Oederan, Klein-Erzgebirge

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Ein sehr schöner Miniaturpark, in dem man an einem Tag durch´s Erzgebirge reisen und die Kultur, sowie die sächsischen Burgen und Schlösser bestaunen kann.

http://www.klein-erzgebirge.de
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Meine Kindheit war mit Schloss Osterstein eng verbunden. Unser Hof grenzte daran. Gefangene flohen einmal durch die Kanalisation und kamen bei uns im Hof aus dem Gully. Wurden Gefangene zur Arbeit geführt - so richtig in gestreiften Anzügen mit Nummer und teilweise Ketten an den Füßen, flankiert vorn und hinten von Wachpersonal mit Gewehr - mussten wir Kinder vom Bürgersteig. Im Sommer schauten die Gefangenen uns beim Völkerball spielen durch vergitterte Fenster zu oder versuchten mit den Frauen zu schäkern.
Umgeben war das Areal von einer hohen Mauer, gespickt mit Glasscherben und Stacheldraht.
An dieser Mauer brachen sich die Hochwasserfluten 1954 und brachten das Haus einer Tischlerei zum Einsturz. Dabei kam eine Bewohnerin um. Das einzige Todesopfer der Flut.

Auch große Schachtbrände haben wir erlebt. Viele kamen dabei um. Auch ein Onkel von mir. Zwickau hat eine spannende Geschichte.
Danke, ginger_55,
für deine interessanten Erinnerungen an deine Jugendzeit in
Verbindung mit dem Schloss Osterstein.
Vielleicht hast du mal Sehnsucht nach deiner Heimat und besuchst unser schönes Zwickau.
Bist herzlich willkommen bei uns. :)
Weltenbummlerin2
Moderatorin der Regionalgruppe Zwickau
Erinnerungen an Zwickau - mehr habe ich wirklich nicht an meine Geburtsstadt. Weder Verwandte noch Freunde sind geblieben. Leider.

Alle Häuser rund um die Katharinenkirche wurden abgerissen. Nur Osterstein und die alte Posthalterei nicht. Die Bewohner verteilten sich in alle Himmelsrichtungen. Zu Mitschülern hatte ich keinen Kontakt mehr :(

Ich besuchte Zwickau nach der Wende, als meine Mutter noch lebte. Nach ihrem Tod war ich noch einmal da, lief die ganze Stadt ab und besuchte einige noch vorhandene Stätten meiner Kindheit. Aber auch die hatten sich verändert. Klar, das ist der Lauf der Dinge. Aber ich war irgendwie traurig, weil ich mich entwurzelt fühlte. Deshalb werde ich Zwickau nicht mehr besuchen.

Trotzdem danke ich dir für die freundlichen Worte.

Straße meiner Kindheit (Die Katharinenstr.)

Ich bog um die Ecke der kleinen Gasse und blieb abrupt stehen. Mein Blick schweifte über triste Plattenbauten, an deren Fassaden die Feuchtigkeit bizzare Muster gemalt hatte. Auf den Parkplätzen davor standen Autos, die mich mit ihren blassen Farben an eine billige Perlenschnur erinnerten. Häuserzeilen, getrennt von einer Asphaltstraße, deren Eintönigkeit nur durch Schlaglöcher unterbrochen wurde. Hatte ich mich verlaufen?
Doch da, am Ende der Straße - die alte Gefängnismauer erkannte ich wieder! Rechts von mir entdeckte ich die alte Posthalterei und die im gotischen Stil erbaute evang. Kirche. Sie alle waren der Zerstörungswut der DDR entgangen. Ich stolperte über den holprigen Vorplatz der Kirche, der aus in vielen Jahrzehnten abgetretenen Katzenköpfen bestand. Zärtlich legte ich meine Hand auf den verwitterten Sandsteinvorsprung, auf dem ich als Kind so oft entlang balanciert war - sehr zum Ärger des Herrn Pfarrers. Mit einem kleinen Lächeln auf den Lippen schloss ich die Augen und tauchte ein in meine Erinnerungen.

Morgens weckte mich das laute Geläut der Glocken der ev. Kirche. Sie war 100 Meter von unserem alten Backsteinhaus entfernt. Zum Glück hatte die kath. Kirche keine Glocken, denn deren Mauern grenzten direkt an unseren kleinen Hinterhof, wo sich der Asche- und Müllhaufen befand, sehr zur Freude der Ratten, die dort nach Fressbarem suchten. Sie fühlten sich wohl im Labyrinth der teilweise untereinander verbundenen Gewölbekeller der uralten Häuser. In den Kellern war es feucht und es roch modrig. Die kath. Kirche war in alten Zeiten die Hauskapelle von Schloß Osterstein. Jetzt befand sich dort ein Gefängnis. Im Sommer spielten wir auf der Straße Völkerball und wurden dabei von den Gefangenen durch vergitterte Fenster lautstark angefeuert. Wir hatten keine Angst vor ihnen, denn um das Gefängnis lief eine fast drei Meter hohe Mauer aus groben Basaltquadern, die oben mit Glasscherben gespickt war und darüber hatte man noch drei Reihen Stacheldraht montiert. Wenn Gefangene zur Arbeit gebracht wurden, erkannten wir sie schon von Weitem am Gerassel ihrer Fußketten. Dann kamen sie, in gestreiften Anzügen, vorn und hinten je ein Polizist mit Gewehr über der Schulter und wir mussten vom Bürgersteig, der für uns Kinder ein beliebter Spielplatz war. Er bestand aus großen Steinplatten, an denen der Zahn der Zeit seine Spuren hinterlassen hatte. Zwischen Hausmauer und Platten waren kleine Sandkuhlen, in die wir unsere Murmeln kullerten. Oder wir ließen unsere Kreisel über den verwaschenen Steinboden tanzen, auf dem noch mit Kreide gemalte Hüpfkästchen zu erkennen waren.
Also runter auf die Straße.
Gefährlich war das für uns nicht. Radfahrer, gemütlich dahin zockelnde Pferdefuhrwerke und quietschende Dreiräder, Vorkriegsmodelle von Horch und Opel und seltener ein Trabi oder noch seltener ein Wartburg - alle fuhren sehr langsam, weil die Straße schlecht befahrbar war.

In meiner Straße wohnten nur einfache Leute. Die Malerinnung war hier angesiedelt, man erkannte es leicht an den bunten Farbklecksen vor dem Eingang und einem leichten Terpentingeruch, wenn man nah daran vorbeiging. Auch den Tischler und den Bäcker hätte ich blind gefunden - nur am Geruch. Sonst wurde die Straße nur von Wohnhäusern gesäumt. Wenige große und viele windschiefe kleine. Eines hatten alle gemeinsam: sie waren in schlechtem Zustand und vom nahen Steinkohlebergwerk einheitsgrau gefärbt. Und sie waren alt. Plumpsklos auf halber Treppe. Bäder gab es nicht.
Doch wie lebendig war die Straße durch ihre Bewohner! Jeder kannte jeden und das Lieben und Leiden der Einzelnen bekamen alle hautnah mit. Ich kann es heute noch hören: die Schreie der Wöchnerin, lautstarke Ehekräche, Kinder wurden ausgeschimpft oder jemand sang laut die Lieder mit, die aus dem Radio erklangen. Am meisten liebte ich jedoch die Sonntagnachmittage im Sommer. Da spielten wir Kinder heute längst vergessene Spiele auf der Straße. Die Erwachsenen guckten aus den Fenstern, ihre Arme gemütlich auf ein Kissen gelegt und hielten Schwätzchen miteinander. Man schüttelte empört den Kopf über den alten Schmidt, der mal wieder betrunken nach Hause torkelte. Nur seine Tochter nicht, die saß auf einem alten Küchenstuhl vorm Haus. Sabbernd und mit halb geschlossenen Augen schaukelte sie vor und zurück. Sie war "verrückt", wie die Erwachsenen sagten.
Es waren viele schöne Sommer, die ich hier verbrachte. Aber ich erinnere mich auch an die Wintertage. Wenn der Schnee alles Leben in unserer Straße verlangsamte. Man besuchte sich daheim. In der Luft lag der Geruch von verfeuerter Braunkohle. Die Gaslaternen tauchten abends die totenstille Straße in ihr warmes gelbes Licht.

Ich weiß nicht, wie lange ich so an der Kirchenmauer gestanden hab, als mir jemand die Hand auf die Schulter legte. Erschrocken fuhr ich aus meinen Träumen. Eine besorgte Stimme fragte mich, ob es mir nicht gut sei. "Nein, danke, es ist alles in Ordnung" murmelte ich. Die Hand gehörte dem Pfarrer, der mir ebenso fremd war wie die Straße, die zwar noch den Namen der Straße aus meiner Kindheit trug, aber ein ganz anderes Gesicht bekommen hatte.
Das hast Du sehr schön geschrieben. Aber komm doch mal wieder nach Zwickau.
Hallo ,
heute war so ein schöner Tag ,habe mich auf die Socken gemacht und ein paar
Bilder geschossen :lol: :lol:
Viel Spaß
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