfe für mich selbst.
Deshalb finde ich es immer wieder sehr befremdlich, dass Leute die diese Misere gar nicht nachvollziehen können - andere be- und verurteilen - wenn sie ihr Leben anders gestalten, als sie es sich vorstellen können.
Meine Hochachtung und Respekt an alle die eine solche Entscheidung, wie z. B. von Missnightflou, mitgehen und begleiten in Liebe, mit Achtung und Würde, getroffen haben.

Wenn ich dazu im Gegensatz so negative Threads von @D.....t lese, denke ich, schade dass solche Menschen noch nicht's von Demut gehört haben
Es ist schön, dass ich immer wieder erleben darf, Verständnis von anderen zu bekommen. Das ist selbstverständlich nicht immer so und manchmal brauchen wir alle drei auch ein ganz dickes Fell. Solche Entscheidungen zu treffen sind immer schwer und gehen nicht komplett ohne Schuldgefühle einher. Natürlich frage ich mich immer wieder einmal, ob das richtig ist.......aber was bitte ist denn die Alternative. Eine völlig unglückliche Frau, die vermutlich fast nicht anders kann, als gegenüber dem Partner vorwurfsvoll zu werden, ihm das eigene Unglück (ohne es zu wollen) unterschiebt? Die ihn mit zusammen gebissenen Zähnen, im schlimmsten Fall sogar mit Aggressionen pflegt, weil sie ihn insgeheim "Du bist schuld, am meinem Leid" vorwirft. Ich arbeite in einem psychosozialen Beruf und hatte es in der Vergangenheit schon oft mit pflegenden Angehörigen zu tun. In deren Not passieren Dinge, die eigentlich nicht passieren dürften. Das Leid und die Schuldgefühle, die da auf beiden Seiten entstehen können immens sein.
Sicherlich gibt es auch immer sehr aufopfernde Menschen, die ihre Angehörigen bis zum Schluss mit Liebe und HIngabe und in völliger Aufopferung pflegen. Ich bewundere diese Menschen sehr, weiß aber gleichzeitig, dass ich dafür nicht gemacht bin. Ich denke es ist auch sehr wichtig, sich seine eigenen Möglichkeiten und Grenzen einzugestehen.
Egal wie sich Menschen in dieser Situation entscheiden und wie sie ihr Leben leben, habe ich immer ganz viel Ehrfurcht davor.
Schlimm finde ich diejenigen, die von außen urteilen und meinen, dass ihre Einstellung dazu die einzig richtige ist.
Hier gibt es glaube ich tatsächlich kein richtig oder falsch, sondern nur ein "so ist es".
Ich finde auf jeden Fall, dass dies ein interessantes Thema ist, das in Zeiten von Pflegenotstand und Altersarmut und Vereinsamung leider viel zu sehr tabzuisiert wird....
Danke an all jene, die sich damit auseinandersetzen, denn das hilft denen die in der Situation sind doch sehr....
@miss...

ich finde, dein Beitrag hat vermutlich vielen in ähnlicher Situation geholfen in ihrem sich finden. Mut gemacht, auch ihre eigenen Bedürfnisse nicht nur wahrzunehmen, sondern auch zu realisieren.

Ich finde es toll, wie du deinen Weg beschrieben hast