Hallo,
mich würde interessieren wie andere damit umgehen. Darf man nach neuen Kontakten schauen. Ist es zu früh? Hilft es nicht auch sich auszutauschen. Sich wieder neu auf etwas zu freuen. Der verstorbene Partner bleibt immer ein Teil des Lebens. Wie haben eure Angehörigen reagiert, wenn ihr neue Bekanntschaften gemacht habt?

Würde mich über einen Austausch zu dem Thema freuen.
Oktobermond :)
Hallo Oktobermond,
zuerst mein Mitgefühl für deine Lebensituation. Ich weiß, wie schwer die erste Zeit auszuhalten ist. In deinem Alter war ich auch verwitwet und bin es inzwischen leider zum zweiten Mal. Ratschläge zu geben ist nicht möglich, denn jeder hat eine eigene Biographie mit eigenen Erfahrungen und Möglichkeiten. Ein Austausch kann aber hilfreich sein. Ich wünsche dir hier zugewandte offene Herzen! Alles Liebe für dich!
Du darfst alles, wenn es Dir gut tut. Was Deine Verwandten sagen, darf Dich nicht interessieren. Du bist nur Dir verpflichtet, sonst niemandem.

Ich habe ein Jahr geweint und dann entschieden, es muss Schluss sein. Genau nach einem Jahr habe ich aufgehört zu trauern. Wochenendhaus aufgegeben, Witwenrente beantragt und alle Fotos, bis auf eines verbannt. Dann begann MEIN Leben. Reisen gemacht und neue Möbel gekauft, ständig neue Kleidung gekauft und dann noch ein Cabrio. Mich gepflegt, in einen Chor eingetreten, ein Atelier gemietet und...und...und

Jetzt, sechs Jahre später und nach einigen kurzen Bekanntschaften bin ich angekommen und habe seit 2 Jahren wieder einen Partner, doch mit 2 Wohnungen und so kann es bleiben.

Ich denke, jeder macht seine eigenen Erfahrungen und hat individuelle Wünsche. Wenn Du es kannst, erfülle sie Dir alle. Das Leben ist kurz und Du hast das Recht auf ein erfülltes Leben.

Ich wünsche Dir alles Liebe.
Hallo Oktobermond ,
Den Zeitpunkt weißt nur Du allein Du selbst, wenn Du Dich wieder öffnen magst für Neues. Männer suchen im Gegensatz bekanntl. sehr schnell Ersatz , woran wir Frauen in der Regel erst mal eine Weile zu knabbern haben an Trauerarbeit!
Trauern ist ein Hochleistungssport!
Ein jeder, der einen Verlust erlitten, ist ein Held !
Bekommst keine Auszeichnung für diese mühsame Arbeit , 'ne Belohnung u. Applaus und die wahre Trauerarbeit ist für andere unsichtbar !

Wie Andere reagiert hatten in meinem Fall ?
hm, also mein Schwager hat es mir nicht " gegönnt " - d.h. , ließ sich nicht mehr blicken u. meine Kids hatten " Ihn " eben damals zwangsläufig geduldet - sich aber ebenfalls rarer gemacht .....
Da ich ländlich wohne ,dort aufgewachsen bin u. jeder jeden kennt ,- wurde ich plötzlich ignoriert u. nicht mehr gegrüßt * ohoh
Seit es jedoch die Trennung dieser Beziehung bei der bei Dorfgemeinschaft durchgesickert war , sind sie alle wieder freundl. u. gesprächsbereit wie zuvor ! ;)
( auch Schwager kommt inzw. wied. gerne vorbei !)
Da gibt es schon teils enorm viel Engstirnigkeit mit fehlender Toleranz !
ach liebes Mohrle, hab jetzt grade mal so Themen überlesen und stoße auf Deinen Bericht! Das ist ja schaurig, was du da schreibst!

Ich verstehe es wirklich nicht, daß Menschen die sich aufgeklärt nennen so ...unaufgeklärt.... .d.h. wenig empathisch sind!
Kann schwer damit was anfangen!;-/

Wünsche Dir jedenfalls zugewandte, verständnis-und liebevolle Mitmenschen;-)

swimmy
Hallo Oktobermond,

lass dich von deinem Herzen leiten - tu was dir gut tut. Ich bin seit April verwitwet - an dieses Wort muss ich mich erst noch gewöhnen. Unter Corona Einschränkungen ist es nicht einfach eine Perspektive zu entwickeln, Menschen kennenzulernen, zu "treffen". Ich finde es gut, dass du diese Möglichkeit nutzt.
Ich wünsche dir herzliche Kontakte!
Herzlichen Dank an alle Damen!
Es tut gut zu lesen, wie ihr damit umgeht.
Warscheinlich ist es auch typisch, das wir bislang nur Frauen sind.
Nur wenige Männer trauen sich glaube ich über ihre Trauer zu reden.
Dazu gehört ja ein gewisses Selbstbewusstsein.
Ich erlebe das auch in einer von mir geleiteten Selbsthilfegruppe. Da geht es zwar um eine Erkrankung.
Aber zu 80% kommen Frauen.
Obwohl Männer genauso betroffen sein können.

Ich möchte auch nicht sofort in eine feste Beziehung flüchten, sondern erstmal mein Leben sortieren.
Wenn es da aber mal ein paar Treffen gibt. Gute Gespräche, etwas Gemeinsames herausfinden, würde ich mich freuen.
Leider muss man da ja auch sehr auf der Hut sein an keine Spinner zu geraten.
Mal sehen wie es sich entwickelt.
Gespräche und Austausch mit weiteren Frauen finde ich genauso interessant. Ich werde mich mal langsam durch die Foren arbeiten.
Und vielleicht schreibe hier ja auch weitere Betroffene/Interessierte.
Sowohl weiblich wie auch männlich.

Einen schönen Abend!
Oktobermond :D
Hallo Oktobermond,

im "verwitwet Forum" kannst Du Dich mit Betroffenen austauschen.
Habe dort sehr empathische Menschen kennengelernt.
Wünsche Dir viel Kraft auf diesem unendlich schmerzvollen Weg.

Liebe Grüße
Liebe Oktobermond,

aus Deinem Beitrag geht nicht hervor, wann Dein Mann starb.

Ich nehme aber an, dass er in der Corona-Zeit starb. Ihr habt es noch schlimmer gehabt als ich, der noch keine Begrenzung der Trauernden und raus gehen konnte und wo die Trauerkreise usw. geöffnet hatten.

Du hast nicht nur Deinen Mann, sondern mit ihm die Vergangenheit, die Gegenwart und die geplante Zukunft verloren.
Dir ist es sicherlich auch so ergangen, dass Du in den ersten 3 Monaten in einem Tunnel, der keinen Ausgang hatte, befunden hast und sonst nur reagiert hast. Es ist sehr wichtig, dass man in dieser Zeit einer Trauergruppe oder Ähnlichem anschließt. Wer dieses nicht macht oder seine Trauer nicht andererseits abbauen kann, der hat auch noch nach 10 Jahren und mehr auf einmal Trauerattacken und Weinkrämpfe. Meine Trauergefährtin habe ich mal gefragt, was sie aufrichten konnte nach dem Tod ihres Mannes.

Ihre Antwort:

"Ich glaube, in den ersten zwei Monaten gab es nichts, was mir geholfen hätte.
Vielleicht wenn jemand zu mir gesagt hätte, dass er weiß, wie schlimm es ist. Und das es für meinen Mann besser ist, nicht mehr leiden zu müssen und das er ein erfülltes Leben gehabt hatte. Dass es noch lange wehtun wird, aber, dass der Schmerz anders werden wird.
Was ich nicht hören wollte, war: Das Leben geht weiter, sei tapfer oder das steht jeden bevor. Also den Schmerz kleinreden.
In der ersten Zeit habe ich oft abends jemanden angerufen und über normale Sachen geredet, um meine Gefühle nicht zu spüren.
Oder ich bin zum Wald-Friedhof gefahren, um andere traurige Menschen zu beobachten, weil ich dann dachte, nicht so allein zu sein.
Auch habe ich sofort, alle Sachen von meinem Mann in Koffern gepackt damit es mich nicht ständig traurig machte, die Sachen zu sehen. Sortiert habe ich diese erst viel später."

Jeder geht auf seine Weise mit dem Tod seines Partners um, das habe ich in den Trauergruppen erkannt. Was dem einen "gut tat", war für den anderen ganz, ganz "schlimm".
Was ich besonders schlimm fand, übrigens auch meine Trauergefährtin, sind die immer wiederkehrenden Vorwürfe, die man sich selber macht und gegen die man nichts machen kann, obwohl einem immer wieder gesagt wird, du hast alles Menschenmögliche getan und dieses auch noch logisch erklärt, es hilft nichts, die Vorwürfe kommen immer und immer wieder. Bei mir, und auch bei den anderen Trauernden, wurden sie nach ca. einem viertel Jahr langsam weniger, bis sie irgendwann ganz aufhörten.
Es hat mir sehr gut getan, als ich mich gefragt habe, ob meine Frau mich so traurig sehen möchte und was ich von ihr erwartet hätte, wenn es umgekehrt gewesen wäre.
Man denkt ja kaum an den Tod, und wenn, dann suggeriert einem das Unterbewusstsein, man würde mit dem Partner zur gleichen Zeit sterben und die Welt ist wieder in Ordnung.
Leider ist es nicht so.
Sehr häufig ist es auch, dass viele nachts Geräusche hören. Oft so, als wenn der Partner die Treppe hochkommt oder Ähnliches und haben dann große Angst. Nach einiger Zeit sagen sich dann die Betroffenen, mein Partner möchte mir doch keine Angst einjagen, ganz im Gegenteil. Danach hören die Geräusche meist auf und wenn sie doch zu hören sind, "erfreut" es einen.
Liebe Oktobermond, ich wünsche Dir für die kommenden Zeit sehr, sehr viel Kraft und suche Dir bitte einen oder mehrere Gesprächspartner der / die auch einen Partner verloren haben.
Wenn man allein zu Hause sitzt, dann denkt man, warum ruft denn keiner an, ich möchte so gern mit jemand über meinen Mann/Frau über dies oder jenes reden. Keine 10 Minuten später denkt man, hoffentlich ruft keiner an. Wenn es einem selber schon so geht, woher sollen es dann die anderen wissen, wie es einem geht und was man im Augenblick möchte.

Jetzt aber zu Deiner Frage, ich bin jetzt allein, habe also nicht Deine Befürchtung, was das Umfeld denkt.

Es ist Dein Leben, liebe Oktobermond.

Was Dir gut tut, ist richtig und wichtig.

Es gibt hier in Norddeutschland einen Spruch, der gut passt:

Do wat du wullt de Lüüd snackt doch.
Du kannst machen, was Du willst, die Leute reden doch über Dich.

Ich bin nach fast 2 Jahren nach dem Tod meiner Frau hier eingestiegen. Mein Profil wird gut besucht, und ich habe schon einige "Lächeln" und Kontaktanfragen bekommen. Aber es ist für mich immer noch sehr schwer, hierauf zu reagieren bzw. häufig möchte ich die ganze Sache abbrechen, obwohl doch mein innigster Wunsch ist, mein restliches Leben nicht alleine zu verbringen. Ich hätte nicht gedacht, dass mich diese Suche so mitnimmt.

Ich weiß nicht, ob ich Dir helfen konnte, aber jetzt weißt Du, wie es anderen geht und was für Probleme sie haben.

Viel Kraft und alles Gute für die Zukunft

Waltheri
Hier wurde nach der Reaktion der Männerwelt auf den Status Witwe gefragt.
Ich habe eigentlich nur 2 Alternativen kennengelernt.
- Wie lange bist Du denn schon Witwe?
Im Sinne bist Du denn schon wieder bindungsfähig oder "klagst" Du noch?
- Ich bin gerade Witwer geworden. Laß' uns doch gemeinsam die schwere Zeit überstehen.
Offenkundig Trostsuchende, die meine aktuelle Lebenssituation noch gar hinterfragt hatten.
@Waltheri
herzlichen Dank für diese ausführliche Antwort.
Mit einigen Dingen hast du Recht.
Es ist alles unter Corona passiert, was es nicht einfacher gemacht hat.
Abschied nehmen mit Einschränkungen, ein Auswahl an Trauernden zu treffen. Alles schrecklich.
Es gab keine Vorwarnung, keine konkrete Erkrankung.
Wir wollten gerade richtig in den Ruhestand starten. Alle unsere Träume endlich verwirklichen.
20 Jahre vorher nur Wochenendbeziehung. Es ist immer noch unglaublich.
Ich kenne aber das Alleinsein, das hilft mir irgendwie.
Viele Freunde und meine Familie sind da, manchmal zuviel!
Warum ich hier gelandet bin? Ich weiß es eigentlich nicht. Vielleicht weil man aus der Anonymität heraus Kontakt hat.
Ich würde reisen, am Meer spazieren gehen, entfernte Freunde mit meiner Hündin besuchen. Einen Tanzkurs und weitere Kurse besuchen, Ablenkung suchen.
Mir etwas Gutes tun!
Aber.....Corona!
Es ist schon eine harte Prüfung!
Aber ich merke, das jeder Tag vergeht.
Tage vor denen man Angst hat genauso wie "Freudiges".

@Curry
Oh, ja man steht unter Beobachtung!
Nachbarn die in Sorge sind und welche die einfach unverschämt sind.
Dann platzen welche vor Neugier und andere haben gar keine Veränderung bemerkt.
Da muss man durch.
Gott sei Dank habe ich ein gutes Selbstbewusstsein.

Ich schaffe das!
Mein Mann hätte es so gewollt.
Hallo Oktobermonmd,

muss mal als Mann hier mitschreiben ...

Meine Frau ist im Juli an Brustkrebs und später Metasthasen gestorben. Es kam überraschend, nicht ihre Krankheit, die anderthalb Jahre dauerte und sich nicht als behandelbar erwies. Wir hatten Hoffnung bis zuletzt.
Ich bin auch erschlagen und noch in tiefer Trauer, aber ich suche dennoch schon nach einer neuen Partnerin. Wir hatten eine schöne Zeit und meine Frau hätte es sich schon gewünscht das ich wieder eine ebenso glückliche Beziehung finde. Trauer, wie lange ist das für einen Wichtig? Ich werde mein leben lang Trauern, aber ich möchte auch nicht solange alleine bleiben!

So, Jeder sollte selbst entscheiden können und sich nicht nach Anderen richten die da keine Erfahrung haben oder ihre eigenen Vorstellungen projizieren wollen ... Die haben keine Ahnung wie schwer es ist alleine zu sein! Jeder Mensch braucht einen Partner, von Natur aus, da gibt es nix zu deuteln und schon gar nicht von Sonst wem der das nicht vermisst.

Ihr seid hier weil ihr es ändern wollt und das ist gut so, wie ich auch. Lasst Euch da nichts reinreden wie lange oder ob überhaupt...
LG
Jürgen

Jürgen