Weihnachten zwischen Konsum und Besinnlichkeit

Weihnachten zwischen Konsum und Besinnlichkeit

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Alle Jahre wieder fängt spätestens am ersten Adventssamstag die allgemeine Jagd auf Weihnachtsgeschenke in den deutschen Innenstädten an. Ob die Verbraucher es sich leisten können, oder nicht, es wird auf Teufel heraus gekauft, was die Kreditkarte und der Dispositionskredit hergeben. Da eigentlich beinahe jeder Mensch ab einem gewissen Alter alles hat, was er braucht, lässt sich die Konsumgüterindustrie immer Neues einfallen, um Wünsche und Begehrlichkeiten zu erwecken. Bei all der Hektik geht die Besinnlichkeit, die eigentlich in der Weihnachtszeit im Mittelpunkt stehen sollte, völlig verloren. Leider ist das nicht nur beim Weihnachts-Shopping der Fall, sondern oft genug auch beim Auspacken, Taxieren und desinteressierten Ablegen von Geschenken unter dem Tannenbaum so. Wenn man diesen Weihnachtswahnsinn über Jahrzehnte mitgemacht hat, wird es Zeit etwas zu ändern. Jeder Erwachsene hat die Wahl, das wichtigste Fest im Jahr weiterhin mit einer Konsumorgie zu begehen, mit allen negativen Folgen für Umwelt, Geldbeutel und den eigenen Seelenfrieden, oder etwas Neues zu wagen.

 

Der Sinn des Weihnachtsgeschenkes

Der Schlüssel zu einem neuen Verständnis von Weihnachten ist die Rückbesinnung auf das, wofür das große christliche Fest steht. Auch wenn man kein Kirchgänger ist, kann einem die Idee gefallen, dass ein unter sehr schwierigen Bedingungen geborenes Baby ein Zeichen der Hoffnung ist. Ihm zu Ehren wurden seiner Mutter die ersten Weihnachtsgeschenke von den Hirten und den Heiligen Drei Königen überreicht. Um das schöne Ideal der Nächstenliebe und des Friedens zu würdigen, ist es wohl weniger angebracht, Menschen, die sowieso schon im Überfluss leben, mit weiteren Gaben zu überhäufen. Viel angemessener erscheint es, denen zu geben, die nicht viel besitzen, ob das Kinder in der dritten Welt oder arme und einsame Rentner in deutschen Großstädten sind. Jeder, der schon einmal zu Weihnachten einen größeren Betrag für wohltätige Zwecke gespendet hat, weiß, wie glücklich einen selbst dieses Geben macht. Wenn man in der Familie oder im Freundeskreis beschließt, auf das gegenseitige Schenken zu verzichten und stattdessen gemeinsam für einen guten Zweck zu spenden, bereitet das noch viel mehr Freude.

 

Weniger ist mehr

Doch man muss ja auch als älteres Semester, das eigentlich wunschlos glücklich ist (jedenfalls, was materielle Dinge angeht), nicht völlig auf Geschenke verzichten. Viele Verwandte und Freunde werden mit Erleichterung auf den Vorschlag reagieren, nur noch den Kindern etwas Größeres zu schenken und es ansonsten bei Kleinigkeiten bewenden zu lassen. Wichtig ist dabei, einen festen Betrag als absolute Obergrenze für Weihnachtsgeschenke zu vereinbaren. 10 Euro sind völlig ausreichend: Für diesen Betrag lassen sich schon überraschend originelle Geschenke kaufen. Auch die Anzahl der Geschenke kann begrenzt werden, zum Beispiel auf drei Präsente, die jeder unter dem Weihnachtsbaum auspacken darf. So wird jedem Geschenk die gebührende Aufmerksamkeit zuteil und der Ablauf des ganzen Heiligen Abends wird entschleunigt.

 

Nur Selbstgemachtes

Besonders liebevoll sind selbstgemachte Geschenke. Ohne Weiteres kann man vereinbaren, sich im Freundes- und Familienkreis nur selbst Hergestelltes zu schenken. Zwei linke Hände sind dabei keine Ausrede, denn es erfordert keine besondere Geschicklichkeit, schöne Musik aufzunehmen, gelungene Fotos auszudrucken und zu einem Album zusammenzustellen oder auch Nüsse selbst zu sammeln und in einem schönen Beutel zu verpacken. Viel mehr als auf handwerkliches Können kommt es dabei auf die persönliche Note an, so dass der Beschenkte sich wirklich angesprochen fühlt. Genauso freuen sich viele Menschen über Gutscheine, die sie während des nächsten Jahres einlösen können, natürlich nicht zum Einkaufen in irgendeinem Geschäft, sondern für ganz individuelle Hilfe oder gemeinsame Unternehmungen. So kann es beispielsweise das schönste Geschenk für einen Fußfallfan sein, wenn ihm die (bislang am Fußball desinteressierte) Ehefrau einen Gutschein für einen gemeinsamen Stadionbesuch unter den Christbaum legt.

 

Wichteln

Für viel Unterhaltung am Weihnachtsabend sorgt das beliebte Weihnachtswichteln. Jeder bringt ein kleines Geschenk mit, das entweder ausgelost wird oder einem im vornherein bestimmten Empfänger zugedacht ist. Die schönsten Überraschungen erlebt man beim Wichteln mit gebrauchten Dingen, die jeder Gast aus seinem Haushalt mitnimmt. Das kostet überhaupt nichts, ist äußerst umweltfreundlich und ein großer Spaß, insbesondere, wenn möglichst kuriose Objekte mitgebracht werden.

Redaktion, 17.12.2011

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