Hallo liebes Forum,

der Bereich Estorik scheint sich keiner großen Kommunity zu erfreuen.
Viele Posts liegen schon lange zurück ;-)

Ich denke es ist an der Zeit einen neuen Thread zu eröffnen und ich hoffe, ein paar Tarot-Begeisterte zu eine regen Austausch zu finden.

Ich nehme zur Beantwortung von (Lebens-)Fragen gerne mehrere Aspekte zur Hilfe. Das Legen von Karten hat da durchaus seine Berechtigung. Es gibt eine Reihe von verschiedenen Tarot-Decks. Ich nutze zum Legen meist das Rider Tarot und gelegentlich das Deck von Crowley, aber auch andere...
Habt ihr bestimmte Favoriten? Welche Decks nutzt ihr?

Darüberhinaus interessiere ich mich für verschiedene Legetechniken....

Soweit erst einmal

Liebe Grüße

noname2018

Hallo noname,

ich antworte Dir nach einigem Zögern, weil ich keine Esoterikerin bin bzw. die Zeiten, in denen esoterische Themen mich beschäftigt haben, schon ca. 35 Jahre zurückliegen.

Damals war die Zeit des "New Age", in der all die Themen, die wir heute esoterisch nennen, insbesondere aus den USA zu uns herüberschwappten und viele jüngere Menschen wie mich damals faszinierten. Es ging im Grunde um neue Wege der Selbsterforschung ...

Auch das Tarotkarten-Legen war damals sehr beliebt - es gab sogar Volkshochschulkurse zum Thema. Ich besitze seit damals die beiden Tarotdecks, die Du erwähnt hast: Das Rider-Tarotspiel mit den einfach gezeichneten Motiven und legte mir etwas später noch das Crowley-Tarotspiel zu, das mit den wunderschön gemalten und komplexer gestalteten Motiven. Ich habe dann nur noch das letztere benutzt, weil es einfach ansprechender war und es dazu auch ein ausführlicheres Handbuch mit Anweisungen für zahlreiche Lege- und Deutungsmöglichkeiten gab.

Aber ich denke, ich sollte jetzt zunächst einmal erklären, von welcher  grundlegenden Art mein Interesse und meine Einstellung bezüglich des Tarotkarten-Legens eigentlich waren und wie ich heute dazu stehe:

Ich habe im Trarotkartenspiel nie etwas anderes gesehen, als ein Spiel! Die "Magie", die es subjektiv betrachtet entfalten kann, wenn man sich ernsthaft darauf einlässt, liegt nicht im Spiel selbst und kommt auch nicht von außen, sondern ist Bedtandteil der eigenen Psyche, deren Vielschichtigkeit sich durch die assoziative Beschäftigung mit den Bildern der Karten in erstaunlicher Weise eröffnen und zugänglich machen kann. 

Die Kartenmotive selbst sind nur Medien, die Anregungen zu geben vermögen, um die eigenen inneren Bilder hervorzurufen und in Bewegung zu setzen. 

Es existieren viele andere assoziativ auf uns einwirken könnende "Bilderwelten" in unserer Umwelt, um einen ähnlichen Effekt zu erzielen, zum Beispiel Wolkenbilder, abstrakte und unregelmäßige grafische Strukturen auf Tapeten oder Marmorfliesen - oder sogar im Kaffeesatz. Das bekannteste Beispiel eines Mediums zur Anregung von Assoziationen in der Psychologie ist wohl der "Rohrschach-Test".

Im Unterschied dazu entsprechen Tarotkartenbildmotive einem System bestimmter, oft uralter archetypischer  Bedeutungsmuster von möglichen menschlichen oder gar göttlichen Wesensmerkmalen. Die Numerologie und alte religiöse Texte (z.B. die jüdische Kabbala) spielen  eine weitere wesentliche Rolle. Man kann dazu heute vieles im Internet recherchieren, um die Entstehungsgeschichte(n) zu eruieren. 

Ich will aber auf etwas anderes hinaus:

Wenn ich mich mit Tarotkarten beschäftige, öffne ich mich zunächst einmal für alle möglichen Assoziationen, die der Anblick der Bilder in mir auslösen kann. Das bedeutet, dass spontan bestimmte Gefühle und Gedanken entstehen können, die je nach Grad der Intensität das Bedürfnis nach Klärung der Bedeutung hervorrufen. 

Je mehr ich mich dabei einem von anderen bestimmten System der Deutungsmöglichkeiten unterordne, desto weniger Spielraum bleibt mir, den Umgang mit diesem Medium nach eigenen Vorstellungen auszugestalten. 

Mein Wunsch war es immer, das Ganze im Bereich des Spielerischen zu belassen und die Ergebniss keinesfalls todernst zu nehmen. Daher habe ich aus vorgegebenen Lege- und Deutungsmöglichkeiten nur die einfachsten ausgewählt und mir sehr viel Spielraum im weiteren Umgang gelassen. - Das entspricht am ehesten meiner Persönlichkeit. 

Die "Magie" des Spiels  entstand für mich sehr bewusst nicht  etwa aus unerforschten Sphären außerhalb - sondern ausschließlich innerhalb meiner selbst!

Allerdings nutzte ich die Beschäftigung mit den Tarotspiel damals tatsächlich oft dafür, mich besser durch Zeiten quälender Ungewissheiten in bestimmten Situationen zu geleiten und zu stützen. Als ich mich zum Beispiel verliebt hatte und von Verlustängsten geplagt wurde oder in sonstigen wichtigen Situationen mit ungewissem Verlauf und Ausgang, griff ich auf das Tarotkartenspiel zurück, um mir ein wenig mehr Gewissheit zu verschaffen - was aber natürlich nie wirklich gelingen konnte, weil die Karten an sich nicht "magisch" sind.

... Was tatsächlich geschah: Ich beschäftigte mich aus verschiedenen Perspektiven mit meinem jeweiligen Problem - und kam dabei nicht selten auf ganz neue Gedanken (!), die mir halfen, meine Situation anders und evtl. sogar neu zu bewerten... und letztlich besser zu bewältigen!  

Mir war aber, wie gesagt, von Anfang an immer bewusst, was da eigentlich geschah: Nichts Mystisch-Magisches, sondern durch das Spiel angeregtes Psychologisches!

Ich spiele heute nur noch sehr selten das Tarotspiel - zum einen, weil ich in meinem Alter inzwischen nur noch sehr selten völlig ratlos bin - und zum anderen, weil ich ein äußeres Medium meist nicht mehr brauche, um meine psychischen Kräfte in Gang zu setzen. 

Ich weiß nicht, ob Du mit meinen Ausführungen überhaupt  etwas anfangen kannst. Aber so hast Du hier wenigstens eine Antwort bekommen.

Ich wünsche Dir alles Gute
und grüße Dich,
V.



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