Sind Stoiker Miesepeter oder gar Menschenfeinde? ...denn Marc Aurel, einer der berühmtesten Stoikern, hat es als eine tägliche geistige Übung empfohlen, dass man sich jeden Morgen vorstellt: "Dies wird ein Tag sein, an dem mir ein Mensch gegenübertritt mit Neid, Missgunst und allen nur denkbaren Scheußlichkeiten, die das Zwischenmenschliche täglich so bereithält!"

...was können wir heute eigentlich noch anfangen mit der Weisheitslehre der Stoiker?
Die Stoiker suchten das Heil, indem sie ihren Willen mit der Vernunft des Universums in Einklang bringen. Dieses Sich- Einfügen in die Ordnung der Natur geschah nicht zum Vergnügen, sondern sollte eine gänzlich selbstlose Tugend sein.
Darum wird das Wort "stoisch" auch gebraucht, um Unterdrückung des Gefühls und Gleichgültigkeit gegenüber Schmerz auszudrücken.
Einge Stoiker wie zb. Kaiser Marc Aurel, setzten hohe Normen persönlichen Verhaltens
Sie verfolgten folgenden Ansatz: Ein Mensch hat Glück immer bei der Erfüllung seiner Ziele.Und immer Leid beim Gegenteil, also bei Misserfolg und Verlust. Darum ist der erste Schritt der Philosophie, die Chance auf Verluste zu vermeiden, indem alles Materielle als gleichgültig angenommen wird.
Die einzigen kontrollierbaren Kräfte sind unser Geist und Verstand.
Mit unserem Wissen allein können wir handeln und die Gesellschaft und Natur besser machen.
Wir arbeiten im Sinne einer funktionierenden Welt darum, um anderen dabei zu helfen etwas Gutes zu tun.
Klingt doch aktuell & zeitgemäß, oder?


Zeitgemäß?

Ich glaube, der Stoizismus entspricht nicht dem Temperament und der Gefühlslage einer Mehrheit der Menschheit. Es ist eine selbst verordnete, „vernünftige“ Nivellierung der Emotionen hin zu einer fast betäubten Stimmungslage – geeignet (vielleicht auch nur als Rechtfertigung?) für diejenigen, die ohnehin über ein gewisses Phlegma verfügen.

Ich denke, dass man vernünftige Haltungen und Handlungen nicht unter Vermeidung* aller Unbilden und Schmerzen anstreben kann und sollte. Denn auch das gehört zum Leben, dazu, sich wirklich lebendig zu fühlen.


* i.S. nicht nur einer Umgehung sondern insbes. auch eines Nicht-An-Sich-Heranlassens.



Ja, zeitgemäß...

MÄDN ist z.B. ein Subform des Stoizismus und diese Subform tut mir gut :-)  
Der Stoiker und römische Philosophenkaiser Marcus Aurelius Antonius, Selbstbetrachtungen. V. 9

"Meine nicht, dass die Philosophie ein Zuchtmeister sei.
Denn nichts wird dich zwingen, der Vernunft zu gehorchen.
Man muss sich ihr vielmehr vertrauensvoll hingeben."


Quelle: Gutenberg-Projekt.org


Das Schlichte und Einfache am Stoizismus entspricht dem stoizistischen Bestreben nach Reduktion auf das Wesentliche. Gerade das gefällt mir besonders gut. Es kommt ohne diesen (für mich unnötigen, dogmatisch starren) Überbau der Religionen aus und trifft gleichzeitig doch den noch lebendigen Wesenskern der Religionen als gemeinsamen Hauptnenner der Ethik, Religiosität und Spiritualität. Ich fühle mich ausgesprochen wohl mit dem Stoizismus und bin dort wirklich angekommen. Es setzt die in den Religionen gebundene Energien frei, da es im Gegensatz zu den traditionellen Religionen kein geschlossenes, sondern ein offenes philosophisches System darstellt.

Die Philosophie der antiken Stoiker hilft mir, mich innerlich zu entlasten und räumt auf mit meinen persönlichen Diskrepanzen zu den Religionen, von denen ich mich entfernt habe, auf stoische Weise, ohne dass ich meinen Glauben verloren hätte, ganz im Gegenteil. Aber ich habe meinen individuellen Glauben gefunden und der sympathisiert mit dem Stoizismus. Sobald ich mich irgendwie belastet fühle, hilft es mir, stoizistische Texte und Zitate zu lesen.
Jetzt mal unabhängig von den Stoikern - was soll das eigentlich sein: "zeitgemäß"?

Der Fred ist 5 Jahre alt, und es war üble Troll-Zeit, damals, der nur wenige echt stoisch begegnen konnten. Auch ich nicht. Heute leben wir im Zeitalter des kollektiven Rückzuges und der gähnenden Leere. Was einen nicht grad ermuntert, den Pausenklaun zu geben.

Warum muss einer sich "zeitgemäß" geben? Wer legt fest, was das ist? Wenn die Spasspartei die Weltverbesserer ehelicht, muss ich danebenstehen und Reis streuen? Der Wald steht still und schweiget, und vertraut darauf, dass es rechtzeitig regnen wird, aber nicht zu viel auf ein mal. Ist das zeitgemäß? Wenigstens freitags?

Wahrscheinlich nicht, weil es funktioniert ganz ohne Smaatfon und verbraucht keinen Strom. Das ist voll unkuhl alder ey.
Der Stoizismus erfreut sich gerade heutzutage einer sehr großen Beliebtheit, was dafür spricht, dass der Stoizismus durchaus noch zeitgemäß ist, angepasst an die heutige Zeit, wobei ich persönlich den antiken Stoizismus in seiner vollen Philosophie reichhaltiger empfinde als die heutigen stoizistischen Coaching-Ableger, die sich zudem auf die Kognitionspsychologie als Nachläufer des Stoizismus berufen können. Der antike Stoizismus entstand in einer Zeit der zunehmenden Globalisierung des römischen Reichs. Passt also schon zu unserer Zeit.

Der Stoiker Marcus Aurelius Antonius, Selbstbetrachtungen. XII 6+9, X 34.

"Gewöhne dich auch an Dinge,
deren Ausführbarkeit du anfangs bezweifelst.
Fasst du ja auch mit der linken Hand
dennoch die Zügel kräftiger an als mit der rechten;
obgleich die linke aus Mangel an Übung gewöhnlich schwächer ist,
doch hierzu wird sie beständig gebraucht.

Bei Anwendung deiner Grundsätze
sei dem Ringer und nicht dem Zweikämpfer ähnlich.
Dieser nämlich wird niedergestochen,
sobald er sein Schwert verliert,
jenem aber steht sein eigener Arm immer zu Gebote,
und derjenige hat weiter nichts nötig,
als ihn recht zu gebrauchen.

Wer von den Grundsätzen der Wahrheit durchdrungen ist,
für den ist auch der kurze und allseits bekannte Spruch genügend,
um ihn an ein getrost furchtloses Wesen zu mahnen."


Quelle: Projekt-Gutenberg.org

Die philosophisch weltoffene Lehre der Stoa weist auf den eigenen intuitiven Zugang zur geistigen Welt hin ohne Hilfsmittel von außen, wie ein Ringer, der sich nur mit den eigenen lebendigen Armen behauptet ohne künstliche, tote Hilfsmittel wie ein Schwert, das nicht Teil von ihm ist, sondern ihm in die Hand gegeben wird als Vorlage und Methode, welche nicht von innen kommt.

Auch mir erscheinen all die Schwerter der Religionen, spirituellen Systeme, Ideologien und Denksysteme letzten Endes als nicht mehr lebendige, brüchige, erstarrte (Schwert-) Gerüste, die nur wie wegweisende Pfeile zur Inspiration & Erstorientierung taugen, mehr aber nicht.

Es ist gut, die Konstrukte zu kennen, aber letztlich gehe ich den Weg des Ringers und nicht des Schwertkämpfers. Lieber nicht alles im Schnellgang mit dem Schwert oberflächlich ergründen wollen, dafür profunde eigene Erfahrungen "erringen", die umgesetzt werden und sich in meinem Leben manifestieren. Nur das bringt die Mehrdimensionalität einer qualitativen Weiterentwicklung. Darauf will ich mich künftig noch mehr beschränken, um mehr Tiefe und Höhe zu erfahren.

Wer bestimmt die Richtung? Der Kutscher oder die Pferde? Es geht letztlich um Eigenständigkeit, Selbstbestimmung und Selbststeuerung.
Zur "Berg-Perspektive" auf Leben & Arbeitsweise

Der Stoiker Marcus Aurelius Antonius, Selbstbetrachtungen.
X 15, VIII 32, VI 16+35, III 4.

"Lebe wie auf einem Berg! Bringe in dein ganzes Leben
und in jede einzelne Handlung Ordnung!

Es kann sich ein Widerstand erheben,
vielleicht tritt etwas deiner Tätigkeit in den Weg.
Doch lässt du dir auch jenes Hindernis gefallen
und schreitest mit Überlegung fort zu dem,
was dir noch freisteht,
so tritt sogleich ein neuer Gegenstand der Tätigkeit an die Stelle
und wird sich in die Lebensordnung fügen, von der wir reden.

Denn jede Arbeit will nichts Anderes,
als die Dinge ihrem Zweck entsprechend gestalten,
Steht es damit gut bei dir,
so brauchst du dir um andere Dinge keine Sorgen zu machen.

Hörst du jedoch nicht auf damit,
auf eine Menge anderer Dinge Wert zu legen,
so bist du noch kein freier, selbständiger Mensch.

Sieh doch, wie der gewöhnliche Künstler
sich zwar nach dem Geschmack des Publikums richtet,
aber trotzdem an den Vorschriften seiner Kunst festhält
und ihren Regeln zu genügen strebt!

Indem er sich selten und nur in Hinblick auf das allgemeine Beste
mit dem beschäftigt, was ein anderer sagt, tut oder denkt,
wendet er seine ganze Tätigkeit seinen eigenen Angelegenheiten zu.

Und die Bestimmung,
die ihm die ewigen geistigen Naturgesetze auferlegen,
ist der beständige Gegenstand seines poetischen Nachdenkens."


Quelle: Gutenberg-Projekt.org

Das Berg-Zitat von Marcus Aurelius fasst das Leitziel meiner eigenen Handlungs- und Zielanleitung sehr gut zusammen. Ich nehme die von Marcus Aurelius Antonius beschriebene "Berg-Perspektive" schon länger ein seit dem großen minimalistischen Loslassen, äußerlich und innerlich. Ich bringe immer mehr Ordnung in mein ganzes Leben, grundsätzlich, insgesamt, jedoch auch konkret bis ins Kleinste, um meinem Leben eine klar strukturierte Richtung zu geben zu den Zielen, die ich realisieren möchte. Dabei setze ich ähnliche Prioritäten wie Marcus Aurelius, um meinen (Arbeits-) Alltag besser zu bewältigen.
Herausragende Eigenschaft ist die Unbeirrbarkeit des Stoikers. Die kann einerseits dazu führen, dass er sich auch auf Dauer nicht von seinen Vorhaben abbringen lässt, und so einem leitbildfixierten, religiösen Fanatiker wird, aber auch dazu, dass er sich an widrige Umstände anpasst, indem er diese auf fatalistische Weise ganz bewusst erduldet, und derweil seine Erwartungen auf ein Minimum herunterschraubt, bis wieder bessere Zeiten kommen.

Es ist jedoch lediglich die Tatsache, dass er ganz bewusst durchhält, ohne sich über sein Schicksal zu beklagen, was ihn stärker zu sein scheint, als ein Anderer, der auch nicht die Alternative hat, aktivisch die Umstände zu dulden oder abzulehnen, und somit zu einem passivischen Erdulder wird, dem nichts Anderes bleibt, als seinen Schmerz hinauszuschreien, um sich wenigstens in physischer Hinsicht von seinem seelischen Leidensdruck zu entlasten.

Ein dermaßen genügsamer und damit auch leidensfähiger Asket, der vor Allem die Reaktionsweisen seines eigenen Körper und nicht die widrigen Lebensumstände beherrscht, ist natürlich am besten von Stärkeren zu regieren (beherrschen), sodass er als der beste Untertan gelten kann, den sich ein tyrannischer Herrscher vorstellen kann.

Daher propagierten die römischen Kaiser seit Konstantin erfolgreich die gnostische Ideologie von der „geistigen Erlösung des Christus (Erleuchteten) vom physischen Leiden am Kreuze“, welches die 4 Elemente der Materie symbolisiert, an die der Mensch angeblich aufgrund einer „göttlichen Strafe für seinen Ungehorsam“ von Geburt an gefesselt ist.

Diesem Leiden kann er nach christlicher Auffassung nur mit stoischer Gelassenheit begegnen, bis seine Seele durch den Tod des Körpers endlich davon erlöst wird, und befreit gen Himmel schweben kann, sodass ein Widerstand zu Lebzeiten dagegen genauso sinnlos wäre, wie der eines Sklaven gegenüber seinem vorgeblich allmächtigen Herrn.

Zwar hat Buddha gegenüber den fatalistischen Hindupriestern, die ebenfalls das Erdulden des Leidens als höchste Tugend propagierten, einen Weg der „Selbstbefreiung von dem Leiden noch zu Lebzeiten“ propagiert, aber seine Lehren sind dennoch von strengen Verhaltensregeln geprägt, die er aus seiner Vorgeschichte als Asket als überlebensnotwendig erkannt hatte.

Daher ist auch alleine von der Anerkenntnis des Leidens selber, sowie der Kenntnis darüber, wie man sich idealerweise von der Ursache des Leiden befreien müsste, damit es nicht immer wieder aufs Neue entsteht (d.h. wiedergeboren wird), indem man lediglich an den Folgen herumdoktert, noch kein Allheilmittel gegen jegliches Leiden zu erwarten, sondern nur gegen das Leiden, was man sich durch „unangemessenes Handeln aufgrund von Unwissen“ noch zusätzlich selber bereitet.

So ist - frei nach Franz v. Assisi – 1. stoische Gelassenheit erforderlich, um unangenehme Umstände, welche man nicht ändern kann, klaglos hinzunehmen, 2. Mut und Risikobereitschaft, um Dinge zu ändern, die man ändern kann - auch wenn man nur einen Teil von dem erreichen kann, den man sich vorgenommen hat - , und 3. die Weisheit, das Eine vom Anderen zu unterscheiden, indem man seine eigenen, begrenzten Kräfte nicht für die falschen Unternehmungen vergeudet.
Ein gewisser pädagogischer Wunsch stand schon hinter der Schulrichtung der antiken Stoiker, gerade in Bezug auf die Disziplinierung der römischen Heere, was auch zwingend notwendig war.

Marcus Aurelius Antonius (seine Selbstbetrachtungen werden im englischsprachigen Raum heutzutage Meditationen genannt) findet nicht zufällig großen Anklang in der Kampfkunst-Szene, zusammen mit Sun Tzu (der chinesische Meister der Strategie und der Kriegführung) und Miyamoto Musashi (Das Buch der fünf Ringe - Klassische Strategien aus dem alten Japan).

Auch früher schon wurde Marcus Aurelius Antonius (im deutschsprachigen Raum oft kurz Marc/Mark Aurel genannt) vor allem von Adligen und Militärangehörigen zum Vorbild genommen, während die Kirchen und Franziskanerklöster im Sinne des einfachen Lebens eher Epiktet favorisierten. Auch ich ordne Epiktet eher dem Minimalismus zu (Reduktion von Besitz & Reizüberflutung), während Marc Aurel Zitat für Zitat zu meiner eigenen optimierten Handlungsanleitung passt, was derzeit für mich im Vordergrund steht.

Interessant übrigens, wie der erste römische Kaiser Augustus als Pontifex maximus (höchster Priester) auftrat, weil die römische Bevölkerung unzufrieden war mit der aufkommenden Unmoral. Das erklärt wohl auch den eigenen stoisch-moralischen Anspruch des späteren Philosophenkaisers Marcus Aurelius Antonius.

Ich fand einen interessanten englischsprachigen Artikel zum Stoizismus in der Stanford Encyclopedia of Philosophy plato.stanford.edu/entries/stoicism/

Im dort ebenfalls zu lesenden Artikel "Marcus Aurelius" wiederholt sich vieles aus dem Stoizismus-Artikel der Stanford Encyclopedia of Philosophy, aber um den Kosmos-Aspekt erweitert:
plato.stanford.edu/entries/marcus-aurelius/

Inhaltlich vergleichbar ist dazu der deutschsprachige Bibelwissenschaftsartikel "Stoa"
bibelwissenschaft.de/stichwort/53988/
Zweifellos stand der Stoiker Marc Aurel als römischer Kaiser und führender Feldherr des Öfteren auf einem Berg mit Sicht auf seine Soldaten, die fortlaufend an einem vernünftig erbauten, stabilen römischen Weg arbeiteten.

Zum Weg als Sinnbild der Lebensausrichtung

Marcus Aurelius Antonius, Selbstbetrachtungen.
X 12+33, VI 8, V 14, IV 51.

"Ruhig und doch zugleich leicht beweglich,
heiter und doch zugleich gesetzt
– so ist der Mensch, der in allem der Vernunft folgt.

Denn eben als einen Genuss musst du alles auffassen,
was du deiner eigenen Natur gemäß wirken kannst.

Und dies steht überall in deiner Macht.
Steht es ja bei dir zu untersuchen,
was im Augenblick zu tun ist.

Und wenn du das einsiehst,
wohlwollend und festen Schrittes
diesen Weg zu wandeln.

Das nenne ich die Seele
oder die Herrschaftsführende
im Menschen,
was ihn weckt und lenkt,
was ihn zu dem macht,
was er ist und sein will,
und was bewirkt,
dass alles, was ihm widerfährt,
ihm so erscheine, wie er es haben will.

Die Vernunft und die Lebenskunst sind Kräfte, die sich selbst genügen,
die keinen anderen Richter über ihre Äußerungen haben als sich selbst.
Sie haben ihr Prinzip und ihre Ziele in sich,
und richtig heißen ihre Handlungen,
weil durch sie der rechte Weg offenbar wird.

Immer wandle den kürzesten Weg, den du zu gehen hast!
Er ist der natürliche.
Man folgt da im Reden und Tun nur der gesunden Vernunft.
Du wirst dich auf diese Weise von mancher Sorge
und von manchem Ballast befreien."


Quelle: Projekt-Gutenberg.org


Gehe es in Etappenzielen an!

Dazu passend gibt es eine schöne Beschreibung zum römischen Brückenbau über Stromflussläufe im Youtube-Video "Antike: Wissen - Fakten - Hörbücher - Die Adoptivkaiser Teil 3: Antoninus Pius und Mark Aurel (Cassius Dio)" von 8:40-10:20

"Die Flussläufe (der Ströme) werden von den Römern fast mühelos überbrückt, da die Soldaten dauernd auch dies wie sonst eine Kriegsmaßnahme üben, sowohl an Ister (der Donau), als auch am Rhein und Euphrat. Der Vorgang, wahrscheinlich nicht allgemein bekannt, vollzieht sich folgendermaßen: Die Schiffe, mit deren Hilfe der Fluss überbrückt werden soll, sind breit gebaut und werden ein kurzes Stück stromaufwärts vor der geplanten Übergangsstelle verankert. Auf ein gegebenes Zeichen hin lassen sie als Erstes ein einzelnes Schiff nahe dem eigenen Ufer flussabwärts treiben. Kommt es dann auf die Höhe des Punktes, wo die Brücke entstehen soll, werfen sie einen mit Steinen gefüllten und an einem Seil befestigten Weidenkorb ins Wasser, der als eine Art Anker dient. Nachdem das Schiff derart vertäut ist, bleibt es in Ufernähe an seinem Ort. Und nun legt man zugleich mit Brettern und sonstigen Brückenbau-Materialien, welche das Schiff in großer Menge mit sich führt, ein Verdeck bis zum Landeplatz. Hierauf lässt man ein weiteres Schiff in geringem Abstand zum ersten und wiederum ein anderes jenseits davon flussabwärts fahren, bis so die Brücke das Gegenufer erreicht."

Quelle: Youtube-Video "Antike: Wissen - Fakten - Hörbücher - Die Adoptivkaiser Teil 3: Antoninus Pius und Mark Aurel (Cassius Dio)":
youtu.be/E6ZqWp-LWwQ

Schule der Inspiration - Was ist Stoizismus & stoische Philosophie - Ziele, Vorteile, Tugenden, Ansichten - auf Youtube:
youtu.be/xLYXQkMjI8w
Auf kürzestem Weg, wie es sich bei den geradlinig bauenden Römern als gängige Bauweise erfolgreich etabliert hat, führt die fortlaufend selbst erbaute Römerstraße zur steilen Küste mit Strand, wo nun vor Ort ein Schiff zu errichten wäre für die nächste Etappe.

Entwickle für Dein Ziel eine klare Vision - wie ein Schiff - und behalte dies im Fokus
- indem Du Ablenkungen davon loslässt.

"Wenn Du ein Schiff bauen willst,
dann trommle nicht Männer zusammen,
um Holz zu beschaffen,
Aufgaben zu vergeben
und die Arbeit einzuteilen,
sondern lehre die Männer die Sehnsucht
nach dem weiten, endlosen Meer."

(Antoine de Saint-Exupery)

“Wenn auf einer Seefahrt das Schiff am Lande hält
und du steigst aus, um Wasser zu holen,
so magst du wohl nebenher eine Muschelschale auflesen
oder einen Tintenfisch;
dein Augenmerk aber muss aufs Schiff gerichtet sein,
und du musst dich immer wieder umsehen,
ob nicht vielleicht der Steuermann ruft.
Ruft er dich, so musst du alles liegen lassen,
damit du nicht gebunden in das Schiff geworfen wirst,
wie es mit den Schafen geschieht.”

(Der Stoiker Epiktet)

Eine sachoffene innere Haltung sowie eine positive Einstellung und Bereitschaft zur Herangehensweise helfen, um EINEN Fokus zu finden!

Der Bunkerblick des Singletasking reicht bei mir noch nicht, um mich ausreichend zu fokussieren. Das geht nur, indem ich mich nicht von den Problemen treiben lasse (viel Willensaufwand nötig), sondern von meinen Zielen beflügelt werde (die Zielvorstellung ist stärker als der Wille).

Die Konzentration auf EINEN Fokus erinnert mich an den bekannten Leitsatz des römischen Philosophenkaisers Aurelius zu diesem Thema:

Marcus Aurelius Antonius, Selbstbetrachtungen. VIII 36, VII 29:

“Lass dich nicht durch die Vorstellung deines Lebens
*in seiner Gesamtheit* entmutigen!
Fasse nicht *alle* Leiden, welche vielleicht noch an dich kommen können,
nach Beschaffenheit und Menge *auf einmal* in Gedanken zusammen,

sondern frage dich vielmehr bei jedem gegenwärtigen Vorfalle:
Was ist denn daran eigentlich so gar nicht zu ertragen und auszuhalten?

Erinnere dich ferner, dass weder das Zukünftige noch das Vergangene,
sondern immer nur das Gegenwärtige dich drücken könne,
letzteres aber vermindert werde, wenn du *es allein* ins Auge fasst
und deine denkende Seele davon überführst,
dass sie nicht einmal diese *kleine Bürde* aushalten könne.

Mach den Einbildungen ein Ende!
Hemme den Zug der *Leiden*-schaften!
Behalte die Gegenwart in deiner Verfügungsgewalt!
Mache dich mit dem, was dir oder einem anderen begegnet, vertraut.
Trenne und zerlege jeden Gegenstand in seine Ursache und seinen Stoff!”


Quelle: Projekt-Gutenberg.org

Solche Zitate oder Redewendungen können helfen, sich in Schwung zu bringen. Mir hilft der Slogan "Go with the Flow", aber ich schrieb dazu vorgängig eine persönliche Handlungsanleitung und dieser Slogan und ähnliche Sätze verankern es in meinem Gedächtnis, um es jederzeit abrufen zu können. Marc Aurel weist auch auf diese Methodik hin mit seinem Hinweis auf den allseits bekannten Spruch als Mahnung und Ankerformel zur Furchtlosigkeit. Einfache anschauliche Bilder haben eine größere Wirkungskraft als Worte allein.

Marcus Aurelius Antonius, Selbstbetrachtungen. Quelle: Projekt Gutenberg.
"Wer von den Grundsätzen der Wahrheit durchdrungen ist,
für den ist auch der kurze und allseits bekannte Spruch genügend,
um ihn an ein getrost furchtloses Wesen zu mahnen."


Auf diese Weise versuche ich, mich in den aktiven Flow des Singletasking zu versetzen, damit der anfängliche Aufwand weniger weh tut und der Antrieb besser fließt. So hilft es mir, vorgängig meine selbst geschriebene Handlungsanleitung und dazu passend Zitate des Stoikers Marc Aurel sowie Kerninhalte der antiken Stoiker zu lesen, z. B. Logos als gestalterisch tätiges Prinzip, Materie als zu gestaltendes passives Prinzip, wie Yin und Yang.

Es braucht jedoch für die Umsetzung eine ausreichend eigenreflektierende lebensthematische "Durchdrungenheit" und Selbstkonditionierung wie beim Reiten & Ringen, damit es sozusagen auf Knopfdruck aktiviert wird, worauf Marc Aurel hinweist. Deshalb lese ich die Zitate öfter.

Marcus Aurelius Antonius, Selbstbetrachtungen. Quelle: Projekt Gutenberg.
"Gewöhne dich auch an Dinge,
deren Ausführbarkeit du anfangs bezweifelst.
Fasst du ja auch mit der linken Hand
dennoch die Zügel kräftiger an als mit der rechten;
obgleich die linke aus Mangel an Übung gewöhnlich schwächer ist,
doch hierzu wird sie beständig gebraucht."


Synchronisiere dabei Deine linke mit Deiner rechten Gehirnhälfte, damit sie im Einklang miteinander arbeiten!
z. B. durch schöne Erinnerungen der Selbstwirksamkeit.

Youtube: Acerting Art - Klänge der Natur mit entspannenden Ozean-Sounds zum Schlafen
https://youtu.be/YhEyQm5WKOU

Youtube: Super Focus - Flow State Music - Alpha Binaural Beats, Study Music for Focus and Concentration
https://youtu.be/p2_zDvtPQ-g

Hier scheint jemand eine dringende Mission zu verfolgen. 8)



Schön, dass die bisherigen User des Threads wieder aktiv werden. :mrgreen:
Ihr habt eindeutig zu wenig aus diesem interessanten Thema herausgeholt. Lag wohl an den fehlenden Kenntnissen dazu. Das will ich nun nachholen.
***

Das Schiff ist gebaut, aber der Sturm tobt in der See und prescht in harten Wellen an die ungeschützte Felsküste.

Wie die windstille, sichere Hafenbucht abseits vom Sturm als nächstes Ziel erreichen?

Zu den Stürmen des Lebens

Der Stoiker Marcus Aurelius Antonius, Selbstbetrachtungen.
IV 49, XII 14, II 7, XI 23, XII 22.

"Wie der Fels im Meere,
an dem die Wellen unaufhörlich rütteln
- hier steht,
sodass ringsum der Brandung Ungestüm sich legen muss
- so stehe auch du!
Denke, es sei kein Unglück,
aber ein Glück ist´s,
es mit edlem Mut zu tragen.

So erfreue dich an dem Gedanken, dass du mitten
in solch einem Wogensturm in dir selbst
an der Vernunft eine Lenkerin hast.

Warum dich durch die Außendinge zerstreuen?
Nimm dir Zeit, etwas Gutes zu lernen
- und höre auf,
dich wie im Wirbelwind
umhertreiben zu lassen.

Sokrates nannte die Meinungen der Menge Poltergeister,
Schreckgestalten für Kinder.

Alles ist Meinung, und diese hängt ganz von dir ab.
Räume also, wenn du willst, die Meinung aus dem Wege,
und gleich dem Seefahrer, der eine Klippe umschifft hat,
wirst du unter Windstille auf ruhiger See
in den sicheren Hafen einfahren."


Quelle: Projekt-Gutenberg.org


In der stoischen Seelenruhe liegt Kraft & Glück

Marcus Aurelius Antonius, Selbstbetrachtungen.
IV 3, III 5, VII 33.

"Es steht dir ja frei,
zu jeglicher Stunde
dich in dich selbst zurückzuziehen,
und nirgends finden wir
eine so friedliche
und ungestörte Zuflucht
als in der eigenen Seele.

Dann findet man die Heiterkeit der Seele,
wenn man sich gewöhnt,
der Hilfe von außen her zu entbehren
und zu unserer Ruhe
anderer Leute nicht zu bedürfen.

Man soll aufrecht stehen,
ohne aufrecht gehalten zu werden!

Durch Sammlung in sich selbst
bewahrt dabei die denkende Seele ihre Heiterkeit,
und die in uns herrschende Vernunft
erleidet keinen Schaden."


Quelle: Projekt-Gutenberg.org