Das ist sicher eine schwierige und sehr komplexe Frage, weil wohl fast jeder etwas anderes darunter versteht. Ich denke, nur mit Kopf, so " zack, da ist die Erklärung" läßt sich das bestimmt nicht beantworten. Nach meinem Empfinden ist Kunst etwas von Menschen geschaffenes in den verschiedensten Bereichen, das nicht überlebensnotwendig ( und damit nicht im engeren Sinn systemrelevant) ist aber für die Bereiche des zutiefst Menschlichen, nennen wir es Seele oder sonstwie, unbedingt notwendig ist, sei es jetzt aktiv als schöpferischer Ausdruck eines aktiven Menschen, oder passiv, als Erleben und Erfühlen, welcher Art immer das sein mag, indem wir hören oder sehen, anfassen oder lesen...eine Form von Nahrung, die jeder von uns auf seine Weise braucht.
Besser kann ich`s nicht sagen.
ja.... so denke ich auch.....
Kunst ist ein Gefühl - eine Nahrung, die die Seele braucht.....

uns so wie jeder von uns etwas anderes Essbares liebt - so ist es auch mit dem Kunst-Konsum......
dick01 hat geschrieben: Fazit: Die Untätigkeit der Kunst- und Kulturschaffenden inkl. des Fehlens des sonstigen Kulturbetriebes hatte keinerlei schwerwiegende Folgen für das System. Somit ist auch in der Praxis nachgewiesen, dass Kunst und Kultur nicht systemrelevant sind.

Das erinnert an die Argumentation "ich bin früher auch verprügelt worden, und es hat mir nicht geschadet."

Wenn das blanke Überleben das einzige Kriterium ist, dann ist in der Tat nicht viel relevant.
Was ist denn nun eigentich "das System"? Erinnert stark an Alternativdeutsch.
Ich halte die Fragestellung für nicht sehr geglückt.

Der Eingangstext behandelt eigentlich die politische Frage nach der finanziellen Unterstützung des Kulturbetriebs in schwierigen Zeiten.
Der TE beantortet seine Frage auch selbst, und drum ist dem eigentlich nicht viel dazuzufügen.

Ist wasser systemrelevant?
Ja.
Ist sauberes Wasser auch systemrelevant?

Da kommen wir zu der Frage nach Qualität , und die ist ein weites Land.
Also für das „System“ sind Kunst und Kultur nicht relevant, das lässt sich nicht wegdiskutieren.

Eine ganz andere Frage ist, ob sie für das Individuum „systemrelevant“ sind, anders ausgedrückt wie in einigen Beiträgen: Braucht unsere Seele Kunst und Kultur? Nehmen wir das Zitat von @harmoniefrau:

"Es gibt Maler, die die Sonne in einen gelben Fleck verwandeln. Es gibt aber andere, die dank ihrer Kunst und Intelligenz einen gelben Fleck in die Sonne verwandeln können". (Picasso )

Diese Kunst und Intelligenz sind aber heute nicht mehr relevant. Wenn der „gelbe Fleck“ richtig vermarktet genügend Follower auf Twitter und Instagram hat, die ihm viele nette Likes geben, dann ist er wichtig. Alles andere ist doch im Kulturbetrieb irrelevant.

Und die Seele? Anders ausgedrückt:
„Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne, und doch Schaden nähme an seiner Seele?“ (Martin Luther)

Die Einstellung ist doch mittelalterlich und heutzutage nicht mehr tragbar. Heute gilt ein Satz von Tom Wolfe aus dem „Fegefeuer der Eitelkeiten“: "Seh‘n Sie, Sherman, der mit so viel angefangen hatte, verlor alles. Aber er hat seine Seele gewonnen. Während ich, der mit so wenigem begann, alles gewonnen habe. Aber was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewänne und verlöre... ach tz, naja, es gibt Entschädigungen."

Der Erfolg zählt und die Seele – ist nicht systemrelevant.
BilderBerger hat geschrieben:
Wenn das blanke Überleben das einzige Kriterium ist, dann ist in der Tat nicht viel relevant.
Was ist denn nun eigentich "das System"? Erinnert stark an Alternativdeutsch.


Zum "blanken Überleben" gehört schon einiges dazu, wie z.B. die Aufrechterhaltung der Infrastruktur, Verkehr, Versorgung mit Lebensmitteln, Medikamenten.. Betriebsbereitschaft von Krankenhäusern, Wasser, Strom, Gas, Treibstoffe, Rettungsdienste, Pflegedienste, Feuerwehr, und so weiter.
Und auch die Aufrechterhaltung der inneren Ordnung, Polizei, Gerichtsbarkeit, Militär, Katastrophenschutz und so weiter.

Ob mein Opernabo noch länger ausgesetzt wird, ob ich mir mal wieder Stilettos kaufen kann, ob das Tantris mal wieder öffnet ist mir völlig egal, da brech ich jetzt nicht zusammen!
Ich würde Kunst mit dem Begriff des inneren Friedens gleichsetzen, zumindest mit der Annäherung an Frieden.
Durch die schöpferische Kraft eines Künstlers / einer Künstlerin und die Fähigkeit zur Sublimierung von ambivalenten, schwer erträglichen Gefühlen und Konflikten entsteht etwas Schönes, ein Kunstwerk.
In dieses kann man sich einfühlen.
Angst und Unbehagen lösen sich dabei auf, Lebensfreude und Lebenslust stellen sich ein - sowie ein Prozess des Nachdenkens.
.... usw.


Wichtig ist das für die menschliche Seele aber volkswirtschaftlich nicht einfach umzurechnen - also wohl nicht systemrelevant.
So gesehen stellt sich auch die Frage, ob wirklich alle Menschen systemrelevant sind! :twisted:
Regalon hat geschrieben: So gesehen stellt sich auch die Frage, ob wirklich alle Menschen systemrelevant sind! :twisted:


Es wird zu wenig drüber nachgedacht, welcher Systemanpassungen eine Population bedarf, die sich in 100 Jahren vervierfacht hat.