Opa und Oma als Zweiteltern: So funktioniert es

Opa und Oma als Zweiteltern: So funktioniert es

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Großeltern sind heute für die Erziehung der Kinder wichtiger denn je. Allerdings müssen sie auch eine klare Rolle zugewiesen bekommen und nicht bloß Aufpasser sein.

 

In einer Welt, in der viele Eltern in Vollzeit arbeiten, mit Überstunden und tausenderlei Problemen zu kämpfen haben, kommt Großeltern oftmals eine besondere Rolle zu: Die der „Zweiteltern“. Doch damit dieser Konstellation ohne Reibungen und gegensätzliche Meinungen funktioniert, müssen einige Dinge beachtet werden:

 

 

1. Klare Verhältnisse schaffen

 

Bei Opa durfte ich das aber“. Solche Sätze kennen Papas und Mamas, die ihre Kinder zu den Großeltern brachten, zur Genüge. Kein Wunder, wie  „Die Zeit“ schreibt, ist heutzutage die Verbindung zwischen Enkeln und Großeltern enger als je zuvor. Das Problem dabei: Viele Eltern übergeben die Kinder einfach Opa und Oma, ohne abzusprechen, was erlaubt ist und was nicht. „Die haben mich großgezogen, da werden sie auch bei dem Kleinen nichts falsch machen“ ist der Grundtenor.  Allerdings kann eine solche Laissez-Faire-Haltung für Reibereien sorgen: Ein Kind, dem bei den Großeltern Dinge erlaubt werden, die zuhause tabu sind, wird sich schnell unfair behandelt fühlen.

 

Daher ist es unumgänglich, dass Großeltern, die eine regelmäßige Rolle in der Kindererziehung spielen sollen und wollen, sich mit den Eltern zusammensetzen und einen gemeinsamen Plan ausarbeiten. Dessen Ziel sollte sein, die Zeit bei den Großeltern zwar spaßig und lehrreich zu gestalten, aber strategisch an den Kurs anzuknüpfen, den die Erziehung der Eltern vorgibt. Das bedeutet: Wenn der Grundschüler zuhause am Wochenende um zehn im Bett liegen muss, sollten auch Opa und Oma nicht von diesem Weg abweichen. Alles andere würde dazu führen, dass das Kind seine Großeltern bevorzugt, weil es dort mehr Freiheiten hat.

 

 

2. Mehr als „Aufpasser“ und „Verwahrer“ sein

 

Zugegeben, dieser Unterpunkt ist vor allem für solche Großeltern schwierig, die noch gar nicht das Rentenalter erreicht haben. Denn laut „Greenstories“ sind beispielsweise heutige Omas bei der Geburt des ersten Enkels erst zwischen 50 und 55 Jahren alt und stehen oft noch mitten im Berufsleben. Da ist es klar, dass viele in der Freizeit andere Pläne haben, als nur der Aufpasser für das Enkelkind zu sein. Aber das müssen sie auch gar nicht. Viele Aktivitäten der Generation 50+ sind problemlos auch mit dem Enkelkind durchführbar. Und das hat sogar einige große Vorteile: Großeltern, die etwa ihre Freizeit gerne in Museen oder mit anderen kulturellen Angeboten verbringen, können so den Horizont ihres Enkels weit über die Grenzen dessen, was seine Eltern vorleben, erweitern – ohne dass sich die Kinder langweilen.

 

Dieser Gedanke lässt sich auch auf andere Bereiche ausdehnen: Ein Großvater, der dem in der Stadt lebenden Kind seiner Tochter im Garten zeigt, wie aus unscheinbaren Samenkörnern Kürbisse, Salate und mehr heranwachsen, eröffnet dem Kind eine gänzlich neue Welt und vervielfältigt sein Wissen. Und genau so kann es bei fast jedem Großeltern-Hobby funktionieren, auch bei auch bei Urlaubsreisen: Die Enkel dürfen nicht nur, sie sollten integriert werden, da die meisten Hobbys schlicht ihren Wissenshorizont erweitern.

 

 

3. Althergebracht ist nicht immer schlecht

 

Natürlich waren die Erziehungsmethoden der heutigen Großelterngeneration nicht ganz die gleichen, wie heute. Vor allem dürfte es in früheren Haushalten weniger demokratisch zugegangen sein. Dass heutzutage freilich die Eltern bei der Erziehung den Ton angeben müssen und nicht die Großeltern, wurde bereits angesprochen. Das soll aber nicht heißen, dass die Werte von Opa und Oma gänzlich unangebracht sind. Im Gegenteil: Wie schon bei der Freizeitgestaltung sind auch sie in den meisten Fällen eine echte Bereicherung. Denn wo beispielsweise vielen Eltern aufgrund der Alltagsgestaltung vielfach die Zeit fehlt, können Großeltern mit mehr Konsequenz eine Bereicherung für das „Gesamtkonzept Erziehung“ darstellen.

 

 

4. Anknüpfpunkte aufbauen

 

Der Faktor Zeit spielt vor allem bei den Großeltern eine Rolle, die ihre Lebensarbeitszeit hinter sich haben. Denn dieses gewaltige Plus an Freizeit erlaubt auch bei der Kindererziehung ein Mehr an Erfahrungen für die Enkel: Vielen Eltern fehlt heute schlicht die Zeit, die Fragen ihrer Kinder wirklich vollumfänglich zu beantworten. Und genau an diesem Punkt können Opa und Oma anknüpfen. Auch, weil sie über eine altersbedingt größere Lebenserfahrung verfügen. Ein Kind hat eine Frage, deren ausführliche Erklärung untragbar viel Zeit in Anspruch nehmen würde? Hier bietet es sich an, nur kurz die Eckdaten zu erklären und „Am Wochenende fragst Du Oma, die erklärt dir das ganz genau“.

 

Über diese Vorgehensweise werden die Großeltern nicht nur aktiver in die Kindeserziehung mit eingebunden, sondern können auch eine Rolle übernehmen, die sich am besten mit „Der weise Erklärer“ umschreiben lässt – die „FAZ“ nennt es auch „das familiäre Supportsystem der Gegenwart“. Und das macht auch aus Kindersicht vieles einfacher. Denn die Zeit bei Opa und Oma wird dann weniger als erzwungen angesehen, sondern eher mit Spannung erwartet, weil dort ja ausführliche Antworten auf die brennendsten Kinderfragen warten.

 

 

Fazit

 

Aufgrund der veränderten Arbeits- und Lebensumstände spielen Großeltern heute bei der Kindeserziehung eine viel größere Rolle als die des reinen Aufpassers und Verwahrers. Damit das für die Erziehung der Eltern nicht zu einem Nachteil wird, sollten vor allem klare Richtlinien vereinbart werden, damit die Betreuung nahtlos ineinander übergreift. Dabei sollten Großeltern idealerweise all das an Wissen und Fähigkeiten vermitteln, für das es den Eltern schlichtweg an Zeit fehlt.

 

Foto:  ©  /fotolia.com

Redaktion, 15.03.2016

Rosenblatt
1 | 15.03.2016, 17:09

Hallo, ich möchte gerne wissen, wer von der Redaktion dieses Artikel geschrieben hat.
Aus Erfahrung kann ich hier schreiben, d. Erziehung bei den Eltern
heute oft Nebensache ist. Sie gehen Konflikten aus dem Wege. Das liegt offensichtlich an der materiellen Großzügigkeit.
Meine Erfahrung von 3 Kindern und einigen Enkelkindern hat gezeigt,
d. Mut dazu gehört, feste Regeln aufzustellen und daran auch festzuhalten .Man wird trotzdem geachtet und geliebt.

caro69
3 | 15.03.2016, 12:57

Es liest sich ja sehr nett, aber ich möchte bezweifeln,dass eine Welle der Begeisterung angesichts dieser erneuten Verantwortung für Senioren
rüberschwappt. Die heutigen Senioren sind meist beide in ihrer Lebenszeit 40-45 Jahe berufstätig gewesen. Das dürfte doch reichen!
Ich kenne kaum jemanden in meinem Freundeskreis, der dazu bereit wäre.
Viele sind auch nicht mehr so fit und gesund und möchten ihre Ruhe.
Ein Wochenende bei Oma und Opa, ja, aber dann muss es gut sein.