Der Wert der Zeit

Der Wert der Zeit

5 | 4384 Aufrufe

Die Art und Weise der Wahrnehmung von Zeit ist in hohem Maße kulturell geprägt. Die meisten Menschen wachsen heute mit der Vorstellung auf, dass sie ihre Zeit sinnvoll nutzen und aktiv ausfüllen müssen. Zeit darf nicht verschwendet werden und wird entsprechend vor allem in Bezug auf Handlungen und Aktivitäten interpretiert.

Gleichzeitig erleben Individuen Zeit auf sehr verschiedene Art und Weise. Bereits der Tagesablauf zeigt, dass Menschen in unterschiedlichem Maße mit zeitgebundenen Verpflichtungen konfrontiert sind. Zeit wird im Rahmen einer intensiven beruflichen und familiären Einbindung häufig als vorbeirauschend wahrgenommen. Parallel dazu suchen alleinstehende oder berentete Menschen oft nach Möglichkeiten, die vorhandene Zeit sinnvoll und persönlich erfüllend zu gestalten.

 

 

Zeit und Zeitmangel

 

Zeit wird vielfach im Kontext eines erlebten Mangels definiert. Der Job beansprucht den Arbeitenden über die Maßen, die Familie äußert zahlreiche Wünsche und Ansprüche, unzählige Dinge müssen erledigt und vorbereitet werden. Hätte ein Tag 48 statt 24 Stunden, wäre der erlebte Zeitmangel nicht geringer, sondern gleichermaßen belastend. Die Anforderungen sind in der Regel immer ausgesprochen hoch, die Freiräume zum Durchatmen gefühlt nie ausreichend.

Um der Spirale eines chronischen Zeitmangels zu entkommen, ist das Setzen von Prioritäten im täglichen Ablauf wesentlich. Jeder Top-Manager in einer Firma kennt den Begriff des "Priorisierens", des Festlegens von vorrangig zu erledigenden Dingen im Sinne einer Reihenfolge nach Dringlichkeit. Ähnlich sinnvoll ist das Setzen von Prioritäten im Alltag und im gesamten Tagesablauf. Wer Zeit als stets zu knapp für all die erforderlichen Aktivitäten wahrnimmt, ist mit dem Erstellen einer Dringlichkeitsliste gut beraten. Sie einzuhalten und keine zusätzlichen Dinge und spontanen Anforderungen Dritter dazwischenschieben zu wollen, ist die eigentliche Kunst.

 

 

Zeit für sich selbst

 

Zeit ist nicht nur wesentlich in Bezug auf Verpflichtungen und Anforderungen. Zeit für sich selbst ist ein wichtiger Faktor, der fürs Gesundbleiben und eine stabile Psyche unverzichtbar ist. Wer Zeit immer nur im Kontext von Leistung und permanenter Verfügbarkeit versteht, wird langfristig Auswirkungen dieser chronischen Überforderung spüren.

Das Investieren in Zeit für sich selbst ist essenziell im Sinne einer positiven Work-Life-Balance. Die sogenannte Selbstfürsorge bedeutet nicht, die Anforderungen des Alltags zu ignorieren, sondern eigene Bedürfnisse wahrzunehmen und sich regelmäßig zu erholen und entspannen. Kinder sind übrigens Experten im Aufspüren und Umsetzen ihrer Bedürfnisse. Sie sind in dieser Hinsicht gute Lehrmeister.

 

 

Zeit für Zweisamkeit

 

Wichtig ist nicht nur die individuelle Auszeit, sondern ebenso die gemeinsam mit dem Partner verbrachte Zeit. Wer füreinander aufmerksam ist und sich Zeit für die Partnerschaft nimmt, läuft nicht Gefahr in Routine und Gleichförmigkeit zu verfallen. Zeit nehmen bedeutet hier einerseits miteinander verbrachte Freizeit, andererseits aber auch gemeinsames Reflektieren über Wünsche, Bedürfnisse und Sichtweisen.

Zeit zu zweit vermag auf lange Sicht nicht nur die Liebe am Leben zu halten, sondern gleichermaßen den gegenseitigen Respekt und die Achtung voreinander. Wer als Paar zu wenig Zeit miteinander teilt, läuft Gefahr, sich irgendwann innerlich voneinander zu entfernen und im Zusammensein einsam zu werden.

 

 

Drei Tipps für Qualitätszeit

 

Wochenauszeit

Einen Nachmittag oder Abend in jeder Woche festlegen, der nur den individuellen Bedürfnissen dient. Ob die Zeit allein, mit dem Partner oder gemeinsam mit Freunden verbracht wird, ist nicht entscheidend. Wichtig ist, dass sie im Sinne einer Auszeit von täglichen Verpflichtungen gestaltet wird.

 

Zeitgeschenk

Das persönliche Geschenk muss nicht immer materiell sein. Gemeinsame Zeit in Form eines Ausflugs oder einer miteinander geteilten Unternehmung und einem liebevoll ausgewählten Highlight zum Abschluss bleiben lange im Gedächtnis und stärken die Bindung.

 

Gemeinsames Hobby

Wer sich schwertut, kann mit einem Hobby neue Impulse setzen. Möglichkeiten einer so gestalteten Zweisamkeit wären beispielsweise ein Tanzkurs, regelmäßige Städtetouren an den Wochenenden, Karaoke-Abende, eine feste Spielegruppe und Ähnliches mehr.

 

Foto: (c) © Jürgen Fälchle / fotolia.com

 

Redaktion, 15.12.2016

lillegard
2 | 16.12.2016, 11:57

Zeit ist immer da. Für mich stellt sich nur die Frage, ob ich in ihr auch wahrhaftig gelebt habe? Und gelebt habe ich immer, wenn ich mich gespürt habe und gleichzeitig empfänglich für mein Gegenüber war, sei es beim Umgang mit meinen Tieren, beim Malen, beim betrachten der Natur, beim Spinnen oder bei einen intensiven Gespräch und entdecken eines Gegenübers.

Fuchs50
3 | 16.12.2016, 09:47

Mir fällt zu diesem Thema ein sehr sinnvolles Gedicht ein, was sicher viele schon kennen:

Ich wünsche dir Zeit

Ich wünsche dir nicht alle möglichen Gaben.
Ich wünsche dir nur, was die meisten nicht haben:
Ich wünsche dir Zeit, dich zu freun und zu lachen,
und wenn du sie nützt, kannst du etwas draus machen.

Ich wünsche dir Zeit für dein Tun und dein Denken,
nicht nur für dich selbst, sondern auch zum Verschenken.
Ich wünsche dir Zeit – nicht zum Hasten und Rennen,
sondern die Zeit zum Zufriedenseinkönnen.

Ich wünsche dir Zeit – nicht nur so zum Vertreiben.
Ich wünsche, sie möge dir übrig bleiben
als Zeit für das Staunen und Zeit für Vertraun,
anstatt nach der Zeit auf der Uhr nur zu schaun.

Ich wünsche dir Zeit, nach den Sternen zu greifen,
und Zeit, um zu wachsen, das heißt, um zu reifen.
Ich wünsche dir Zeit, neu zu hoffen, zu lieben.
Es hat keinen Sinn, diese Zeit zu verschieben.

Ich wünsche dir Zeit, zu dir selber zu finden,
jeden Tag, jede Stunde als Glück zu empfinden.
Ich wünsche dir Zeit, auch um Schuld zu vergeben.
Ich wünsche dir: Zeit zu haben zum Leben!

Elli Michler

micha64
2 | 16.12.2016, 09:22

Glück ist für mich nicht mein nächstes Ziel zu erreichen (Hamsterrad), sondern Zeit für mich selbst, frei von äußeren Zwängen, zu haben.

"In der Muße scheint das Glück zu liegen. Es gehört denen, die sich selber genügen." (Aristoteles)

Guenni01
1 | 15.12.2016, 18:48

Aus meiner Sicht entsteht die Frage zum Thema "Zeit", wohl eher "Zeitmangel" immer mehr.

Nicht immer mit dem Hintergrund, dass die Menschen von außen immer mehr bedrängt werden.

Sondern auch aus der eigenen Entscheidung heraus, weil viele Menschen meinen (im übertragenen aber auch tatsächlichen Sinne) jederzeit und bei allem mitmachen zu müssen.

Das waren so meine spontanen Gedanken zum Thema Zeit.

Azzurro
2 | 15.12.2016, 17:14

Zeit für Zärtlichkeit ist auch sinnvoll verbrachte Zeit. Während ich immer jünger werde, wird sie immer älter. Das ist der Lauf der Zeit, am Ende bleibt ihr Einsamkeit. Mir bleibt es dabei vorbehalten, die Jugend ewig festzuhalten. Denn junge Damen wachsen nach, zu mir ein goldener Engel sprach. Drum lasst sie ziehen die schönen Rosen, damit uns Neues kann liebkosen. Der zeitlos schöne Mann muss wissen, woanders gibt`s auch weiche Kissen.

Lisabeth26
2 | 15.12.2016, 16:25

Die Zeit ist das Kostbarste ,gerade in unsere Alter ,weil wir haben nicht mehr viel davon…
Und wir sind langsamer geworden,für unsere Arbeiten brauchen wir manchmal doppelt
so viel Zeit wie früher….Die Tage,die Wochen,Monate rauschen nur so vorbei….
Unsere Kinder arbeiten,manche auch viel,dann gibt nur Krümmer mäßig Zeit für uns,sie
selbst,ihre Partnern und Familie braucht sie auch…Deshalb das bisschen Zeit ist Goldwert!!!
Schöne Festtage ,gutes neues Jahr 2017!