Geheimnisvolles Transsilvanien

Geheimnisvolles Transsilvanien

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Die herbstlichen, aber meist noch relativ warmen Monate September und Oktober sind ideal für eine Reise ins rumänische Transsilvanien beziehungsweise Siebenbürgen. Dort gibt es noch viel mehr zu bestaunen als dichte nebelige Wälder und schaurige Burgen. Für Geschichts- und Naturliebhaber ist das im Herzen Rumäniens liegende Gebiet ein Fest für die Augen. Laubwälder und Weiden machen einen Großteil des Landschaftsbildes Siebenbürgens aus. Dabei bietet sich dem Reisenden eine enorme landschaftliche Vielfalt: Ursprüngliche Dörfer, traditionell bewirtschaftete Felder, sanfte saftig grüne Hügel, zerklüftetes Gebirge und herbstlich bunt gefärbte Laubwälder. Man fühlt sich um 100 Jahre in der Zeit zurückversetzt. Auch Wölfe und Bären können gelegentlich angetroffen werden.

 

Vom walachischen Bukarest aus ist das transsilvanische Brasov (Kronstadt) in zwei bis drei Stunden gut erreichbar. Die historische Altstadt Brasovs ist geprägt von Bürgerhäusern aus dem Spätmittelalter und eleganten Bauwerken des 19. Jahrhunderts. Ein Wahrzeichen der Stadt ist die 1477 erbaute evangelische Schwarze Kirche. Sie beherbergt die größte der legendären Buchholz-Orgeln. Die im 15. Jahrhundert erbaute gotische Hallenkirche - ursprünglich Marienkirche genannt - verdankt ihren düsteren neuen Namen einer Feuersbrunst, die Ende des 17. Jahrhunderts dem Gotteshaus nur die geschwärzten Mauern ließ. Nicht nur der wieder aufgebaute hochgotische Bau selbst ist bedeutend, sondern auch die größte europäische Sammlung orientalischer Siebenbürger Teppiche in ihrem Innern. Es sind über die Jahrhunderte angesammelte Geschenke der siebenbürgisch-sächsischen Kaufleute. Ein zweites besonders markantes Gebäude in Brasov ist das alte Rathaus am Rathausplatz. In ihm befindet sich das Regionalmuseum. Aber auch der Rathausplatz selbst, der von einer ganzen Reihe großartiger historischer Gebäude eingerahmt wird, ist unbedingt sehenswert. Will man Brasov einmal von oben sehen, dann bietet sich die einstündige Wanderung auf den Hausberg Tampa an. Vom Berg aus können auch noch andere Wanderungen in das Umland unternommen werden. Im Südwesten von Brasov liegt das Piatra-Craiului-Gebirge (Königssteingebirge), ein aus Kalkstein bestehender Teil der Südkarpaten. Ein gut ausgebautes Wegenetz in wunderschöner Landschaft sowie mehrere Berg- und Schutzhütten schaffen traumhafte Bedingungen für Wanderausflüge und das ganz ohne Massentourismus. Am östlichen Rand des Gebirges thront majestätisch die als Draculaschloss angepriesene Törzburg (Schloss Bran). Diese ist wirklich sehenswert, hat jedoch mit „Graf Dracula“ beziehungsweise seinem realen Vorbild Vlad III. Draculea nichts zu tun. Denn dieser hat wahrscheinlich nie einen Fuß dort hinein gesetzt. Das liebevoll restaurierte und schön gelegene Schloss ist ein Touristenmagnet und dementsprechend gut besucht.

 

Wer den Spuren Draculas ein wenig folgen möchte, sollte einen Abstecher nach Schäßburg machen. Denn in diesem idyllischen Städtchen hat zwischen 1431 und 1436 Vlad III. Draculea gewohnt, der dem irischen Schriftsteller Bram Stoker als Inspiration für seine weltbekannte Figur des mondänen Grafen Dracula diente. „Draculea“ bedeutet übersetzt in etwa „der Sohn des Drachen“. Seinem Vater Vlad II. Dracul verhalf die Mitgliedschaft im vom ungarisch-kroatischen König Sigismund 1408 gegründeten Drachenorden zum Beinamen „der Drache“. Die Ritter des Drachen waren verpflichtet, das Christentum gegen die Kämpfer des osmanischen Reiches zu verteidigen. Vlad III., wohl ebenfalls seit seinem 5. Lebenjahr Mitglied des Ordens leistete den in seine Heimat einfallenden Türken Widerstand. Durch die ihm nachgesagte Grausamkeit wurde er weit über die Grenzen seines Landes bekannt. In Sighisoara (Schäßburg) kann man im angeblichen Geburtshaus Draculeas speisen. Außerdem lässt es sich hier gemütlich durch eine eine wundervolle mittelalterliche Altstadt schlendern. Klein, schief und bunt sind die Häuser. Das historische Zentrum gehört zum Unesco-Weltkulturerbe. Dreisprachige Orts- und Informationsschilder (Rumänisch, Deutsch, Ungarisch) erleichtern das Zurechtkommen. Besonders zu empfehlen ist sicher der Stundturm, das Wahrzeichen Schäßburgs. Sowohl der Turm an sich als auch die Aussicht über ganz Schäßburg können sich sehen lassen.

 

Über das schöne Mediasch geht es in südwestlicher Richtung weiter nach Sibiu (Hermannstadt). Hier darf man über eine der schönsten und ältesten Brücken Rumäniens gehen, die Lügenbrücke. Doch Vorsicht! Eine Legende besagt, dass die Brücke zu beben beginnt, sollte beim Überqueren eine Lüge erzählt werden. In Sibiu befindet sich auch die Hagia Sophia Rumäniens. Tatsächlich ist die von 1902 bis 1906 erbaute orthodoxe Kathedrale Heilige Dreieinigkeit eine Nachempfindung der türkischen Berühmtheit und in ihrem Inneren beinahe ebenso eindrucksvoll. Auch die wegen ihrer Wandmalereien als „Sixtinische Kapelle“ Siebenbürgens bezeichnete Holzkirche von Dreata auf dem Gelände des Freilichttmuseums Astra ist einen Besuch wert. Das größte Volkskundemuseum Europas selbst dürfte ebenso fast jeden in seinen Bann ziehen. Auf einer Fläche von 96 Hektarn wurden alte Werkstätten, Schmieden, Wasser- und Windmühlen sowie Handwerkerhäuser wieder aufgebaut.

 

Von Sibiu aus ist es nicht weit nach Karlsburg (Alba Iulia). Die Zitadelle von Alba Iulia, gleichzeitig auch Karlsburgs Altstadt, ist äußerst imponierend. Die gewaltige Befestigungsanlage erhielt Anfang des 18. Jahrhunderts ihre endgültige Form. Sternförmig angelegt misst die Festungsmauer ganze 12 Kilometer, ein wahrlich beeindruckendes Bollwerk. Am reich verzierten Tor III beziehungsweise Poarta III ist die Zugbrücke heute noch intakt und benutzbar. Die ältesten Teile der Anlage stammen noch aus der Zeit der Römer. Das Bauwerk hat eine lange Geschichte zu erzählen, ein Muss für Transsilvanien-Reisende.

 

Von Karlsburg aus lohnt sich ein Abstecher nach Eisenmarkt (Hunedoara). Die Burg Hunedoara im Westen Siebenbürgens kommt einer Märchenburg schon sehr nahe. Ein Meisterwerk gotischer Architektur, das um 1452 vom ungarischen Staatsmann und Heeresführer Johann Hunyadi errichtet wurde. Hier hielt sich Vlad III. Draculea auf, als er den berühmten Burgherren und seinen Verbündeten, den ungarischen König Matthias Corvinus (eigentlich Matthias Hunyadi, Johanns' Sohn) besuchte. Als Draculea 1462 vor den Türken nach Siebenbürgen fliehen musste, suchte er ebenfalls bei Matthias Corvinus Zuflucht. Da die Burg eine perfekte Filmkulisse darstellt, wird sie des Öfteren für rumänische und internationale Filmproduktionen vermietet. Regelmäßig finden mittelalterliche Veranstaltungen auf dem Burggelände statt.

 

Nordwestlich von Alba Iulia im Naturpark Westkarpaten des Apuseni-Gebirges gelegen liegt die Eishöhle Scarisoara. Einer Legende zufolge diente sie einst dem Drachen Solomat als Behausung, der jedes Jahr ein Mädchen entführte und in seinem Eispalast versteckt hielt. Mit einem Volumen von 75.000 Quadratmetern und einer Dicke von bis zu 26 Metern ist hier einer der größten unterirdischen Gletscher der Welt beheimatet. Meterdicke Stalagmiten und Stalagtiten verleihen der Höhle einen atemberaubenden Charakter. Um den Höhleneingang zu erreichen, müssen zunächst fast 50 Meter Weg über eine Leiter in die Tiefe zurückgelegt werden. 109 Meter lang und 78 Meter breit ist der „große Saal“,  der umfangreichste den Besuchern zugängliche „Raum“. Das Naturschutzgebiet Apuseni mit seinen tiefgrünen Wäldern und rauen Schluchten ist von bizarrer Schönheit und hat neben spannenden Höhlen noch so einiges mehr zu bieten. Es lädt geradezu zum Wandern ein. Auch eine Wanderung im südlichen Teil des Apuseni-Gebirges, dem Siebenbürgischen Erzgebirge, welches geprägt ist von interessanten Felsformationen, Schluchten und liebliche Almen, lohnt sich.

 

Nordöstlich des Apuseni-Nationalparks liegt die größte Stadt Siebenbürgens und zweitgrößte Stadt Rumäniens, Cluj-Napoca oder Klausenburg, von der aus man wieder nach Hause fliegen kann, sobald man dies möchte. Wer sich vorher noch ein wenig gruseln möchte, kann den im Westen der Stadt liegenden Wald Hoia Baciu besuchen, um den sich mystische Geschichten ranken. Seit ein Schäfer samt seiner Herde von 200 Schafen spurlos im Wald verschwunden sein soll, wird der Wald auch als Europas Bermuda-Dreieck bezeichnet. Eine Lichtung, die einen perfekten Kreis beschreibt und auf der keine Bäume wachsen, regt zu weiteren mysteriösen Überlegungen an. Wem das dann aber doch zu Furcht einflößend ist, der kann auf den in der Nähe gelegenen Ethnographischen Park Romulus Vuja ausweichen. Das Freilichtmuseum ist das älteste Rumäniens. Besonders sehenswert ist die dort ausgestellte Holzkirche von Cizer. Der komplette Innenraum der Kirche ist bemalt und diese Malereien sind immer noch gut erhalten.

 

Dies ist nur ein sehr kleiner Auszug der unzähligen Sehenswürdigkeiten und geheimnisvollen Geschichten Siebenbürgens. Eine Reise in diese wunderschöne Gegend ist äußerst lohnenswert.

 

 

 

Foto: © janoka82/fotolia.de

 

Redaktion, 29.09.2016

LotharMartin37
0 | 22.11.2016, 12:27

Golfplätze, 4 Sterne Hotel, Malmkrog, Predael, Hohe-Rinne, Negoi, Caraiman, wirkliche Schaf-Hirten-Dörfer, romantisches Übernachten in mittelalerlichen Burgen z.B. Birthälm
gibt es auch

Marie365
1 | 30.09.2016, 18:57

War schon bei zwei (geführten) Rundreisen durch Rumänien dabei. Was für ein wunderschönes, faszinierendes Land <3

Reisender66
1 | 29.09.2016, 14:49

Ich mag rumänien sehr und hab dort schon gearbeitet ( siehe google fussabdrücke in rumänien)
wunderbare kultur in siebenbürgen und gastfreundliche menschen. Sehr guter beitrag  der redaktion. Danke dafür
der reisende