Die Sprachbereinigung nimmt weiter Fahrt auf. Nachdem die Speisekarten deutscher Gaststätten weitgehend diskriminierungsfrei sind, ist jetzt die Landkarte an der Reihe. Und man wird schnell fündig. Negernbötel, wer kennt es nicht. Stammt zwar aus dem 14. Jahrhundert und hat nichts mit dem bösen N-Wort zu tun, ist aber eindeutig diskriminierend. Die Grüne Jugend verlangt deshalb zu Recht die Umbenennung. Sofort fällt einem noch Waldmohr, Mohrbach etc. ein. Damit muss jetzt Schluss sein. Kein Rassismus mehr bei Städtenamen!
Von Kleist stammt eine Anekdote über Bach und sie ist im Grunde nur ein einziger Satz echt kleistischen Aufbaues:

Anekdote.
Bach, als seine Frau starb, sollte zum Begräbnis Anstalten machen. Der arme Mann war aber gewohnt, Alles durch seine Frau besorgen zu lassen; dergestalt, dass da ein alter Bekannter kam, und ihm für Trauerflor, den er einkaufen wollte, Geld abforderte, er unter stillen Tränen, den Kopf auf den Tisch gestützt, antwortete: „sagt’s meiner Frau.“


So oft ich einen Text von Kleist lese, meine ich zugleich eine Musik zu hören, nur zu entfernt, um die Noten niederschreiben zu können. Vergleiche ich dieses Deutsch mit dem, was nach mehreren unsinnigen Reformen und steter politischer Einflussnahme heutzutage gesprochen und geschrieben wird, so kommen mir fast die Tränen, und ich bin froh, dies in zwanzig Jahren wohl nicht mehr erdulden zu müssen.
im Orf Steiermark gibt es einen Moderator - Franz Neger - wundere mich, dass dieser seinen Namen behalten durfte. Der Orf ist doch sonst so in und eifert dem deutschen Fernsehen nach.
und in Wien bekommst einen "Mohr im Hemd" ........Gratiszustellung ab 12 Euro :D
monamarie hat geschrieben: im Orf Steiermark gibt es einen Moderator - Franz Neger - wundere mich, dass dieser seinen Namen behalten durfte. Der Orf ist doch sonst so in und eifert dem deutschen Fernsehen nach.

In Deutschland sehr bekannt war der leider allzu spät verstorbene singende Dachdeckermeister Ernst Neger, eine Ikone der Mainzer Fassnacht. Auf sein Geschäft, dass tatsächlich ein Schild mit dem bösen N-Wort ziert, wurden deshalb schon mehrere Anschläge verübt.
Wäre die Ursache eine geistige Unverträglichkeit mit der Beschallung durch seinen größten Hit, das "Humba-Tätärä" gewesen, so wäre das zumindest nachvollziehbar.

Zum Gendern - oder einfach:
Berücksichtigung der weiblichen Form


Die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes wurden schon vor Jahrzehnten seitens der Arbeitgeber aufgefordert, künftig immer auch die weibliche Form mit aufzuführen, insbesondere in den Briefen an die Bürgerinnen und Bürger, aber auch im internen Schriftverkehr. In Vordrucken wurde wegen Platzmangels der Einfachheit halber oft der Schrägstrich verwendet (Antragsteller/in). Das alles zu einer Zeit, als "gendern" dafür noch kein Begriff war.

Die Feministinnen, Feministen und Grünen führten das Binnen-I (BürgerIn) ein und die öffentliche Thematisierung  der Diversität der Geschlechter führte zum Gender-Sternchen und inzwischen weiteren Formen, die das Binnen-I ablösten.

Da diese Zusammenfassungen einerseits nicht offiziell vorgesehen sind und auch nicht von jedem gern verwendet werden, andererseits die weibliche Form aber auch nicht wieder komplett hinten runter fallen soll, wie ganz früher - können sich doch stattdessen alle gutwilligen, toleranten  und für Gleichberechtigung eintretenden, also nicht ewiggestrigen Männer und Frauen selbstverständlich einfach wieder für beide Formen entscheiden - also z.B. für die "Bürgerinnen und Bürger".

.. Dabei wird dann auch die "schöne deutsche Sprache" ganz richtig verwendet und keineswegs verhunzt.




Hier ist das Gendern in den Medien wieder ein sehr präsentes Thema. Für und wider wird heftigst diskutiert und die Pro's halten sich mit den Kontra's die Waage. Dabei stellt sich mir die Frage:
Welchen Sinn hat das Ganze oder ist es ein Wahn von einigen wenigen Befürworter*innen?
Vielleicht ist es aber nur Wahnsinn .... :mrgreen: *)

*) Ich fordere bei den Icons eine mrsgreen !! :lol:
Ich warte schon auf die neu bearbeitete Fassung des Faust, die dann so beginnen dürfte:

Raphael:
Die Sonne tönt, nach alter Weise,
In Bruder-/Schwestersphären Wettgesang,
Und seine/ihre vorgeschriebne Reise
Vollendet er/sie mit Donnergang.
Ihr Anblick gibt den EngelInnen Stärke,
Wenn keiner Sie ergründen mag;
...


Oder in Schillers Verschwörung des Fiesco zu Genua könnte es dann heißen:
"Der Afroeuropäer hat seine Arbeit getan, der Afroeuropäer kann gehen!"

Aber die Sprache ist nicht das Problem und kann auch keine Lösung bieten.
In einem Land, in dem die 6000 Reichsten über deutlich mehr Vermögen verfügen, als die 40 Millionen der ärmeren Hälfte und die Verfassung das "Eigentum" garantiert, also diese Ungerechtigkeit zementiert, sind alle Diskussionen über Sprachregelungen nur Makulatur und Ablenkung von der tatsächlichen Ursache. Dadurch ändert sich ebenso wenig wie durch Wohltätigkeitsgalas.


Die Nachtlager

Ich höre, dass in New York
An der Ecke der 26. Straße und des Broadway
Während der Wintermonate jeden Abend ein Mann steht
Und den Obdachlosen, die sich ansammeln
Durch Bitten an Vorübergehende ein Nachtlager verschafft.

Die Welt wird dadurch nicht anders
Die Beziehungen zwischen den Menschen bessern sich nicht
Das Zeitalter der Ausbeutung wird dadurch nicht verkürzt
Aber einige Männer haben ein Nachtlager
Der Wind wird von ihnen eine Nacht lang abgehalten
Der ihnen zugedachte Schnee fällt auf die Straße.

Leg das Buch nicht nieder, der du das liesest, Mensch.

Einige Menschen haben ein Nachtlager
Der Wind wird von ihnen eine Nacht lang abgehalten
Der ihnen zugedachte Schnee fällt auf die Straße
Aber die Welt wird dadurch nicht anders
Die Beziehungen zwischen den Menschen bessern sich dadurch nicht
Das Zeitalter der Ausbeutung wird dadurch nicht verkürzt.

Bertolt Brecht