Krebserreger Glyphosat: EU-Kommission will Glyphosat-Zulassung verlängern

Krebserreger Glyphosat: EU-Kommission will Glyphosat-Zulassung verlängern

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Allen möglichen Gesundheitsrisiken zum Trotz - der Unkrautvernichter Glyphosat darf weiterhin in der Europäischen Union verwendet werden. Die EU-Kommission hat die Zulassung für das umstrittene Mittel um 18 Monate verlängert. Die Entscheidung aus Brüssel wurde Ende Juni übermittelt.Der Entscheidung gingen zähe Verhandlungen auf europäischer Ebene voraus. Die jetzt beschlossene Verlängerung wird sowohl von Umweltschützern als auch von Pestizidherstellern heftig kritisiert.

 

 

Keine Einigung der Mitgliedsstaaten

 

Eigentlich sollte Glyphosat für 15 weitere Jahre in der EU zum Einsatz kommen, eine Verlängerung schien nur Formsache zu sein. Erst zunehmende Proteste aus einigen Mitgliedsstaaten brachten die Diskussion um das Mittel ins Rollen. Als Kompromiss stand eine Verlängerung um neun Jahre im Raum, nun sind es 1,5 Jahre geworden. Glyphosat steht in Verdacht, krebserregend zu sein. Zu diesem Ergebnis kam eine Studie der Weltgesundheitsorganisation aus dem März 2015. Für Gegner der Chemikalie ausreichend, die Zulassung nicht zu verlängern.Der größte Gegenwind kam aus Frankreich und Deutschland. In beiden Staaten haben Umweltschutzverbände und Einwohner mit Petitionen gegen die Verlängerung der Zulassung protestiert. Europaweit formierten sich Protestgruppen, aber auch Befürworter. In Deutschland entzweite das Unkrautvernichtungsmittel sogar die große Koalition. Die SPD sprach sich gegen die Verlängerung aus, die Christdemokraten sprachen sich für Glyphosat aus. Auf europäischer Ebene enthielt sich Deutschland daher bei Abstimmungen

 

 

Neue Studie soll abgewartet werden

 

Während die Weltgesundheitsorganisation den Unkrautvernichter als vermutlich krebserregend einstufte, kamen zwei andere Studien zu gegensätzlichen Urteilen. Das deutsche Bundesamt für Risikobewertung (BfR) stufte Glyphosat als nicht krebserregend ein. Laut dem Verein Umweltinstitut München hatte das BfR jedoch im Rahmen seiner wissenschaftlichen Neubewertung des Unkrautvernichters mehrere kritische Studien als "nicht zuverlässig" eingestuft. Anschließend urteilte auch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit, Glyphosat sei vermutlich nicht krebsfördernd.

 

Die Zweifel innerhalb der EU verhinderten eine einheitliche Linie der Unionspartner. Weder das Brüsseler Parlament noch die Fachausschüsse konnten sich mehrheitlich für oder gegen den Unkrautvernichter entscheiden. Schlussendlich scheiterte auch eine Lösung im Berufungsausschuss, die Kommission konnte im Alleingang entscheiden.Der nun gefundene Kompromiss der EU-Kommission soll die Zeit überbrücken, bis eine neue Studie veröffentlicht wird. Ohne eine Verlängerung hätte Glyphosat am Juli 2016 nicht mehr zum Einsatz kommen dürfen. Derzeit beschäftigt sich die europäische Chemikalienagentur mit der Frage, wie krebsfördernd das Mittel ist. Das Urteil wird den Ausschlag geben, ob eine weitere Zulassung ab 2018 realistisch ist.

 

 

Deutliche Kritik aus beiden Lagern

 

So richtig zufrieden sind weder die Befürworter noch die Kritiker. Für den Pestizidhersteller Monsanto wäre nur eine Verlängerung um 15 Jahre infrage gekommen. Mit der jetzigen Lösung wäre das Problem nicht gelöst, sondern nur verschoben worden. Sie werden unabhängig von der weiteren Studie für die Zulassung von Glyphosat kämpfen. Die Alternativen zur Chemikalie wären eine größere Gefahr für Mensch und Natur.

Noch lauter sind jedoch die Stimmen von Umweltverbänden. Sie sehen die EU-Kommission "offenkundig von den Interessen der Agrarindustrie" geleitet, das Wohl der Gesundheit stehe hinter finanziellen Anreizen. Allein ein geringes Risiko müsse für ein komplettes Verbot des Unkrautvernichters ausreichen. Weltweit kommt das Mittel zum Einsatz, in Deutschland wird es von 70 bis 80 Prozent aller Landwirte genutzt.

 

 

Einsatz verdoppelte sich

 

Glyphosat ist in der Landwirtschaft ein alter Bekannter. In den 1950er Jahren entwickelt, wird es seit den 70er Jahren auch in der Landwirtschaft eingesetzt. Glyphosat war anfangs ein reiner Unkrautvernichter, der vor der Aussaat auf die Felder gesprüht wurde.Mit dem Siegeszug von genetisch veränderten Aussaaten nahm der Einsatz des Unkrautvernichters deutlich zu. Die neuen Aussaaten sind genetisch so verändert, dass sie resistent gegen Glyphosat sind. Doppelt so häufig wie noch in den 1990er Jahren wird das Mittel auf deutschen Feldern eingesetzt. Die Chemikalie wird nicht nur im großen Maße in der Landwirtschaft verwendet. Privatanwendern ist es als Unkrautvernichter Roundup bekannt.  

 

 

Foto (c): Farbkombinat / fotolia.de

Redaktion, 30.06.2016

Figges
0 | 30.06.2016, 16:21

Bravo, Redaktion, ein informativer guter Beitrag.

Biene13
1 | 30.06.2016, 16:18

Ja, beim Verbraucher müßte endlich mal die "Geiz ist geil"-Mentalität aufhören, denn gerade bei Lebensmitteln sollte man den Bauern einen entsprechenden Preis zahlen, dann würden mehr Landwirte auf BIO umrüsten.
Lt. einer Studie haben wir schon alle dieses Herbizid aufgenommen über Mehlprodukte in unseren Körpern, dazu muss man nicht Landwirt sein!