Malerei - Expressionismus des 20. Jahrhunderts

Malerei - Expressionismus des 20. Jahrhunderts

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Neben dem französischen Fauvismus und Kubismus leistet der Expressionismus einen bedeutenden Beitrag in der modernen Kunst. Bekannte Künstler, wie beispielsweise Gabriele Münter, Max Ernst, Ernst Ludwig Kirchner, Erich Heckel, Emil Nolde oder Paul Klee prägten diese Stilrichtung des 20. Jahrhunderts. Genau umfasst der Zeitraum des Expressionismus den Anfang des 20. Jahrhunderts bis zum Endes des Ersten Weltkrieges.

 

 

Expressionismus als Ausdrucksform gegen soziale Missstände

Die Steigerung des Ausdrucks mit allen verfügbaren Mitteln war das Ziel der Künstler. Literatur, Theater, Architektur sowie die Musik wurden vom Expressionismus ergriffen und waren eine Antwort auf den gesellschaftlichen Wandel, zu dem beispielsweise die Industrialisierung, das schwierige Leben in den Großstädten oder politische Repressionen zählten. Die Künstler lehnten sich auf gegen die Entmenschlichung der Gesellschaft und den Verfall der Moral. Mit freien Formen, ungemischten Farben und einer absichtlichen Motivreduzierung drückten die Maler ihre subjektiven Gefühle aus. Vielgestaltig sind deshalb die Ausdrucksformen ihrer besonderen Art der Malerei. Die Maler veränderten, dehnten oder zerlegten Formen oder trugen kräftige und leuchtende Farben symbolhaft auf die Leinwände auf. Sie schufen mit dieser schöpferischen Freiheit eine eigene Ordnung und den Widerstand gegen soziale Missstände. Durch die Objekt- und Motivzerlegung wurden überkommene Formen und Gestaltungsmerkmale aufgegeben und standen dem Naturalismus als oppositionelle Gegenbewegung kritisch gegenüber.

 

Künstlergruppen und Einzelpersönlichkeiten des Expressionismus

Die Dresdner Künstlergruppe "Brücke" beherbergte die bekannten Künstler Karl Schmidt-Rottluff, Otto Müller, Max Ernst und die oben bereits erwähnten Maler Erich Heckel und Ernst Ludwig Kirchner. Im Norden Deutschlands gaben die Maler Erich Nolde, Paula Modersohn-Becker und Christian Rohlfs eine expressive Antwort auf ein bodenständiges Naturempfinden. Der französische Einfluss zeigte sich vor allem bei der Münchner Künstlervereinigung "Blauer Reiter" durch die Maler Franz Marc, August Macke sowie Paul Klee. Aber auch russische Künstler wie Alexej von Jawlensky und Wassily Kandinsky ließen dort ihr Wirken mit einfließen. Die Maler Oskar Kokoschka und Egon Schiele zählen zu den herausragenden österreichischen Einzelpersönlichkeiten der expressiven Malerei. Als expressive und authentische Künstlerpersönlichkeit ist auch der deutsche Maler Max Beckmann in die Kunstgeschichte eingegangen, der sich vor allem durch seine eckige und kräftige Malerei sowie aussagestarke Selbstportraits profilierte.

 

Berühmte Künstler des Expressionismus

Die farbigen und Lebensfrohen Motive des russischen Künstlers Marc Chagall sind geprägt durch Gaukler, Tänzer, Liebespaare und träumerisch-phantasievolle Darstellungen. Sie haben den Expressionismus ebenso geprägt wie die verzerrten und melancholischen Gestalten des Österreichers Egon Schiele. Unverkennbar sind die Arbeiten von August Macke, der durch eine klare Formsprache und starken Farben seinen Gemälden die besondere Ausdruckskraft verlieh. Seine "Tunisreise" brachte bedeutende und weltbekannte Gemälde hervor. Franz Marc zerlegte seine bunten Tiergestalten in viele Einzelteile und seine vielfältig gestalteten "blauen Pferde" sowie die Gemälde "gelber Tiger", "Kühe - rot-blau-gelb" sind in den Museen der ganze Welt zu bewundern. In Murnau am Staffelsee lädt ein kleines Museum die Besucher ein, die Werke von Gabriele Münter anzuschauen, im Lenbachhaus im München sind die Hauptwerke des Russen Wassily Kandinsky zu sehen. Bahnbrechend für die moderne Kunst gelten die Werke des norwegischen Malers Edvard Munch, dessen Gemälde "Der Schrei" wohl zu seinen bekanntesten Arbeiten zählt. Der deutsch-niederländische Maler Heinrich Campendonk verließ, wie viele seiner Kollegen, in den dreißiger Jahren Deutschland, da die Nationalsozialisten expressive Malerei als "entartete Kunst" verboten. Er blieb auch nach dem Krieg in den Niederlanden und kehrte nie mehr nach Deutschland zurück. Zahlreiche Maler haben die Stilrichtung des Expressionismus in den 80er Jahren wieder aufgegriffen und damit einen neuen Gegenpol zum informellen Kunstbegriff gesetzt. Diese Art der Malerei, die man auch als "Junge Wilde" oder "Heftige Malerei" tituliert, zeichnet sich durch eine expressive gegenständliche Ausdrucksweise aus.

 

Bild: Karl Schmidt-Rottluff, Norwegische Landschaft (Skrygedal), 1911 Bucheim Museum

Redaktion, 20.02.2014

Tingili
0 | 21.02.2014, 06:53

In Murnau gibt es auch das Gabriele Münter Haus zu besichtigen, in dem sie jahrelang mit Kandinsky gelebt hat. Nur einen Steinwurf entfernt, in Kochel, findet man das Franz Marc Museum. Also, wer sich dafür interessiert, eingebettet in schöne Natur und direkt am Staffelsee viel hochinteressante Kunst zu erleben, sollte das einmal als Ausflugsziel einplanen. Durchaus eine Reise wert!

Johp60
2 | 20.02.2014, 13:51

In der Einleitung zum Artikel fällt der Name Emil Nolde... - für alle Interessierten und Berlin-Besucher: leider schließt die Emil-Nolde-Dependance in der Jägerstraße (Nähe Gendarmenmarkt) am 30. März 2014 für immer. Dann wird Nolde in dieser Form nur noch in Seebüll/Neukirchen zu sehen sein - das ist recht weit im Norden...
Im Moment zeigt das Haus in Berlin eine sehenswerte Ausstellung mit dem Titel: "EMIL NOLDES SPÄTE LIEBE - DAS VERMÄCHTNIS AN SEINE FRAU JOLANTHE" - hiermit wärmstens empfohlen!