Liebe Lavea_Najala,
ich hoffe Du hast gut geschlafen und aufschlussreich geträumt. Es ist immer wieder eine riesige Freude, Deine Beiträge zu lesen. Allein wieder die Metapher Milafranzi und Verdandi zwangsverbunden in einem Kopf. Diesem Kopf wird es wohl nicht langweilig.

Regeln halten vs. Regeln brechen

Eine Kernfrage der Kunst. Ein Künstler sollte unbedingt die Regeln seines Handwerks kennen und es dann gekonnt und damit bewusst für eine kreative Nachricht, so noch nie gesehen, brechen. Der Betrachter spürt ziemlich genau die Basis, denn nur so kann er das gekonnte Brechen, den Inhalt der Nachricht erfühlen.
Das Herunterwerfen eines Farbtopfes auf eine Leinwand gibt zwar mit Glück einen guten Fleck, eine Nachricht, Kommunikation, ist es nicht. Höchsten die, dem Künstler ist nicht mehr eingefallen.

Deshalb die Bedeutung der Regeln bei Haikus:
Ich muss sie sicher beherrschen. Gleich großzügig mit Farbeimern werfen, das ist nicht. Es ist das bekannte Fahrradfahren lernen. Erst wenn es subcortikal sitzt, ja dann, dann kann ich beginnen zu brechen, absichtlich, als Nachricht. Sie wird von denen verstanden, die die Regeln auch kennen. Es wird sich zeigen, wieviel Kreativität die Tradition Haiku mit seinen Worten hat. Kunst ist unberechenbar, unfassbar. Sie wühlt ihr eigenes Flussbett. Ich bin ganz sicher, Haikus sind der Volltreffer, als Zwischenstation. Ob wir Silbenzählen oder Atemzüge, es ist das Selbe, Konzentration. Die Empfehlung an unangenehme Gedanken, den beschränkten Bewusstseinsspeicher - Flaschenhals - zu verlassen.

Wo sind die tibetischen Mönche hängengeblieben? Sie malen Bilder von Empathie und Liebe. Wo werden wir festmachen? Das entscheidet jeder selbst.
Gruß
Felix
Bei Haikus sehe ich das wie bei anderer Kunst,
die Jahrhunderte lang entwickelt, verfeinert, perfektioniert
und so ein Genuß für die Sinne geworden ist.
Natürlich kann man sie heute mit einfachen Mitteln verwässert
vom Fließband erzeugen und billig verkaufen.
Masse statt Klasse.
Jedem das Seine!

Einen schönen Sonntag allerseits!
Frühblüher

Auf dem Balkon:
Zwischen fahlem welken Laub
blüht schon ein Veilchen.

Schneeglöckchen

Zarte Schneeglöckchen
im wirbelnden Flockentanz,
ein Frühlingsahnen !
Milafranzi
Schön sind sie, diese Haikus!

...und sie klingen so einfach, als wären die von selbst aus dem Boden gewachsen wie die ersten Blümchen.

" Ich habe ein Leben gebraucht um so malen zu können wie ein Kind" sagte Pablo Picasso.
Was so einfach erscheint, ist meist die die geniale Reduktion auf das Wesentliche.

Selbstverständlich ist es erlaubt, Begriffe neu zu definieren.
Ob es der einer Verbesserung dient, sei dahingestellt.
flesermutzel hat geschrieben: Bei Haikus sehe ich das wie bei anderer Kunst,
die Jahrhunderte lang entwickelt, verfeinert, perfektioniert
und so ein Genuß für die Sinne geworden ist.
Natürlich kann man sie heute mit einfachen Mitteln verwässert
vom Fließband erzeugen und billig verkaufen.
Masse statt Klasse.
Jedem das Seine!

Einen schönen Sonntag allerseits!


"Du sprichst ein großes Wort gelassen aus." (Goethe)

Liebe Grüße, Mila
Das ist aber auch schön gesagt. Da freuen sich die Haikus!

Milafranzi
Schön sind sie, diese Haikus!

...und sie klingen so einfach, als wären die von selbst aus dem Boden gewachsen wie die ersten Blümchen.
@barbera,
vielen Dank für deine lobende Worte!
Begriffe neu definieren?!
Verlieren sie dann nicht ihren ursprünglichen Charakter?

Beispiel:

Glücksmomente

Momente des Glücks,
gesammelt und bewahrt,
werden zu Stunden.

Das Gedicht kommt wie ein Haiku daher, ist aber in meinen Augen ein Sinnspruch
Es gefällt mir eben NICHT, wenn Begriffe neu definiert werden.

Wenn jemand das Rad neu erfinden will, soll er sein Geistesprodukt nicht Rad nennen, sondern sich einen neuen Begriff dafür einfallen lassen.

Die "Glücksmomente" sind auch meiner Auffassung nach ein Sinnspruch.
Aber ich bin da keine Expertin - die Form scheint zu stimmen, aber der Inhalt hat etwas Belehrendes, das mir nicht wirklich gefällt.

Ein Haiku ist für mich mehr ein Bild als eine Geschichte - ein eingefangener Moment des Fühlens.
" ein eingefangener Moment des Fühlens."
Genauso ist es , besser kann man es nicht ausdrücken!
Ist das ein Haiku?

Ruhige Nächte,
Zum Erfühlen von Texten
lese ich gerne.
Oder das?

Morgensonne weckt.
Laßt uns den Tag begrüßen,
die Vögel singen.
Oder besser so:

Morgensonne weckt.
Laßt uns den Tag begrüßen,
während Vögel singen.
Sorry: 1 Silbe zuviel....
@Leonetta,
das ist aber ein schöner Haiku.

Morgensonne weckt.
Laßt uns den Tag begrüßen,
die Vögel singen


und wie war das Gefühl beim Dichten? Ist man tatsächlich ganz gefangen genommen?

Gruß
Felix
Ja, die Vorstellung hat mir Spaß gemacht!
cron