Buddhismus - Erlösung durch Selbsterkenntnis

Buddhismus - Erlösung durch Selbsterkenntnis

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Buddha sah sich weder als Gottesmann, also als Überbringer der göttlichen Lehren, noch als Gott. Keine göttliche Offenbarung wies ihm die Lehren, die er seinen Schülern näher brachte. Stattdessen gewann er durch die persönliche meditative Schau ein besonderes Verständnis für die Natur, den eigenen Geist sowie das Wesen aller Dinge. Diese Offenbarungen könnten jedem zuteilwerden, der den rechten Weg einschlägt und zu sich findet. Dies soll jedoch nicht durch dogmatisches Befolgen einer fest vorgeschriebenen Lehre erfolgen - die Selbstverantwortung des Einzelnen ist ein Hauptbestandteil der buddhistischen Lehren.

 

Die Basis des erfüllenden Lebens: die Harmonie aller Dinge

Der Buddhismus basiert auf der allumgreifenden Suche nach Glück und Harmonie. Ein wichtiger Aspekt der buddhistischen Lehre ist die Eigenverantwortung - nichts wird bedingungslos vorgeschrieben. Der Weg des Einzelnen ist individuell, so dass der persönliche Weg des Lebens sowie die Entscheidungen, die diesen Weg diktieren, von jedem selbst getroffen und bestritten werden. Bereitschaft zum Dialog, Toleranz, ein Leben frei von Gewalt und Dogmen sind die Eckpfeiler eines buddhistischen Lebens. Den Buddhismus unterscheidet insbesondere die Tatsache, dass er nicht auf eine allein gültige Wahrheit besteht von anderen Religionen.

 

Die Grundfeste des Buddhismus

Ein wichtiger Bestandteil des Buddhismus sind die "Vier Edlen Wahrheiten". Diese vier Lehren waren die ersten, die den Schülern des Buddha nahegebracht wurden.

 

1. Dukkha

Dukkha bedeutet in die deutsche Sprache übersetzt so viel wie "Leiden". Daher wird diese Lehre auch "Die Wahrheit vom Leiden" genannt. In dieser Edlen Wahrheit spricht Buddha von der Tatsache, dass ein unerleuchtetes Leben voller Leid ist - von der Geburt, dem Altern, der Krankheit bis hin zum Tod. Das Dasein jedes lebenden Wesens ist demnach von Leid beschattet. Um die Befreiung von allem Leiden zu erreichen, ist diese Erkenntnis essenziell.

 

2. Samudaya

Hier steht die Wahrheit über die Ursache jedes Leidens im Fokus: Hass, Gier, Wut und Verblendung. Diese gilt es zu überwinden, um frei von Leid zu sein.

 

3. Nirodha

Die Wahrheit vom Ende des Leidens gründet auf der Aussage: Wer das Leid mindern will, muss die Ursache bekämpfen.

 

4. Magga

Diese Lehre, die "Wahrheit vom Weg zur Beendigung des Leidens" führt zum "Edlen achtfachen Pfad", der ebenfalls zu den Grundfesten des Buddhismus gehört und den sich jeder Buddhist verinnerlichen muss.

 

Der edle achtfache Pfad

Diese Lehre gehört neben den Vier Edlen Wahrheiten zu den Grundlehren des Buddhismus, auf denen die gesamte Religion aufbaut. Der "Achtfache Pfad" gilt als Leitfaden, der den Weg zu einem vom Leid befreiten Leben ebnet.

Diese vollkommene Beendigung des Leidens kann durch acht Elemente erreicht werden, die unter den drei Oberbegriffen "Ethik", "Meditation" sowie "Wissen und Weisheit" zusammengefasst werden. Zu ihnen gehören:

  • - die vollkommene Sicht,
  • - der vollkommende Lebenserwerb,
  • - die vollkommene Gesinnung,
  • - die vollkommene Anstrengung,
  • - die vollkommene Rede,
  • - die vollkommende Tat,
  • - die vollkommende Achtsamkeit sowie
  • - die vollkommene Sammlung durch Mediation.

Aufbauend auf diesem Glaubenskern kennt der Buddhismus eine eigene Perspektive des Lebens. Zu dieser speziellen Perspektive gehören unter anderem das Karma, der Kreislauf des Lebens sowie die Reinkarnation.

 

Karma: Die Lehre von Ursache und Wirkung

Das Karma bezieht sich sowohl auf die physische als auch auf die psychische Ebene und auf die Auswirkungen unseres Denken und Tun. Der Buddhismus unterscheidet dabei zwischen dem guten, dem schlechten und dem neutralen Karma. Letzteres wird vom Buddhismus angestrebt, denn dieses ebnet den Eingang ins Nirvana, während schlechtes oder gutes Karma eine Wiedergeburt, die den Weg ins Nirvana unmöglich macht, nach sich ziehen.

 

Samsara: Der Kreislauf des Lebens

Unter dem Samsara versteht der Buddhist den ewig andauernden Kreislauf des Lebens. Immerwährendes geboren werden und sterben, um wiedergeboren zu werden. Das jetzige Sein zu akzeptieren und dabei die Vergänglichkeit eines Lebenszyklus zu akzeptieren. Der Buddhismus zählt alle Lebewesen sowie die Götter und Wesen der Unterwelt zu diesem Kreislauf des Lebens. Diesen Kreislauf zu durchbrechen und ins Nirvana einziehen zu können ist das Ziel des Buddhisten.

 

Reinkarnation: Ewiges Leben durch Wiedergeburt

Laut der Lehre Buddhas ist die Wiedergeburt nicht gleichzusetzen mit einer Wanderung der Seele, sondern als Kraft eines aus dem Leben geschiedenen, der während seiner Lebzeiten ein nicht neutrales Karma besaß.

 

Bodhi: Das Erwachen

Das Begreifen, Akzeptieren und Umsetzen der Vier Edlen Wahrheiten ist eine Grundvoraussetzung für das Erwachen. Außerdem ist die Überwindung aller Bedürfnisse, die an das Dasein binden sowie aller Täuschungen vorausgesetzt. Dies hat zur Folge, dass alle karmischen Kräfte vergehen. So kann durch Bodhi der Kreislauf des Lebens und Leidens verlassen und das angestrebte Nirvana erreicht werden.

 

Die wichtigste aller Grundlagen: Das Nirvana

Beim Eintritt in das Nirvana verlässt die Seele den Kreislauf des Lebens für immer. Wiedergeburten sind ab diesem Moment nicht mehr möglich. Das Nirvana bleibt allerdings denjenigen vorbehalten, deren Seele neutral war, weder gut noch böse und demnach kein Karma aufwies. Das Nirvana wird als Ort beschrieben, der sich für jedes Individuum anders darstellt und der nur im Geiste gefunden werden kann.

 

Foto: © TanArt - Fotolia.com

Redaktion, 28.05.2014

HSP001
0 | 29.05.2014, 09:13

Religionen sind Mittel zum Zweck. Der Glaube an sich ist davon unabhängig und diesen Weg kann nur jeder für sich herausfinden, indem er ihn geht.
Verständnis statt Kritik und Verurteilung,
Mitgefühl anstelle von Desinteressiertheit,
Akzeptanz und Toleranz anstatt von egozentrischem Verhalten
sind ein Beginn.
Es ist ein langer Weg zu dem von Frieden im Herzen.