Hoeneß vs. Wulff in den Medien

Hoeneß vs. Wulff in den Medien

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Was haben der ehemalige Bundespräsident Christian Wulff und FC Bayern München Präsident Uli Hoeneß gemeinsam? Probleme mit dem Gesetz. Das ist auch die einzige Gemeinsamkeit, welche die beiden verbindet. Selbst die mediale Berichterstattung über die Fälle könnte nicht ungleicher sein. Während die Medien den ehemaligen Bundespräsidenten Wulff wegen 700 Euro durch den medialen Fleischwolf drehten, feiern die Fans Hoeneß, dessen Steuerhinterziehung bei über 27 Millionen Euro liegt, auch nach seiner Verurteilung. 3 1/2 Jahre für Hoeneß - die Medien zeigen beinahe Mitleid mit dem Präsidenten des FC Bayern München. Franz Beckenbauer und Horst Seehofer sind vom Urteil "zuallerst menschlich betroffen". Über die Frage, ob das Urteil verdient sei, wird kein Wort verloren. Die Sponsoren und Beckenbauer haben Uli Hoeneß für dessen Entscheidung, nicht in Revision zu gehen, sogar "großen Respekt" gezollt. "Er zeigt seine menschliche Größe."

 

Das Duell Hoeneß gegen Wulff - Die Medien messen mit zweierlei Maß

Dass Hoeneß sympathischer als Wulff ist, ist mit Sicherheit überraschend. Anders kann die mediale Berichterstattung der beiden nicht erklärt werden. Während Christian Wulff bei seinem Prozess medial zerrissen wurde, scheint es so, als wäre Hoeneß zu Unrecht vor dem Richter. Während Experten bei Christian Wulff im Fernsehen berichteten, dass sein Verhalten für eine öffentliche Person nicht würdig sei, Sondersendungen das Thema behandelten und die Medien wie Geier auf neue Skandale warteten, ist es bei Uli Hoeneß anders. Der wurde sogar - nachdem bekannt wurde, dass er vor den Richter muss - bei der Hauptversammlung seines FC Bayern München frenetisch gefeiert. Und zwar so, dass er damals selbst zu Tränen gerührt war. Hat Uli etwa gar nicht mit diesem Rückhalt gerechnet? Wohl keiner hat damit gerechnet. Auch nicht damit, dass Hoeneß tatsächlich schuldig gesprochen wurde.

Bis zu seiner Verurteilung stand ihm die Elite der deutschen Wirtschaft zur Seite. Die großen Dax-Unternehmen wie Allianz und Adidas haben strengste Compliance-Regeln. "Säße Herr Hoeneß im Aufsichtsrat der Telekom oder bei Adidas, wäre er schon längst raus", so Manuel René Theisen, Professor an der Universität München. Denn alles, was dem Unternehmen schadet, ist tabu und dazu zählt natürlich auch Steuerhinterziehung. Doch für Uli Hoeneß galten andere Regeln. Auch in der Wirtschaft wurde mit zweierlei Maß gemessen. Offensichtlich wollten die Aufsichtsräte einen Mann, der so wichtig für den Verein ist, nicht fallen lassen - auch aus Angst, die Sympathie der Bayern-Fans zu verlieren.

 

770 Euro gegen 27 Millionen Euro - Warum dennoch Wulff der Böse ist

Christan Wulff zerrte man auf Grund der Vorteilsannahme im Amt vor den Richter. Der Wert: 770 Euro. Insgesamt waren 22 Verhandlungstage angesetzt, 45 Zeugen waren namentlich vorgesehen. Wulff wurde freigesprochen. Das bedeutet, er ist unschuldig. Die Medien haben das Urteil erwähnt und von der Geschichte abgelassen. Die Schmutzkübelkampagne im Vorfeld hat ihre Wirkung verfehlt. Fakt ist: Die Reporter hätten wochenlang die Zeitungen bei einer Verurteilung von Wulff gefüllt. Der Freispruch war eher enttäuschend.

Anders sieht es bei Hoeneß aus. Er ist schuldig. Zu Beginn waren es noch 3 Millionen Euro Steuerschuld, am Ende waren es mehr als 27 Millionen. Die Selbstanzeige ist wirkungslos. Das Urteil: 3 1/2 Jahre Haft. Das Urteil ist rechtskräftig. Dennoch wird man das Gefühl nicht los, dass die Medien noch immer auf der Seite von Hoeneß stehen.

 

Hoeneß und Wulff - Warum gab es für Uli keine Experten und Sondersendungen?

Während der ehemalige Bundespräsident an den Pranger gestellt wurde - wegen 770(!) Euro - scheint es so, als hätte Hoeneß "unabsichtlich" fast 30 Millionen Euro hinterzogen. Kaum jemand hat darüber berichtet, dass Uli an der Zockerkrankheit litt, dass er selbst Millionen am Tag verspielte und sein Geld in der Schweiz bunkerte. Auch Experten hat man diesmal nicht eingeladen um die Situation zu erklären. Im Gegenteil. Nach dem 1:1 gegen den FC Arsenal und dem fixen Einzug in das Viertelfinale der Champions League, stehen die Spieler hinter Hoeneß. Schweinsteiger "jubelt für Uli", Guardiola und die Bayern "spielen und gewinnen für Hoeneß". Für einen Mann, der fast 30 Millionen Euro Steuern hinterzog, eine interessante Meldung. Für die Medien ist Hoeneß ein Mann, der wohl im innersten Wesen unschuldig ist. Wohl verleitet wurde - von bösen Mächten - und eigentlich frei sein sollte.

Die Staatsanwaltschaft München legt im Fall Uli Hoeneß keine Rechtsmittel ein. Damit wird das Urteil gegen Hoeneß zu dreieinhalb Jahren Haft rechtskräftig und der Ex-Präsident des FC Bayern muss ins Gefängnis. Die Medien haben schon vor der Verurteilung ein Bild gemalt, welches Hoeneß als Unschuldslamm darstellt. Bei Wulff war das auch so - jedoch war sein Bild das Bild eines Verbrechers. Wobei bei Wulff von Anfang an klar war: Er wird nicht hinter schwedische Gardinen kommen. Fakt ist: Während Hoeneß unter Artenschutz steht, ist Wulff Freiwild. Das liegt wohl an den unterschiedlichen Rollen. Wulff ist Politiker. Ein Politiker, der wegen 770 Euro vor dem Richter steht, ist also ein schlechter Mensch. Der Präsident des FC Bayern München, der Deutschland so viel Freude bereitet, hinterzieht knapp 30 Millionen Euro. Das wird seine Gründe haben - Hauptsache, es schadet nicht Fußball Deutschland.

 

Wie sehen Sie die Sache? Ist die 3 1/2-jährige Haftstrafe gerechtfertigt oder ist das Urteil doch zu mild? Oder finden Sie, dass eine bedingte Haftstrafe ausreicht? Und glauben Sie, dass die Medien bei dem Urteil eine Rolle spielten?

 

Foto: © Teteline - Fotolia.com

Redaktion, 18.03.2014

394515
0 | 23.03.2014, 12:13

Herr Hönes ist milde davon gekommen. Eine Serviererin die ein Brötchen, das sowiso im Müll gelandet wäre wurde Fristlos entlassen und steht jetzt auf der Strasse.
Herrn Hönes wurde für seine Millionen Betrügereien noch Respekt gezollt, für mich nicht nachvollziehbar.
In Deutschland muss man Millionen,Oder Milliarden betrügen, Flotex Skandal Schmieder oder der herr DR. Schneider dann hat man von höchster Stelle noch Respekt verdient.

Banenrepuplik Deutschland

swimmy
0 | 21.03.2014, 21:30

Dieses ganze bimbamborium um die "großen Herren" ist schon fast wieder lächerlich! Die Strafe für den Herrn Höneß,ist verdient,nur leider ist das Gefängnis auch nicht umsonst,vielleicht zahlt er die "Miete" dafür aus eigener Tasche? Ansonsten ist ja der Steuerzahler dafür zuständig, soviel ich weiß!
Dafür wird jetzt um die Rente gefeixt,1,7%,im Westen, und bei Hartz 4 ist's dasselbe,da ist die Soße teurer als der Braten!
M.E.ist Gerechtigkeit nur ein "Wort!"

boss15
0 | 21.03.2014, 09:56

ich bin auch der meinung, durch eine revision der staatsanwaltschaft wäre es noch dicker gekommen. da sind noch andere im spiel von diesem verbrecherverein. rummenigge ist auch vorbestaft. hoeneß ist nun mal ein straftäter. das ist noch milde ausgedrückt. es ist eben so, vor dem gesetz sind alle gleich. DAS IST DIE POSSE SCHLECHT HIN. wenn man wulff od. hoeneß heißt gelten andere spielregeln.wie gesagt, hoeneß hat nur den kopf hingehalten. er wird die ganze summe von seinen GUTEN FREUNDEN ersetzt bekommen. wo er nun hingeht ist kein KNAST, es ist ein etwas anderer URLAUB. DEUTSCHLAND GUTE NACHT.

LisaLisa53
0 | 19.03.2014, 21:41

Kleine, du sprichst mir sowas von aus der Seele.....

kleine_chaotin
4 | 19.03.2014, 08:39

Die Beiden haben noch mehr gemeinsam, nämlich die Selbstdarstellung als Saubermänner und Moralapostel.

Und bei Beiden ist dieses Bild geplatzt wie eine Seifenblase. Und da ist es mir persönlich völlig egal, von welchen Beträgen die Rede ist.

Mitleid mit Herrn Wulff?? Boah, da krieg' ich doch das kalte Grausen.
Er macht sich die Taschen voll mit dem Ehrensold, Bürokosten, Personal- und Fahrzeugkosten und das alles lebenslang auf Steuerzahler's Kosten.

Jeder kleine Pimpf mit einem solchen Fehlverhalten im Job - und das ist es nun mal "Vorteilsnahme im Amt" - würde auf der Straße stehen und nach einem Jahr H4 beantragen müssen.

Aber auch mit Herrn H. kann ich wenig bis kein Mitleid empfinden.
Die Zockermentalität ist mir nicht fremd - mein Ex hat alles verspielt, aber keine 150 Mios gemacht - und ich kann mir lebhaft vorstellen, wie das abgelaufen ist. Allerdings kann man solche Leute wirklich nur da treffen, wo es weh tut..im Portemonaie und in der Selbstdarstellung. Das gelingt in beiden Punkten leider nur teilweise, denn das Geldsäckel ist bestens gefüllt und Medienpräsenz witerhin gegeben.

Wenn Lieschen Müller in Relation gesehen Ähnliches veranstalten würde, wären die Strafen sicher anders ausgefallen...

so sind alle Gleich, die einen eben ein wenig Gleicher.

ninanachteule
3 | 18.03.2014, 21:02

Ich bin nach wie vor der Meinung,
daß im Fall U.H. eine saftige Geldstrafe angebrachter gewesen wäre
und dem Staatssäckel hätte so ein "kleiner" Zuschuss auch gutgetan.

Was jedoch den "Wulff-Skandal" angeht -
Einfach nur lächerlich, um diese relativ kleine Summe so einen Wirbel zu machen!
...und die Gerichtskosten dürften ja wohl in keinem Verhältnis
zu den paar Euro, um die es da geht, stehen.

Die Gerichte sollten sich lieber um die (richtig großen) Steuer-Verschwender kümmern (müssen)

...sagt Eine, die zwar nicht viel Ahnung von Recht -
dafür aber eine gesunde Einstellung zur Gerechtigkeit hat.

Johp60
4 | 18.03.2014, 20:19

Es bleibt, wie der Schwabe sagt "ä G'schmäckle" - in mehrerlei Hinsicht, auch in Bezug auf den Revisionsverzicht der Staatsanwaltschaft. Denn wie sich spätestens am Fall Hoeneß zeigte, ist die Rechtspraxis der Selbstanzeige auch unter Juristen und Steuerrechtlern keineswegs unumstritten. Berufung und ein Präzedenzspruch des BGH hätten hier für wesentlich mehr Klarheit sorgen können. Man kann den Eindruck schwer verdrängen, daß gerade das nicht wirklich gewollt war. So bleibt Hoeneß Bauernopfer vor der Masse der Steuerhinterzieher, deren Jahresschuld vom Bund der Steuerzahler mit über v100 Milliarden Euro geschätzt wird. Haben wir's so dicke? Wie erklärt sich das einem Hartz IV-Empfänger, der mit 5 Euro Erhöhung abgespeist wird? Es sind hernach mehr Fragen offen, als beantwortet.

Sprotte1946
11 | 18.03.2014, 19:12

Ich finde das Urteil zu milde; ausserdem finde ich es beachtenswert, dass die Staatsanwaltschaft nicht in Revision geht. Ich denke mir, dass ganz bewusst auf die Revision verzichtet wurde, denn u. U. wären noch mehr hinterzogene Steuern ans Licht gekommen.