Seitensprung: Warum wir fremdgehen

Seitensprung: Warum wir fremdgehen

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Die ewige Liebe, sie ist eines der großen Ideale unserer Zeit. Begehrend, leidenschaftlich, zärtlich - die Gefühle für ein und denselben Partner sollen bis ans Lebensende halten. Doch so schön diese Vorstellung uns erscheint, ist sie auch realistisch? Die Statistik scheint den romantischen Wunsch zu widerlegen. Anonyme Umfragen zeigen: Ein erheblicher Prozentsatz der Befragten hatte, obwohl in einer festen Partnerschaft lebend, bereits ein oder mehrmals einen Seitensprung, mancher gar eine längere Affäre. Die solide Beziehung, sie scheint in den Hintergrund zu treten, wenn das Abenteuer lockt. Warum ist das so? Der folgende Überblick gibt Aufschluss.

 

Liebeskiller Routine

Ein Problem langjähriger Beziehungen ist in der Tat die Routine. Die Verliebtheit der ersten Monate und Jahre ist lange abgeklungen. Was bleibt, ist zwar eine felsenfeste und absolut tragfeste Beziehung, aber die Leidenschaft, die Neugier und das aufregende „Kribbeln“ - sie sind der Vertrautheit und oftmals leider auch der Langeweile gewichen. Gespräche, so sie denn noch geführt werden, drehen sich oft nur noch um Alltägliches. Der Partner wird als selbstverständlich empfunden und häufig auch so behandelt.

Hinzu kommt: In einer langjährigen Beziehung kennen sich beide Partner schließlich in- und auswendig. Vor- und Nachteil zugleich - zwar weiß man bei seinem Partner ziemlich sicher, "was man hat", allerdings sind auch Überraschungen kaum mehr zu erwarten. Das Sexualleben, so es noch nicht eingeschlafen ist, es bietet also wenig Neues. Auf diesem Nährboden können Wünsche wachsen, die sich nur außerhalb der Beziehung erfüllen lassen.

 

Dissonanzen in der eigenen Beziehung

Abgesehen von Routine und harmlosem Alltags-Allerlei kann es unter der Oberfläche einer scheinbar intakten Beziehung, bemerkt oder unbemerkt, auch ganz ernsthaft brodeln. Sprachlosigkeit und Desinteresse können dazu führen, dass sich der Partner mit seinen Problemen alleingelassen fühlt. Wenn dieser Zustand längere Zeit anhält, kann es zu einer fortschreitenden Entfremdung beider Partner kommen, die nicht selten in einem Ausbruchsversuch durch eine Affäre gipfelt.

Gleiches gilt für häufige Streitereien, die nicht mehr befriedigend gelöst und verarbeitet werden können. Nehmen die negativen Momente in einer Beziehung überhand, so ist der Seitensprung oft das einzige Mittel, den eigenen Wunsch nach Harmonie, Zärtlichkeit und Verständnis zu befriedigen.

 

Kein Mangel an Gelegenheit

Lernte man sich früher im Tanzcafé oder über Kontaktanzeigen kennen, so sind die Möglichkeiten heute ungleich komfortabler. Kaum ein Haushalt ohne Computer und Internetanschluss. Die praktische Gelegenheit zum potenziellen Seitensprung lauert also buchstäblich auf dem heimischen Schreibtisch. Single-Kontaktbörsen, Seitensprung-Agenturen und sogar professionelle Alibi-Beschaffer, sie alle bieten ihre Dienste an und werben mit dem Abenteuer. Leidenschaft und Herzklopfen - im Internet lassen sie sich problemlos, unverbindlich und erfolgreich finden. Nicht selten ist es hier die schnelle Gelegenheit, die den Wunsch überhaupt erst weckt.

 

War das nun schon alles?

Besonders wenn Paare sich bereits in frühen Jahren gebunden haben und seither eine langjährige Beziehung führen, kann früher oder später der Eindruck entstehen, man würde die wirklich interessanten Dinge des Lebens "verpassen". Mit steigendem Alter wächst gewissermaßen die "Torschlusspanik". Ist man noch für andere attraktiv? Wie viel Chancen hat man noch beim anderen Geschlecht? Diese bohrenden Fragen lassen sich nur dann eindeutig beantworten, wenn man es testet. Dabei muss der Seitensprung gar nichts mit der Qualität der heimischen Beziehung zu tun haben. Sehnsucht nach Abwechslung, nach Abenteuer, nach Bestätigung und fremder Haut - dies sind oft die Triebfedern für scheinbar grundloses Fremdgehen.

 

Der Seitensprung als Chance

Die Langeweile des Alltags kombiniert mit dem Reiz des Verbotenen - nur selten ist der Seitensprung ein ernsthafter Versuch, tatsächlich aus der Beziehung auszubrechen. Meist ist es lediglich der Wunsch nach Bestätigung, die Sehnsucht nach dem Besonderen, das Verlangen, sich noch einmal frisch verliebt zu fühlen.

Ist dieses Bedürfnis erst gestillt, erscheinen auch Beziehung und Partnerschaft oft in einem ganz neuen Licht. In den allermeisten Fällen wird sich der Fremdgeher oder die Fremdgeherin ganz bewusst für eine Fortsetzung der langjährigen Beziehung entscheiden. Darum, weil sie eben doch felsenfest und absolut tragfähig ist! Oftmals können aus dem heimlich Erlebten so auch ganz neue, belebende Impulse für die vermeintlich eingeschlafene Partnerschaft entstehen.

Redaktion, 21.01.2012

brehna
0 | 06.02.2012, 22:27

Dann lieber einmal gemeinsam mit dem Partner, bzw. der Partnerin, in einen Swinger-Club gehen, um sich Anregungen für den häuslichen Sex zu holen.

stillesWasser
0 | 01.02.2012, 17:38

und ich habe gelernt, dass der Mann leider schneller schwach wird als die Frau. Sein gutes Stück ist ihm da leider oft im Weg. Ich kann den Mann einerseits verstehen, wenn die Hormone ihm den Verstand rauben. Es tut mir irgendwie leid für den Mann. Trotzdem kann ich es mit meiner Einstellung nicht vereinbaren und denke auch, dass ein Seitensprung für immer in der Partnerschaft etwas kaputt macht. Das Vertrauen fehlt dann. Ich sehe keine Lösung für beide, Mann und Frau. Es gibt doch dieses Buch "Warum Männer immer Sex wollen und Frauen von der Liebe träumen". Gibt es eine gerechte Lösung für Mann und Frau???

rheinnixe
0 | 22.01.2012, 16:02

Männer gehen aus Langeweile fremd, habe ich heute gelernt.
Somit hat die alte Frau von damals recht, als sie meinte,
frau muss mann in Aufregung halten, dann gelüstet es ihn
nicht nach Abenteuern.

Joschisxp
0 | 22.01.2012, 10:46

Mir gefällt der Titel nicht: Warum WIR fremdgehen. In Beziehungsfragen gibt es nach meinem Dafürhalten keine unter ein WIR zu subsumierenden Verhaltensweisen. Jeder Jeck ist anders.

Vielleicht bin ich ja hoffnungslos altmodisch, aber für mich ist Achtung das Schlüsselwort jeder guten Beziehung. Sobald ich Grenzen überschreite, die meine Partnerin und ich in unserer Definition von Beziehung für unpassierbar erklären, habe ich die Achtung vor ihr zum Teil verloren. Nach meiner Ansicht kann keine noch so geschliffene Rechtfertigungswortkette aus einem Akt der Missachtung eine "Chance" für einen Neubeginn machen!

SusanneB
0 | 22.01.2012, 09:17

Weder für mich selbst noch für meinen Partner würde ich die Hand ins Feuer legen, dass es einem von uns nicht passieren könnte. Und dann?
Lässt sich im Voraus nicht sagen, hängt von der jeweiligen Gefühlslage ab. Möglicherweise sofortiges Ende der Beziehung, großzügiges Gönnen oder Anstoß für verstärkte Beziehungsarbeit.

Eine ganz wichtige Erkenntnis für mich, fremdgehen hat nichts mit dem Partner/der Partnerin zu tun. Man tut es für sich und nicht gegen den anderen.

_Charlotte_
0 | 22.01.2012, 05:02

...der letzte Abschnitt Ihres Artikel klingt für mich, wie eine verharmloste Anleitung zum Fremdgehen.

Wenn der betrogene Partner dahinterkommt, ist das in den meisten Fällen das endgültige aus. Wenn nicht, kann das ein Anlass sein für eine ständige Querele - wer kann und will das auf die Dauer ertragen??

einatmenausatmen
0 | 21.01.2012, 17:53

Ich sehe den Seitensprung keinesfalls als neue Chance,kann eine Verletzung oder Demütigung Grundlage für einen Neuanfang sein? Eher nicht.Jedoch verurteilen würde ich auch niemanden der den anderen bgetrogen hat. Denn nichts geschieht einfach nur so.
Klar,man sollte immer etwas für die Partnerschaft tun. Nicht erst wenn die Beziehung nur noch aus Langeweile u. eingeschlafenem Sex besteht.....
Weiß aber auch sehr wohl, daß das nicht immer einfach ist, der Alltag tut sein Übriges.
-Glücklichsein muß man üben wie Geigespielen-