Zufriedener durch Verzicht

Zufriedener durch Verzicht

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Was von dem, das sich in unseren Häusern und Wohnungen anhäuft, brauchen wir wirklich? Die meisten von uns besitzen viel mehr als sie früher besessen haben und sind trotzdem nicht glücklicher. Ganz bewusster Verzicht auf Dinge, die man sich zwar leisten kann, aber nicht unbedingt braucht, kann sehr befreiend sein und zu mehr Zufriedenheit führen.

 

Kleidung, High-Tech, Unterhaltung, Alltagshelfer,...

 

Aus der Werbung wissen wir, was uns den Alltag erleichtert oder spannende Unterhaltung verspricht. Zum Joggen, Wandern und Fahrradfahren benötigen wir atmungsaktive High-Tech-Kleidung und spezielle Schuhe. Letzere werden optimalerweise noch mit einem Kilometerzähler versehen, der automatisch Daten an unsere Trainings-App sendet. Für die gesunde Ernährung können ein Smoothie-Maker und eine Cholesterinanzeige-App nicht schaden. Zum Filmeschauen, Musikanhören, Lesen und Fit-Werden sind verschiedene Abos bei Streamingdiensten oder im Fitnessstudio vonnöten. Was, eine Party steht an? Ganz klar, da brauchen wir neue Kleidung. Ein Blick in den vollgestopften Kleiderschrank zeigt gleich, dass wir nichts Passendes zum Anziehen haben. Unser Leben ist voller schöner Dinge, die uns helfen, unterhalten und unsere Persönlichkeit unterstreichen. Warum sind dann so viele nicht glücklich damit, sondern im Gegenteil oft sogar unzufrieden?

 

Wer materiellen Versuchungen gegenüber standhaft bleibt, ist zufriedener mit seinem Leben

 

Schon vor Jahren haben sich Forscher mit der positiven Wirkung von Selbstdisziplin auf das eigene Wohlergehen beschäftigt. Eine Studienreihe beispielsweise zeigt auf, dass Menschen, die zugunsten wichtigerer Ziele seltener Verlockungen nachgeben, zufriedener mit ihrem Leben sind. Vernunft führt demnach nicht zu einem langweiligeren und unglücklicheren Leben, sondern im Gegenteil: Wer nicht ständig seinen spontanen Gelüsten nachgibt wie zum Beispiel nach Süßem oder Pommes, dem geht es nicht nur gesundheitlich besser. Jemand, der fähig ist standhaft zu bleiben, ist zufriedener mit sich selbst. Denjenigen, die ihr Geld nicht immer wieder für Sachen ausgeben, die sie eigentlich nicht brauchen, bleibt mehr für die wirklich wichtigen Dinge. Die Zufriedenheit mit sich selbst, die dies mit sich bringt, führt auch zu mehr Freude am Leben.

 

Eine notwendige Voraussetzung für Verzicht: Selbstdisziplin

 

Um „Nein“ sagen zu können, müssen wir uns disziplinieren. Bei der Selbstdisziplin geht es darum, so zu handeln wie man denkt, dass es richtig ist und nicht so, wie es einem spontane Versuchungen gerade eingeben. Und dazu gehört selbstredend auch der Verzicht. Ohne Selbstdisziplin lassen wir uns leicht ablenken, verschieben oder untergraben die eigenen Prioritäten. Da dies dazu führt, dass am Ende nur noch auf der Stelle getreten wird, ist oft Unzufriedenheit die Konsequenz. Disziplinierte Menschen arbeiten dagegen auch nach dem Abebben der ersten Motivation noch konsequent an ihren Zielen weiter und können auch mal „Nein“ zu unwichtigen Zeit- oder Geldkillern sagen. Die positiven Auswirkungen des Verzichts wie eine bessere Gesundheit, ein fitterer Körper, mehr Erfolg, mehr Zeit sind es sicherlich wert, sich stärker zu disziplinieren.

 

Selbstdisziplin kann man lernen

 

Selbstdisziplin beruht auf Willensstärke und Durchhaltevermögen, was nicht jedem in die Wiege gelegt ist. Durch regelmäßiges Üben kann jedoch ein gewisses Maß an Selbstdisziplin erlernt werden. Dazu ist es unerlässlich, sich darüber im Klaren zu sein, was einem selbst wichtig ist. Die persönlichen Ziele sollten schriftlich festgehalten werden. Große Ziele können in schneller erreichbare Zwischenetappen aufgeteilt werden. Das Festlegen von Deadlines ist empfehlenswert. Wer weiß, was er will und wie er dorthin gelangen kann, kennt auch seine Prioritäten. Das macht es leichter, sich auf seine Ziele zu konzentrieren und zu deren Gunsten auf Unwichtiges zu verzichten.

 

Verzicht durch Ausmisten

 

Nicht nur weniger kaufen, sondern auch sich von Dingen trennen, die sowieso nie verwendet werden, kann sehr befreiend sein. Wie viele Kleidungsstücke kaufen wir uns, die nur im Schrank hängen? Wie viele neu gekaufte Bücher haben wir tatsächlich gelesen? Alles, was seit Jahren nicht genutzt wurde, kann weg. Der Anfang ist schnell gemacht: Durch die Wohnung gehen und 5 Dinge ausmisten, die in den letzten Jahren nie zum Einsatz kamen. Diese werden entsorgt, verkauft oder verschenkt, womit anderen sogar noch eine Freude bereitet werden kann. Wer einmal auf den Geschmack gekommen ist, mistet regelmäßig aus und tut sich selbst damit etwas Gutes. Alles, wovon man sich trennt, das zuvor noch Platz und Zeit für Pflege, Lagerung und Suchen beansprucht hat, zieht nun ein Mehr an Zeit nach sich, die man für sich und seine Ziele verwenden kann. Und das bedeutet zugleich auch ein Stück mehr Freiheit für sich selbst.

 

 

 

Foto: © detailblick-foto/fotolia.de

 

 

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Redaktion, 27.10.2016

klangfee
0 | 28.10.2016, 11:09

Es gibt Menschen, denen ist es anscheinend wohl, von vielen Sachen umgeben zu sein. Ich gehöre nicht dazu und habe, ohne viel Selbstdisziplin und Selbstüberwindung, immer nur das Nötigste um mich...Natürlich ist es auch eine "Wertefrage", das bedeutet aber noch nicht, dass ich die Werte anderer als sektiererisch abtue. Ich sehe bei vielen Leuten immer wieder diese Verurteilungen, dieses abwerten eines andern oder sogar neuen Gedankens. Wenn man alte Sachen entrümpelt, hat das sicher auch psychologische Folgen, es wird eben auch auf der materiellen Ebene Platz für Neues oder Raum geschaffen. Raum für kreative Gedanken, Kunst, im besten Sinne Lebenskunst?

Michaela1960
0 | 28.10.2016, 09:49

Ich fühle mich und meine Einstellung bestätigt, denn Ausmisten tue ich eigentlich ständig. 
Und seit einigen Jahren handhabe ich es so, dass bei einem neu gekauften Teil ein anderes weg gegeben wird.  Dadurch bleibt z.B. mein Kleiderschrank übersichtlich und ein anderer Mensch freut sich. Zudem tut dieses Ballast abwerfen der Seele gut :-)

HSP001
0 | 28.10.2016, 07:39

Aus eigener Erfahrung steckt mir in dem Artikel zu viel Kopfentscheidung und zu wenig Bewusstseinsentwicklung.
Wenn ich nur nach Kopfentscheidungen gehandelt hätte,
wäre ich weniger frei als ich es heute bin.
Sowohl von Materiellem als auch von allem anderen.....

Luisa.
0 | 28.10.2016, 06:51

das sind ja alles gut Tipps, fehlt es nur an der Umsetzung.
Zum Ausmisten gehört nicht nur physische Kraft, leider....

Venusfrau
1 | 27.10.2016, 23:07

Das ist für mich seit langem der beste und nützlichste Redaktionsbeitrag. Loslassen...wer sich erstmal darauf eingelassen hat, wird schnell merken, wie befreiend so eine Aktion sein kann. Ich merke immer mehr, wieviel unnötiger Ballast sich in meinem Leben, meiner Wohnung, in meinen Ordnern usw. angesammelt hat. Und jedesmal, wenn ich mich wieder von Dingen getrennt habe, die heute einfach nicht mehr zu meinem Leben gehören, spüre ich eine ungeheure Erleichterung.

caro69
1 | 27.10.2016, 22:01

Da ist etwas dran. Simplify your life. Anleitungen W. Küstenmacher.
Vereinfache dein Lebenskonzept und dein Umfeld. Werfe seelischen und materiellen Ballast ab. Ist erst schwierig, aber hinterher hast du mehr
Durchblick,auch hinsichtlich Deiner wirklichen Bedürfnisse. Macht im gewissen Maße auch unabhängiger.

Lulumanu
2 | 27.10.2016, 14:42

Ja ja,läßt sich alles gut lesen,aber für viele ist Verzicht nicht Selbstdisziplin,sondern die finanzielle Situation.........und es werden in den nächsten Jahren noch mehr werden.
2/3

deepinmysoul
2 | 27.10.2016, 11:25

So scheint es tatsächlich zu sein. Ich sollte ganz dringend mein Vorhaben in die Tat umsetzen und mich schon mal von etlichen DVD`s trennen, die ich nie wieder anschauen werde. Und auch sonst gibt es so manches, was ich im Grunde nicht brauche.
Weniger ist mehr. Es stimmt halt.

Dakapo
2 | 27.10.2016, 11:09

Bin ich hier in einer Sekte ?