"Ach, wie wär' das Leben öde,
gäb's nur Gescheite, keine Blöde."

Das wär ein Grund sich zu empören
Da solltet ihr mich einmal hören
Sitzend auf den Kirchenstufen
würde laut ins Dorf ich rufen:
Hört, ihr Leut', was ich verkünde
jeder einen Blöden finde
Kommt herbei, zeigt eure Beute.
schleppt herbei die ganze Meute
Durch's Dorf wir zieh'n und alle winken
und hinterher wir Schampus trinken

Und wieder sängen alle Leute:
So ein schöner Tag ist heute
MNS

Ich atme schwer
strenge mich an, sogar sehr
wend' meine Nase nach rechts und nach links
denke, die Luft, die von dort kommt, die bringts
Die Brille ist auch schon wieder beschlagen
obwohl doch die Gläser über die Maske ragen

Sie müssen weg, die Lappen in meinem Gesicht
ich atme zu schwer, das bekommt mir nicht
Drum werde ich heute noch Maßnahmen ergreifen
damit keine Lappen mehr Mund und Nase streifen
Noch heut' werd' ich basteln mir ein Visier
oder am besten gleich zwei, oder auch vier
Ganz kurz will ich mich nur fassen - - - - - - - - - -
ich sag's Euch, ich kann das Naschen nicht lassen.

Da bin ich nun satt vom Abendessen - - - - - - - -
und was passiert kurz danach ? ? ?
Nach etwas Süßem bin ich total versessen !

Zum Glück bring ich nicht zu viel auf die Waage,
so lass ich es mit gut geh'n all die Tage.
Im Morgentau über Wiesen gehn ,
Das Blätterdach ist unser Zelt,
Am Waldrand Rehe stehn,
Wie wunderbar ist die Welt!
Mit dir.
bergeweise wäsche,
bunte, weiße
marmeladen-T-shirts
oelversaute overalls,
trommel für trommel
dröhnt und scheppert.

lässt berge schrumpfen
bügelwäsche zunehmen.
auf links gedrehte
schwarze hosen fordern
flüssige seife an –
koloriert nein, schwarz bleibt schwarz,
nicht grau.

verlorene socken
kaffeeflecken die bleiben
bhs ohne drahtbügel
und essen,
was zwischendurch gekocht
werden muss, schmackhaftes
hausfrauendasein

papier
im eimer, im ofen,
auf meinem schoß
vom tempo bis zur
zeitung ist um mich,
bedroht mich,
deckt mich zu.

papier papier papier

das ekg – die blutuntersuchung
lungenvolumen, haarsträhnen, hühneraugen
auf papier gedruckt – mit papier behandelt.
eingeschworen auf papier
von der windel bis zum sarg.

ich lechze nach einem stück pappe..,.,
"Kunst"schaffender :wink:

Der kreative Mann
fasst keinen Zollstock an
Er peilt mit Kennerblick
die Wand an, und mit Glück
hat er erwischt die richt'ge Stelle
Nun klopft er Löcher auf die Schnelle

Dann sind die Haken dran
schon ist das Werk getan
Doch hat er sich geirrt
ist er nicht lang verwirrt
klopft noch ein Loch
es folgen mehr

Die Wand ziert nun ein Löchermeer
Der brave Mann, gar nicht so dumm
malt fleißig um die Löcher rum
jeweils ein Blümchen, bunt und schön
Ach ist das nett, sie anzusehn
Rundherum malt er nen Rahmen

Und drunter schreibt er seinen Namen
35 Grad im Schatten

Frau Flöter – Frühaufsteherin – befand sich für fünf Tage in Berlin. Dort hatte sie Verwandtschaft und Verpflichtungen. Ihren Hausfreund hatte sie zuhause gelassen, weil der sich dann bei der ihm nicht bekannten Verwandtschaft gelangweilt hätte, und weil bei solchen Anlässen doch immer von früher gesprochen wird, hätte er auch nicht mitreden können.
Also blieb er lieber zuhause.
Herr Kundwitz – auch Frühaufsteher legte aber Wert darauf, dass sie morgens in aller Frühe telefonierten. Und so sagte Frau Flöter dann, heute sei sie bei ihrer Cousine, aber erst um 11 Uhr, eher sei es dieser nicht recht. Wahrscheinlich sagte sie das auch mit Bedauern in der Stimme, denn Herr Kundwitz antwortete gleich, dann könntest Du ja das Grab von Mitwisser besuchen, der liegt auf dem Heerfriedhof. Frau Flöter guckte auf die Uhr, es war erst zwanzig nach sieben und sagte, ja, das mache ich, gute Idee.

Nun war es der Sommer 2010 und in Berlin herrschten schon am Morgen 33 Grad. Frau Flöter, die sich in Berlin gut auskannte, also allgemein, nicht unbedingt jeden Friedhof betreffend, machte sich auf den Weg zur Heerstraße, fest davon ausgehend, dass der Heerfriedhof dort liegen müsse.
Sie stieg aus der U-Bahn aus und sprach andere Berliner an. Der Berliner als solcher ist sehr hilfsbereit und gesprächig. Aber den Heerfriedhof kannte keiner. Natürlich waren zu dieser Tageszeit – es war jetzt kurz nach 8 noch keine Rentner unterwegs, die sicher besser Bescheid gewusst hätten. Also Frau Flöter bekam keine Auskunft und ging auf einen Bus zu, der Fahrer sagte, steigen sie ein, ich nehme sie mit und sage ihnen wo sie aussteigen müssen, da finden sie dann den Heerfriedhof. Erleichtert betrachtete Frau Flöter ihren Fahrschein, der noch galt und setzte sich so, dass der Busfahrer sie sehen konnte. Dann stieg sie auf Anraten des Busfahrers aus, der sie mit den Worten, sie müssen dann noch mal jemanden fragen, aus dem Bus entließ.
Man muss wissen, dass die Heerstraße sehr lang ist und Frau Flöter befand sich jetzt in einer fast unbewohnten Gegend, was ja für das Dasein eines Friedhofes sprach. Aber wen sollte sie hier fragen.
In der Ferne sah sie eine Tankstelle, also nichts wie hin, schließlich musste sie um 11 bei ihrer Cousine sein. Der Mann an der Tankstelle rief seine Frau und die sagte dann, da sind sie viel zu weit – da müssen sie mit der U-Bahn wieder zwei Haltestellen zurück. Olympia-Stadion da müssen sie raus und dann noch mal fragen. Frau Flöter kaufte noch eine Flasche Wasser und bedankte sich. Die erste Flasche Wasser war schon ausgetrunken.
Endlich Olympia-Stadion – eine zu diesem Zeitpunkt völlig verwaiste Station, an der außer ihr nur noch eine Dame mit Badetasche ausstieg. Beide betraten die breite Brücke – alles menschenleer. Frau Flöter fragte, kennen sie den Heerfriedhof? –„ fragen sie mich was Leichteres „sagte die Unbekannte lächelnd, ich fahre hier nur zum Baden hin.
Am Ende der Brücke parkte ein offener Wagen, also ein Cabriolet mit einem auf dem Kopf gegelten Fahrer am Steuer, der ziemlich laut die Musik spielen ließ. „Den werde ich fragen“, sagte Frau Flöter, „na der wird det ooch nich wissen“, sprach die Dame, die nur baden wollte.

Aber der war höflich, machte sofort sein Radio ganz leise und hörte Frau Flöter zu. Ja, sagte er, ganz kenne ich mich hier nicht aus, aber dahinten, da, wo sie schon eine Tanne sehen, da liegt ein Friedhof, das könnte er sein. Ich weiß allerdings nicht wie der heißt.

Inzwischen war das Thermometer auf 35 Grad gestiegen, die Erde brannte still vor sich hin und Frau Flöter ging diesen langen Weg mitten in der Sonne bis zum Eingang des Friedhofes. Dann saß sie im Friedhofsbüro, wo ihr gleich Wasser angeboten wurde und man eine Skizze zeichnete, oder besser gesagt den Weg in einen vorhandenen Vordruck einzeichnete, damit sie das Grab von Mitwisser finden konnte.

„Das zieht sich hin“, sagte die Sekretärin“ da laufen sie noch ne halbe Stunde.“

Und das stimmte – aber es war fast überall schattig und so ließ es sich gut gehen. Kein Besucher auf dem ganzen Friedhof, der wunderbar angelegt ist, mit kleinen Teichen und Plätzen zum Sitzen – ein Park. Angestellte mit Schläuchen, die Gräber wässerten, begegneten ihr, sonst niemand.

Sie fand das Feld, auf dem Mitwisser lag. Aber dieses Feld war dann noch in Buchstaben eingeteilt und die Buchstaben in Zahlen. Komplizierte Sache und dann immer der Blick auf die Uhr, um 11 wartete die Cousine.
Da sah Frau Flöter einen Mann, der mit gesenktem Kopf vor einem Grab stand. Sie wartete ab, bis der Mann sich bewegte, ging hin und sprach ihn an. Zeigte den Zettel und bat um Hilfe. „Aber sicher doch“ sagte der Mann, „den finden wir schon – ich kenne mich hier aus.“

Und der Mann sagte, „rechts -wir müssen rechts gehen, da hinten ist das B“. Auf dem Weg dorthin bot Frau Flöter ihm ihre Wasserflasche an, aus der er in großen Schlucken trank.
Und Frau Flöter erzählte, dass Mitwisser ein ganz Großer gewesen sei, ein Philosoph und Menschenfreund. „Nie was von gehört“, sagte der Mann. Frau Flöter sagte ihm, sie sei zu Besuch hier und käme aus einem Dorf in der Nähe von Hildesheim. „ Ach, sagte der Mann, ich bin aus Algermissen, das kennen sie doch sicher“ und beide mussten lachen, trotz der vielen Gräber ringsherum.

Und dann war man bei B angelangt. Jetzt musste man nur noch die 26 finden. Man schritt die Reihen ab und dann hatte sie der Mann aus Algermissen zuerst – leise rief er-„ ich hab’s – ich hab’s.“ Und dann standen beide mit gefalteten Händen dort, obwohl beide den Hans Mitwisser nicht kannten. Frau Flöter wusste nur, dass ihr Hausfreund ihn verehrte und hatte so wenigstens noch einen Bezug. Doch der Mann aus Algermissen schien ebenfalls sehr andächtig und er sagte dann, „na vor so `nem Großen muss man doch Achtung bezeugen.“

Beide gingen dann dem Ausgang zu, der nicht der Eingang war, das war auch nur möglich, weil der Mann sich auskannte.
Verschwitzt aber zufrieden erreichte Frau Flöter um fünf nach 11 das Haus ihrer Cousine.
Und damit ist die Geschichte zu Ende.
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