Wer sich bewusst ist, wie lebensgefährlich das Leben ist, geht achtsamer damit um, als wenn er es verdrängt, weil er vor Todesangst wie gelähmt nicht leben kann.

So schwankt der Mensch zwischen überbordender Freude, wenn er sein Leben sorglos genießen kann, und geht hohe Risiken ein, um seine hochfliegenden Pläne zu verwirklichen, bis er sich angesichts des Todes Anderer seiner eigenen Sterblichkeit bewusst wird, und seine Erwartungen auf ein Minimum zurückschraubt, in der Hoffnung, dem Tode dadurch noch paar Jahre länger zu entrinnen, indem er auf Sparflamme lebt, und möglichst wenig von seiner Lebenskraft vergeudet.

Dabei beginnt der Weg des Vergehens, der dem des Werdens entgegengesetzt verläuft, bereits auf dem Höhepunkt des Lebens und ist mit vielen bitteren Einsichten in die Endlichkeit der eigenen Leistungsfähigkeit gepflastert, auf die es bei der Zukunftsplanung Rücksicht zu nehmen gilt, um doch noch erfolgreich und damit glücklich zu sein.

Der Verlust der eigenen Leistungskraft macht es notwendig, fremde Leistungskraft in Anspruch zu nehmen, und macht daher versicherungsbedürftig. Wer zeitlebens in seine sozialen Beziehungen investiert hat, und nicht nur als rücksichtsloser Egoist aufgetreten ist, braucht sich auch nicht zu schämen, wenn er sich dann am Ende seiner Tage auch von Anderen helfen lässt.

Die echte christliche Solidargemeinschaft hilft dem Bedürftigen darüber hinaus sogar, wenn er sich nicht als würdig erwiesen hat, weil sie sich die Nächstenfürsorge ohne Ansehen der Person auf die Fahne geschrieben hat, um ein Stück weit den sozialen Himmel auf Erden zu schaffen, damit man nicht aus dem Leben scheiden muss mit der Erkenntnis, es sei ein Jammertal, in dem sich das Leben gar nicht lohnt.

Da man den Verlust des Lebens nicht verhindern kann, braucht man das Loslassen auch nicht zu lernen und zu üben, denn was Einem entrissen wird, muss man irgendwann zwangsläufig loslassen – egal, ob man es nun will, oder nicht. Dabei spielt vielleicht nur der Gemütszustand noch eine Rolle, der sich danach richtet, ob man sein Leben gehasst hat, sodass man sich freut, dass das Leiden bald zu Ende ist, oder ob man es geliebt hat, und man traurig deswegen ist, dass es nicht ewig dauert.

Hier empfiehlt der Fatalist stoischen Gleichmut gegen die Wut darüber, dass immer die Falschen früh sterben, und gegen die physischen Schmerzen ein Betäubungsmittel, was auch darin bestehen kann, dass man gemeinsam mit Anderen die Freude über das gemeinsame Leben und die Trauer über den bevorstehenden Abschied von Andern, die bald nicht mehr da sein werden, besingt – und dabei auch ausreichend dem Weine zuspricht, um seine Verlustangst darin zu ersäufen.

https://www.youtube.com/watch?v=tT8WpDz ... rt_radio=1
@filofaxi schreibt:
"Da man den Verlust des Lebens nicht verhindern kann, braucht man das Loslassen auch nicht zu lernen und zu üben, denn was Einem entrissen wird, muss man irgendwann zwangsläufig loslassen – egal, ob man es nun will, oder nicht. "

Da bin ich der gleichen Meinung!
Meines Erachtens ist es viel wichtiger, jeden Tag auf's Neue das Leben zu lernen, anstatt die Zeit einfach verstreichen zu lassen.
Ich fühl mich zwar grad keiner Diskussion gewachsen, aber mal kurz beim Drüberlesen hier,

kommt mir der Gedanke, wieso man denn das Leben immer bewusst leben soll und vollstopfen,

mal einfach verstreichen lassen, wer das so möchte, ist doch auch eine Alternative.
Herrlich @Melissa56! :D

Wie sagt der bayrische Kabarettist Günter Grünwald immer?

"Bleims so, wias sann, wos anders bleibt eahna sowieso ned übrig!"

(Bleiben Sie so, wie Sie sind, etwas anderes bleibt Ihnen sowieso nicht übrig!)

Diesen Satz kann man hier in ähnlicher Denkweise übernehmen... :-)
Wenn ich mein Leben bewusst lebe, stopfe ich es doch nicht einfach voll. Bewusst leben hat etwas mit der Wahrnehmung zu tun und nicht mit dem füllen von von irgendwas.
Melissa56 hat geschrieben: Ich fühl mich zwar grad keiner Diskussion gewachsen, aber mal kurz beim Drüberlesen hier,

kommt mir der Gedanke, wieso man denn das Leben immer bewusst leben soll und vollstopfen,

mal einfach verstreichen lassen, wer das so möchte, ist doch auch eine Alternative.

Die Zeit verstreicht ganz ohne unser Zutun, das ist sicher zeitweise ganz angenehm, aber ständig?
Bewusstes Leben hat sicher nichts mit Vollstopfen zu tun, sondern eher damit, dass man JETZT das macht, was Freude bereitet und nicht immer auf später verschiebt, denn dann kann es zu spät sein.
Sich aussuchen zu können, was man noch erleben möchte,
eine Wahl zu haben,
eine Entscheidung treffen zu können,

ist ein kostbares Gut, vor dem ich Respekt und alle Achtung habe.

Nur kommt bei mir dabei auch der Gedanke auf, was ist wichtig im Leben,
was ist MIR wichtig ? Gibt es noch etwas wichtiges, das ich unbedingt erleben möchte ? Dann sollte man es machen.

Ich habe aber dieses Gefühl nicht, daß ich etwas versäume, es gibt sicher schöne Augenblicke, die ich mir noch wünsche, aber sie sind nicht Grundlage für die Zufriedenheit.

Man kann sich echt stressen mit dieser ganzen Sinnsucherei.

Ich wollte übrigens mit einer bestimmten Anzahl Männer in meinem Leben Sex haben. Einer fehlt noch :-))))))
Na dann mach dich zackig auf die Suche, nach dem Sinn kannst du ja später immer noch suchen.
Es gibt viele Leute, die vor dem Sterben nicht zu leben gelernt haben.

Lernen ist zumeist eine Übung von Versuch und Irrtum (trial and error) - versuchsweise sterben geht schon mal nicht.
Wer erfolgteich war beim Sterben wird kaum einen nachhaltigen Nutzen daraus ziehen können.
ein bißchen habe ich ja ein schlechtes Gewissen wegen meiner "Traumzeiten"....
bis heute "vertrödele" ich mein Leben....
hab das sogar dann noch gemacht, als ich beruflich total im Stress war....

vielleicht bin ich nicht normal....egal .....jetzt gehts wieder an mein Lesefutter....
da bin ich in anderen Zeiten und in anderen Ländern.... :wink:
Man kann lernen zu akzeptieren, dass "die Kreise immer enger werden".
Das geht bei den so unterschiedlichen Menschen auch verschieden schnell.
Wenn man sein Leben so akzeptieren kann, wie es war, kommt man innerlich zur Ruhe und erfreut sich an den Dingen, die man für sich als schön empfindet und die machbar sind.
Die Turbulenzen meines früheren Lebens vermisse ich absolut nicht und genieße das friedliche "Dahinschlenzen"
Man entfernt sich im Alter zunehmend von dem "lauten Leben".
Und das finde ich gut.
Ist das soetwas wie "Sterben lernen"?
Melissa56 hat geschrieben:
..............
Ich wollte übrigens mit einer bestimmten Anzahl Männer in meinem Leben Sex haben. Einer fehlt noch :-))))))


@Melissa, du hast es geschafft, bei diesem ernste Thema "Sterben lernen" eine humorvolle Sichtweise reinzubringen! :wink:
Da ich mir nie eine bestimmt Anzahl von Sexpartnern gewünscht habe, war das auch nie ein wichtiges Ziel für mich.
Mein größter Wunsch war immer, einmal die große Liebe zu erleben und ich habe sie erlebt, also ist alles gut!
Ach ja, ich war noch niemals in New York, das wärs's! :wink:
Wenn man sein Leben kurzweilig gestaltet, solange man noch dazu in der Lage ist, braucht man nicht vorzeitig an Langeweile zu sterben.

Das trifft auch auf Sisyphos zu, der immerhin jedesmal aufs Neue die Chance hat, den Stein erfolgreich bis nach ganz oben auf den Berg zu rollen, um sich dann beim Herabsteigen wieder davon zu erholen, und gestärkt wieder von vorne beginnen zu können, wie es bei jeder Routinearbeit im Leben der Fall ist.

Richtig frustrierend wäre es erst, wenn der Berg kein Ende hätte, sodass das Tagesziel niemals erreicht werden könnte.

Ich wollte übrigens früher auch mal hoch hinaus auf den 6000 m hohen Gipfel des Kilimandscharo, wozu mir mittlerweile wohl die nötige Puste fehlt. Also werde ich mich mit einem Film darüber begnügen, was ja auch nicht schlecht ist, und vor Allem wesentlich ungefährlicher.

https://www.youtube.com/watch?v=hWHusa4uGB0
@ filofaxi!
Wenn die Überschrift "Leben lernen" heissen würde, gefiele sie mir besser!
Das Leben ist schön, wenn man es mit den richtigen Leuten verbringt, sage ich jetzt einfach mal so!
Ich möchte noch nicht ans Sterben denken, dafür habe ich schon genug um mich herum kennengelernt, so daß ich mich lieber mit den schönen Dingen im Leben beschäftige!
Ich möchte noch einige neue Dinge kennenlernen, neue Menschen entdecken, neue Städte anschauen, evtl neue Hobbys entdecken?
Solange ich noch einigermaßen gesund bin, werde ich das tun, evt. sogar mit einem lieben Partner an meiner Seite, die Hoffnung habe ich noch nicht aufgegeben! :)
Da habe ich zufällig heute einen schönen Spruch gelesen:

Es ist nicht wenig Zeit, die wir haben,
sondern es ist viel,
was wir nicht nützen
Seneca
:) :) :)
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