Kognitive Verhaltenstherapie: Was Sie wissen sollten

Kognitive Verhaltenstherapie: Was Sie wissen sollten

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Für Menschen, die mit psychischen Problemen zu kämpfen haben, sind Medikamente und Therapie die beiden am häufigsten von Medizinern empfohlenen Behandlungsoptionen. Die Patienten sind jedoch oft überfordert von den zahlreichen medikamentösen und therapeutischen Behandlungsmöglichkeiten, die ihnen zur Verfügung stehen.

 

Eine besonders wirksame Form der Psychotherapie ist die kognitive Verhaltenstherapie, die auch unter dem Kürzel KVT bekannt ist. Für Patienten, die einen strukturierten, zielorientierten Weg zu einer besseren psychischen Gesundheit suchen, kann KVT wertvolle Lösungen bieten.

 

Was ist kognitive Verhaltenstherapie?

 

Kognitive Verhaltenstherapie ist ein therapeutischer Prozess zur Behandlung von dysfunktionalen Gedanken, Emotionen und Verhaltensweisen. Im Gegensatz zur Freudschen Psychoanalyse oder vielen Formen der Gesprächstherapie konzentriert sich die KVT weniger auf die Diskussion vergangener Wunden und mehr auf die Veränderung der Denk- und Verhaltensmuster der Patienten. Indem destruktive Gedanken und Handlungen durch konstruktive ersetzt werden, verbessern sich letztlich die emotionalen Zustände der Patienten.

 

KVT wurde in den 1960er Jahren von dem Psychiater Aaron Beck entwickelt. Bei der Behandlung der Patienten stellte Beck fest, dass die meisten Menschen einen umfangreichen internen Dialog mit sich selbst führten. Beck erkannte, dass sich diese inneren Gespräche bei den Patienten automatisch entwickelten. Obwohl viele Patienten diese automatischen Gedanken zunächst nicht erkannten, konnte ihnen beigebracht werden, sich ihrer bewusst zu werden und sie anzuerkennen. In vielen Fällen verursachten diese emotional aufgeladenen Gedanken negative Gefühle für die Patienten und verschlimmerten ihre Probleme. Durch das Erkennen und Modifizieren dieser unrealistischen und wenig hilfreichen Denkmuster verbesserten die Patienten jedoch letztlich ihre geistige und emotionale Gesundheit. Die Veränderung negativer Denkmuster ist die Grundlage der kognitiven Verhaltenstherapie.

 

In den meisten Fällen ist die KVT eine relativ strukturierte Therapieform. Die Behandlung erfolgt in der Regel in wöchentlichen Therapiesitzungen über einen Zeitraum von 6-12 Monaten. Therapeut und Patient planen oft gemeinsam jede Therapiesitzung, gehen bei jedem Treffen ein bestimmtes Thema an und besprechen dazugehörige "Hausaufgaben". Indem sie patientenspezifische Probleme angehen und bei der Veränderung von Denkmustern helfen, versuchen KVT-Therapeuten letztlich, ihre Patienten zum Wohlbefinden zu führen.

 

Welche Probleme können mit KVT behandelt werden?

 

Die kognitive Verhaltenstherapie hat das Potenzial, vielen Patienten zu helfen. Im Allgemeinen ist KVT am effektivsten für diejenigen, die sich einen zielgerichteten Therapieplan wünschen. Patienten, die vage Beschwerden haben oder eine allgemeinere Form der Gesprächstherapie bevorzugen, profitieren von der Struktur des KVT vielleicht weniger.

 

KVT kann zur Behandlung einer Vielzahl von psychischen und physischen Erkrankungen eingesetzt werden. Häufige psychische und emotionale Gesundheitsprobleme wie Angst, Depressionen, Sucht, Essstörungen, Zwangsstörungen, Phobien und Stimmungsschwankungen können durch kognitive Verhaltenstherapie verbessert werden. Auch Menschen mit PTBS können von der kognitiven Umstrukturierung profitieren, die diese Therapieform bietet. Allgemeinere Gesundheitsprobleme wie Schlafstörungen, chronische Schmerzen oder chronisches Erschöpfungssyndrom können sich durch die Behandlung ebenfalls verbessern. Auch Patienten mit psychosomatischen Beschwerden können eventuell deren Symptome reduzieren.

 

Die kognitive Verhaltenstherapie hat das Potenzial, Menschen mit unterschiedlichen Gesundheitszuständen zu helfen. Sprechen Sie mit einem Psychotherapeuten oder stellen Sie eigene Nachforschungen an, um herauszufinden, ob KVT die richtige Behandlungsweise für Sie ist oder nicht.

 

Ist die kognitive Verhaltenstherapie wirksam?

 

Bei der Behandlung von psychischen Problemen gibt es keine Musterlösung. Während KVT bei manchen Patienten hochwirksam sein kann, hat es bei anderen wenig bis gar keinen Nutzen. Für viele ist die Kombination einer Therapieform wie KVT mit Medikamenten die effektivste Form der Behandlung.

 

Klinische Studien zur Wirksamkeit von KVT haben unterschiedliche Ergebnisse gezeigt. Im Allgemeinen profitieren Patienten, die sich für das Programm engagieren, am meisten von der therapeutischen Behandlung. Personen mit besonders schwerwiegenden oder chronischen psychischen Problemen, wie z.B. schweren depressiven Störungen, bipolaren Störungen oder Schizophrenie, bemerken möglicherweise nicht so deutlich eine Verringerung ihrer Symptome wie Patienten, die mit anderen Erkrankungen kämpfen.

 

Der einzige Weg zu wissen, ob eine kognitive Verhaltenstherapie Ihnen hilft, ist es zu versuchen. Wenn es unwirksam ist, stehen Ihnen viele andere therapeutische und medizinische Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung.

 

Wie kann ich mit KVT beginnen?

 

Wenn Sie an einer kognitiven Verhaltenstherapie interessiert sind, sollten Sie die KVT-Werkzeuge und -Techniken online nachschlagen. Die praktische Struktur der KVT ermöglicht es, mit der kognitiven Umstrukturierung zu beginnen, noch bevor man sich mit einem Therapeuten trifft. Erwägen Sie, sich mit den Arten von kognitiven Verzerrungen vertraut zu machen, die Sie möglicherweise erleben. Indem Sie nicht hilfreiche Denkformen wie Katastrophalisierung, Überverallgemeinerung, Schuldzuweisung oder Denken in Form von "ich soll" erkennen und korrigieren, können Sie beginnen, die wesentlichen Werkzeuge der KVT selbst zu nutzen.

 

Wenn Sie das Gefühl haben, dass die von KVT angebotenen Werkzeuge gut für Sie funktionieren, dann überlegen Sie, einen Psychiater aufzusuchen, der in kognitiver Verhaltenstherapie ausgebildet ist. Durch die Zusammenarbeit mit einem geschulten Spezialisten können Sie eine Verbesserung Ihres geistigen und körperlichen Wohlbefindens bewirken.

 

Das Fazit:

Kognitive Verhaltenstherapie ist ein praktisches, strukturiertes Therapiesystem, das das Potenzial hat, die Gesundheit von Menschen zu verbessern, die an einer Vielzahl von psychischen, emotionalen und psychosomatischen Erkrankungen leiden. Wenn sich ein Patient mit dem richtigen Therapeuten verbindet und sich dem therapeutischen Prozess verpflichtet, ist das Heilungspotenzial besonders groß. Wie bei allen Therapieformen ist die Wirksamkeit jedoch unterschiedlich. Wenn Sie nach dem Ausprobieren von KVT keine Ergebnisse bemerken, verlieren Sie nicht die Hoffnung! Sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Psychiater, um andere Behandlungsformen zu besprechen, die für Sie effektiver sein könnten.

 

 

Photo: © Viacheslav Iakobchuk / fotolia.com

Redaktion, 19.07.2018

Fenning
0 | 22.07.2018, 13:20

Hallo, ich bin Psychotherapeut und hab beide Ausbildungen, tiefenpsychologisch und Verhaltenstherapie.
Aus meiner Sicht ist die kVT mit ganz engem Horizont und einem hohen Ausmass an Arroganz gestartet (Behaviorismus), hat dann kapiert, dass das Verhalten nicht alles ist, hat sich aufs Denken (Kognitionen) geworfen und weitet sich seitdem ständig aus. Was vorgestern noch verspottet wurde (therapeutische Beziehung, Emotionen) wird mehr und mehr integriert - wie beim Hinduismus oder wie bei manchen christlichen Sekten.
Leider ist der Therapieansatz insgesamt schräg - da sollen Anteile der Psyche sozusagen wegtherapiert werden, wie in der Schematherapie, was überhaupt nicht möglich ist. Der gangbare Weg ist es, mit den inneren Anteilen zu arbeiten und nicht gegen sie. Nur als ein Beispiel.
Und was soch sehr wundert, daß immer noch die Kognition hoch gehalten wird, wo doch längst klar ist, daß der Einfluss der Gefühle auf das Denken ungleich größer ist als der des Denkens auf die Emotionen. Aber die nächste Umgestaltung der VT ist vielleicht schon unterwegs...

41acul
0 | 20.07.2018, 05:47

Meditation ohne religiösen Bezug ist ein ähnlicher Weg wie die kognitive Verhaltenstherapie.
Vorteil KVH: Ich habe die Anleitung eines Therapeuten.
Vorteil Meditation: Ich bereite die "Gedankenarbeit" durch das Erlernen der Achtsamkeit besser vor. Sie ist nachhaltiger und tiefer, denn ich bin geübt und bleibe selbstständig dabei.
Felix

Lizard
0 | 20.07.2018, 01:52

Ganz guter Darstellung der kognitiven Verhaltenstherapie, wenngleich sich kaum ein Verhaltenstherapeut heute auf das "kognitiv" reduziert wissen möchte.

Im vorletzten Absatz heißt es. "Wenn Sie das Gefühl haben, dass die von KVT angebotenen Werkzeuge gut für Sie funktionieren, dann überlegen Sie, einen Psychiater aufzusuchen, der in kognitiver Verhaltenstherapie ausgebildet ist". Das ist nicht ganz richtig so!
Es gibt kaum einen in VT ausgebildeten Psychiater, das sind i.d.R. meine Psychologischen Pschotherapeuten Kolleginnen und Kollegen.

Mfg M. Ewald