Ich arbeite schon immer gerne und viel. Bereits in meiner Jugend war ich damit Exotin. Doch jetzt "im Alter" ist es ganz ungewöhnlich. Fast alle meine Bekannten zählen die Jahre bis zur Rente und beklagen, wie anstrengend die Arbeit sei.
Wenn ich sage, dass ich gerne arbeite, höre ich oft Sätze wie: "Du musst aber auch an deine Gesundheit denken (ich bin -im Gegensatz zu vielen anderen- kerngesund), dich um dich kümmern (mache ich) u.v.m.
Weil ich keine Lust auf Diskussionen mehr habe, jammere ich jetzt schon ab und an kollektiv mit.
Gibt es hier noch andere Exoten dieser Art.
Kommt mir bekannt vor.

Ich denke, wir haben einfach Glück gehabt. Ich bin auf jeden Fall sehr dankbar dafür, dass arbeiten für mich so un-anstrengend ist.
Ich sehe meine Arbeit mit Menschen nicht als Last.
Sondern als willkommenes soziales Medium.

Ich fühle mich glücklich wenn ich zehntausend mal am Tag mit meinen Kollegen"innen gelacht, mitgefühlt und auch mal gelegentlich mitgeweint habe.

Allerdings kann ich zwischen Arbeit und meinem Privatleben auch ganz konsequent Grenzen ziehen.

Denn ich wurde geboren um zu leben.
Ja das kann ich auch gut zwischen Arbeit und Beruf trennen. In meiner Freizeit vergesse ich die Arbeit total und auf der Arbeit kann ich mich dann wiederum total auf die Arbeit fokussieren.
Aber die arbeite nicht um zu leben, sondern die Arbeit ist ein Teil meines Lebens und der sollte von daher mir gut tun, sonst würde ich die Arbeit wechseln
Hattest du da nicht was geschrieben, daß du eh in einem Jahr in Rente gehst ?

Na, das versteh ich jetzt nicht, wenn du so gerne arbeitest.
Dann dürftest du doch noch ein paar Jahre dranhängen....
Arbeit ist relativ, für mich nicht so einfach zu definieren. Meine wird wohl nur mit der Gesundheit enden, erst dann werde ich Vollzeitrentner, eine beängstigende Vorstellung für mich, weil mir ein Leben ohne Aufgaben und Bestätigung öde erscheint - was nichts mit meinem Vorsatz, mir nun mehr Freizeit zu gönnen, zu tun hat.
Aber ich unterscheide zwischen Brotjob und meinen Projekten, bei letzterem traue ich mir die Berechnung meines Stundenlohnes nicht. Gelohnt hat es sich trotzdem, Dinge zu tun, die ich gern tue, es hat Anerkennung und auch Einkommen gebracht. Jetzt bin ich bei meinem letzten großen Projekt, auf das ich stolz bin und das meine Alterssicherung sein wird.
Noch ist nebenbei eine Arbeit außerhalb wegen der Sicherheit nötig und ich bedaure die Zeit, die sie mich kostet.

Früher hatte ich Anstellungen, wo ich Probleme hatte, zwischen Vergnügen und Arbeit zu unterscheiden - unter einem blühenden Baum ein unterhaltsames Buch vorlesen oder gemeinsam mit der Arbeitgeberin schwimmen oder zur Premiere?
Ok, Bad putzen ist eindeutig Arbeit.
Ich habe in meinem Leben ganz und zu viel in den verschiedensten Berufen gearbeitet, meistens aber mit Freude und wenn nicht, habe ich mir etwas anderes gesucht. Verdienst war immer zweitrangig.
Was ich wirklich bereue - meine Kinder sind zu kurz gekommen, sie hätten mehr Zeit und Fürsorge verdient. Alternativen (Sozialamt) zu meinem Beruf gab es damals nicht, ich mußte unseren Lebensunterhalt verdienen. Immerhin sind die Kinder durch die selbstverständliche Übernahme von Pflichten schnell selbständig und lebenstüchtig geworden.
Die Ehe meiner Tochter ist inzwischen fünfmal so lang wie meine längst verjährte. Ich bewundere das.
Das tut aber auf Dauer auch nicht gut.
Nimm dir mal Zeit für dich !!!!
Mit einer interessanten Arbeit tut man etwas für sich. Nur als Workaholik - Tendenz 7 Tage 24 Stunden - lebt man auf Dauer nicht gesund.
Ich arbeit übrigens auch noch gerne. Das macht mich ausgeglichen und produziert große und kleine Erfolgserlebnisse.
Ich kann z.Z. nicht vorstellen, nur noch über Reisen, Überwintern, Enkel, Wehwehchen, Sonderangebote, Hund ... nachzudenken oder anderen darüber zu berichten.
Aber jeder so wie er es mag. Die vielen einsamen älteren Menschen haben noch nichteinmal das.
@Smilla62
Was du beschreibst hat für mich nichts mit workaholic zu tun. Solange man Beruf und Arbeit trennen kann ist doch alles im Lot. Dass die Arbeit ein Teil des Lebens ist, finde ich auch völlig normal. Ein vorzeitiger Ausstieg passiert selten, wenn man gesund ist. Es sei denn man kann es sich finanziell leisten. Du bist für mich kein Exot, sondern gehst mit Freude arbeiten. So soll es sein und ich kenne ganz viele Berufstätige, die es genauso machen wie du.

@curry55
Ich kann dir versichern es gibt im Leben eines Rentners/einer Rentnerin auch noch andere Dinge, wie Enkel, Reisen, Überwintern und Wehwechen.
Ich habe auch immer gern und wohl auch viel gearbeitet, käme aber -wie @Leandra- nie auf die Idee, mich als workaholic zu sehen. Als Exotin schon mal gar nicht.

Zum Glück kann ich behaupten, dass ich nie ungeliebte Arbeit hatte, sondern mit 40 Jahren nach einem Umzug sogar meinen 'Traumjob' fand (von dem ich vorher gar nicht wußte, dass es ihn gibt) und den ich dann leider mit 65 quittieren mußte.

Für mich und auch für eine Freundin und ehemalige Kollegin, die 6 Monate vor mir betroffen war, waren die ersten 2 Jahre danach ziemlich schlimm. Wir kamen uns wie fristlos entlassen vor.

Wir beide sind oft in Afrika und innerhalb dieser ersten 2 Jahre wachte sie morgens in unserem kleinen Zelt auf und erzählte mir ganz aufgeregt ihren Traum: Sie hatte geträumt, dass es jetzt Formulare gäbe, die man ausfüllen müsse und dann dürfe man weiterarbeiten. Und sie erzählte mir , dass sie für mich auch so ein Formular mitgebracht hätte...

Natürlich habe ich auch vor Eintritt in den Ruhestand die Erfahrung gemacht, dass ich von jungen (um die 50 Jahre alt) Kollegen darum beneidet wurde. Es waren aber nicht so viele.

Und dann denke ich, dass dieser Thread hier bei P & L nichts verloren hat und verschoben werden sollte. Wer kann das machen?
Wenn "Arbeit " zugleich auch Hobby ist, wie bei mir z.B., dann gibt es da kein Alter. Lediglich die Gesundheit könnte da Grenzen setzen, doch bisher läuft alles in ruhigen Bahnen.

Ich denke, es ist ein Unterschied, ob ich in einem Beruf fest hänge, den ich eigentlich nicht will, notgedrungen aber muss, oder ob die Arbeit so richtig Spaß macht.
Stichwort: Psyche

Und wenn man aus betrieblichen Gründen mit 65 gehen muss, dann gibt es Mittel und Wege, auch den der Selbständigkeit, um da wieder anzuknüpfen wo man aufhören musste.
Viele Menschen können leider mit sich selbt nichts anfangen, hängen durch und leiden ohne die Bindung an die Kollegen und an den Betrieb.
Ich nenne sie Befehlsempfänger , ihnen muss man immer zeigen wo es lang geht.
Bei Männern ist das, so glaube ich, nicht so ausgeprägt wie bei den Frauen.
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