filofaxi hat geschrieben:

... eine.. Freiheit, von der man Nichts weiß, wenn man sie bekommt ...

... ist, sowohl wissenschaftlich als auch lebenspraktisch betrachtet, ein Ding der Unmöglichkeit!

Alle Lebewesen (Pflanzen, Tiere, Pilze, Protisten, Bakterien und Archaeen) nehmen Freiheit entsprechend ihrer Fähigkeiten zur Interaktion mit der Umwelt und innerhalb ihres üblichen Lebensraumes unmittelbar wahr und nutzen diese für ihre weitere Entwicklung.

Je höher der Organismus entwickelt ist im Hinblick auf Geist und Bewusstsein, desto höher ist die individuelle Störanfälligkeit bei diesem Prozess. – Aber wir sprechen ja auch von normalen, nicht von pathologischen Zuständen. Während die Verallgemeinerung ersterer notwendig ist, um gemeinsame Merkmale der Art herauszuarbeiten, ist die der letzteren für diesen Zweck unzulässig – es sei denn, man erforscht Abweichungen und hat dies vorher ausdrücklich erklärt.




Zum besseren Verständnis meines Satzes hier nochmal die vollständige Version:

….die Chance einer Freiheit, von der man Nichts weiß, wenn man sie bekommt, kann man auch nicht für die eigenen machtpolitischen Zwecke nutzen. ….

Voraussetzung hierbei ist die Fähigkeit, grundsätzlich (herrschafts-)frei handeln zu KÖNNEN, sofern man diese Freiheit tatsächlich hat.

Des Weiteren ist auch das machtpolitisch motivierte Handeln-WOLLEN eine Voraussetzung dafür, dass man es bewusst tut, denn wer es gar nicht will, der interessiert sich auch nicht dafür, und wird – im Gegensatz zum Wollenden - die Chance dazu auch dann ganz bewusst NICHT dazu nutzen, wenn sie sich ihm tatsächlich (und nicht nur scheinbar) bietet und er sie auch als solche erkennt.

Schopenhauers „Man kann tun, was man will....“ bezieht sich in seiner Definition der Freiheit - die gleichzeitig auch die Grenzen der eigenen Herrschaftsfreiheit beschreibt, und damit die Stelle, wo seine Herrschafts-Unfreiheit beginnt – auch auf das eigene Denken als geistige Tätigkeit, die dort eine Grenze hat, wo die Unkenntnis der eigenen Situation beginnt, was auch bedeutet, dass man dort auch nicht in der Lage ist, die Macht, die man hat, optimal für machtpolitische Zwecke zu nutzen.

Der zweite Teil des Satzes „...aber man kann nicht wollen, was man will!“ spielt mit der Mehrdeutigkeit des Wollen-Begriffs im Sinne einer ENT-scheidungsfreiheit, die auch eine Fähigkeit voraussetzt, das Eine vom Andern UNTER-scheiden und damit überhaupt als solches (an-)erkennen zu können, wie in diesem Falle die eigene Unfreiheit, die auf der real existierenden, größeren Freiheit Anderer beruht, oder aber auf ungünstigen Umständen, die die Grenze der eigenen Entscheidungsfreiheit bilden.

Zwar strebt der Mensch danach, seinen Freiraum immer mehr zu erweitern, um die Sicherheit zu erlangen, in fast unbeschränkter Freiheit von fremder Macht handeln zu können, aber dennoch endet sie irgendwann einmal, weil Niemand allmächtig sein kann – auch wenn er es noch so gerne sein will.

So wenig, wie Jemand nun seine eigene willensabhängige Freiheit des Erkennen-Könnens - wozu auch das Erkennen-Wollens – alleine bestimmen kann, weil die schon alleine durch die Perspektive seines jeweiligen Standortes begrenzt ist, so wenig kann er – dialektisch gesehen – Etwas auch nicht also So-Seiend oder Nicht-so-Seiend erkennen, wenn ihm die dafür nötigen Voraussetzungen fehlen, wie das Erkennen-Können aufgrund von Wissen, welches zum Einen auf vorangegangenen Lernerfahrungen beruht, und zum Anderen auf dem Erkannt-Haben der eigenen, jeweils aktuellen, machtpolitischen Situation.

So kann auch ein Machtbefugter seinen Machtbereich tatsächlich nur so weit für seine Zwecke nutzen, wie er ihn tatsächlich hat, und kann dies auch nur bewusst insoweit tun, wie er ihn auch richtig als solchen erkannt hat, denn sonst läge er ungenützt brach, weil der Betreffende gar nicht weiß, dass er ihn hat, sodass der in seiner bewussten Planung gar keine Rolle spielen kann.

Dies macht gerade die geistige Unfreiheit auch ideologisch bedingter Scheren im Kopf aus, wenn jemand so verblendet ist, dass er das tatsächlich existierende Maß seiner Herrschaftsfreiheit gar nicht mehr erkennen kann, nachdem man ihm entweder eingeredet hat, dass es gar keine Grenzen habe, oder aber umgekehrt, dass ein Bereich persönlicher Herrschaftsfreiheit für ihn selber überhaupt nicht existiere, damit er gar nicht erst den Versuch startet, diesen selber zu ausloten und damit als real existent zu erkennen.

So wird in dem Satz: " Der Mensch (bzw. sein Geist) denkt, doch sein Herr (dh seine Seele) lenkt", suggeriert, dass es sich dabei um zwei unterschiedliche Personen handle, die beide zweierlei Ziele haben könnten, und sich damit gegenseitig behindern, dass der Eine im Sinne eines eingebildeten Herrn "falsch denkt" oder der Andere "falsch handelt", anstatt die Erkenntnis zu vermitteln, dass sie selber die realen Herren sind, die ihre Diener auf diese Weise zur Dienstbarkeit zwingen, indem sie sie mit pseudowissenschaftlichem Geschwätz absichtlich in die Irre führen, damit sie die tatsächlich existierenden Machtverhältnisse gar nicht erst zu erkennen vermögen.

Es ging mir nicht um einen Satz, sondern um einen Begriff. Und somit auch nicht um die Verfälschung einer Gesamtaussage durch Zerpflücken und bewusste Fehlinterpretation der Bestandteile, sondern um die Analyse eines verwendeten Begriffes – zwecks Überprüfung der Gesamtaussage.

Das Anlass-Zitat zu Beginn des Beitrags vom 23.10./ 17:44h stammte ja aus einem von mir verlinkten Artikel, in dem es nicht vorrangig um politische Ziele, sondern um „die Wirkmacht der Sprache“ und einen möglicherweise manipulativen Gebrauch einzelner Begriffe, wie z.B. Demokratie, Frieden und Gerechtigkeit geht.

Bleibe ich also noch bei diesem Begriff FREIHEIT der eine ähnlich starke Wirkmacht besitzt.

Ob man die Freiheit, „wenn man sie bekommt“ (? … Ich sehe das eher so wie Schiller: dass sie einem zwar gelassen, aber nicht gegeben werden kann!), erkennen kann, hängt in keinerlei Weise davon ab, ob und wie man sie bewusst zu nutzen gedenkt. Man muss Freiheit keineswegs zwangsläufig mit Macht und Herrschaft zusammen denken.

Freiheit ist zuallererst einmal ganz elementar: das Elixier alles Lebendigen!


- Ich fühle mich so frei wie ein Fisch im Wasser (Vogel in der Luft)!

- Er ist ganz in seinem Element!

- Wo wir trinken, wo wir lieben,
Da ist reiche, freie Welt.
(Goethe)

- Freiheit kann man einem zwar lassen, aber nicht geben.
(Schiller)

- Das Ungeheure, das einem Menschen eingeräumt ist, ist die Wahl, die Freiheit.
(Søren Kierkegaard)

- Es ist gut, sich aus den Verhältnissen herauszulösen, die einem die Luft nehmen.
(Paula Modersohn-Becker)

- Was wir loslassen, kann uns nicht mehr festhalten.
(Ernst Ferstl)

- Neubeginn
Die Freiheit,
jederzeit
etwas Neues
anfangen zu können,
dürfen wir uns
von niemandem
nehmen lassen;
nicht einmal
von unserer Angst,
alte Fehler zu wiederholen
oder in ein neues
Unglück zu rennen.
(Ernst Ferstl)

Einer der wenigen Sprüche, in denen die Kombination der beiden Begriffe „Freiheit“ und „Herrschaft“ mir in einem originären, politikfreien Sinne akzeptabel – zugleich paradox und daher witzig – erscheint, ist dieser:

- Freiheit birgt die Gefahr in sich, unter die eigene Herrschaft zu geraten.
(Ernst Ferstl)


Es gibt unzählige weitere Volks- und Spruchweisheiten sowie Aphorismen mehr oder weniger berühmter Persönlichkeiten, die diese originäre Bedeutung von Freiheit vorzüglich auf den Punkt zu bringen verstehen!

Warum sollte man sich auch selbst dermaßen einschränken und zurechtstutzen, dass man letztlich meint, sich eine grundlegende, nicht zweckgebundene Freiheit nicht erlauben zu dürfen? Welch selbst verantwortete und somit tragische Freiheits-Beraubung wäre das denn?

Wenn man nämlich von vornherein den Begriff von Freiheit ausschließlich für ganz bestimmte, z.B. politische Zwecke zu gebrauchen gedenkt, um andere damit zu beeinflussen, degradiert man die originäre Bedeutung in manipulativer Weise – mit der man aber stets auch selbst zurechtkommen muss, denn so etwas fällt immer auf einen selbst zurück, unterdessen die anderen, die man manipulieren wollte, sich früher oder später davon wieder befreit haben werden.

Wenn ich frei sein möchte, habe ich dabei keinerlei „Allmachtsphantasien“ oder politische Zwecke im Kopf, sondern folge nur dem Bedürfnis, mich entfalten und entwickeln zu können, um der Mensch werden und sein zu können, der ich bin.

Das gesellschaftspolitische System, in dem ich glücklicherweise als Nachkriegsgeborene leben darf, ermöglicht mir jedenfalls diese Freiheit. Dass ich dabei nicht die Grenzen überschreite, hinter denen die Freiheit der anderen beginnt, ist klar! – Und daher fühle ich mich auch nicht durch Corona-Maßnahmen der Regierungen eingeschränkt. Freiheit bedingt nämlich auch Verantwortlichkeit. – Ein weiterer Begriff mit wirkmächtiger Bedeutung!


Bild

Die Entscheidungsfreiheit, die man (von Mutter Natur mitbekommen) hat, ohne dass man Etwas von ihr weiß, wenn man nicht ausdrücklich darauf hingewiesen wurde, wird sehr eindrücklich in der Geschichte von Kafka beschrieben, bei der Jemand ins Schloss will, wo die Entscheidungen getroffen werden, sich aber angesichts des furchteinflößenden Torhüters nicht getraut, sich an ihm vorbeizuschleichen, zumal hinter ihm angeblich noch ein weitaus furchteinflößender Torwächter steht, usw.

Ob er es ihm dennoch gelungen wäre, wenn er es nur versucht hätte, bleibt offen, sodass es jedoch zumindest hypothetisch denkbar ist, dass er, wenn er sich nicht selber durch sein Denken blockiert hätte, die Handlungsfreiheit, die er vielleicht hatte, auch für seine Zwecke hätte nutzen können, anstatt brav bis auf den heiligen Sankt Nimmerleinstag zu warten, an dem die Chance endgültig vertan war, als er am Ende seines Lebens erfuhr, dass dieser Eingang ausschließlich für ihn bestimmt gewesen sei, und nun geschlossen werde.

Was den Begriff der Freiheit betrifft, so gibt es natürlich Vieles, wovon man frei sein kann, aber in diesem thread geht’s ja um die Machtpolitik und damit auch um die Herrschaftsfreiheit, die jeder Parteiführer anstrebt, um möglichst unabhängig von Anderen zu sein und so alleine bestimmen zu können, was zu geschehen hat.

Hier ist es natürlich einmal sinnvoll für den jeweils Herrschenden, dem Fußvolk einzureden, dass es gar keine Freiheiten habe, und dass Widerstand zwecklos sei, und ein andermal, sie daran zu hindern weitere Machtbefugnisse zu erstreiten, um herrschaftsfreier über ihr Leben selber bestimmen zu können, indem er ihnen sagt, sie seien doch bereits frei, zu denken, was sie wollen - auch wenn sie es nicht in die Tat umsetzen können, weil Andere eben mächtiger sind, als sie - , was den perfiden Gipfel suggestiver Machtpolitik darstellt, bei der die Wissenden die Unwissenden im Geiste manipulieren.

Es geht also um die reale Macht der Machbarkeit, die auch die Bestimmung des Ausmaßes der eigenen Handlungsfreiheit gegenüber Anderen einschließt, und nicht nur um die Herrschaftsfreiheit durch die Unabhängigkeit von Stärkeren oder Gleichstarken im Geiste, um über sein eigenes Leben wenigstens in der (Allmachts-)Fantasie selbst bestimmen zu können, wenn man sie schon in der Realität nicht hat.
Kommen wir auf das Thema Demokratie zurück?
Demokratie ist ein Instrument in der Hand der Menschen, die einen Staat bilden. Als solches ist es ebenso absurd, ihr einen Heiligenschein verpassen zu wollen , um ihren Bestand zu sichern, als auch, sie in Grund und Boden zu verdammen. In erster Linie aber müssen Gefährdungen und Herausforderungen im Blick stehen , wenn es um den Schutz und den Erhalt der Demokratie geht, weil von ihnen ein Handlungsdruck ausgeht.
Hüten allerdings sollte man sich davor, die Demokratie mit einem unrealistischen Erwartungsdruck zu konfrontieren, denn sie ist nach wie vor die beste der bekannten Herrschaftsformen. Aber sie ist nichts Vollendetes, sondern ständig in einem Entwicklungsprozess begriffen, Entwicklungen, die sowohl Verbesserungen anstoßen als auch Verschlechterungen mitsichbringen können.

Demokratie muss daran gemessen werden, ob sie ihrer Zielsetzung gerecht wird, nämlich …kurz gefasst…, die Menschen vor dem vermeintlichen Recht des Stärkeren zu schützen.
Ob und wie weit das den einzelnen EU-Staaten gelingt, untersucht der EU-Rechtsstaatlichkeitsbericht, der für das laufende Jahr Ende September der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde.
Untersucht wurden vier maßgebliche Kriterien:
1. Ausgestaltung und Unabhängigkeit der Justiz,
2. Korruption
3. Medienfreiheit
4. Gewaltenteilung
Dass Deutschland als Musterschüler dasteht, mag aufgrund der Tatsache seines Einflusses als größter Geldgeber der Eu nicht weiter verwundern, muss aber deshalb lange noch nicht als realitätsfern angesehen werden.
Aber auch Deutschland bekommt einen …in meinen Augen sehr wichtigen Kritikpunkt …angekreidet, nämlich das fehlende transparenzschaffende Lobbyregister. Das in großen Teilen sehr ungute Zusammenspiel von Regierung und Lobbyisten bleibt nämlich ganz im Verborgenen.
Dies nur als „Fehler“ zu sehen, ist m.E. falsch, weil es nämlich die Grundfeste der Demokratie berührt, ob Repräsentanten dem Willen des Wählers entsprechen oder dem Begehren von…stärkeren…Interessensverbänden. So hat z.B. eine Bundestagsanfrage ergeben, dass sich der Verkehrsminister in 2018 15 mal mit den Vertretern der Autokonzerne getroffen hat, aber nicht ein einziges Mal mit den Vertretern von Umweltverbänden. "Andreas Scheuer ist der Minister der Autolobby" titelt deshalb auch DIE ZEIT.
https://www.zeit.de/politik/deutschland ... nde-kritik
Zweites Beispiel:
"Auffällig viele CDU/CSU-Abgeordnete aus dem Agrarausschuss des Bundestags besetzen Posten in Agrarfirmen und Finanzkonzernen.
Die Frage ist nun: Wie unabhängig kann ein Abgeordneter sein, der sowohl politische als auch wirtschaftliche Interessen vertritt."

https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/ ... -1.3668000

Jetzt soll ein Gesetz dem Abhilfe schaffen. An der Art, wie halbherzig dieses Gesetz ausgestaltet wird und mit Blick auf die Widerstände, auf die es stößt, zeigt sich , wie ungern doch das, was man mittlerweile als „Besitzstand“ betrachtet, wieder losgelassen wird..
https://www.n-tv.de/politik/Umgang-mit- ... 19005.html
filofaxi hat geschrieben:

Die Entscheidungsfreiheit, die man (von Mutter Natur mitbekommen) hat, ohne dass man Etwas von ihr weiß, wenn man nicht ausdrücklich darauf hingewiesen wurde, wird sehr eindrücklich in der Geschichte von Kafka beschrieben, bei der Jemand ins Schloss will, wo die Entscheidungen getroffen werden, sich aber angesichts des furchteinflößenden Torhüters nicht getraut, sich an ihm vorbeizuschleichen, zumal hinter ihm angeblich noch ein weitaus furchteinflößender Torwächter steht, usw.

Ob er es ihm dennoch gelungen wäre, wenn er es nur versucht hätte, bleibt offen, sodass es jedoch zumindest hypothetisch denkbar ist, dass er, wenn er sich nicht selber durch sein Denken blockiert hätte, die Handlungsfreiheit, die er vielleicht hatte, auch für seine Zwecke hätte nutzen können, anstatt brav bis auf den heiligen Sankt Nimmerleinstag zu warten, an dem die Chance endgültig vertan war, als er am Ende seines Lebens erfuhr, dass dieser Eingang ausschließlich für ihn bestimmt gewesen sei, und nun geschlossen werde.

Was den Begriff der Freiheit betrifft, so gibt es natürlich Vieles, wovon man frei sein kann, aber in diesem thread geht’s ja um die Machtpolitik und damit auch um die Herrschaftsfreiheit, die jeder Parteiführer anstrebt, um möglichst unabhängig von Anderen zu sein und so alleine bestimmen zu können, was zu geschehen hat.

Hier ist es natürlich einmal sinnvoll für den jeweils Herrschenden, dem Fußvolk einzureden, dass es gar keine Freiheiten habe, und dass Widerstand zwecklos sei, und ein andermal, sie daran zu hindern weitere Machtbefugnisse zu erstreiten, um herrschaftsfreier über ihr Leben selber bestimmen zu können, indem er ihnen sagt, sie seien doch bereits frei, zu denken, was sie wollen - auch wenn sie es nicht in die Tat umsetzen können, weil Andere eben mächtiger sind, als sie - , was den perfiden Gipfel suggestiver Machtpolitik darstellt, bei der die Wissenden die Unwissenden im Geiste manipulieren.

Es geht also um die reale Macht der Machbarkeit, die auch die Bestimmung des Ausmaßes der eigenen Handlungsfreiheit gegenüber Anderen einschließt, und nicht nur um die Herrschaftsfreiheit durch die Unabhängigkeit von Stärkeren oder Gleichstarken im Geiste, um über sein eigenes Leben wenigstens in der (Allmachts-)Fantasie selbst bestimmen zu können, wenn man sie schon in der Realität nicht hat.

Spricht man von einem Menschen, der von seiner Freiheit (noch) „nichts weiß“, kann nur das Neugeborene gemeint sein, dessen Erfahrungen mit der Welt nach Verlassen des Mutterschoßes von ihm zuallererst traumatisch als ein Verstoßenwerden empfunden werden. Je mehr sich seine Empfindungen mit Bewusstsein und Wissen anreichern, desto besser allerdings wird dieses Menschenkind seine Freiheit auch zu schätzen und dafür einzutreten wissen – und zugleich seine Verselbstständigung erproben. Man denke nur an die Trotzphase von Dreijährigen.

So ein Kind ist in der Lage, schon relativ früh den elementaren Zusammenhang zwischen Freiheit (Selbstständigkeit) und Verlust (der bisher symbiotisch engen Mutterbindung) zu begreifen – wenn auch natürlich noch auf einer rudimentären kognitiven Ebene. Die Fähigkeit zur Selbstreflexion (das Ich-Bewusstsein) entwickelt sich ca. ab dem zweiten Lebensjahr. – Eines expliziten (verbalen) Hinweises von außen würde in diesem Alter nicht nur noch lange nicht verstanden werden, sondern wäre noch nicht einmal nötig, weil das „Begreifen“ hier bereits im Rahmen des präverbalen Aufbaus von Wissen stattfindet.

Hierzu gibt es einen aufschlussreichen Artikel:

„Lange bevor Kinder sprechen, machen sie sich Gedanken über die Welt“
Sabina Pauen, Univ. Heidelberg

https://www.uni-heidelberg.de/presse/ruca/ruca08-3/wie.html

Wir aber sprechen hier nicht von Kindern, sondern von Erwachsenen, so dass der Aspekt der Unbewusstheit im Zusammenhang mit dem Freiheitsbegriff ohnehin keine Rolle spielen dürfte.

Selbst unter Einfluss stark wirkender Verdrängungsmechanismen, die wiederum von grundlegenden Ängsten initiiert sein mögen, kann keinem nicht pathologisch äußerst beeinträchtigten erwachsenen Menschen ein elementares Wissen um den Grad seiner Freiheit bzw. Unfreiheit abgesprochen werden, wenn man dieses schon Kleinkindern zutrauen kann.

Ich empfinde und schätze gelegentlich Menschen als unfrei ein, die sich dem Glauben an abwegigste Verschwörungsphantasien verschrieben haben. Aber tatsächlich sind wohl auch diese eher pathologisch beeinträchtigt, gewissermaßen einem hysterischen Massenwahn verfallen, mit der Auswirkung, dass sie krudeste Gedanken adaptieren und weiterverfolgen, was sich als Massenprozess nicht selten mit ähnlichen Phänomenen im Mittelalter (z.B. mit den Hexenverfolgungen, bei denen religiöses Kalkül zur massenhaften Indoktrination verwendet wurde) assoziieren lässt.

Ich denke auch, dass das Problem von Kafkas Protagonisten in der Türhüterparabel nicht die subjektiv fehlende Handlungsfreiheit ist, sondern die evtl. pathologische Fixierung des Denkens auf ein vermeintliches Ziel mit einem vermeintlichen Sinn. Der Verlauf und der Schluss der Parabel machen überdeutlich, worin die Freiheit bestand, die nicht ausgeführt wurde: Etwas zu überprüfen, was wichtig aber zugleich fraglich erscheint durch die hier notwendige Übertretung eines Verbotes oder durch Abkehr und Neuorientierung. Also durch Handeln. So aber wurde die Freiheit durch Verharren im Status quo und bloßen Spiegelfechtereien sinnlos vergeudet.

Das war die Botschaft Kafkas: Vergeudet Euer Leben nicht im Kampf mit Euch selbst! Entscheidet Euch dafür, zu handeln – und tut es dann auch, selbst wenn es falsch sein sollte. Dann entscheidet eben neu, usw. Haltet nichts fest, lasst los, bleibt in Bewegung. Lebt!


(Kafkas Protagonist wollte übrigens nicht in ein „Schloss, wo die Entscheidungen getroffen werden“, sondern in das Gesetz selbst, d.h. übertragen auf seine Lebenswirklichkeit: In den Kern seiner eigenen Normen, um diese von grundauf zu überprüfen.)

Die einen reden darüber, wovon – die anderen darüber, wozu man frei sein kann. Ist man nicht frei, muss man sich wohl ersteinmal befreien. Ist man aber frei – und oft ist der Unterschied keine Sache von Kämpfen, sondern bloß eines Perspektivenwechsels! – dann kann man etwas damit anfangen und aufbauen.

Das Thema dieses Threads ist nicht die Politik – also auch nicht die „Machtpolitik“ – an sich, sondern es sind die grundsätzlichen Fragestellungen dazu, welche Normen für die Politik gelten sollten. Darunter fällt auch die „Bestimmung und Begründung zentraler politischer Prinzipien, wir Freiheit und Gerechtigkeit.“ – Aber auch die „Begründung und Begrenzung politischer Herrschaft und deren Legitimation.“

https://www.50plus-treff.de/forum/politische-philosophie-t77452.html#p4103409

Wir sollten m.E. zunächst die Grundbegriffe und ihr Spektrum beleuchten und erläutern – von ihrer Keimzelle ausgehend, die naturgemäß eng zu fassen ist, bis hin zu ihrer Peripherie –, bevor wir diese mit politischer Bedeutung befrachten. Wunderbarerweise ermöglicht uns der Gebrauch der am wenigsten spezifizierten Bedeutung eines Begriffes eine maximale Verwendungsfreiheit.

Da wir uns hier im normativen Bereich befinden, sollte also die Hauptrichtung der Überlegungen auch den Grundsätzen und Prinzipien und nicht den konkreten Umsetzungen folgen – bzw. sollten, ausgehend von konkreten Situationen, ge- oder misslungene Umsetzungen beispielhaft aufgegriffen werden, um die Normen zu überprüfen und ggf. weiter zu entwickeln.

Ich hatte zum Ende meines vorherigen Beitrags schon darauf hingewiesen, dass Freiheit mit Verantwortlichkeit einhergehen sollte. Ich gehe davon aus, dass dieser Grundsatz sowohl für das private als auch öffentliche bzw. offizielle Wirken eines jeden Menschen gelten muss.

Auf der anderen Seite müssen bestimmte, als rechtsstaatlich anerkannte Normen auf legitimen Wegen geschaffen und gesetzt (durch eine demokratische Verfassung und demokratische Gesetze verbindlich angeordnet) sein, an denen sich jedes Individuum der betreffenden Gemeinschaft hinsichtlich seines Selbstverständnisses, seines verantwortlichen Wirkens und letztlich auch seines verbleibenden persönlichen Freiraums orientieren können muss.

Letztlich aber muss immer auch ein konkreter Praxisbezug hergestellt werden können, um fundierte, umsetzbare Vorstellungen von frei flottierenden, oft ideologisch eingefärbten und damit von vornherein beschränkten und beschränkenden Vorstellungen klar unterscheiden zu können.

Stark pauschalisierende und polarisierende Aussagen mit bloßen Behauptungen über das Vorhanden- oder Nichtvorhandensein von Stärke, Macht und Herrschaft mit einer Verurteilung der Kräfte, die diese angeblich missbräuchlich anwenden, konterkarieren ohne lebenspraktische Erdung jede mögliche Legitimation oder zumindest jeden Anspruch darauf, ernst genommen zu werden.





Eine Demokratie zeichnet sich gegenüber einer Diktatur idealerweise vor Allem durch die Herrschaftsfreiheit aus, denn soziale Gesetze, mit denen das Volk von den Herrschenden zum Sozialverhalten untereinander gezwungen wird, ohne dass der Einzelne dabei ein Mitentscheidungsrecht hat, gibt’s auch in der echten Diktatur.

Gesetze, die Korruption nicht nur begünstigen, sondern auch legitimieren, wie das Parteispendengesetz und das Koalitionsverfahren zum Zwecke der Herrschaft über parlamentarische Entscheidungen, bei der die Stimmenmehrheit der Wähler missachtet wird, dienen zur Vorspiegelung einer Scheindemokratie, die auch nicht herrschaftsfreier wird, indem man in dem Moment, wo der Betrug auffliegt, gelobt, dem „Einzelfall“ nachzugehen, um dem um sein Recht auf Mitbestimmung geprellten Wähler die Genugtuung zu verschaffen, dass er doch nicht ganz ohnmächtig ist.

Wenn dann ein Regierender sagt: „Ich geh nicht!“, weil ihm die von den Abgeordneten selber verabschiedeten Gesetze das Bleiberecht garantieren, wird das Herrschaftsverhältnis mit dem Recht des Stärkeren einmal mehr für all Diejenigen deutlich, die sich nicht blenden lassen durch das, was sein sollte, und was als das dargestellt wird, was es nicht IST.

So gibt es natürlich eine Menge Forderungen zur idealen, herrschaftsfreien Selbstverwaltung, aber was hilft das Denen, die gar keine Machtbefugnisse haben, um sie auch gegen den Willen der Herrschenden (Regierenden) durchzusetzen, wenn die ihrerseits durch ihre selbstgemachten Gesetze geschützt werden, anstatt ihr Volk vor ihnen?

Wie bereits mehrmals erwähnt, ist der Unwille zur gemeinschaftlichen Selbstverwaltung nicht an ein künstlich verordnetes Herrschaftssystem mit einer dazugelieferten klerikalen Unterwerfungsideologie gekoppelt, sondern wohnt jedem nach der Vormacht strebenden Menschen ganz natürlicherweise inne, sodass er erst paradoxerweise von jemand Anderem zum herrschaftsfreien (demokratischen) und damit partnerschaftlichen (sozialen) Handeln gezwungen werden muss, der stärker ist, als er.

Da der natürlich auch nur ein Mensch ist, missbraucht er seine Macht ebenfalls unweigerlich zum eigenen Vorteil und damit zum Nachteil Schwächerer mit Hilfe der Vorspiegelung einer Scheindemokratie mit sozialer Gerechtigkeit zwischen sich und seinem Volke, die es in Wirklichkeit gar nicht gibt.

Zwar könnte man meinen, dass wenigstens die gemeinsame Not den Menschen kompromissbereiter macht, sodass er ausnahmsweise mal auf sein Streben nach der Vorherrschaft verzichtet, aber die Realität sieht leider so aus, dass selbst in der politischen Krise noch Derjenige seinen Vorteil zum Nachteil Anderer zieht, der machtpolitisch jeweils am längeren Hebel sitzt, indem er den Anderen die letzten Rollen Klopapier vor der Nase wegkauft, weil er zuerst da war, sofern dies nicht vorher ausdrücklich von seinem Herrn gesetzlich verboten wurde.

Die freie Entscheidung darüber, ob er auf den Machtmissbrauch zum Nachteil Anderer lieber verzichten will, oder nicht, steht ebenfalls nur dem Stärkeren frei, der auch die nötigen Machtbefugnisse dazu besitzt, und nicht dem Schwächeren, der zwar das Recht zur herrschaftsfreien Entscheidung hat, die er als sogenannte "Meinungsfreiheit" oder gar "Mitspracherecht" genießt, aber die ohne die Macht der Umsetzung in die Tat völlig wertlos für ihn ist.

Wer ständig „Herrschaftsfreiheit“ propagiert, täumt wohl von einem akephalischen Gesellschaftssystem, also einer regulierten Anarchie – wie sie allerdings heute nur noch bei recht überschaubaren traditionellen Nomaden-Gemeinschaften indigener Völker vorkommt (z.B. bei den Aborigines), aber für moderne Staaten mit Millionen von Einwohnern völlig undenkbar weil unrealisierbar ist.

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Akephalie



Ich äußere mich nicht mehr zu den filosofischen Texten.
Es ist erstaunlich, wie man Begriffe auf so einfache Art und Weise falsch verstehen und falsch anwenden kann.

Deshalb sollte man am besten immer mit der Definition der möglicherweise strittigen Begriffe beginnen, bevor man mit ihnen ganze Abhandlungen bestreitet. :wink:

Schade, dass Du hier nichts mehr beitragen möchtest.


Akephalie als „egalitäre Konsensdemokratie“ trifft den Sachverhalt der Herrschaftsfreiheit besser, als das wörtlich übersetzte „ohne Haupt“, welches an die Kopflosigkeit von Leuten erinnert, die ihre Entscheidungen von Lust und Laune abhängig machen.

Der andere - meist auf abfällige Weise mit „Chaotentum“ gleichgesetzte - Begriff der „An(ti)-(Hier)archie“, welche – im Gegensatz zur Hier-Archie (althergebrachte Ordnung der Priester) - nicht auf einer pyramidalen Herrschaftstruktur beruht, bezeichnet hingegen nicht die "Gegnerschaft gegen jegliche Ordnung", sondern lediglich eine "herrschaftsfreie Ordnungsform, die der traditionellen Form, wie die der Monarchie oder der Oligarchie, entgegengerichtet ist".

Anarchie bedeutet somit auch nicht die Abwesenheit jeglicher Ordnung, die unweigerlich ins Chaos führen muss, aus dem anschließend Diejenigen ihre Diktatur errichten, die das Chaos verursacht haben, wobei sie lediglich selber an die Macht und damit an die Spitze der bereits bestehenden, hierarchischen Ordnung gelangen, wie es bei jeder Revolution der Fall ist, womit natürlich keine neue Ordnung, wie die der herrschaftsfreien Demokratie, entstehen kann.

Wie bereits an früherer Stelle ausgeführt, gibt es jedoch auch die „herrschaftsfreie Ordnung durch Selbstverwaltung“, wie sie auch mit dem Begriff „Demo-kratie“ zum Ausdruck gebracht wird, wo der Schwerpunkt nicht auf einer „Herrschaft durch eine Partei" liegt, sondern leidglich auf einer „Verwaltung“.

Hierbei arbeiten die Verwalter im Dienste der gesamten Gemeinschaft, wofür sie auch von der Gemeinschaft als ihrem obersten Dienstherren entlohnt werden, indem sie die politischen Belange für sie regeln, OHNE sie dabei zu maßregeln, oder gar eigenmächtig fremden Herren dienen, die sie noch besser dafür bezahlen, dass sie den Vertrag mit der Gemeinschaft zu deren Nachteil brechen, indem sie unpopuläre Entscheidungen treffen, welche ausschließlich ihren Lobbyisten und sich selber zugute kommen.

Dass man hierbei auch von Dienstherrentum spricht, beweist nicht, dass eine Demokratie ohne Herrschaft gar nicht funktionieren kann, sondern lediglich, dass sprachlich bereits der Herrschaftsgedanke überallhin mit transportiert wird, wenns um die Bescheibung von vertraglich geregelten Zuständigkeiten innerhalb von Beziehungen geht, in denen der Stärkere den Schwächeren zum Gehorsam verpflichtet, und nicht umgekehrt.

Die Gewaltenteilung bei der Demokratie soll nun zwar die Konzentration der Macht auf eine einzige Person, wie es bei der Monarchie der Fall ist, verhindern, aber damit wird lediglich eine Oligarchie geschaffen, bei der die Macht einer herrschenden Regierungspartei, notfalls Beschlüsse auch mit Gewalt gegen die Interessen der Regierten (Beherrschten) durchzusetzen, in drei Händen liegt, anstatt in einer einzigen.

Die Schutzrechte vor der Gewalt des Stärkeren und die Freiheitsrechte der Gleichberechtigung, welche die Herrschaft durch Stärkere, die Sonderrechte genießen, ausschließen, stehen schon seit der französischen Revolution auf der Fahne der Demokratie geschrieben, was jedoch nicht heißt, dass diese bereits auch schon überall verwirklicht worden sind, wo man sich demokratisch gibt.

Ob die Demokratie als „herrschaftsfreie Selbstverwaltung einer Gemeinschaft“ überhaupt in einem Staate mit Millionen von Menschen zu verwirklichen ist, oder selbst in kleinen Lebensgemeinschaften, wie der Familie, immer eine Utopie bleiben muss, hängt - wie ebenfalls bereits ausgeführt - maßgeblich von der Notwendigkeit ab, partnerschaftlich miteinander kooperieren zu müssen, um gemeinsam erfolgreich zu sein, wenn beide Partner gleich stark oder gleich schwach sind.

Solange sich jedoch die Streitlustigen im Rahmen einer sogenannten Streitkultur gegenseitig bekämpfen dürfen, um herauszufinden, wer der Stärkere von Beiden ist, um danach mit dem angemaßten Recht des mehrheitlich gewählten Stärkeren auf autokratische - und damit ebenfalls diktatorische - Weise alleine bestimmen zu können, wird jede Chance der friedlichen Aushandlung von Kompromissen durch ständige Machtkämpfe um die Vorherrschaft bereits im Ansatz, und damit auch systemisch, vereitelt.
@ Verdandi

Ich danke dir für die Einladung weiter zu machen.

Ich sehe dieses Forum für mich zum Gedankenaustausch.

Über die Selbstdarstellungen eines Filosofen fern jedes Bezuges zu sachlich richtigen Inhalten habe ich schon oft geschrieben. Was bringt das? Wo ist da ein gewollter Dialog?

Dann gibt es da noch so eine Schreiberin hier. Sie hat wieder, das wievielte, Problem in der Demokratie entdeckt, auf das sie unbedingt aufmerksam machen muss. Natürlich alles ohne eine Wertung, ohne eine Interpretation und ohne Lösungsansätze. Und genau darauf pocht sie! Das soll eine philosophische Auseinandersetzung sein?

Klar, wir sind alle Laien auf dem Gebiet der Philosophie. Wenn aber der Dialog nicht gewollt ist, wenn Fachbegriffe und Quellen nicht zur Kenntnis genommen werden, wenn Philosophen - mit Verlaub - als Dandy degradiert werden und die Ignoranz der Selbstdarstellung noch verbal geäußert wird / gepöpelt wird, dann sind das Dialoge, die mich nicht interessieren und zu deren Teilnahme ich mich nicht rechtfertigen brauche.

Für mich gilt dieser Satz von Marx:

"Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert, es kommt drauf an, sie [die Welt] zu verändern."


Diesen Satz von Marx kann man wunderbar bei der Betrachtung von Demokratie anwenden:
Analyse -> Interpretation -> Lösungsansätze

Diese Schrittfolge ist auch von Laien und anderen am Thema interessierten Menschen anwendbar, wenn diejenige oder derjenige den Willen dazu hat.
Mit der Nur-Analyse versteckt man sich in einer ganz einfachen Komfort-Zone. Es gibt genug ganz einfache Sprüche-Klopfer bis hin zu Populisten und noch anderen in unserer Gesellschaft.

Ein Lehrer aus meiner Schulzeit würde fragen: Wem nützt das?

@ CornusMas

Es stimmt, ein Dialog findet hier selten statt. Und wenn er mal stattfindet, geht es meist nicht um philosophische, sondern um ganz konkrete realpolitische Fragen, die eigentlich ins Politische Forum gehörten.

Ich selbst fühle mich hier ganz richtig aber auch etwas „einsam“ in diesem Thread, denn mich interessiert tatsächlich mehr die normative Theorie und weniger die Beurteilung der konkret vorgefundenen Praxis. Es geht mir um Systeme, Grundsätze, Prinzipien – und nicht um zweckgerichtete Handlungsempfehlungen, die ggf. konkreten Missstände betreffend.

Jedenfalls versuche ich hier, bestimmten Fragen nachzugehen und auf der Suche nach möglichen Antworten neue Erkenntnisse zu gewinnen. Auch wenn ein richtiger d.h. persönlicher Dialog mit anderen aus verschiedenen Gründen nicht mehr möglich zu sein scheint, gibt es doch immer wieder Anhaltspunkte in ihren Beiträgen, die ich nicht selten als Anregung aufgreife, um mir weitere Gedanken darüber zu machen.

Man könnte das als eine Art stillschweigenden, subtilen Minimalkonsens begreifen und akzeptieren, um hier weiter zu schreiben.

Da auch der eine oder die andere es so wahrzunehmen scheinen, herrscht eine gewisse fragile Balance, die tunlichst erfordert, Erwartungen nicht aneinander zu richten, sondern auf die eigenen Ideen zu beschränken.

Wer diesen Status Quo erhalten möchte, sollte sich (und das gilt selbstverständlich auch für mich) darin üben, die anregenden Impulse aus den Beiträgen der anderen zu nutzen, anstatt den Rest zu kritisieren.

Irgendwie ist es sicher dennoch in gewisser Weise auch ein Armutszeugnis der Inkonsequenz – und eigentlich nur der Lust (oder Sucht?), schreiben zu wollen, geschuldet. :wink:

Aber nun mal Tacheles: Wenn Du die Philosophie gegen die Politik ausspielst, weil Du die Beschäftigung mit ersterer geringschätzig als ein „Verstecken in der Komfortzone“ bewertest, dann wundere ich mich, dass Du in diesem „Forum Philosophie“ überhaupt je etwas geschrieben hast! Dann hätten wir hier überhaupt nie aufeinander treffen dürfen, oder?

Wem die eigenen Gedanken und Vorstellungen nützen? Falsch gefragt! Ich denke sehr gern über philosophische Fragen nach. Um des Denkens willen. Um Erkenntnisse zu erlangen. Um mich weiter zu bilden und geistig weiter zu entwickeln. Weil mir das alles große Freude und Befriedigung bereitet. Weil das eine meiner liebsten Freizeitbeschäftigungen ist. – Das muss niemand anderem nützen oder irgendeiner Sache dienlich sein, kann aber dennoch gern mal als Anregung denen zu Gute kommen, mit denen ich mich in meinem privaten Umfeld darüber austausche, was häufig vorkommt. – Es soll sogar vorkommen, dass es UserInnen gibt, die meine Beiträge hier gerne lesen.

Nein, ich schreibe hier bloß ein wenig über meine Gedanken im Forum einer Freizeitplattform für SeniorInnen. Andere spielen lieber Tennis, malen Bilder oder sammeln Briefmarken. So what? Nachdem ich bereits ein ganzes Berufsleben mit einigermaßen nützlichen Betätigungen vollendet habe, darf all das, was ich jetzt noch tue, ausschließlich meinem eigenen Gusto folgen.

So sehe ich das.



@Verdandi
Du schreibst u.a.:

Wenn man nämlich von vornherein den Begriff von Freiheit ausschließlich für ganz bestimmte, z.B. politische Zwecke zu gebrauchen gedenkt, um andere damit zu beeinflussen, degradiert man die originäre Bedeutung in manipulativer Weise – mit der man aber stets auch selbst zurechtkommen muss, denn so etwas fällt immer auf einen selbst zurück, unterdessen die anderen, die man manipulieren wollte, sich früher oder später davon wieder befreit haben werden.

Wenn ich frei sein möchte, habe ich dabei keinerlei „Allmachtsphantasien“ oder politische Zwecke im Kopf, sondern folge nur dem Bedürfnis, mich entfalten und entwickeln zu können, um der Mensch werden und sein zu können, der ich bin.

Das gesellschaftspolitische System, in dem ich glücklicherweise als Nachkriegsgeborene leben darf, ermöglicht mir jedenfalls diese Freiheit. Dass ich dabei nicht die Grenzen überschreite, hinter denen die Freiheit der anderen beginnt, ist klar! – Und daher fühle ich mich auch nicht durch Corona-Maßnahmen der Regierungen eingeschränkt. Freiheit bedingt nämlich auch Verantwortlichkeit. – Ein weiterer Begriff mit wirkmächtiger Bedeutung!


meine Denke geht in dieselbe Richtung.....

an anderer Stelle schreibst Du:

Aber nun mal Tacheles: Wenn Du die Philosophie gegen die Politik ausspielst, weil Du die Beschäftigung mit ersterer geringschätzig als ein „Verstecken in der Komfortzone“ bewertest, dann wundere ich mich, dass Du in diesem „Forum Philosophie“ überhaupt je etwas geschrieben hast! Dann hätten wir hier überhaupt nie aufeinander treffen dürfen, oder?


philosophieren können - egal über welches Thema - hat nichts mit "ausspielen" zu tun - ganz im Gegenteil....
wenn ich (als nicht Philosophie-Profi) über ein Thema philosophieren möchte - dann deshalb, weil ich Erkenntnisse über ein Thema erlangen möchte...

leider spüre ich in diesem Forum ein Machtgerangel bei gleichzeitigen Selbstgesprächen.....
ist Philosophie ohne Dialog erstrebenswert oder führt dies in Sackgassen - d.h. ohne dass die Diskussionsteilnehmer etwas aus den Beiträgen mitnehmen können ?

@ Gundalabella

Du sprichst von "Machtgerangel", aber worin sollte denn die "Macht" in einem Philosophie-Forum  bestehen? Selbstverständlich kann sich hier jeder nach eigenem Gutdünken äußern, niemand könnte ihn daran hindern.

Ein User hat auf dieser Plattform nur in seinem Blog auf seinem Profil eine gewisse "Hausmacht", die er durch Löschen von Kommentaren und Sperren von UserInnen ausüben darf.

Aber hier in den Threads der Foren kann jeder nur Beiträge schreiben, seine Gedanken damit veröffentlichen und seine Meinung äußern. - Falls Du die "Wirkmacht" von Worten meinen solltest, solltest Du mal erläutern, was Dich an einem kontrovers geführten Meinungsaustausch stört. Ich denke, das gehört hier durchaus dazu. Foren für nette Plaudereien und gute Laune gibt es an anderen Stellen doch genug - z.B im "Forum Freundschaft und Familie".

Warum sollte eine Entwicklung und Darstellung eigener Gedanken und Positionen zu themenbezogenen Fragen "gegen jegliche Philosophie" verstoßen, fängt nicht jedes Philosophieren genau so an?

Wenn sich daraus nicht in jedem Fall ein Diskurs ergibt, liegt es oft einfach nur an der mangelnden Beteiligung.

Aber was spräche denn dagegen, wenn sich diejenigen, die sich an einem bestimmten Diskurs nicht beteiligen wollen, anstatt sich darüber zu beschweren, dass ihnen der nicht gefiele, einfach ein anderes Fass aufmachten, dessen Inhalt ihnen mehr munden würde? Was hinderte sie daran?