Zukunft der Kunst
Zunächst meint Zukunft der Kunst ihre vor allem populäre und kommerzielle Darstellung, den „künstlerischen Wert“ möchte ich bei Seite lassen.

Wer kennt sie nicht – die Hologramme. Nun, vom durchaus beeindruckenden 3D- Standbild sind wir weit entfernt. Mit neuer Technologie ist ein Live-Auftritt als Hologramm machbar. In der Politik wird die Technologie schon genutzt (Melenchon in Frankreich)
https://www.youtube.com/watch?v=0kVNDQDpbpo
Aber das Potential halte ich für sehr begrenzt, da der Wähler der Politiker eher überdrüssig ist und ein „unpersönliches“ Hologramm das nicht verbessert.

Aber im Entertainment: ein unendliches Potential !!
Zunächst gibt es schon viele „Showeffekte“ mit Elvis, Tupac, etc. pp. Das bleiben aber kleine Schnipsel und sind für Youtube gedacht. Denn das Basismaterial, sozusagen die Basement Tapes, sollte schon eine gewisse Qualität haben.
Interessant wird es, wenn ein Hologramm auf Konzertreise geht. So im letzten Jahr der 2010 verstorbene Ronnie James Dio mit dem Debut in Wacken.
https://www.youtube.com/watch?v=Oae2X0-JE_o
Was steht an als nächstes – Frank Zappa on Tour !!
https://www.rollingstone.com/music/news ... rs-w504727

Aber das sind nur sentimentale Reminiszenzen, die wahre Zukunft zeigt sich schon in Japan. Hatsune Miku (der erste Klang der Zukunft) ist die Erste – eine holografische Kunstfigur mit einer künstlichen Stimme.
https://www.youtube.com/watch?v=Ijxe9qghRAU
Das ist die Zukunft! Für die Unterhaltungsindustrie liegt hier das Geld auf der Straße, sie muss es nur aufheben. Harte Euros und Dollars für ein paar flüchtige Bits, die morgen schon wieder fort sind. Das Geschäftsmodell ist unschlagbar (bei den Streaming Diensten klar erkennbar). Und natürlich macht die Kleine auch noch Werbung – das bringt noch Extraprofit!

Sie werden entgegnen: da machen wir nicht mit! Blödsinn! Natürlich machen wir mit – zumindest 99%. Netflix, Amazon, Spotify, Apple Music,.... wir sind dabei.
Und die Vielfalt? Netflix hat vor kurzem ausgemistet. 90% der Downloads betreffen nur ca. 1% des Bestandes. Jeder lädt sich die Blockbuster runter und den Rest will niemand sehen. Daher gibt es noch 25 Filme aus der Zeit vor 1950. In wenigen Jahren wird das Wissen dann aus dem allgemeinen Gedächtnis verschwunden sein.
Und was noch? Download der Mona Lisa in 3D und HD 4K!! Natürlich gegen Gebühr. Übrigens hat Bill Gates schon fast alles digitalisiert!
Jetzt doch bitte nicht gleich so pessimistisch. Jede Zeit hat ihre Kultur und der technische Fortschritt packt da kräftig mit zu. Auch die Kunstschaffenden bedienen sich, das ist doch völlig normal! Denn Kunst, das kann man so in etwa ganz vorsichtig sagen, ist Kommunikation. Also bewegt sich künstlerisches Schaffen auf diesen neuen kommunikativen Medien besonders intensiv.
Kunst: Keiner kann sagen, was das ist, niemand. Es besteht aber ein Grundbedürfnis des Menschen danach, wonach???. Dieser Drang lässt sich nicht stoppen. Selbst in totalitären Gemeinschaften mit vielfältigen Verboten keimt sie trotzdem aus allen Ritzen.
Felix
"Zukunft der Kunst": Gibt es Mensch, gibt es Kunst: Garantiert! Drum fürchte Dich nicht und pass schön auf, freue Dich!
Wie schon anfangs gesagt geht es mir um die massenhafte Reproduktion insbesondere deren technische Weiterentwicklung. Welchen Einfluss nehmen die weiterentwickelten technischen Möglichkeiten wie Internet, Computer, Hologramme usw. auf die Reproduktion des Kunstwerkes? Walter Benjamin hat mit seiner Schrift „Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit“
http://www.arteclab.uni-bremen.de/~robb ... njamin.pdf
die Grundlage der modernen Medientheorie geschaffen. Dem reproduzierten Kunstwerk lassen sich zwei Eigenschaften mit einer neuen Qualität zuschreiben:
Das reproduzierte Kunstwerk wird in immer steigendem Maße die Reproduktion eines auf Reproduzierbarkeit angelegten Kunstwerks.........In dem Augenblick aber, da der Maßstab der Echtheit an der Kunstproduktion versagt, hat sich auch die gesamte soziale Funktion der Kunst umgewälzt. An die Stelle ihrer Fundierung aufs Ritual tritt ihre Fundierung auf eine andere Praxis: nämlich ihre Fundierung auf Politik.
Mit den Begriffen „Kultwert“ und „Ausstellungswert“ hat Benjamin den Gebrauchswert und den Tauschwert aus der Ökonomie in die Kunsttheorie übertragen. Und bezüglich seiner beiden Pole Kultwert und Ausstellungswert erfolgt eine massive Verschiebung:
Mit den verschiedenen Methoden technischer Reproduktion des Kunstwerks ist dessen Ausstellbarkeit in so gewaltigem Maß gewachsen, daß die quantitative Verschiebung zwischen seinen beiden Polen ähnlich wie in der Urzeit in eine qualitative Veränderung seiner Natur umschlägt.

Insbesondere der zweite Punkt wird durch die neuen Technologien verändert und um Größenordnungen verstärkt. Es wird nun etwas ermöglicht, das Paul Valéry so beschreibt: „Wie Wasser, Gas und elektrischer Strom von weither auf einen fast unmerklichen Handgriff hin in unsere Wohnungen kommen, um uns zu bedienen, so werden wir mit Bildern oder mit Tonfolgen versehen werden, die sich, auf einen kleinen Griff, fast ein Zeichen einstellen und uns ebenso wieder verlassen“.
Nun, die Mona Lisa kann man schon per Download erhalten:
https://www.fastcompany.com/3024502/the ... n-near-you
Die passenden Frames gibt es auch und auch schon erste Ratgeber, welche Bilder zu den jeweiligen Möbeln passen – man muss sich ja wohlfühlen. Damit ist auch die Malerei endlich in der „massenhaften“ Rezeption angekommen.

Welche qualitative Veränderung erfährt die Reproduktion? Die Reproduktion war wie auch ein Original im Kern materiell. Der Film, die Photographie, das Lied usw. benötigten einen materiellen Träger. Dieser wurde zwar massenhaft produziert und verteilt war aber gegenständlich. Dieser Gegenstandscharakter geht verloren, die Reproduktion wird „virtuell“! Der Download Stream, ob Mona Lisa, Video oder Song, das Hologramm usw. sind nicht mehr „gegenständlich“. Es sind nur noch „Instanzen“ eines virtuellen Objektes. Der Begriff in dieser Bedeutung stammt aus der objektorientierten Programmierung, in der die Objekte instanziiert werden. Inzwischen übertrifft der Umsatz mit Musikstreaming den Verkauf „gegenständlicher“ CDs.

So gehen denn Kunst und Kommerz Hand in Hand, schlussendlich leben wir im Kapitalismus und der hat nur ein Gesetz: Profit. Alles wird zur Ware, da wird die Kunst nicht ausgenommen. Der mit der Produktion eines Originalkunstwerks verbundene mögliche Profit ist marginal. Der mit Produktion und Verkauf einer Reproduktion verbundene Profit ist enorm, was an der Medienindustrie unschwer ablesbar ist. Und der Profit durch die virtuellen Reproduktionen – das Schlaraffenland für den geschickten Investor!
Reden wir hier über "Zukunft der Kunst" oder Profitgier? Besteht diese Gier nach Bereicherung erst seit heute?
Felix
Wenn wir erkennen möchten, wie sich das Kunstwerk als „reproduziertes Objekt“ weiterentwickelt, so müssen wir auf die darauf wirkenden Kräfte blicken. Die mit der Reproduzierbarkeit erfolgte Verschiebung vom „Kultwert“ auf den „Ausstellungswert“ (siehe Zitat oben), dies nochmals potenziert durch die Virtualisierung des Objektes führt dazu, dass der „rituelle“ Charakter vernachlässigbar ist und allein der „Warencharakter“ die weitere Entwicklung bestimmt. Damit unterliegt das reproduzierte Kunstwerk allein den Gesetzen des Marktes. Daher lässt sich aufgrund der Umsatz- und Ergebniserwartungen ein rapides Wachstum in diesem Bereich der Kunst vorhersagen. Dieses Wachstum wird eine deutliche Beschleunigung erfahren durch schon absehbare Verbesserungen der Reproduktionstechnologien wie
- Hologramme: Bilder, Filme, Konzerte (holt die Netrebko ins Wohnzimmer!) usw.
https://www.youtube.com/watch?v=jAIDXzv_fKA
- Virtual Reality (Du sitzt zwischen U2 wie ein 5.ter Musiker, eine Armlänge entfernt und Bono singt nur für dich - sehr sehr beeindruckend)

Generierende Technologien

Bisher beschrieben habe ich den Einfluss der reproduzierenden Technologie auf das Kunstwerk. Dies ist auch der Bereich an dem die Entwicklung transparent erkennbar ist. Jedoch hat die Entwicklung in der Informatik auch neue Möglichkeiten geschaffen, die über die Reproduktion hinausgehen und tatsächlich Neues generieren (nicht erschaffen!). Hierbei wird vor allem die sogenannte „Künstliche Intelligenz (KI)“ genutzt. Der Begriff „künstlich“ erhält damit in diesem Kontext eine interessante Erweiterung.
Beispielhaft möchte ich einige Entwicklungen zeigen, die noch in den Anfängen stecken, deren Einfluss und Erfolg sich aber abzeichnet.

1. Computergenerierte Musik
https://youtu.be/ygMRtXxqEBw
https://soundcloud.com/jukedeck/6-vibrant-lives-funk

Damit kann dann jeder Lizenz frei eigene Musik komponieren und hören. Die KI lernt selbstverständlich dazu und wird sich von Mal zu Mal besser am eigenen Geschmack orientieren!

2. Computergenerierte Texte
Da gibt es schon einen reichen Fundus. Recht spannend finde ich das Ratespiel „bot or not“
http://botpoet.com/
mit dem man erraten darf, ob ein Gedicht von Mensch oder Computer stammt. Das ist nicht einfach, was den Schluss nahelegt, es doch dem Rechner zu überlassen sozusagen als Ghostwriter,

3. Computergenerierte Bilder
Damit sind tatsächlich „Bilder“ gemeint. Beispiel: Man sendet ein Foto, wählt den „Kunststil“ anhand eines Beispieles und der Computer generiert das entsprechende Bild.
https://deepart.io/
Oder aus einem Bild ein Video generieren – also z.B. das „van Gogh Video“ mit Häschen.

Dies sind nur Beispiele, wie wir unsere Welt mit Hilfe der Kunst angenehm gestalten oder „lasst schöne Dinge um mich sein!“ Und das wird ja so einfach, alles geschieht auf Befehl:
„Alexa, über dem Kamin statt des Kandinsky den Vorgarten als Monet!“
„Alexa, nach dem Essen ein Hologrammkonzert mit Bach am Klavier aber bitte die Musik etwas funky!“
Lieber dick01,
danke für Deine wichtigen Beiträge zum Kunstgeschehen. Sie zeigen Dein hohes Niveau. Wir leben zusammen in unglaublich schnellen Zeiten. Vor zehn Jahren wurde das Smartphone erfunden, jetzt hängt mindestens jeder Zweite in der Straßenbahn an diesem Gerät. Zuse - der Erfinder des digitalen Computers - hat einmal gesagt: "Eher wird der Mensch zum Computer, als der Computer zum Mensch." Ich habe jetzt schon den Eindruck, der Mensch hängt als App an seinem digitalen Gerät. Ich bemühe mich gerade um Erkenntnis über Bewusstsein und dem dazugehörigen "Ich". Es führt mich der neurobiologischen Weg. Wir tappen immer noch im dichtesten Nebel. Wetterbesserung nicht in Sicht. Und dann noch das unbegreifliche Ding Kunst dazu! Was ich sagen wollte: Die Zukunft der Kunst ist unberechenbar, Geschichte auch. Trotzdem ist Deine mahnende Stimme unverzichtbar.
Danke
Felix
lieber dick01,

1. Musik
Jeder Mensch kann Musik erzeugen. Musik ist die Kombination von Rhythmus, Melodie und Harmonie
2. Gedichte
Jeder Mensch kann Gedichte schreiben. Auf die schnelle: Die Welt ist rund, da steht ein Hund und kackt mir vor die Tür.....
3. Bilder
Hier ist Kunst der virtuelle Versuch des Produzenten, Gefühle und Assoziationen beim Rezipienten zu erzeugen. Auch das gelingt jedem mit geringen Mitteln.

Ich habe nicht alle deine links verfolgt, aber die Verfremdung, Manipulation von tatsächlichen Werken durch Algorythmen lässt für mich alleine noch keinen künstlerischen Input erkennen. Eine holografische Projektion ist eine rein handwerkliche Sache und wird erst zur Kunst durch kreative Momente bei der Aufnahme und der Inszenierung.

Augmented Reality steckt in den Kinderschuhen auch wenn Künstler dort schon sehr interessante Projekte auf die Beine stellen und sicher wird es artificial intelligence irgenwann auch gelingen, eigenständige Werke zu kreieren. Bis dahin braucht es aber den emotionalen Input einer menschlichen Kreativiität.

Vielleicht hast du da Beispiele, die meine thesen wiederlegen. Ich würde mich freuen.

Lieben Gruß

Wolfgang
Punkt 1 – 3 habe ich in diesem Kontext nicht verstanden.

Selbstverständlich sind technische Reproduktionen zunächst einmal keine Kunstwerke, es sind „Waren“. Der technische Fortschritt führt auch zu einem Umschlag der Qualität. Die „physischen“ Träger der Reproduktion werden ersetzt durch „virtuelle“ Träger wie Frames, Fernseher oder gar Hologramme. Das Kunstwerk wird somit nicht einmal mehr reproduziert – es wird nur noch instanziiert und verschwindet ebenso schnell wie es entstanden ist.

Wir leben im Kapitalismus und ein wesentliches Charakteristikum ist, dass er alles zur Ware macht – die Kunst nicht ausgenommen. Mit der Produktion der „Ware Kunst“ ist aber mehr verbunden. Denn die Ware hat auch einen Fetischcharakter d.h. ihr werden Eigenschaften zugeschrieben, die ihr von Natur aus nicht innewohnen.
https://de.wikipedia.org/wiki/Warenfetisch
Adorno überträgt dies in „Über den Fetischcharakter in der Musik und die Regression des Hörens“ auf die Musik.

Die Zukunft der Kunst als Ware wird somit bestimmt durch die Produktionsgesetze des Kapitalismus – oder des „Marktes“, wem das lieber ist. Den größten Marktanteil werden eine Unzahl elektronischer Reproduktionen in Bild und Ton haben, die uns im „Supermarkt“ angeboten werden. Gradmesser des „Wertes“ ist zunächst der zählbare Umsatz/Profit und als abstraktes Kriterium der „WOW“-Effekt in XXXL-Größe (die "Chockwirkung" von der W. Benjamin schreibt).

Aber wie steht es mit der Zukunft des Kunstwerkes? Da wage ich keine Voraussage.
Zur Beurteilung der Kunstwerke gibt es die ästhetische Theorie und davon selbstverständlich viele Unterschiedliche. Was sagt Kant? Für Kant ist das Prädikat der Schönheit der ästhetische Wert schlechthin (Kritik der Urteilskraft). Neben der „Schönheit“ kann man dem Objekt auch „Erhabenheit“ zuschreiben. Mir ist es nicht möglich, die „Downloads“ von einer Internetseite mit diesen Begriffen zu charakterisieren.

Um einem Missverständnis vorzubeugen: Es gibt durchaus digitale Kunstwerke. Eine Besonderheit, die gerade hier nicht zu erwarten war und hoffnungsvoll stimmt, ist das Problem der „Archivierung“. Hiermit sind die Museen noch total überfordert. Damit werden die Reproduktionskosten wohl keinen Profit ermöglichen und uns bleiben die Originale.
http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/k ... ageIndex_0
Ein kleines Beispiel, was da im Museum passiert, ist das folgende Video:
http://www.interface.ufg.ac.at/christa- ... heFly.html
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